Schlagwort: Algarve

Literatur-Veranstaltung in Silves (Algarve)

Bild von der Einladung zum LUSO-LIT in Silves

LUSO-LIT – Portuguese Literature for everybody

Der Startschuss für den literarischen Zirkel LUSO-LIT mit der an der Algarve ansässigen Buchautorin Catrin George Ponciano fällt am 8. Juni 2019 in Silves-Gare im Künstler-Atelier «O Templo do Tempo».
Die Autorin stellt den Portugal-Tag am 10. Juni vor und seinen literarischen Bezug zum Nationaldichter Luis de Camões. Dazu erzählt sie ein wenig über sich selbst und ihr aktuelles Reisebuch «111 places along the Algarve».
Die Veranstaltung findet in einem besonderen Rahmen statt, nämlich in der Werkstatt des national bekannten Bildhauers António Villares Pires. Hier sollen auch zukünftig die in loser Folge vierteljährlich geplanten, literarischen Stelldicheins an der Algarve stattfinden, die sich mit portugiesischer Literatur und lusophoner Autorenwelt beschäftigen. 
Ziel dieser Stelldicheins ist es, Künstler, Avantgardisten, Musiker und Autoren mit Literatur-Begeisterten aus den hier residierenden Kulturkreisen zusammenzubringen, die das Interesse an Literatur zu teilen. Zum mehrsprachigen Verständnis finden die «Luso-Lit»-Zusammenkünfte in englischer Sprache statt.
Eine Buch-Tauschbörse ist künftig ebenso geplant wie musikalische Interludien, Der Eintritt ist frei, ein Hut geht um. 

Ankündigung: Im Herbst stellt Catrin George Ponciano den Schriftsteller Fernando Pessoa und seine Heteronyme vor. Das Datum wird rechtzeitig bekannt gegeben.

O Templo do Tempo
Largo da Estação de Silves
8300-054 Silves (Algarve/Portugal)
Samstag, den 8. Juni um 18 Uhr

Kontakt, Infos, Anmeldung bei Catrin George Ponciano:
Mobil: 00351-969052712
E-Mail: catringeorge@yahoo.de
https://otemplodotempo.pt/

Naturpark Ria Formosa am Algarve (Portugal)

Blick über den Lagunenstrand von Ria Formosa (Algarve)

Blick über den Lagunenstrand von Ria Formosa (Algarve) · © Catrin George Ponciano

Über die Zukunft des Naturparks Ria Formosa (Algarve)

Löst Natur-Tourismus die Probleme von immer mehr TouristInnen? · von Catrin George Ponciano

Das Archipel Ria Formosa an der Ostalgarve vereint das Meer mit der Erde, bietet Flora und Fauna einen einzigartigen Lebensraum und den Menschen eine solide Lebensgrundlage und neue berufliche Chancen. Früh am Morgen schimmert das sich seicht ins Meer ausstreckende Archipel im Sotavento milchig trüb, gletscherfarben im Dunst der sich davonstehlenden Nacht. Mittags leuchtet es unendlich tintenblau, im Licht der Nachmittagssonne schilfgrün, am Abend gülden orange. Eine milde Brise kräuselt die Oberfläche. Die Ruhe der Natur ist spürbar zum Greifen nahe: ein kleines Paradies! Vielleicht meinte António Aleixo, der Heimatdichter der Algarve, deshalb einst: »Wer hier stirbt, lebt weiter.«
1987 zum Naturpark erhoben, breitet sich das Wasserschutzgebiet im Ria Formosa-Archipel etwa 60 Kilometer entlang der Küste auf einer Gesamtfläche von 18.400 Hektar aus. Zweimal täglich schwemmt der Atlantik Meerwasser in die Lagune hinein und hinaus, gibt so die grazile Unterwasserwelt für wenige Stunden frei.
Die markant geformte Dünen-Barriere verläuft ab Faro durch fünf Landkreise, beginnend westlich von Faro im Landkreis Loulé, vorbei an Olhão und Tavira gen Osten bis an die Landkreisgrenze Tavira/Vila Real de Santo António in Cacela Velha, und schützt die Küste vor Erosion durch Meeresströmung und Wind.
Bereits beim Landeanflug auf Faro bietet die Ria einen imposanten Anblick, am Boden gewährt der Naturpark dann ­unterwegs zu Fuß bemerkenswerte Einblicke in die Biodiversität, zum Beispiel auf einem Spaziergang im eigens angelegten Parque da Reserva Natural da Ria Formosa in der Nähe des Campingplatzes von Olhão, wo Besucher auf einem eigens markierten Naturlehrpfad an Salinen vorbei zu einer noch intakten Gezeitenmühle gelangen, durch schattigen Kiefernwald wandeln und auf römische Salzbecken sowie im Schilf verborgene Vogelbeobachtungsposten stoßen.
Um den Naturpark auf eigene Faust zu Wasser zu erkunden, eignet sich die regelmäßig vom Kai in Olhão verkehrende Fähre zu den Inseln Armona, Farol, Deserta oder Culatra, und die in Tavira zu den Düneninseln Cabanas oder Ilha de Tavira. Vorne am Bug der Fähre stehend, die Nase im Wind, gewinnt man rasch Abstand zum Urlaubertrubel in den Touristenhochburgen.
Authentische Mee(h)r Einblicke in die fragile Flora und Fauna des Archipels schenkt ein privat gebuchter, mehrstündiger Bootsausflug. »Am besten bei Ebbe«, sagt João Sabino, Bootseigner, Skipper, und Betreiber des Naturtourismus Unternehmens »Sabino Boattours« in Olhão. »Denn erst, wenn sich das Meer zurückzieht, wird unser Paradies wirklich sichtbar und ich kann euch sogar das Leben am Meeresboden zeigen, wenn wir durch noch völlig unberührtes Marschland steuern«, lächelt er. Der Sohn einer Fischerfamilie geht dem Geschäft am Arbeitsplatz Meer seit seinem zwölften Lebensjahr nach. João weiß genau, wo es die besten Krebse gibt, wo die größten Lagunenherzmuscheln »wachsen« oder die fleischigsten Herzmuscheln im Sand verborgen liegen, denn er hat als Muschelbauer gearbeitet, bevor er sein Unternehmen gründete. Der Kapitän kennt die Verstecke der ­Seepferdchen-Kolonien und jeden Priel zwischen den Inseln. Unterwegs zeigt João seinen Gästen die spannendsten Stellen zum Schnorcheln oder wo Löffler nisten. Gewusst wie, sammelt er Seesterne, Seeigel und Seegurken zum Anschauen und hinterher wieder ins Wasser entlassen. Seinen Erfahrungsschatz über das bio-kosmische Zusammenspiel in »seiner« Ria vermittelt er spielerisch und mit großer Hingabe zum Detail, sammelt ganz nebenbei jeden Tag Plastikmüll aus dem Meer, während er sein komfortabel ausgestattetes Boot mit einer Hand souverän durch die mäandernde Lagune steuert.
»Wichtig für sauberes Wasser in der Lagune sind die Salz-Schlickgras-Weiden«, erklärt er. Die Halme heißen Spartina ­anglica. Sie wachsen moosgrün störrisch kräftig dicht an dicht am Meeresboden und wandeln Monoxid mittels Photosynthese in Sauerstoff um. In diesen Seegrasweiden fühlt sich der Mini-Dinosaurier Cavalo Marinho ganz besonders wohl. Der knorpelig possierliche See­pferdchen Jurassic-Geselle hat hier in der Ria keine natürlichen Feinde, pflanzt sich gefahrlos fort und zählt mit der hiesig heimischen Population zu den größten Seepferdchen-Kolonien der Welt.
Heutzutage hat das biologische Gleichgewicht in der Lagune eine andere Priorität als früher. Die Fischergemeinschaft hat erkannt, dass sie ihre Ria nicht grenzenlos ausbeuten kann, sondern mit sensibel durchdachten Projekten die Umwelt schonen muss, um auch künftig von den Ressourcen ihrer Ria profitieren zu können. Dazu zählen zum Beispiel Kinderstuben und Aufzucht-Sandbänke für Schaltiere und Austern, sowie streng kontrollierte Schonzeiten für gewisse Muschelsorten und Fischarten, damit sich ihr Bestand nicht weiter dezimiert, sondern behutsam erholt. Bereits die Phönizier wussten sich die natürliche Kraft der Gezeiten zunutze zu machen und legten Meersalz-Salinen an, die den Salzbauern bis heute das begehrte weiße Gold nachhaltig bescheren. Die Römer bauten die weiterverarbeitende Indus­trie sowohl für Fischpasteten auf als auch für den begehrten Meeresschinken Muxama vom Thunfischfilet. Ansässige Fischer entwickelten spezielle Fischfallen für den Thunfischfang, Muschelbauern legten Muschelfelder für Schaltiere an. Somit sorgen die endogenen Ressourcen seit über 2500 Jahren für solide Einkommensquellen. Mit dem neuen Markt-­Sujet Naturtourismus bietet die Ria ­Formosa berufliche Alternativen zum ­Fischfang und jungen Salzbauern völlig neue Zukunfts-Perspektiven, so dass sie nicht abwandern müssen. Dank aktiv umwelt­orientierten Unternehmern wie João ­Sabino wird auch der Blick des ­Besuchers für die fragile Biodiversität sensibilisiert. Sie tragen als Kunden dazu bei, dass die historisch begründete ­Lebensform im Archipel erhalten wird und das Paradies paradiesisch bleibt.

TIPPS
Sabino Boattours – Naturtourismus Ria Formosa:

www.sabinoboattours.com/en/

Spazierwege-Beschreibungen mit Karte finden Sie hier:
www2.icnf.pt/portal/turnatur/visit-ap/pn/pnrf

Parque da Reserva Natural da Ria Formosa
www.olhao.web.pt/parquenatural.htm

Catrin George Ponciano: 111 Orte am Algarve

Buch-Cover 111 Orte an der Algarve · © Emons Verlag

Buch-Cover 111 Orte an der Algarve · © Emons Verlag

111 Orte am Algarve

Anmerkungen zu Catrin George Poncianos Buch über interessante Orte am Algarve · von Andreas Lahn

Keine Angst: Sie müssen nicht 111 Orte angucken, um den Algarve zu verstehen! Alle von Catrin George Ponciano vorgestellten Orte sind speziell, zum Teil skurril − und deshalb nur für Menschen mit Vorlieben für das Besondere interessant. Wer keine Bücher mag, wird nicht nach Aljezur fahren, um sich die wundervolle Bücherei von Berenike Jacob anzusehen. Alle anderen werden begeistert sein und gerne in den deutsch- und portugiesischsprachigen Büchern stöbern. Hier gibt es Infos, Internet, Lesungen, Vorträge etc. und deshalb ist die Bücherei »eine Stätte der Begegnung zwischen Büchern, Menschen und Sprachen«, wie Berenike Jacob es treffend auf den Punkt bringt.
Wollen Sie wissen, wo »romantische Kreisverkehre« sind, warum es die Santa-Casa-Lotterie gibt, was es mit der Knochenkapelle in Alcantarilha auf sich hat, wo die Eselsfarm, das Goldgras-Dorf und der Gockelstein sind, dann stöbern Sie in diesem kurzweiligen Buch.
Das Konzept dieser Buchreihe ist immer gleich: Auf der linken Seite steht der Text und auf der rechten sind ein großes Foto, Adresse, Anfahrt und Tipps. Sie müssen das Buch nicht von vorne bis hinten lesen, sondern können sich jeweils auf die Orte konzentrieren, in deren Nähe Sie sich gerade aufhalten. So lassen sich spontane Besuche realisieren. Wenn Sie zum Beispiel nach Monchique wollen und sich für Algen interessieren, planen Sie kurzfristig einen Besuch der Spiru­lina-­Farm ein. Das geht auch mit dem Obelisk in Faro, den Rittern aus Stahl in Castro Marim und den Petence-Spielfeldern in Fuseta. Sie mögen Skurriles? Na, dann nichts wie los zum Dorf der Henker.
Es gibt viele Artikel aus der Geschichte des Algarve, zum Anfassen sozusagen. Manches ist bloßes Wissen oder mittlerweile auch bereits Geschichte wie zum Beispiel die alten Sardinen-Fabriken in Portimão, anderes erzählt die Herkunft wie die Geschichte zur versteinerten ­Träne, dem »Pedra Mourinha«, einem riesigen Felsen, der wie eine Träne aussieht. Am Algarve tauchen häufig Namen auf, die auf alten Traditionen beruhen. So auch die Geschichte zum Namen von Olhos de Água, eines Strandes, der östlich von Albufeira liegt: »Ganz vorn am Ende der Felsenwiese blubbert Wasser aus dem Sand empor. Das sieht aus, als hätte das Meer Augen, die weinen, und deswegen heißt der Strand Olhos de Água − Meer-­Augen.« (S. 18)
Wenn Sie sich für die Eigenarten des Algarve interessieren, werden Sie zum Beispiel im Artikel über die Korkfabrik von São Brás de Alportel fündig. Schließlich wird seit über 2000 Jahren mit Kork gehandelt. Und Kork ist nicht nur auf Weinflaschen zu finden, sondern ist ­sowohl wertvoller Baustoff als auch Material für exklusive Mode-Accessoires wie Handtaschen, Portemonnaies, Regenschirme etc. Auf einem geführten Rundgang durch die Fabrik »Novacortiça« erfahren Sie alles Wissenswerte zum Kork. Und auch ein Hinweis auf den »Rota Cortiça« ist als Tipp vorhanden.
Haben Sie schon von der Süßkartoffel »Batata Doce« gehört? Die aus Brasilien eingeführte Kartoffel wächst in der Umgebung von Rogil blendend und passt perfekt zu etlichen Gerichten. Sie möchten probieren, aber nicht lange suchen? Dann vertrauen Sie der Autorin und testen Sie das empfohlene Süßkartoffel-Restaurant.
Wie vielfältig dieses Buch ist, zeigt auch die Geschichte zu Álvaro de Campos. »Das ist doch eines von Fernando Pessoa verwendeten Heteronymen«, werden Sie jetzt vermutlich denken. Und das stimmt auch. Doch es gibt auch in Tavira eine Bibliothek, die diesen Namen trägt: Casa Álvaro de Campos. Warum das so ist, steht auf Seite 216 des Buches von Catrin ­George Ponciano.
Ich möchte dieses kurzweilige Buch allen Algarve-LiebhaberInnen empfehlen. Stürzen Sie sich auf die spannenden Geschichten und freuen Sie sich auf Orte, die Sie ohne die Fleißarbeit der Autorin vermutlich nie kennengelernt hätten.

111 Orte an der Algarve, die man gesehen haben muss
mit zahlreichen Fotos · Emons Verlag, Köln · ISBN 978740803629 · 240 Seiten · 16,95 €

Lesungen mit Catrin George Ponciano

ALBUFEIRA-GALÉ
20.12.2018, 16 Uhr
Moderation: Georg Franzky Cabral
Hapimag-Resort, Lounge Bar
Rua da Torre Velha
Albufeira
Eintritt frei; Nicht-Hotelgäste willkommen
Info und Anmeldung: 00351-969052712
E-Mail: catringeorge@yahoo.de
Weitere Informationen

Zuckerbäckereien für Naschkatzen am Algarve

Foto vom leckeren Gebäck der Feigensterne am Algarve in Portugal

So sehen gebackene Feigensterne aus · © Catrin George

Schlaraffenland für Naschkatzen: Zuckerbäckereien am Algarve
Feige, Mandel und Johannisbrot stillen sinnliche Gelüste nach Süßem und bieten unzählige Möglichkeiten beim Kochen und Backen von Catrin George

Den kulinarischen Naschhäppchen in den Auslagen der Algarve-Cafés kann kaum jemand widerstehen. Die Auswahl ist riesig, die Portionen sind zu Miniaturen gebacken und klein genug, um mehr als nur eine süße Köstlichkeit zum Kaffee zu probieren. Neben ­bekanntem Gebäck und Kuchen, Obst-­Tarten und Topfkuchen brillieren die Konditorei-Vitrinen mit einer Fülle von regionalen Spezialitäten: Kunstwerke aus Feigen-Rohmasse, Süßmandel-Marzipan und Johannisbrot-Paste. Die gerade einmal daumengroßen, filigran von Hand modellierten Figuren aus Marzipan sehen täuschend echt aus wie Gemüse, Obst oder Tiere und liegen hübsch mit Lebensmittelfarbe bemalt in Papier-Manschetten aus. Daneben türmen sich − auf Silbertabletts präsentiert − JohannisbrotPralinen in Mandelsplitter gewälzt oder Kugeln aus Feigenkonfekt, gerollt mit Schokohäubchen, und vieles mehr. Ein Schlaraffenland für Naschkatzen!

Das Wissen, wie man die drei Ur-Früchte Feige, Mandelkern und Johannisbrot-­Schote trocknet, aufbewahrt und zu Nahrung verarbeitet, gelangte mit den punischen und griechischen Seefahrern nach Portugal − und mit ihnen die Bäume. Die fühlen sich in der steinig lehmigen und stark kalkhaltigen Erde im Hinterland des Algarve ganz besonders wohl und tragen zum typischen lokalen Landschaftsbild im Barrocal im mittleren und im Sotavento im östlichen Algarve bei.

Die Backkunst hat im Algarve Tradi­tion: Bereits vor den KlosterkonditorInnen, die aus den Zutaten der verführerischen Früchte-Trilogie seit dem späten Mittelalter regional famoses Naschwerk buken und zu süßen Botschaftern erhoben, kreierten maurische ZuckerbäckerInnen feines Marzipan wie Petite Four, Mandel-Honig-Baklava und Feigen-Sorbet. Homer erwähnte die drei Ur-Früchte bereits in seiner »Odyssee« und laut bi­blischer Überlieferung überlebte Johannes der Täufer während seiner Wüstendurchquerung Hunger und Durst nur deshalb, weil er sich von der Frucht des Karob-Baumes nährte, so dass die dunkelbraune Schote seitdem den lautmalerischen Namen Johannisbrot trägt. Ein Feigenbaum, heißt es in einer griechischen Sage, beschützte mit seinen weit ausladenden Ästen unter dem wie zu einem Herz geformten Blätterdach einst Remus und Romulus, die Gründer Roms. Über den Mandelbaum erzählt eine Geschichte aus 1001 Nacht: Ein Mauren­könig hat um die Burg von Silves herum tausende Mandelbäume pflanzen lassen, weil er unsterblich in seine Lieblingsfrau, eine Prinzessin aus dem hohen Norden, verliebt gewesen ist, die tief traurig ­jeden Winter wieder den Schnee in ihrer Heimat vermisste. Sobald jedoch die hübschen weiß leuchtenden Blüten jedes Jahr wieder im Januar und Februar wie Schneegestöber durch die Luft vor ihrem Turmfenster in der Burg vorbei wirbelten, war die Schöne aus dem Norden wieder glücklich und der König sich ihrer Gunst sicher.

Mandel, Feige und Johannnisbrot, alle drei Früchte reifen im Frühsommer und werden in der heißen Jahreszeit im August und September geerntet. Während Mandeln und Johannisbrot vom Baum geschüttelt auf ausgebreitete Tuchlaken fallen, pflücken Erntearbeiter Feigen behutsam Frucht für Frucht. Frische, für den Handel bestimmte Feigenfrüchte werden sorgsam in Körbchen oder Plastikschalen verpackt, damit sie prall bleiben und keine Stoßflecken bekommen. Überreife Feigen trocknen an sonnenexponierter Stelle. Bereits weiche Früchte legt man für Schnaps und Likör in ­Weinbrand ein oder kandiert sie in Zucker­lösung. Aus Trockenfeigen wird Feigenkonfekt als Grundmasse für die Algarve-­Zuckerbäckerei hergestellt. Die Mandelblüte im Januar und Februar kündigt das Ende des Winters an. Mandelbäume blühen, bevor ihre Blätter sprießen, und aus der Blüte wächst eine pelzig-grüne Außenhaut, die die Mandelnuss umhüllt. In Inneren der Nuss liegt der Mandelkern, nochmals umhüllt von einer rauen, braunen Haut. Sobald die grüne Schale aufspringt, sind die Mandeln reif für die Ernte. Die Mandelnüsse knackt man mittels Mandel-Mühle auf. Die braune Haut um den Mandelkern entfernt man am leichtesten mit brühend heißem Wasser-Aufguss, oder man verwertet Mandelkerne mit Haut, was dem späteren Gebäck eine leicht bittere Note verleiht. Nackte Mandelkerne kann man lose ausgebreitet an der Sonne oder auf einem Backblech im Ofen bei Niedrigtemperatur trocknen, danach halbieren, in Splitter oder grobe Krümel und zu Mandelstaub für die Marzipankunst feinmahlen.

Im Algarve gehörten Anbau, Handel und Weiterverarbeitung von frischen und getrockneten Mandeln, Feigen und Johannisbrot über viele Jahrhunderte hinweg zu den tragenden Säulen der hiesigen landwirtschaftlichen Erwerbswirtschaft, bis in den 1980er Jahren industriell hergestellte Süßigkeiten die leckeren Früchte aus dem Süden Portugal vom internationalen Nasch-Markt verdrängten. Bis dahin galt speziell die Hafenstadt Portimão − im westlichen Algarve an der Mündung des Arade-Flusses gelegen − als Zentrum für den Export für süße Verführungen aus Feigen, Mandel und ­Johannisbrot, vornehmlich nach England und Frankreich, weswegen die Landwirte im Landkreis Portimão eine für Portugals Steuer-Geschichte einmalige, eigens erhobene »Feigensteuer« − auf Portugiesisch »Imposto do Figo« − entrichten mussten, die erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts abgeschafft wurde. Als die internationale Nachfrage nach den Konditorei-Spezialitäten aus dem Algarve vor fünfzig Jahren faktisch auf null sank, stellten etliche Fabriken die Produktion ein. Die Folgen für die Erzeuger waren fatal: Plantagen verwaisten, Früchte verfaulten, Ernte-Arbeiterinnen sattelten um auf Berufe im Tourismusmarkt. Der bis dato lukrative Wirtschaftszweig für Bauern und Industrie brach komplett weg. Als kulinarischer Geheimtipp überlebte die famose Konditoreikunst der ­Algarven dennoch, und zwar in den Vitrinen der Café-Häuser in der Nachbarschaft, wo noch Kuchen und feine Gebäck-Spezialitäten  von Hand gebacken angeboten werden. Ein Geheimtipp bleiben die süßen Verführungen der Algarven auch in Zukunft, obwohl die Nach­frage nach Gebäck, Marzipan und ­Kuchen-Spezialitäten − hergestellt nach Ur-Omas ­Rezept − stetig steigt, was mehrere positive Aspekte nach sich zieht: Stillgelegte Plantagen werden rekultiviert, neue Setzlinge angepflanzt. Landwirt sein hat wieder Zukunft, Erntearbeit ist wieder Geld wert. Die zumeist frisch gebackenen Jungunternehmer nutzen die neuen ­Medien geschickt für ihr Marketing und platzieren ihre wohlschmeckenden, nahr­haften und überwiegend biologisch angebauten Früchte gezielt auf dem Markt, indem sie für glutenfreie und Bio-Produkte werben und damit in den wachsenden Nischenmarkt für bewusstere ­Ernährung vordringen. Mit Erfolg! Die Renaissance der Konditorei-­Kunst im ­Algarve begünstigt das Kleinunternehmertum, die wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung der Region mit vorhandenen Natur-Ressourcen und stärkt gleichzeitig die lokale Marktposition der ­Marke »Made in Algarve«.