Weihnachtsfeier digital

Bericht von einer Premiere    von Michael W. Wirges

So etwas hat es in der Geschichte der DPG noch nie gegeben − eine digitale Weihnachtsfeier über PC-Bildschirme, mit Mitgliedern, die weit auseinanderleben! Leider haben wir diesen Umstand der weltweiten Covid-19-­Pan­demie zu verdanken, die uns das ­Leben seit dem vergangenen Jahr sehr erschwert.

Nach einem erfolgreichen Start der digitalen DPG-Jahrestagung haben wir von Berlin aus alle DPG-Mitglieder in Deutsch­land und Portugal per E-Mail eingeladen, an unserer digitalen Weihnachtsfeier teilzunehmen. Durch die künstlerische Unterstützung einiger Mitglieder konnte schnell ein Programm zusammengestellt werden. Diejenigen, die sich dazu angemeldet hatten, erhielten einen Link, um sich an jenem 22. Dezember von 19 bis 21 Uhr zuzuschalten.

Die Weihnachtsfeier wurde von unserer Bundesschatzmeisterin, Gabi Baumgarten-Heinke, moderiert. Sie begrüßte die Mitglieder,  die sich zugeschaltet hatten und die sich total darüber freuten, sich zu sehen und voneinander zu hören. Gerade in den jetzigen Zeiten! Einige der Mitglieder hatten sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen oder kannten sich noch nicht persönlich. 

Ich begrüßte als Präsident ebenfalls alle Mitglieder und freute mich, Mitglieder in weihnachtlicher Stimmung anzutreffen. Ich sprach die aktuelle Lage zu Covid-19 an und auch die Folgen, die sich dadurch (auch für den Kulturbetrieb) für uns alle ergeben − keine Konzerte, keine Veranstaltungen, keine Treffen sind möglich. Die Zuschaltungen kamen aus Deutschland und Portugal, so meldete sich aus Porto unser langjähriges Mitglied Guido Orlando Freitas Rodrigues, der über die aktuelle Lage im hohen portugiesischen Norden berichtete. 

Madalena Leal de Faria, pensionierte Kammersängerin, hatte leider etwas mit der Stimme zu kämpfen und spielte deshalb im Laufe des Abends drei portugiesische Weihnachtslieder von ihrer eigenen produzierten CD vor: Menino Jesus à Lapa, Vai-te embora passarinho und Ò pastores, pastorinhos. Sehr mutig! Direkt aus Lissabon!

Pascal Zahn, einer der Inhaber von OLIMAR Reisen, mit denen wir unsere Reise zur DPG-Jahresversammlung in Porto im Oktober 2021 planen, berichtete über die aktuelle Lage auf dem Reisemarkt, speziell zu der in Portugal. Überall gibt es große Probleme, bei den Reiseveranstaltern, in der Hotellerie und Gastronomie, bei Flug- und Busunternehmen. Er betonte aber auch, dass die geplante DPG-Reise nach Porto sehr schön ausgewählte Höhepunkte enthält. Er geht sehr davon aus, dass ab Sommer 2021 die Reisen nach Portugal wieder wie gewohnt stattfinden werden. 

Der besonders in Berlin bekannte portugiesische Theater-Schauspieler Vasco Esteves, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, trug das Gedicht Poema do Menino Jesus (Gedicht des Jesuskindes) von Alberto Caeiro − einem der drei Heteronyme von Fernando Pessoa − vor, zunächst auf Deutsch, und später am Abend noch einmal auf Portugiesisch.

Über die Legende vom Bolo Rei, dem Königskuchen, des für die Weihnachtszeit in Portugal beliebtesten Kuchens, sprach Paula Galaz Goyke aus Berlin. In diesen Kuchen wurden früher kleine Geschenke und eine dicke Bohne mit eingebacken. Wer die Bohne erwischte, musste den nächsten Kuchen bezahlen. Auf die kleinen Geschenke und die Bohne wurde inzwischen aus Gründen der Gesundheitssicherheit verzichtet.

Auch die instrumentale Musik kam nicht zu kurz. Hans-Heinrich Kriegel nahm in Bochum seine Oboe zu Hand und spielte auf ihr einige Stücke von deutschen und portugiesischen Weisen: vier in Deutschland sehr bekannte Weihnachtslieder und vier Fados aus Portugal. Als deutsches Stück spielte er eine Ouvertüre von Georg Philip Telemann mit dem Titel Allemande, als portugiesisches aus der sogenannten Völker-Ouvertüre der Satz Le Portugais ancien et Le Portugais moderne. Als Gruß nach Berlin kam noch der dritte Satz aus einer Oboen-­Sonate in C-Dur von Johann Ludwig ­Matthes, der bei Friedrich dem Großen in der Hofkapelle angestellt war.

Im hohen deutschen Norden setzte sich in Scharbeutz (Schleswig-Holstein) Jan-Taken de Vries ans Klavier, und während er spielte, sang seine Frau Martha dazu die Weihnachtslieder Linda Noite de Natal und Süßer die Glocken nie klingen, letzteres in der Version von Alexa Feser.

Bevor ich die Schlussworte mit guten Wünschen für Weihnachten und ein hoffentlich besseres Neues Jahr sprach, erklang noch einmal Weihnachtliches von Madalena Leal de Faria aus Lissabon von ihrer eigenen produzierten CD Um Feliz Natal mit dem Coro de Santo Amaro de ­Oeiras.

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