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José Saramago und sein Jahrhundert

Foto von José Saramago

Über sein Leben und das Buch Os seus nomes    von Catrin Ponciano

> Ein Hederich sei er gewesen, schreibt José Saramago über sich. Ein wilder Rettich, auf Portugiesisch saramago. Der einstige Spitzname seiner Eltern, die als Landarbeiter in Zeiten des Hungers sich und ihre Kinder mit dem Verzehr von wilden Rettich und ihren würzigen Blättern ernährt haben, bürgt seit Jahrzehnten für Weltliteratur aus Portugal. Geboren am 16. November 1922 in Azinhaga, etwa einhundert Kilometer nord­östlich von Lissabon im Ribatejo bei Santarém, verbrachte der Junge José seine Kindheit und Jugend in Lissabon und abwechselnd auf dem Land.

Josés Vater war ein Kriegsveteran des Ersten Weltkrieges und tauschte das Landleben gegen eine berufliche Zukunft als Schutzpolizist in der Hauptstadt ein. Die Familie zog 1924 in die Kapitale um. Obwohl der Alltag in Lissabons Penha da França-Viertel ein Stück weit leichter wirkte als zuvor auf dem Dorf, erwartete die Familie dennoch keine nennenswerte wirtschaftliche Entlastung. Bittere Armut hat Josés Jugend begleitet, doch in seinem Kopf lebt die Erinnerung an Menschen fort, die unvorstellbar wenig besaßen, aber enorm viel Mitgefühl zeigten, verwurzelt in ihrer Heimat waren und keinerlei Anbindung an die Geschehnisse der Welt zeigten, wie er in Palavras para uma Cidade schreibt.

Tief berührt von dieser in den ärmsten Vierteln Lissabons erfahrenen Mitmenschlichkeit, empfängt Saramago den Samen des empathisch differenzierten Beobachters. Seinen Blick weitet er mit literarischen Sprenkeln aus der Vergangenheit und Gegenwart, aus der Nationalbibliothek und aus internationalen Literaturen, und schärft ihn auf unausgesprochene Wahrheiten. Dieser geschärfte Blick zeichnet ihn zeitlebens als Mensch und als Autor aus, der jeden Vorhang der Scheinheiligkeit rigoros beiseite schob und aufschrieb, was er dahinter entdeckt hat. Es sind Menschen gänzlich ohne einen Funken Glück, von denen nicht einmal der Schwellenstein übrigbliebe. Wenn sie sterben, ist einfach alles vorbei, resümiert er beispielsweise in Pátio do Padeiro über Menschen, an den Rand der Gesellschaft geschoben, als würden sie gar nicht existieren.

Die Lebenslinie des Literaten ist ein Kaleidoskop aus Orten, Begegnungen und Reflexionen, die erst in Saramagos Kopf und dann mit Feder und Tinte zu Geschichten zusammengewebt werden. Ich folge seinen Spuren (auf Portugiesisch) in der von Alejandro Garcia Schnet­zer und Ricardo Viel im April 2022 herausgegebenen Biografie SARAMAGO − Os seus nomes. Um álbum biográfico. Auf 350 Seiten im DIN A 4-Format erwarten mich jedoch mitnichten eine Fülle von einem Autor zu einer Chronologie aneinandergereihte Fakten des bislang einzigen portugiesischen Literaturnobelpreisträgers, nein, ich höre Sara­magos eigener Stimme zu, wie er aus seinem Leben erzählt. Ihn höre ich − und keine außenstehende Stimme, die auktorial über ihn erzählt.

 

Foto: Catrin Ponciano liest im Buch von José Saramago

Catrin Ponciano liest im Buch von José Saramago · © Catrin Ponciano

Das macht dieses opulente Werk zu ­einem ganz besonderen Lese-Erlebnis. Seite für Seite entblößt es, wer und was Saramagos Geist geformt und geprägt hat. Und so lässt er nachträglich noch einmal kompakt an allem teilhaben, was ihn von Kindesbeinen an bis ins hohe ­Alter beschäftigt und vorangetrieben hat. Er führt die Lesenden zu seinen Themen, seinen Geschichten und seinen Figuren als säße man mit ihm am Schreibtisch und begleitet ihn bei seinen Überlegungen. 

Den beiden Editoren gelingt es, die Komplexität eines Schriftstellerlebens in Gänze einzufangen und einen authentischen Spannungsbogen in der Wahrnehmung Saramagos von den Menschen, Ereignissen und Orten zu kreieren, die sein Leben und seine Arbeit markieren.

Bewundernd, kritisch, und geradezu hypnotisierend intensiv setzte Saramago sich mit der Literatur seiner VorfahrInnen und mit den Lektüren seiner ZeitgenossInnen auseinander, und bezieht deren Lebensumfeld in seine Reflexionen ein. Als berausche er sich an deren literarischem Antrieb, als absorbiere er die gesamte Bandbreite literarischer Ansätze. Jedes Werk ist seines Erachtens einzigartig und thematisiert Epochen und Ereignisse. Das ist schließlich die Auf­gabe der Literaturen. Somit wundert es nicht, dass Saramagos Werk mit der Epoche vor, während und nach der Portugiesischen Revolution begann, wie er die historisch als Nelkenrevolution betitelte Revolte gegen die Diktatur nannte. Mit Nelken, erklärt er, revolutioniert niemand etwas und diejenigen, die daran Teil hatten, haben den Widerstand ganz sicher nicht blumig empfunden. 

So ging Saramago dorthin, wo keine Nelken geblüht haben sondern das Aufbegehren, und schrieb seinen unvergessenen Roman Hoffnung im Alentejo in ­Lavre bei Montemor-o-Novo im Alentejo, wo die Geschichte spielt, und seine wahrhaftig nachempfundenen Figuren gelebt haben. Sein Debüt Levantado do Chão erinnert schmerzlich realistisch daran, wie es wirklich gewesen ist − vor der Revolution − und Saramago hält schriftstellerisch gnadenlos und gleichzeitig begnadet fabulös Wahrheiten darin fest. Ein Roman, der Geschichte schrieb und aktuell in sorgfältig aufbereiteten literarischen Fährtenrunden im Alentejo und in Lissabon zu den Originalschauplätzen führt. Ein Buch gegen das Vergessen. Der Grundstein seines Lebenswerkes.

Einmal im Leben sollte jeder Schriftsteller sich so groß wie Camões fühlen, gesteht Saramago, und verrät den Lesenden an dieser Stelle seiner Aufzeichnungen den innigen Wunsch eines jeden ­Autors nach Anerkennung. Nicht als ­Protagonisten seiner eigenen Geschichte sondern als Geschichtenerzähler seiner Epoche. Damit man sich erinnern wird. Später an gestern und an all die Menschen und ihre Schicksale.

 

Foto von Büchern des Schriftstellers José Saramago

Bücher von José Saramago · Foto: © Catrin Ponciano

Geständnisse vom Schreibtisch Saramagos erheben dieses biografische ­Album zu einem literarischen Kunstwerk, zu einer innovativen und gleichzeitig ­ästhetischen Spielart der literarischen Gattung Biografie. Ein gewichtiges Buch, überschrieben mit SARAMAGO, Os seus nomes, publiziert anlässlich des 100. Geburtstages des großen Literaten, der seiner Nachwelt ein literarisch einmaliges Erbe hinterlassen hat.

Doch davon handelt das Buch nicht. Das Opus preist weder etwas an noch wirft es mit Attributen um sich. Es ist ein nachdenklich stimmendes und des­wegen ein Großes Buch.

Es führt die Lesenden behutsam ausgesucht zu Saramagos Wegmarken. Unterwegs erzählt die Lektüre von Sarama­gos Begegnungen, von seinen Gedanken zur politischen und sozialgesellschaft­lichen Lage seiner Nation in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und an der Schwelle zum dritten Jahrtausend. Seite um Seite ist es gefüllt mit Namen, von Frauen und Männern, von FreundInnen, KollegInnen und Angehörigen, die dieser großartigen Lebens­enzyklopädie ihren Geist schenken. Die Lesenden bereisen mit Saramago gemeinsam dessen persönliche und intime Gedankenwelt und springen von einem Jahrzehnt zum nächsten, von einem Kontinent zum anderen, von einer Begegnung zur nächsten. Beim Durchblättern und sich Hineinversetzen in Saramagos hinterlassene Spuren scheint es, als stehe er auf von den Toten, die ihn am 18. Juni 2010 zu sich genommen haben.

Dank Saramagos Aufzeichnungen in seinen Tagebüchern und den chronologischen nach Jahren zugeordneten Heften sowie anhand seiner weltumspannenden Korrespondenz mit Literaten, Künstlern, Musikern und Politikern ist es den Editoren gelungen, den Lesenden die Tür zu Saramagos Kosmos zu öffnen. Wer Saramago liest, versteht Portugal. Wer SARAMAGO − Os seus nomes liest, versteht zum einen Saramagos persön­liches literarisches Jahrhundert und gleichzeitig das eigene, denn im Grunde genommen ist es die Epoche, die uns aktuell alle angeht. 

MEHR INFOS

  • SARAMAGO – Os seus nomes. Um álbum biográfico; 350 Seiten mit Farbfotografien und einem Vorwort des derzeitigen Generalsekretärs der Vereinten Nationen, António Guterres; Edição de Alejandro Garcia Schnetzer e Ricardo Viel
    © Porto Editora; © Fundação Saramago
    ISBN 978-972-0-03164-8 – Preis: 40 € 
  • Literarische Spurensuche im Alentejo und in Lissabon „Roteiro Literário Levantado do Chão” – Homepage – Roteiro Literário Levantado do Chão (roteirolevantadodochao.pt)

Das Aquarium aus Papier

Foto des Buch-Covers »Das Aquarium aus Papier«

Über Hein Semke und Teresa Balté    von Jörg Hahn

> Antiquariate oder Bücherkisten auf Flohmärkten haben es mir angetan, so fallen mir immer wieder alte Schätzchen in die Hände. Und weil mein Faible für Bücher aus oder über Portugal vielen bekannt ist, erhalte ich oft entsprechende Hinweise oder Geschenke.

Das Fischbuch oder das Aquarium aus Papier, so heißt einer meiner Zufallsfunde. Anhand dieses Buchs lässt sich eine spannende Künstlerbiographie skizzieren und eine interessante, langjährige Veröffentlichungsgeschichte.

Die Illustrationen stammen von Hein Semke (1899−1995), einem gebürtigen Hamburger, er war Bildhauer, Keramiker, Maler, Zeichner und auch Schriftsteller. Die politischen Wirrungen und kriegerischen Auseinandersetzungen des 20. Jahr­hunderts brachten ihn als in der Heimat verfolgten Pazifisten und Oppositionellen nach Portugal, seit Anfang der dreißiger Jahre lebte und arbeitete er in ­Lissabon. Viele seiner Werke finden sich in öffentlichen Räumen, Museen und ­privaten Sammlungen. Die im Buch reproduzierten 22 Fischaquarelle von 1980 gehören zur Kunstbibliothek der Calouste Gulbenkian Stiftung, Lissabon.

Teresa Balté, Semkes Frau, hat den Text geschrieben. 1942 in Lissabon geboren, studierte sie Germanistik und Musik in Lissabon, Hamburg und Chicago. Neben verschiedenen Lehrtätigkeiten arbeitet sie als Übersetzerin und Autorin.

Der Leipziger Literaturverlag pflegt das literarische Werk Hein Semkes. In der Reihe portugiesische bibliothek sind Auszüge seines Tagebuchs (Die innere Stimme) und sein Romanversuch Hannes, der Rammer erschienen und zudem das Bestiarum-Calendarium.

Im ersten Pandemie-Jahr 2020 erschien Das Aquarium aus Papier, eine von vielen übersehene Veröffentlichung. Das Besondere: Teresa Baltés Text gibt den Zeichnungen Hein Semkes eine gemeinsame Geschichte, verknüpft die einzelnen Bilder zu einem Ganzen.

 

Foto vom Cover des Buches »Wir sind alle Farben«

Wir sind alle Farben · © Cover: Leipziger Literaturverlag

Im Nachwort der Autorin (Für interessierte Leser) ist zu erfahren, dass Hein Semke ihr im Jahr 1980 die 22 Aquarelle von Fischen zeigte, die sie sogleich faszinierten. Hein Semke hatte bereits Ende der 1960er Jahre vier Künstlerbücher mit Fischzeichnungen angefertigt. Auf der Rückseite eines Bandes findet sich eine Notiz, in der sich der Hanseat Hein Semke zu einer Wesensverwandtschaft von Fisch und Mensch äußert: »Wir = Alle = sind Fische – Groß – Klein – Hässlich – Schön. Wir = Alle = fangen uns eines Tags im Netz, das nur uns zusteht. So bekommen wir = unser Gesicht =. Der Rest ist Wasser, aus dem = Alles = kam, zu dem = Alles = zurückfindet.«

Aus den Fischbildern entwickelte ­Teresa Balté ihre Geschichte. Als Rahmenhandlung dient der Besuch einer Freundin, die der Erzählerin ihren kleinen Sohn Sebastian zur Beaufsichtigung zurücklässt. Statt mit ihm im Garten zu spielen, es regnet offenbar, oder ihm aus einem Buch vorzulesen, sehen sie sich die Fisch-Aquarelle von Semke an. Daraus entsteht ein Spiel mit der Phantasie zwischen den beiden. Die Fische verleiten in ihrer unterschiedlichen farblichen und graphischen Gestaltung zu originellen, teils märchenhaften  Deutungen. ­Dabei lässt die Erzählerin nicht nur Fachwissen zur Kunst einfließen, sondern auch ihre sehr persönlichen Kenntnisse über Hein Semke. Der durch den Dialog mit einem Kind geprägte Ton macht den Text auch für junge Leser zugänglich − während die expressiven Aquarelle jedes Betrachter-Auge herausfordern dürften.

Der deutsche Text ist keine Übersetzung aus dem Portugiesischen, sondern das − zunächst nur für den Künstler selbst entstandene − Original von Teresa Balté. Anfang der 1980er Jahre vollendete sie diese deutschsprachige Erzählung: »Das Fischbuch oder das Aquarium aus Papier.« Zunächst zeigte der Insel-Verlag Interesse; als daraus nichts wurde, suchte Teresa Balté auch nicht weiter nach einem Verlag. 1996 erst, nach Hein Semkes Tod, entschloss sie sich, den Text ins Portugiesische zu übersetzen. Vor einem Vierteljahrhundert, 1997, erschien dann das Büchlein O Livro dos Peixes ou O Aquário de Papel im nicht mehr existierenden portugiesischen Hugin-Verlag. Als sie schließlich 2018 Viktor Kalinke vom Leipziger Literaturverlag das deutsche Original präsentierte − »das mir viel mehr gefiel als dessen Übersetzung« (Balté) − wollte er es veröffentlichen, 2020 kam die Hardcover-Ausgabe auf den Markt.

 

Foto von Autor Jörg Hahn vor Werken von Hein Semke

Autor Jörg Hahn vor Werken von Hein Semke · Foto: © Jörg Hahn

Es gibt einige kleine Unterschiede zwischen den beiden Texten. Das Aquarium aus Papier wurde der endgültige Titel; auch ein Vorspiel und ein Nachspiel sind dazu gekommen. Ein kleiner Textauszug: »Der Maler konnte kaum daran glauben: Ein Fisch. Ein Blatt, das ein Fisch wurde, zu einem Fisch wurde. Ein Fisch, der aus seinen Händen wuchs. ›Er ist mir aus den Händen entschlüpft‹, dachte Hein. Und malte langsam das Wasser. Die blaue Wasserfarbe des Meeres um den Blattfisch herum. ›Kann man einen Blattfisch umblättern?‹ wollte Sebastian wissen.«

2021 gab es im Museu de Portimão eine Werkschau Hein Semkes. Teresa Balté hat diesem Haus im Algarve eine große Schenkung aus dem Nachlass gemacht. Die Ausstellung trug den Titel Wir alle sind Farben (Somos todas as Cores). Der Direktor des Museu de Portimão hatte sich dafür von Semkes Worten »Wir = Alle = sind Fische« inspirieren lassen, die dem Künstlerbuch Fische − ja − Fische von 1969 entstammen. Teresa Balté hat einmal gesagt: »Fische waren eine starke Quelle der Inspiration für Semke, des Weiteren ein Element des Göttlichen, das schon in vorchristlicher Zeit Symbolkraft hatte.«

Hein Semke war stets auf der Suche nach innerer Wahrheit, und er steht für Zeitenwenden − vom Ersten Weltkrieg über Diktaturen (in Deutschland wie in Portugal) bis zur Demokratie. Das besprochene Buch jedenfalls ist kein Schätzchen, sondern ein veritabler Schatz.

MEHR INFOS

  • Teresa Balté, Das Aquarium aus Papier; mit Aquarellen von Hein Semke, 2020, Leipziger Literaturverlag (LLV)
  • Hein Semke, Die innere Stimme. Aus dem Tagebuch: 1950-52 / 1956-61, 2014, LLV
  • Hein Semke, Hannes, der Rammer. Romanversuch, 2018, LLV
  • Hein Semke, Bestiarium-Calendarium, 2008, ERATA, Leipzig: In diesem Buch werden skurrile Vierzeiler von skurrilen Zeichnungen begleitet.
  • Verlags-Webseite: www.l-lv.de

Zum Wohle des gesamten portugiesischen Volkes

Foto einer Wasserflasche im Meer

Wie an einer Perlenschnur aufgereiht • von Eberhard Fedtke und Ana Carla Gomes Fedtke

> Unsere modernen Sichtweisen sehen häufig, selbst bei geöffneten Augen und Ohren, nicht die fundamentalen Möglichkeiten des Fortschritts sowie bevorzugter logischer Lösungen für die Epoche, in welcher wir leben. Manchmal gibt uns die Natur oder eine bestimmte Umweltsituation oder alltägliche Gefahr eine erste Inspiration, eine adäquate Erwiderung bis zur Schaffung revolutionärer humaner Innovationen.

Das Trinkwasser der Erde ist eine unabdingbare Voraussetzung für menschliches Leben, für eine reich vorhandene Fauna und Flora und das Funktionieren des Klimas. Eine zahllose Bevölkerung steht vor der schrecklichen Tatsache, keinen hinreichenden Zugang zu diesem wesentlichen Gut zu haben. Die Beschäftigung mit diesem Themas wird in vielen Teilen der Welt immer wichtiger, denn es verursacht Störungen beim Überleben der Völker. Die reine Wüste ist das finale Produkt ständigen Mangels an Wasser. Vermehrung von trockenem Land und Wüsten beginnen Teil des globalen Klimawechsels auf unserem irdischen Globus zu werden. Ein absolut niederschmetterndes Resultat des sprichwörtlichen Missbrauchs einer einfordernden Zivilisation mit privatem Konsum ohne Skrupel. Süßwaser und Trinkwasser erhalten in gleich welchem Teil der Welt ein neue Bezeichnung als Gold der Erde.

Unser Globus umfasst bekanntlich 71 Prozent Kontinente und 29 Prozent Wasser. Mit dem Salzgehalt als wesentlichem Bestandteil der Meere sind ihre Wasser nicht trinkbar. Hinreichend Süßwasser fehlt auf der gesamten Erde im Prinzip aus Mangel an ausreichendem Regen, ebenfalls als Ergebnis der impertinenten Klimaveränderung und verschärft mit wachsenden Wüsten auf dem Globus das Problem, ohne angemessene Hoffnung auf Regeneration vieler betroffenen Teile.

Schauen wir auf unsere alltägliche Aktualität, was das Trinkwasser anbetrifft: In Portugal durchleben wir schon seit Jahren eine signifikante Periode von Regenmangel. Im Januar 2022 beispielsweise fielen nur 25% der Regenmenge, wie sie für diesen Monat im Vergleich zu früheren Jahren die fortlaufende staatliche Statistik des Staates belegt. 75% Mangel an diesem wesentlichen Gut stellt ein pures Desaster: in erster Linie für die Landwirtschaft dar, aber nicht nur, sondern auch für unser gesamtes tägliches Leben. Möge es, so hoffen wir, ein bloß vorübergehendes Intermezzo der Natur sein, doch es kann uns auch zu einem ernsten Beitrag  einer langfristigen lästigen und substantiell gefährlichen Entwicklung alarmieren. Das am meisten Wahrscheinliche wäre, dass Portugal in eine Naturkatastrophe einträte und Fauna und Flora sich fortschreitend zerstören.  Niemand weiß, bis wann das Übel der Trockenheit anhält oder ob wir am Beginn einer globalen Veränderung der Umwelt stehen und für Portugal die real notwendigen Mengen an Regen fehlen. Das katastrophale Ergebnis ist offenkundig und betrifft in schwerwiegender Situation alle Sektoren der Produktion, welche von sauberem Wasser abhängen, speziell in der modernen Welt mit ihren wachsenden Bedürfnissen. Askese an Wasser macht keinen Sinn.

Zu beten und zu hoffen bei einem vorpanischen Phänomen sind gute und erprobte Mittel, angestrengt wirksam empfehlenswert, aber es lohnt, auch den Kopf zu benutzen, unsere Intelligenz und vor allem die Mittel der industriellen Phantasie. Eine historische Aufgabe, nicht nur ein gelegentliches Vorhaben, könnte mit folgendem Titel artikuliert werden: Da wir de facto keine Garantie für ausreichend Wasser auf unserer Erde besitzen, allenfalls für unsichere Anteile, und um kein grundlegendes Risiko einzugehen, stellen wir einige Ideen vor, wie diese Gegebenheiten oder Symptome zu Gunsten von fortwährendem Süßwasser und einer eigenen Vollabdeckung korrigiert werden können und machen. Seriös in dieses Thema einzusteigen, bieten sich sehr interessante Perspektiven, es zu vertiefen.

O mar: Só os moinhos de água faltam

O mar: Só os moinhos de água faltam · Foto: © Johnny Belvedere from Pixabay

Feststehende Tatsachen sind: Es gibt technische Instrumente, gemeint Maschinen, die Salzwasser des Meeres filtern können, um es in Trinkwasser umzuwandeln. Es arbeiten, in der Tat, Reinigungsmaschinen unterschiedlicher Typen auf der ganzen Welt bis zu einem Wirkungsgrad von 100% ökologischem Wasser. Die Technik ist nicht sonderlich kompliziert, doch die betreffenden Maschinen sind kostspielig und bedürfen einer fortwährenden qualifizierten Wartung und individueller Bedienung.

Für unser Land fehlt es zweifelsfrei nicht an Mehrwasser, im Gegenteil, denn mit 832 km Atlantikküste vermag es stets Wasserlieferung frei Haus zu geben. Die Natur zeigt sich großzügig: Mit dem Abschmelzen der Eisberge in der Arktis steigen die Meere in allen Regionen der Welt. Eine beachtliche Zahl an Personen für die Durchführung der profunden Aufgabe einer der Wasserreinigung fehlen gleichfalls nicht. Zunehmende Modernisierung und Technisierung  in der Arbeitswelt bringen immer weniger Arbeitsstellen. Der Beruf des Ingenieurs für Wasserreinigung kann eine neuer Beruf werden, mit Erfolg und guten Aussichten für die Zukunft. Es ist eine historische Chance, auf diese Weise eine neue Berufsgruppe auf neuen Positionen im Land zu schaffen und so Personal mit spezifischer Ausbildung diesen Horizont zu eröffnen.

Nachdem wir diese beiden fundamentalen Voraussetzungen, Technik und man-power, prognostiziert haben, fehlen als nächste konkrete Schritte die Herstellung und Einrichtung dieser Maschinen zur Säuberung von Wasser in großen Mengen. Es gilt, eine räumliche Strategie rationeller guter Exploration zu definieren, um bevorzugte Standpunkte für neue Einrichtungen auszusuchen, nahe am Meer, innerhalb oder außerhalb des Strandes, um bestes Funktionieren und Unterhaltung zu vereinfachen. Wir denken beispielsweise an eine Perlenkette vom Norden zum Süden Portugals, mit einem diagonalen Verteilungsnetz von West nach Ost, mit Sammellagern im ganzen Land. Es mag eine angeregte Wiedergeburt der Aquädukte geben, im modernen Stil neuen Anforderungen angepasst, indes auch – eingedenk, dass gute Fantasie keine Grenzen kennt – mit Ausführungen ähnlich der antiken Bauten, wie sie noch bestehen. Mithin denken wir über eine dekorative Ansicht die gesamte portugiesische Küste entlang nach, ausgeschmückt in regelmäßigen Abständen mit einer pitoresken Kette von Konstruktionen im Stile alter Mühlen oder anderer charakteristischer Bauvorhaben des Landes, wobei für die Erstellung dieser Perlenkette ein kreativer Wettbewerb fähiger Architekten geschaffen werden kann.

Diese neuen Bearbeitungsstellen können brillieren, Salzwasser zu reinigen und in Süßwasser umzuwandeln. Eine eigene technische Revolution und eine geniale produktive Verbindung wäre die Koordination dieser Mühlen, im alten oder modernen Stil als eine Art Windturbine zu arbeiten, ausschließlich auf der Basis von Windkraft, mit symmetrischem Antrieb, der simultan die Filterung des Wassers und den Transport des sauberen Wassers hin zu den Lagern bewirkt, deren Bestimmung schon aufgezeichnet wurde – mithin ein mehrphasiger Ablauf.

Fehlt als Schlusspunkt die Finanzierung dieser Industrie. Die komplexe Umsetzung zu bezahlen beträfe sieben große Bereiche mit regionalen Unterabteilungen: den Aufbau einer nationalen Zentrale von Filtermaschinen, deren Einrichtungen, die Aufstellung der Wassermühlen an festgelegten Stellen am Stand, die Errichtung und die Unterhaltung der Sammelstellen und Depots im Landesinneren, den Aufbau und die Unterhaltung des gesamten Netzes zum Transport des teuren Gutes, die Verteilung von Wasser an bestimmten Örtlichkeiten, die Verwaltung dieser gesamten Abfolge, angefangen von der Produktion bis zur Abrechnung/Verteilung an AbnehmerInnen und schließlich die Ausbildung von Personal. Es wird für dieses Finanzierungsziel eine vielfarbige Idee geboren: Hilfreich könnte sein,  dass Seite an Seite mit traditionellen Finanzierungen sowie nationalen und internationalen Subsidien ein brillianter Finanzplan entsteht, wirksam und moralisch und mit vielfältigen  Effekten, der beträchtliche Menge privaten Kapitals anspricht, das für gewöhnlich außer Landes geschafft wird, wie jedermann weiß. Diese Geldmengen schlafen, was aus eben diesem Grund zu einem Mangel an interner Liquidität führt, sie können effektiv als private Darlehen – natürlich auf der Basis einer vorhergehenden vollständigen und unwiderruflichen Amnestie des Staates – zum effizienten Aufbau eines nationalen Programms zur Schaffung und Verwirklichung eines Systems mit der Garantie von ständig sauberem Wasser in Portugal herhalten. Mittels einer eigenen portugiesischen Technik könnten mit eigenem Personal – und unter optimalen terrestrischer Lage agierend – neue Weltpatente entstehen. Es ergibt sich die weitere Möglichkeit, sauberes Wasser zu exportieren, wie es die Portugiesen bereits mit viel Erfolg auf dem Gebiet des Stroms durchführen. Es lohnt, alle nationalen Finanzquellen zu aktivieren, einbegriffen reimportiertes schwarzes Geld, um mit diesem großen Reichtum ökologisches Wasser zu produzieren, sodass es in Portugal nicht an sauberem Wasser für die Landwirtschaft, die verschiedenen Industrien und den internen Konsum mangelt. Selbst die Feuerwehr kann von den regionalen Netzen im Kampf gegen den Waldbrand in Zeiten von Trockenheit in Zukunft möglicherweise häufiger profitieren, und darüber hinaus zum Beispiel die enormen Kosten für Löschflugzeuge abbauen.

Ein weiterer Vorteil wäre die profunde Unterstützung und das Wachstum des Tourismus, dabei zugleich neue Arbeitsplätze schaffend. Zu dieser günstigen Zunahme tritt eine brilliante Aura hinzu: Portugal mit seiner Überfülle an Wasser vermag, Gartengeschäfte vermehrend, mit Ergebnissen auf unterschiedlichsten Gebieten neue dauernde Arbeitsplätze zu schaffen. So verwandelt sich Portugal vollständig in einen großen Blumengarten, wobei diese Naturschönheit eine vorzügliche Visitenkarte für das Ansehen in der ganzen Welt ist, genauer gesagt: Portugal mit einem gesunden Klima, ohne nennenswerte Umweltverschmutzung, mit den meisten Sonnenstunden in Europa, mit einem Ambiente zum sich-Wohlfühlen, nutzt zusätzlich das friedliche soziale Klima. In der Summe kann sich das Land innerhalb einer immer nebligeren und verschmutzten Welt zum idyllischen Lichtpunkt wandeln.

Portugal hat noch viele Reichtümer zu explorieren. In diesem Fall sprechen wir von einer naturgegebenen Neuerung, ohne negative Beeinflussung durch moderne Industrien, die mit Lärm, schlechten Gerüchen und anderen Störungen unser tägliches Leben beeinflussen. Es ist mehr als ein irrealer Traum, Meerwasser in einer perfekten neuen Dimension in großem Stil und mit exzellenten Neuerungen in einer neuen Industrie, gelegen an unser großartigen Küste, nach ausschließlich eigenen Bedingungen sowie menschlichen, technischen und materiellen Mitteln zu reinigen und zugleich eine adäquate Finanzierung beim Verkauf des Wassers an EndverbraucherInnen zu etablieren, einen einkalkulierten Gewinn inbegriffen.

Gut aufgepasst, Nationalstolz: Allein mit privaten Mitteln ist es möglich, die Zukunft der gesamten biologischen und klimatischen Zukunft des Landes zu retten – welch eine ausgezeichnete Aufgabe aus dem ökonomischen, moralischen und ethischen Blickwinkel der Umwelt! Und am Ende ist es derart einfach, dieses Vorhaben gegen die Fatalität einer tödlichen Geissel ante portas zu verwirklichen,. Es braucht nur eine gute Planung! Und einen Unternehmensgeistes, orientiert und methodisch in einen emotionalen Vorgang und eine profund begeisternde Aufgabe einzutreten.

Wer macht den ersten Schritt zur Initiative einer aktuellen Investition? Die Stunde ist gekommen!

«Dark Tourism» in Portugal?

Foto der «Capela dos ossos» in Évora

Ist schon okay, überall hinzufahren. Oder doch nicht?    von Miguel Oliveira

> Zu Unterrichtsbeginn stelle ich meinen Studenten zwei Fragen. − »Gibt es in Portugal Dark Tourism und seid ihr Dark Tourists?« Sie gucken verdutzt. Stille. — 

»Ein anderes Wort, das häufig für Dark Tourism als Synonym verwendet wird, ist Thanatourismus, das an den altgriechischen Totengott Thanatos verweist. Wiederum andere bezeichnen Dark Tourism als Katastrophentourismus«, setze ich nach. Die Antwort kommt nun wie aus der Pistole geschossen. Nein! Klar wie Kloßbrühe! In Portugal haben wir Strandtouristen, die im Meer schwimmen und Sonne tanken. Kulturtouristen, die sich für unsere kulinarische Vielfalt, Museen, Musik, Kunst und Architektur interessieren. Städtetouristen, die Lissabon, Porto oder Coimbra bereisen. Geschäftstourismus. Messetourismus. Kur- und Gesundheitstourismus, welcher sich wegen der zahlreichen Thermalquellen im Land, denen therapeutische Eigenschaften nachgesagt werden, großer Beliebtheit erfreut. Sporttourismus, wenn jemand z. B. nach Guimarães fährt, um dort ein Fußballspiel zu sehen oder um in Ericeira einige Tage zu surfen. Tagungs- oder Kongresstourismus … 

»Ja ja!«, unterbreche ich ungeduldig meine Studenten, bevor sie mir noch in ihrem Eifer mit Öko-, Fahrrad-, Binnen- und anderen Tourismusformen kommen. 

»Zurück zu Dark Tourism!« Ich erkläre. Definiere kurz. Den Begriff. Schulmeistere. Doziere. Das mag ich an meinem Beruf nicht. Dass alles aus meinem Mund immer belehrend klingen muss. 

− »Wie das englische Wort schon sagt, geht es um die düsteren Kapitel der Landesgeschichte. Normalerweise verbindet man mit dem Begriff Tod und Leid. Menschliche Tragödien. — In Deutschland kann man z. B. die stehengebliebenen Teile der Berliner Mauer besichtigen. Während des Kalten Krieges stand die Mauer für Teilung und Abschottung. Über 140 Menschen kamen beim Versuch die Mauer zu überwinden ums Leben. Außerdem gibt es in Berlin eine Gedenkstätte. Ein früheres Stasi-Gefängnis, das man heute besuchen kann und wo man etwas über die Haftbedingungen und Schicksale der Inhaftierten erfahren kann. — In Polen kann man das ehemalige KZ Auschwitz besuchen. — Der schwarze Tourismus wird oft kritisch beäugt. Man wirft dieser Art von Touristen vor, makaber, morbide und sogar un­moralisch zu sein, weil sie sich an dem schmerzlichen und schrecklichen Schicksal anderer erlaben und diese Orte bloß zum persönlichen Vergnügen aufsuchen. Aber das stimmt nur in wenigen Fällen. Wenn man z. B. ehemals zerbombte Kriegsschauplätze besucht, wo man inzwischen Wanderwege von Bunker zu Bunker eingerichtet hat, ermöglicht uns diese Art des Tourismus, aus den dunklen Kapiteln der Geschichte zu lernen. Uns der Opfer zu erinnern. Respekt zu zollen. Viele dieser Orte dienen der Menschheit als Mahnung. Wir sehen uns mit der tragischen Vergangenheit eines Kollektivs oder eines Individuums konfrontiert und können…« 

Eine kleine Truppe Zuspätkommer platzt in den Unterricht herein. Unter…brechen. Wie mit einer Schere schneiden sie meinen Gedanken- -Faden durch. Ich atme tief ein und aus. Versuche ruhig zu bleiben. Ich warte bis die Herrschaften sich bequemen sich hinzusetzen und auch das letzte Pausengespräch beenden. Ich strafe sie mit einem strengen Blick auf meine Armbanduhr. Ein Mädel zuckt mit den Achseln. Sie scheint sich zu fragen, was will der Alte eigentlich? Sind doch nur acht Minuten! — Ich versuche wieder meinen Faden zu finden. Ihn rot zu spinnen. Und spinnen kann ich gut, denke ich verschmitzt. 

 

Foto der Grabkapelle von Fernando Pessoa in Lissabon

Grabkapelle von Fernando Pessoa in Lissabon · Foto: © Andreas Lahn

 − »Eine Unterkategorie des schwarzen Tourismus ist der Friedhofstourismus, also das Besuchen von Friedhöfen und anderen Grabstätten.« Ich mache eine kurze Pause. Jetzt wiederhole ich meine Anfangsfrage. Zögerlich bekomme ich einige Antworten. Eine Studentin sagt: − »Im Panteão Nacional  (Nationales Pantheon) finden sich die Ruhestätten berühmter Portugiesen, wie die Schriftsteller Almeida Garrett, Guerra Junqueiro, Aquilino Ribeiro. Aber auch der furchtlose General Humberto Delgado, der den Diktator António de Oliveira Salazar absetzen wollte, ist dort bestattet worden, sowie die Fadistin Amália Rodrigues. Auch der Fußballspieler Eusébio ist dort beigesetzt worden. Im Jahr 2020 besuchten trotz Corona-Pandemie mehr als 171.000 Menschen das Pantheon.« 

»In der Nähe von Funchal«, sagt ein anderer Student, »befindet sich in der Igreja da Nossa Senhora do Monte (Wallfahrtskirche der Heiligen Maria in Monte) das Grab Karl I., dem letzten Kaiser Österreichs, der mit seiner Familie nach Madeira verbannt worden war, und der 2004 von Papst Johannes Paul II seliggesprochen wurde.« Wieder ein anderer erwähnt die unheimliche Capela dos Ossos (Knochenkapelle) in Évora. Auch das Mosteiro de Alcobaça (Kloster von Alcobaça) findet Erwähnung, wo die Sarkophage von Dom Pedro und Inês de Castro so aufgebahrt wurden, dass sie sich am Tag des Jüngsten Gerichts von Angesicht zu Angesicht gegenüberstünden. Eine tragische Geschichte. Insbesondere die der Hinrichtung der schönen Inês in der Quinta das Lágrimas (Quinta der Tränen). Auch ein Besuch hier gilt definitions­gemäß als Dark Tourism. Zu guter Letzt werden ebenfalls das Forte de Peniche (Festung von Peniche) und das Prisão do Aljube (Gefängnis von Aljube) angeführt, in dem politische Gefangene unter Salazar und später Marcello Caetano nicht nur ihrer Freiheit beraubt, sondern auch gefoltert wurden. Sowohl die Festung von Peniche als auch das Gefängnis von Aljube wurden inzwischen in Museen umgewandelt, welche an den Widerstand gegen den Estado Novo (Neuen Staat) erinnern… Ich nicke zufrieden. Und füge ein weiteres Beispiel hinzu. − »Am 1. November 1755 gab es eine der größten Naturkatastrophen, die Portugal jemals ereilte. Das Erdbeben von Lissabon. Man kann bis heute die Ruinen des Convento do Carmo (Kloster des Karmeliter Ordens) besuchen und man gewinnt dort einen Eindruck, wie heftig die Zerstörungskraft des Erdbebens, der darauffolgenden Feuersbrunst, die die meisten Holzhäuser niederbrannte und des Tsu­namis war, der den Rest der Stadt, nur wenige Minuten darauf, verwüstete. Dieses schreckliche Ereignis, über das man überall in Europa sprach, bestürzte sogar im fernen Frankfurt einen der größten deutschen Dichter. Der junge Goethe war so verstört von den Nachrichten, die aus Portugal nach Deutschland drangen, dass er seinen Glauben an einen gut-väterlichen Gott ›Erhalter [des] Himmels und der Erden‹ in diesem Jahr einbüßte.« (Börner, Peter. Johann Wolfgang von Goethe. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999: 16.) 

Wieder schaue ich auf die Uhr. − »Heute haben wir nicht mehr die Zeit, uns mit der nächsten Frage zu beschäftigen, die sich nun aufdrängt. Deswegen gebe ich euch eine kleine Hausaufgabe auf.« Die Schüler freuen sich — ganz und gar nicht. Ein unmutiges Räuspern ist zu vernehmen. Geht durch den Klassenraum. − »Ist es unethisch, wenn man als Tourist an diesen Orten, wie z. B. dem ehemaligen Konzentrationslager Tarrafal, welches auf der kapverdischen Insel Santiago liegt, und wohin man während der portugiesischen Diktatur Oppositionelle verfrachtete, gefangenhielt und zu Tode folterte, ein Selfie macht?«

Kurz bevor ich die Stunde beende − ich kann es mir einfach nicht verkneifen − richte ich mich dann doch noch an die Zuspätkommer. − »Der Deutsche Volksmund sagt: ›Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Deutschen Pünktlichkeit!‹ Warum könnt ihr das eigentlich nicht? Pünktlich sein!?« Ein junges Mädchen feixt. Grinst mich frech an. Sie sagt: − »Aber Herr Professor, auch wir in Portugal haben eine idiomatische Wendung: Mais vale tarde do que nunca! — Lieber spät als nie!«   

MIGUEL OLIVEIRA ist Autor mehrerer Bücher, u.a. von Monographien über den amerikanischen Schriftsteller portugiesischer Abstammung John Dos Passos. Auf Deutsch gibt es Oliveiras Novelle K/ein Leben vor dem Tod; die Protestschrift Ich, Europa und der Stier und zu guter Letzt Die Todesvögel Salazars, eine Übersetzung seines portugiesischen Theaterstücks O PIDE. 

Derzeit unterrichtet Miguel Oliveira als Professor im Bereich Tourismus am ISG, Lissabons innovativer Business & Economics School.

Freies Timor-Leste

Foto: Lehrer im Teacher Training College in Bacau

Seit 20 Jahren unabhängig    von Andreas Lausen

> Es kommt nicht oft vor, dass ein Land an zwei verschiedenen Tagen seine Unabhängigkeit feiert. Bei Timor-­Leste ist es so. Der kleine Staat zwischen Indonesien und Australien erreichte seine Freiheit am 28. November 1975 und am 20. Mai 2002.

1512  erreichten portugiesische Seefahrer die Insel Timor, gründeten dort Stützpunkte und benutzten sie als Basis für den lukrativen Handel mit Gewürzen und Holz von den feindlich gesonnenen Molukken. Die Portugiesen hatten weder Bedarf noch Möglichkeiten, Timor intensiv zu kolonisieren und beschränkten sich auf einige Handelsposten an der Küste. Erst als Folge der Nelken-Revolution 1974 bereitete sich Portugal auf die Unabhängigkeit seiner fernen Provinçia do Ultramar vor. Partner war die Freiheitsbewegung FRETILIN, die 1975 in ­einer feierlichen Zeremonie das Regierungsmandat im unabhängigen Timor erhielt.

In den politisch unruhigen Zeiten hatte Portugal es unterlassen, die Unabhängigkeit international abzusichern. Das Nachbarland, die regionale Großmacht Indonesien, sowie die durch den desaströsen Vietnamkrieg verunsicherten USA und Australien fürchteten völlig zu Unrecht einen kommunistischen Kleinstaat im westlichen Einflussbereich. ­Ermuntert von den beiden Partnern überfielen am 7. Dezember 1975 starke indonesische Truppen das schutzlose ­Timor-Leste (Ost-Timor) nur acht Tage nach seiner Unabhängigkeit und machten es gegen jedes Völkerrecht zur ­36. indonesischen Provinz.

Anfangs bemühte sich Indonesien, das Land durch Investitionen in Straßen, Wasserversorgung und Häfen zu modernisieren. Dennoch begannen einige Hundert Fretilin-Anhänger einen eigentlich aussichtslosen Guerillakrieg in den Bergen. 

Indonesien schlug unter dem Diktator Suharto den harten Kurs ein. Tausende Siedler von der übervölkerten indonesischen Hauptinsel Java wurden angesiedelt − auf Land, das den timorischen Bauern geraubt wurde. Die timorische Kultur und die katholische Religion (der damals nur 25 % der TimorerInnen angehörten) wurden unterdrückt, die portugiesische Sprache verboten. Immer wieder wurden TimorerInnen gefoltert, ermordet und vertrieben.  

 Je härter Indonesien herrschte, desto erbitterter wurde der Widerstand. Wo am Tag die indonesischen Truppen herrschten, regierten nachts die Freiheitskämpfer. Durch Überfälle auf indonesische Kasernen und Patrouillen erbeuteten sie Waffen und Verpflegung. Indonesien riegelte Ost-Timor völlig von der Außenwelt ab. 

Die Welt interessierte sich nicht für den abgelegenen Konflikt. Für Europa, Australien und Nordamerika waren die guten Beziehungen zum aufstrebenden Indonesien wichtig. Der Ost-Timor-Konflikt stieß weitgehend auf Desinteresse und wurde auch vom deutschen Kanzler Helmut Kohl und danach von Außen­minister Joschka Fischer als lästige Störung empfunden. Kohl war mit dem damaligen Präsidenten Indonesiens, Yussuf ­Habibie, persönlich befreundet und lieferte 1993 an Indonesien 29 Kanonen­boote aus stillgelegten DDR-Beständen.

Nur die Länder portugiesischer Sprache, allen voran Portugal und Moçambique, mahnten die Menschenrechte der TimorerInnen immer wieder an. Und tatsächlich − der Besuch des Papstes Johannes Paul II. 1989 zeigte den TimorerInnen, dass sie nicht allein standen. 

Als am 12.11.1991 indonesische Truppen ein Begräbnis auf dem Cemitério de Santa Cruz in Dili stürmten und ein Massaker an hunderten timorischen Trauergästen anrichteten, konnte ein britischer Reporter Filmaufnahmen des grausamen Terrors nach Australien schmuggeln. Da schlug die Weltmeinung um. 

Die Verleihung des Friedensnobelpreises 1996 an den tapferen Bischof von Dili, Carlos Ximenes Belo, und den gewalt­losen Fretilin-Aktivisten José Ramos ­Horta bewirkten bei Politikern wie Bill Clinton und Kofi Annan ein Umdenken. 

Die damalige indonesische Präsidentin Megawathi Sukarnopútri war es schließlich, die die Herrschaft ihres Landes in Ost-Timor in Frage stellte und einer Volksabstimmung zustimmte. Diese wurde 2001 unter UN-Kontrolle durchgeführt und brachte 85 % für die Unabhängigkeit. 

Am 20. Mai 2002 wurden in einer eindrucksvollen Feier die TimorerInnen frei. Timor wird seitdem demokratisch ­regiert. Die Wahlen verlaufen frei und gewaltlos. Dennoch sind die Probleme übermächtig. 15 Sprachen, die teilweise so verschieden sind wie Deutsch und Finnisch, werden von den knapp 30 Völkern des Landes gesprochen. Nicht allen TimorerInnen gefällt es, dass Tetum (eine malaiische Sprache) und Portugiesisch die beiden Staats- und Schulsprachen sind. Die Einnahmen aus dem unter dem ­Meeresgrund geförderten Erdöl sind mit Australien umstritten.

Besonders die jungen Menschen von Timor-Leste sind unzufrieden. Sie wollen eine schnellere Teilhabe an dem erwarteten Wohlstand. Stattdessen fühlen sie sich um ein bisschen Lebensqualität ­betrogen. 

Einigende Klammer ist die katholische Kirche, zu der sich nach der jüngsten Volkszählung 97,6 % des Volkes bekennen. Darin drückt sich auch der Dank aus, den die Menschen der einzigen Institu­tion entgegenbringen, die während der indonesischen Terrorherrschaft selbstlos für sie da war. 

Auch Portugal besitzt heute einen guten Ruf. Als die Mannschaft um Cristiano Ronaldo 2016 Europameister im Fußball wurde, schwappte eine heiße Welle der Begeisterung durch Timor-Leste, begleitet von tausenden portugiesischen ­Fah­nen. In der Gemeinschaft der Länder portugiesischer Sprache CPLP arbeitet Timor-Leste eng mit den anderen acht Staaten zusammen. 

Eine ausführliche Zusammenfassung der eindrücklichen Feiern von 2002 ist zu finden auf Youtube: «Restauracao Independencia Timor Leste 2002» (2 Teile, zus. 130 Minuten, in portugiesischer Sprache).

Die weiße Braut des Meeres

Foto vom Strand in Fuseta

Kleine Liebesgeschichte über Fuseta    von Jörg Hahn

> Dies ist eine kleine Liebesgeschichte. Sie gilt keinem Menschen, sondern einer Ortschaft im Algarve, die − grob beschrieben − zwischen Faro und Tavira liegt: Fuseta.

1979, als es fast nur langatmige, schwere Kunstreiseführer für die Nachkriegsgeneration gab, wurden die mit echten Geheimtipps, praktischen Überlebenshinweisen sowie selbstgezeichneten Karten und Bildchen versehenen Broschüren von Michael Müller schnell ein Muss für alle jungen Menschen, die Europa intensiv und echt erleben wollten. Die Generation Interrail sog Michael Müller förmlich auf.

Basierend auf Recherchen im Herbst 1978 erschien 1979 auch ein rund 130 Seiten umfassender Portugal-Band (alles in schwarz-weiß, mit der Schreibmaschine getippt und mit handgemalten Überschriften). In alten Reiseführern − wie dem von Müller − wird der Ort Fuseta noch mit Z geschrieben. Und auch der Schriftzug auf der Praça da República, aus Pflastersteinen (Calçada portuguesa) gestaltet, ist in alter Schreibweise: «Fuzeta Branca Noiva Do Mar» (»Fuzeta, weiße Braut des Meeres«) steht dort, direkt neben den Tischen der Cervejaria O Pescador. Der Ortsname ist wohl ist eine Verkleinerungsform von Foz (Mündung), und bezieht sich auf den kleinen, hier in den Atlantik mündenden Fluss.

Müller schrieb damals: »Fuzeta liegt inmitten üppiger Felder und weißglänzender Salzgärten, in denen nach der ­Uraltmethode (wie auch in Tavira) Salz gewonnen wird. Das Meerwasser verdunstet in großen, sehr seichten Becken, und übrig bleibt eine dicke Salzkruste. Wenn man in den Ort reinkommt, riechts schon nach Fisch aus den dunklen Lagerschuppen. (…) Zum gerade wohnzimmergroßen Hautplatz kommt man nach der ersten Hälfte der kerzengeraden Hauptstraße. Auf den Bänken krümmen sich die Dorfältesten und fluchen gemeinsam über die Jungs auf ihren knatternden Zündapps, die auf der Hauptstraße hin- und herjagen.« Müller vermerkte auch: »Das Dorf ist nicht auf Tourismus eingestellt.«

Foto von Booten in Fuseta

Boote in Fuseta · © Foto: Jörg Hahn

Die geschilderte Szenerie ist bis auf die Marke der Mopeds bis heute erlebbar. Über vier Jahrzehnte Tourismus haben diesen Ort natürlich nicht unberührt gelassen, aber auch nicht entstellt. Samstagmittags ist in der Cervejaria O Pescador am Hauptplatz regelmäßig volles Haus. Das Publikum ist zu 95 Prozent portugiesisch und männlich, die Gesichter und Hände der Gäste sind von harter Arbeit gezeichnet. Das Bier fließt zwei Stunden lang in Strömen, die kleinen Gläser ­(Imperial) werden in beeindruckender Geschwindigkeit gefüllt und über den Tresen geschoben. Danach leert sich das Lokal rasch.

An der Cervejaria führt auch die Rua Dr. Virgílio Inglês vorbei, und diese Straße bringt uns mitten hinein in die Geschichten rund um den Hamburger Polizisten Leander Lost, die Fuseta seit 2017 unter deutschen Krimi-Lesern bekannt, vielleicht sogar berühmt gemacht haben. Lost in Fuseta: Die Mund-zu-Mund-Propaganda von Portugal- beziehungsweise Algarve-Fans katapultierte gleich das erste Buch in die Bestsellerlisten, alle folgenden dann auch. »Es war einer dieser Tage, der so verheißungsvoll begonnen hatte, dass man fürchtete, es müsse zwangsläufig etwas dazwischenkommen«, so lautete der erste Satz im ersten Lost-Band.

In der Rua Dr. Virgílio Inglês hat der Autor Holger Karsten Schmidt alias Gil Ribeiro das Haus der Eltern von Graciana Rosado verortet, die als Sub-Inspektorin der Kripo Faro (Polícia Judiciária) die Chefin von Leander Lost ist. Lost ist Polizist, aber auch ein Asperger-Autist. Als Asperger-Autist verfügt er über außer­gewöhnliche Fähigkeiten wie ein fotografisches Gedächtnis oder ein untrüg­liches Gespür, ob sein Gegenüber lügt. Gleichzeitig versteht er weder Ironie noch kann er emotionale Schwingungen während eines Gesprächs deuten, und er ist unfähig selbst zu lügen. Im Rahmen eines Austauschprogramms von Deutschland nach Portugal gekommen, setzt er sich mit seiner besonderen Sicht auf die Welt und die Menschen als unkonventioneller Ermittler durch − und wird in Fuseta heimisch. Im Haus in der Rua Dr. Virgílio Inglês, besser gesagt auf der Dachterrasse, werden die Fälle oft besprochen, bei Wein, Gegrilltem, Petiscos.

Blick auf die Cervejaria «O Pescador» in Fuseta

Blick auf die Cervejaria «O Pescador» in Fuseta · Foto: © Jörg Hahn

Das alles hat Schmidt / Ribeiro in inzwischen fünf Bänden beschrieben und dabei seine LeserInnen nicht nur kreuz und quer durch den Algarve, sondern auch in den Alentejo oder das benachbarte Spanien geführt. Es geht, so funktioniert das Genre der Regional-­Krimis ja, nicht nur um perfide Verbrechen, sondern sehr viel auch um Land und Leute, Wetter und Klima, Essen und Trinken. Mit Lost kann man das Naturschutzgebiet Ria Formosa kennenlernen, die Bahnstrecke Linha do Algarve oder das alltägliche Leben zwischen Mercados, Praias, Ilhas und Tascas.

Fuseta ist im Kern beschaulich, mit vielen weißen kubistischen Häusern, etwa 2.000 Menschen leben permanent hier. Durch den großen Campingplatz hinter dem Strand geht es im Sommer in den Straßen nahe am Meer wuselig zu. Doch nur eine Ecke weiter umfängt einen schon wieder die Stille. Vor den Fischerhütten treffen sich Einheimische, Residenten und manchmal auch mutige ­Touristen zum Petanca-Spiel. Das eindrucksvollste Gebäude ist der alte, langsam verfallende Stelzenbau der Lebensretter in Gelb und Rot (Socorros a Náufragos de Fuzeta).

Der erste Bahnhof von Fuseta an der Eisenbahnlinie Linha do Algarve (sie führt von Lagos im Westen nach Vila Real de Santo António im Osten) wurde schon Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet − im September 1904. Mit dem Bahnhof Fuseta-Moncarapacho und der Halte­stelle Fuseta-A verfügt die kleine ­Gemeinde sogar über zwei Haltepunkte.

 

Foto von einem der beiden Bahnhöfe in Fuseta

Einer der beiden Bahnhöfe von Fuseta · Foto: © Jörg Hahn

Die Zahl der Liebhaber von Ort und Umgebung könnte bald noch sprunghaft steigen, denn Lost in Fuseta ist für die ARD an Schauplätzen an der Algarve als Zweiteiler verfilmt worden und wird in diesem Herbst ausgestrahlt. Holger Karsten Schmidt (er ist schon Grimme-Preisträger) schrieb auch die Drehbücher, und es soll nach Mitteilung der Produktionsfirma in Zukunft noch weitere Lost-Verfilmungen geben. 

Auf seiner Webseite hat Holger Karsten Schmidt schon 2020 einen ersten Einblick ins Drehbuch gegeben: »1. Ilha da Armona − Aussen/Tag − Wasser. Klares blaues Wasser, über das wir fliegen und dann hochschwenken. Die vorgelagerte Insel Ilha da Armona. Sand nach links und rechts soweit das Auge reicht. Und fast kein Mensch. Wir erheben uns, jagen über die Insel hinweg, wir fliegen über die Lagune mit dem charakteristischen Bootshaus. Eine Fähre mit weißem Korpus und orangem Dach tuckert durch die Lagune. Ein sonniger Tag, keine Wolke am Himmel. Ein kleiner Ort mit einem Kanal, malerisch an der Lagune gelegen: Fuseta.«

Wen befällt dabei nicht das Fernweh, eine Sehnsucht nach dem Meer. »Das Meer ist nicht die Antwort.«, heißt ein Sprichwort, es erübrigen sich aber alle Fragen. Fuseta ist einer dieser Orte, die einem das Gefühl geben, angekommen zu sein und keine Fragen mehr stellen zu müssen. 

Schon heute sieht man BesucherInnen, die mit einem Lost-Krimi in der Hand die Gassen von Fuseta erkunden. Ein Phänomen, das sich dank der Verfilmung verstärken dürfte.

MEHR INFOS
finden Sie auf der Webseite von Holger Karsten Schmidt (Gil Ribeiro):
www.holger-karsten-schmidt.de

Azulejos mit Werbung der besonderen Art

Foto über Schweppes-Werbung am Algarve

Ein Rundgang durch den Algarve    von Jörg Hahn

> Wer in Carvoeiro an der Algarve-Küste ankommt, kann auf der linken Seite der Zufahrt­straße die bunt bemalte Hauswand nicht übersehen, auf der einerseits die bekannte Strandansicht des Ortes zu erkennen ist und andererseits ein Rechteck aus Azulejos mit einem von Blüten umrankten Schornstein sowie den drei Worten «Algarve … É Super.» »Der Algarve ist super.« Das empfinden viele Touristen und Residenten auch so. 

Ähnliche Bild-Text-Kompositionen begegnen einem an der ganzen Algarve, nämlich als Werbung für das Getränk Schweppes. Eine kleine Spurensuche nach diesen Werbetafeln, die eine besondere Geschichte haben, ist spannend. 

Es dürfte sich um die älteste ununterbrochen gezeigte Reklamebotschaft der Welt handeln. Da die Tafeln nicht aus Papier oder einem anderen schnell vergänglichen Material bestehen, sondern aus Azulejos, haben viele von ihnen Jahrzehnte überstanden. Die Schweppes-­Werbefliesen zeigen typische Algarve-­Szenen, einen verzierten Schornstein, ­einen Felsenstrand, eine auffällige Dachformation.

Foto über Werbung am Algarve

Werbung am Algarve · Foto: © Jörg Hahn

In der Zeit zwischen 1956 und 1965 hatte Schweppes die noch heute existierende Fabrica Aleluia de Aveiro (auf den Tafeln ist unten rechts die Signatur zu finden) mit der Herstellung beauftragt. Sie tragen jeweils die Aufschrift «Algarve… E Schweppes» (»Algarve und… Schweppes«) und wurden in der Regel gut sichtbar neben Restaurants oder Cafés am Straßenrand platziert. 

Wir haben solche Tafeln in Olhão ebenso entdeckt wie in Loulé, in São Marcos da Serra oder in São Brás de Alportel. Nicht immer sind sie heutzutage sofort zu finden, weil davor inzwischen Pflanzen gewachsen sind wie auf dem Weg nach Monchique oder weil wie an der Landstraße N125 bei Boliqueime Briefkästen aufgestellt wurden. Und manchmal sind sogar nur noch Reste übriggeblieben, wie in Porches, wo wenige der ursprünglichen Azulejos in der Rua Igreja an einer Mauer hängen, mehr als «Algarve… E» ist nicht zu lesen.

Foto über Schweppes-Werbung am Algarve

Schweppes-Werbung am Algarve · Foto: © Jörg Hahn

Nicht allein Schweppes-Werbung hat die Fabrik in Aveiro einst hergestellt. Es gibt hier und dort noch ein paar andere alte Werbe-Fliesen, doch kaum eine der Marken ist heute noch auf dem Markt oder überhaupt im Gedächtnis geblieben. Beispiele sind Jaguar Refrigerantes, Nitrato do Chile, Mabor Geral oder einige andere Hersteller diverser Produkte, von Getränken über Radios bis Autoreifen. 

Im Gegensatz zur Schweppes-Werbung, die es augenscheinlich nur an der Algarve gibt, sind andere alte Tafeln in ganz Portugal verteilt. Das kann man mit einer interessanten Webseite nachvollziehen, die zu einer Art Schnitzeljagd nach alten Werbe-Azulejos einlädt. Eine Gruppe von drei portugiesischen Freunden aus dem Norden hat nämlich das Online-Projekt Azulejo Publicitário Português ins Leben gerufen. Das Trio hat, auch mit Hilfe von Menschen, die ihnen immer wieder Fotos und Fundorte zusenden, die Kacheln kartiert und geordnet. So halten sie eine schöne Erinnerung wach: »Diese Website wurde von Lieb­habern von Werbetafeln aus Keramikfliesen entwickelt, insbesondere von solchen, die an vielen der ältesten portugiesischen Straßen zu finden sind«, heißt es dort. »Angesichts ihres allmählichen Verschwindens soll diese Website dazu beitragen, die Erinnerung an die Werbetafeln aus Keramikfliesen zu bewahren, die aufgrund ihrer Geschichte und Vielfalt ein schützenswertes Erbe darstellen.«

Foto über Werbung am Algarve

Werbung am Algarve

Die alten Schilder sind keine Kunst, sondern Wind und Wetter ausgesetzte Gebrauchsgegenstände. Und sie sind deshalb zunehmend bedroht. Sie werden nicht gepflegt, und da sie sich meist an Privathäusern befinden, werden sie oft übermalt, verdeckt oder gleich ganz entfernt. Doch die Tafeln sind mehr als Reklame − sie sind ein Teil der Geschichte des Algarve und des Tourismus der letzten sechs Jahrzehnte.

Weitere Infos auf der Webseite Azulejo ­Publicitário Português:
https://azulejopublicitario.pt/t/sc/

Eine Reise auf die Kapverden (26.2.–8.3.2022)

KAPVERDEN – São Vicente: Strand und Bucht von Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges

Reisebericht (26.2.–8.3.2022) von Michael W. Wirges

> Einer meiner lang gehegten Träume wurde wahr − eine Reise auf die Kapverdischen Inseln, auch kurz Kapverden genannt! In Lissabon geboren, wollte ich seit vielen Jahren auch den afrikanischen Teil des Atlantiks kennen lernen. 

Vorab beschäftigte ich mich intensiv mit dieser Inselwelt, die etwa 570km von der westafrikanischen Küste entfernt liegt. Die Bezeichnung stammt aus dem Portugiesischen − Cabo Verde − bedeutet Grünes Kap und besteht aus zehn Inseln, wovon nur neun tatsächlich bewohnt sind. Die Flagge der Kapverden symbolisiert mit den zehn goldenen Sternen die Inseln des Landes, die Farben Blau, Weiß und Rot stehen für Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit. Die Kapverden haben nach der Nelkenrevolution in Portugal 1975 ihre Unabhängigkeit erlangt.

Die nördlich gelegenen acht Inseln werden die Inseln über dem Wind (Ilhas do Barlavento) genannt, zu denen Santo Antão, São Vicente, Santa Luzia, Branco, Razo, São Nicolau, Sal und Boa Vista gehören. Die vier Inseln unter dem Wind (Ilhas do Sotavento) liegen südlich und bestehen aus den Inseln Brava, Fogo, Santiago und Maio. Die von mir gebuchte Reise hatte die drei Inseln São Vicente, Santo Antão und Sal im Programm. 

Die Reise von Michael W. Wirges in Bildern

KAPVERDEN – São Vicente: Schwimmendes Restaurant in der Marina von Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – São Vicente: Vulkanlandschaft auf der Insel · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – São Vicente: Strand und Bucht von Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – São Vicente: Museum Cesária Évora in Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Der Vulkan Monte Leão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Vulkan in der Wüstenlandschaft · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Salinen von Pedra de Lume · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Sägefisch · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Meeresbrandung bei Buracona · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Hotelanlage Dunas Beach bei Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Espargos mit Internationalem Flughafen · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Vulkan Monte Leão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Das Blue Eye · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Bucht vor Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Auf dem Katamaran · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Palmeira · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Am Meer nahe dem Vulkan Monte Leão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Zuckerrohranbau im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Western Canyon-Ponte-Sul, Schlucht bei Ribeira das Patas · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Vale de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Terassenförmige Landwirtschaft im Gebirge · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Promenade in Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Praia Grande an der Baía das Gatas · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Panoramafahrt auf der Corda-Pass-Straße · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Panoramafahrt auf der Corda-Pass-Straße · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Monte Verde · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Meeresbrandung bei Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Landwirtschaft am Vulkankrater Cova de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Im Tal Vale de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Gebirgsdorf · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Einsturzkrater Cova de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Blick durch die Schlucht zum Meer · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Bergdorf Fontaínhas bei Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Bäuerin in ihrem Garten im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Aufstieg zum Gebirgsdorf Fontaínhas bei Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Auf dem Weg in den Naturpark Monte Verde · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Ansicht vom Gebirge auf Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Anfahrt auf die Insel Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Am Strand von Porto Novo · Foto: © Michael W. Wirges
SV_Schwimmendes-Restaurant-in-der-Marina-von-Mindelo-(S.-Vicente)
SV_Vulkanlandschaft--auf-der-Insel---S-Vicente
SV_Strand-und-Bucht-von-Mindelo-(S.-Vicente)
SV_Museum-Cesária-Evora-in-Mindelo-(S.-Vicente)
SL_Vulkan-Monte-Leao1(Sal)
SL_Vulkan-in-der-Wuestenlandschaft-(Sal)
SL_Strand-von-Santa-Maria-(Sal)
SL_Salinen-von-Pedra-de-Lume-(Sal)
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SA_Zuckerrohranbau-im-Tal-Vale-da-Ribeira-da-Torre-(Santo-Antao)
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SA_Vale-de-Paul-(Santo-Antao)
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SA_Panoramafahrt-auf-der-Corda-Pass-Straße-(Santo-Antao)
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SA_Haeuser-im-Tal-Vale-da-Ribeira-da-Torre-(2)-(Santo-Antao)
SA_Haeuser-im-Tal-Vale-da-Ribeira-da-Torre-(1)-(Santo-Antao)
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SA_Blick-durch-die-Schlucht-zum-Meer-Santo-Antao)
SA_Bergdorf-Fontaínhas-bei-Ponta-do-Sol-(Santo-Antao)
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SA_Ansicht-vom-Gebirge-auf-Santo-Antao
SA_Anfahrt-auf-die-Insel-Santo-Antao
SA_Am-Strand-von-Porto-Novo-(Santo-Antao)
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26./27. Februar: BERLIN − LISSABON − SÃO VICENTE

Von Berlin ging es frühmorgens nach Lissabon, wo wir einen Tag Aufenthalt hatten. Nach dem Frühstück in unserem sehr schönen Hotel erfolgte der Transfer zum Internationalen Flughafen von Lissabon und der check-in. Mittags starteten wir pünktlich mit TAP Air Portugal und flogen über den Atlantik nach São Vicente, unserem ersten Reiseziel. Der Flug dauerte etwa 6 Stunden, gegen 17 Uhr landeten wir auf dem Aeroporto Internacional Cesária Évora in Mindelo. Der Transfer mit dem Bus brachte uns zum 4* Blue Marlin Hotel, das auf einer An­höhe lag, mit herrlichem Blick über den Hafen und die Bucht. 

Nach einer Begrüßung von der ört­lichen Reiseleitung mit Caipirinha auf ­einem schwimmenden Restaurant in der Marina von Mindelo, nahmen wir das Abendessen in dem für die Region typischen Restaurant, dem Clube Nautico, ein. Wir wurden verwöhnt mit Inselspezialitäten und einem kleinen Live-Konzert mit der für die Kapverden bekannten Morna-Musik, moll-lastig und sehnsüchtig, und die dem portugiesischen Fado sehr ähnlich ist. Die bereits 2011 verstorbene Sängerin Cesária Évora konnte diese Musik wie niemand anders interpretieren.

Unser Reiseführer, José Antonio Almeida, kurz José genannt, hatte hervorragende Deutsch-Kenntnisse, und war mit seiner Lebendigkeit und Hilfsbereitschaft von Anfang an dabei, begleitete uns auf die ersten beiden Inseln, die wir besuchten − São Vicente und Santo Antão.

28. Februar: SÃO VICENTE

Nach diesem wunderbaren afrikanischen Auftakt war ich gespannt auf den folgenden Tag und auf alles das, was in den nächsten Tagen noch auf mich zukommen würde. 

José führte uns auf einem Rundgang durch die Inselhauptstadt Mindelo. Besonders sehenswert waren hier unter ­anderem die Markthallen des Mercado Municipal und des Fischmarktes Mercado do Peixe, die mich sehr an meine Reise nach Madeira erinnerten. Bei beiden Märkten kann man die Vielfalt der Landwirtschaft und der Fischerei, die die Natur auf diesen Inseln hergibt, bestaunen. Exotische Früchte wie Mango, Papaya, Kokosnuss, Bananen, auch Maniok, Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Chilischoten, sowie Fische in allen Arten und Größen. 

KAPVERDEN – São Vicente: Museum Cesária Évora in Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – São Vicente: Museum Cesária Évora in Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges

Besonders gespannt war ich auf den Besuch des Museums über das Leben der Musiklegende Cesária Évora (1940−2011), die sich durch die Interpretation und Verbreitung der traditionellen Musik aus den Kapverden, weltweit einen Namen gemacht und das kapverdische Lebensgefühl in die Welt getragen hat. 

Der berühmte, von Cesária Èvora besungene Karneval von São Vicente, fand corona-bedingt leider nicht statt, was uns alle zwar sehr enttäuschte, wofür wir aber Verständnis zeigten.

Auf einer Serpentinenstrecke ging es danach mit einem Kleinbus auf den 750 Meter hohen Berg Monte Verde im gleichnamigen Naturpark in vulkanischem Gebiet, welches auf den Inseln überall zu sehen ist, und die von kargen, braunschwarzer Landschaften geprägt ist. Wir fuhren durch die bewohnten, aber sehr kleinen und einfachen Ortschaften Viana und Salamancia. 

Nach einem Besuch des Strandes Praia Grande an der Baía das Gatas hielten wir Rast im Hafenörtchen Calhau mit leckeren Gerichten, die vielfach aus Fisch bestanden.

1. März: SÃO VICENTE − SANTO ANTÃO

Frühmorgens Check-out aus dem Hotel Blue Marlin und Fahrt mit der Fähre über den aufgewühlten Atlantik nach Porto Novo auf der Insel Santo Antão − Unterbringung im 4* Hotel Tiduca in Ponta do Sol. Auch unser neuer Reiseführer hier auf Santo Antão sprach sehr gut Deutsch und war eine angenehme Begleitperson. 

Stark beeindruckt hat mich die Panoramafahrt auf der Corda-Pass-Straße mit mehreren Foto-Stopps, unter anderem zum Vulkan-Einsturzkrater Cova do Paúl, von den Einheimischen auch caldeira oder cratera do vulcão genannt. Von da aus ging es weiter durch bizarre, vulkanische Gebirgslandschaften. 

Weitere Orte, die wir durchfuhren, waren Combo de Figueira, Delgadim, Corda, und Ribeira Grande, wo wir zu Mittag aßen. Viele Speisen werden mit Maismehl, Erbsen, Süßkartoffeln und Maniok zubereitet. Selbstverständlich serviert man viel frischen Fisch aus der Vielfalt des Atlantiks. Im grünen Tal Vale da Ri­beira da Torre sahen wir Anpflanzungen mit Zuckerrohr, Maniok, Bananen, Mango, Süßkartoffeln und anderen exotischen Früchten, sowie Brotbäume, Kokospalmen und wir konnten Angola- und Kapverden-Enten bestaunen.

Am frühen Nachmittag waren wir wieder in unserem Hotel Tiduca in Ponta do Sol zurück.

2. März: SANTO ANTÃO

Nach dem Frühstück besuchten wir die Kleinstadt Ribeira Grande mit Reiseleiter Tino, auch er sprach ein recht gutes Deutsch. Wir fuhren weiter mit dem Kleinbus entlang der Küstenstraße, die, wie die meisten Straßen auf dieser Insel, eher mit Granit- und Basaltsteinen gepflastert waren als mit Asphalt belegt.

Im Tal Vale de Paúl stieg noch Begleitperson Lilly dazu, da wir für diesen Tag zwei anstrengende Wanderungen zu erwarten hatten. Die erste, über zweistündige Wanderung, begann mit einem beschwerlichen, steilen Aufstieg bergaufwärts, später durchs Tal hindurch. Hier besichtigten wir eine Farm, in der Zuckerrohr zu verschiedenen Sorten Schnaps verarbeitet wird. Für mich war es völlig neu zu erfahren, dass es so viele verschiedene Sorten von Zuckerrohr- Schnaps gibt. Dieser konnte käuflich erworben werden.  

KAPVERDEN – Santo Antão: Bäuerin in ihrem Garten im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Santo Antão: Bäuerin in ihrem Garten im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

Mittags hielten wir eine kurze Rast in einer Hütte, die sich dann als Bar-Restaurant entpuppte. Die Inhaberin von O Curral war eine Deutsche, die mit ihren erwachsenen Kindern dieses Lokal und eine Farm mit Zuckerrohr betreibt. Ihr verstorbener Mann, der Österreicher Alfred Mandl (1950−2019) hatte sich hier bereits in den 1980er Jahren zunächst als Student, später als Aussteiger, niedergelassen und eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft aufgebaut. Er galt als Pionier des sanften und ökologischen Tourismus, den er ab 1987 mit seinem Reiseunternehmen Alsatour gründete. Dieses Unternehmen erhielt für diese Leistung später einen Preis des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Seine Frau Christine, die während ihres BWL-Studiums hierherkam und bei ihm blieb, führt mit ihren Söhnen sein Lebenswerk fort.

Nach dem Mittagessen in Ribeira Grande besichtigten wir eine Ruine auf einem Felsvorsprung am Meer. Hier stand einmal eine Synagoge (Sinagoga), die verlassen wurde, als sich die in Pombas und Ponta do Sol lebenden Juden aus Mangel an Geschäften von der Insel zurückzogen.

KAPVERDEN – Sal: Salinen von Pedra de Lume · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Salinen von Pedra de Lume · Foto: © Michael W. Wirges

Nach einer kleinen Pause in unserem Hotel starteten wir am Nachmittag erneut zu einer weiteren Panorama-Wanderung durchs Gebirge nahe Ponta do Sol, zu dem malerischen Bergdörfchen Fontaínhas. Der 45-minütige steile Aufstieg hatte sich gelohnt, denn das mitten an Gebirgshängen liegende, malerische Dörfchen war umgeben von terrassenförmig angelegter Landwirtschaft. Der Weg bot zudem noch eine wunderschöne Aussicht auf das Meer. Auch der gleiche Rückweg, an steilem vulkanischen Gebirge entlang, war für mich sehr beeindruckend. 

3. März: SANTO ANTÃO

Der nächste Tag der Busrundreise begann mit einem Fotostopp nahe dem Leuchtturm Cruzinha da Garça.  

Auf einem anschließenden Rundgang durch die Stadt Porto Novo zeigte uns unser Reiseleiter zwei Straßenzüge mit kunstvoll, bunten Graffitis bemalten Häuschen, die das farbenfrohe, wenn auch karge Leben der Kapverdianer, widerspiegelten. Auf den Fahrten über vorwiegend mit Kopfstein gepflasterten Straßen und mit wenig Ampeln fiel mir wohlwollend die peinliche Sauberkeit in den Ortschaften auf. 

KAPVERDEN – Santo Antão: Ansicht vom Gebirge auf Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Santo Antão: Ansicht vom Gebirge auf Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges

Karge, braun-schwarze Landschaften, zeigten sich besonders im Landesinnern. Bei einem Fotostopp im Western Canyon Ponte Sul, nahe dem Dörfchen Lagedos, an der Schlucht von Ribeira das Pajas, kam ich beim Aussteigen aus dem Bus ins Rutschen, stürzte zum Entsetzen aller Businsassen fast die Schlucht hinunter. Zum Glück konnte ich schnell die Kurve kriegen, mich abfangen und kam mit dem Schrecken davon! Es war alles nochmal gut gegangen!

Weiter ging die Fahrt über den Pass der Selada. Der Pass Selada de Alto Mira ist etwa 1.200 Meter hoch, ein fast menschenleerer Landstrich, Norte genannt. Der Berggipfel Pico de Alto Mira ist etwa 1.900 Meter hoch, wir hielten kurz auf halber Höhe für Fotoaufnahmen dieser kargen, vulkanischen Gebirgslandschaft an. Während der Fahrt durch das Gebirge fuhren wir durch mehrere Dörfer weiter in das Dorf Alto Mira, das etwa 900 Meter hoch liegt. Die Weiterfahrt bergab erfolgte durch fast unwegsames Gelände zu dem Bauernhof Babilonia, in dessen Restaurant wir zu Mittag aßen.

KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

Weiter ging es direkt zum Hafen in Porto Novo. Unser Gepäck war schon vom Hotel dorthin gebracht worden. Am Nachmittag bestiegen wir die Fähre, die uns wieder zurück nach São Vicente brachte. Diesmal war es eine Überfahrt auf dem Atlantik bei ruhigerem Seegang. Es erfolgte eine Übernachtung in dem uns schon bekannten Blue Marlin Hotel. Entgegen den ersten zwei Nächten hier, bekam ich nach Reklamation diesmal das wohl beste Zimmer mit dem schönsten Blick auf den Hafen und die Bucht. Meiden Sie also bitte das Zimmer Nummer 20, wenn Sie jemals dort übernachten sollten!

4. März: SANTO ANTÃO – SAL

Nach dem Frühstück wurden wir früh um 6.30 Uhr mit dem Kleinbus vom Hotel zum Flughafen Aeroporto Internacional Cesária Évora gebracht. Wir flogen mit einer kleineren Turboprop-Maschine der Fluggesellschaft bestfly, Typ ATR 72 für etwa 80 Passagiere, von São Pedro auf São Vicente nach Espargos auf Sal, zum Aeroporto Internacional Amílcar Cabral. Gleich nach Ankunft erfolgte der Bustransfer zum 5* Strandhotel Meliá Dunas Beach Resort & Spa / Tortuga Beach bei Santa Maria. Diese Ferienanlage der spanischen Hotelgruppe Meliá kann ich jedem Besucher der Insel Sal nur empfehlen, da dieser Komplex keine Wünsche offenlässt. 

Nach Ankunft und Check-in unternahmen wir individuell einen Erkundungsgang über die riesige, touristische Hotel- und Erholungsanlage mit diversen Restaurants, Bars, Pools und sogar einem eigenen Strand am Meer! Fast alles war all inclusive!

5. März: SAL

Für diesen ersten Tag auf Sal war eine Inselrundfahrt mit dem Kleinbus geplant. Uns begleitete wieder José, der Reiseleiter von São Vicente. Unsere Fahrt ging zunächst zu dem Fischerdörfchen Santa Maria, das sich neben Fisch- inzwischen auch auf Touristenfang eingestellt hatte. Ein Spaziergang durch den Ort zeigte uns das Fischer- und Strandleben sowie exklusive Herbergen, unter anderem das Hotel Morabeza, welches vor Jahrzehnten eines der ersten am Platz war.

KAPVERDEN – Sal: Meeresbrandung bei Buracona · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Meeresbrandung bei Buracona · Foto: © Michael W. Wirges

Die Busfahrt ging weiter durch sehr karge Landschaften zu dem Städtchen Espargos (= Spargel!), der Inselhauptstadt. Von hier aus ging es hinauf auf einem Hügel über der Stadt, auf der sich eine Kaserne befand. Von hier aus hatten wir einen wunderbaren Rundblick auf Espargos und den internationalen Flughafen von Sal.

Gespannt war ich auf den kleinen, am Meer gelegenen Vulkan Monte Leão, der eine Höhe von etwa 400−500 Metern aufweist. Die Fahrt dorthin führte uns durch wüstenähnliche Landschaft. Der Vulkan selbst erscheint wenig spektakulär, stellt aber dennoch eine besondere Sehenswürdigkeit in dieser kargen Landschaft dar. Weiter ging die Fahrt nach Palmeira, einem kleinen Ort mit Fischerhafen. 

Nach einem kurzen Spaziergang am Strand und Fischerhafen in Palmeira fuhren wir weiter zu den Salinen von Pedra de Lume (= Feuerstein). Diese wurden 1805 von Manuel António Martins gegründet und liegen in einem Vulkankrater. Die Salinen wurden später durch die Franzosen neu ausgebaut. Der Zufluss von Meerwasser erfolgt unter­irdisch, wobei die Meerwasserentsalzung im Krater erfolgt.

Es ging mit dem Bus weiter auf einer langen Ruckelfahrt durch unwegsames Gelände, zur heftigen Meeresbrandung bei Buracona. Hier besichtigten wir die Grotte Blue Eye, in welche das Meereswasser mit aller Gewalt hineinschießt und je nach Sonneneinstrahlung ein zeitweise blau schimmerndes Auge erscheinen lässt. Was für ein Naturereignis!

KAPVERDEN – Sal: Das Blue Eye · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Das Blue Eye · Foto: © Michael W. Wirges

Etwas weiter entfernt, ebenfalls in dieser Wüstenlandschaft − wenig Grün, ein paar Sträucher, amerikanische Akazien −, die merkwürdigerweise den Namen Terra Boa (= Gute Erde!) trug. Hier konnten wir das Phänomen einer echten Fata Morgana miterleben. Am Horizont erschien uns ein seeähnlicher, blauglitzernder Streifen, der in der Realität aber gar nicht existierte. 

Auf der Rückfahrt zum Hotel fuhren wir vorbei an Wellblechhütten, einem ehemaligen Gefängnis und verlassenen Neubauprojekten, die sich noch im Rohbau befanden. Welch ein Kontrast zu unserer Unterkunft!

6. März: SAL 

Endlich kam für uns ein Vormittag zum Ausschlafen, Relaxen und zum individuellen Bummeln. Am frühen Nachmittag fuhren wir von der Hotelanlage zum Hafen von Palmeira. Wir wurden mit einem Tenderboot eingeschifft − alle mussten Schwimmwesten anlegen − und zu einem Katamaran gebracht, der zwischen Fischerbooten vertäut lag.

Mit diesem Katamaran folgte eine Stunde Fahrt auf dem relativ ruhigen Atlantik bis zum kleinen Vulkan Monte Leão, den wir bereits am Vortag besucht hatten. An Bord hörten wir internationale und afrikanische Musik, es gab Snacks und Getränke, Entertainment mit der jungen, einheimischen Begleiterin Gigi, die auf afrikanisch tanzte. Zur Crew gehörte weiterhin der Schiffsmaat, der Bordarbeiten erledigte. Fun, Relax, und auch die Gelegenheit, ein Bad im Meer zu nehmen, blieben nicht aus. 

KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges

7. März: SAL

Heute war kein Besuchsprogramm. Den ganzen Tag über hatten wir Zeit zur freien Verfügung, um auch leider wieder unsere Koffer zu packen! Ich nutzte diese Zeit, um mit einem Taxi von der Hotelanlage noch einmal nach Santa Maria zu fahren, am Strand spazieren zu gehen und dem Treiben der Fischer zuzusehen. 

Zur ungewöhnlichen Zeit erfolgte der Late Check-Out gegen 19 Uhr, danach gab es ein gemeinsames Abschiedsessen in einem Restaurant in der Hotelanlage.

Gegen 23 Uhr wurden wir von der Hotelanlage mit Kleinbussen abgeholt und zum Aeroporto Internacional Amílcar Cabral in Espargos gebracht. Unsere kleine Gruppe nahm herzlichen Abschied von unserem tollen Reiseleiter José, und von diesem herrlichen Inselhopping.

8. MärzSAL−LISSABON−BERLIN 

Um 1:00 Uhr Rückflug mit TAP Air Portugal nach Lissabon, Landung gegen 6.00 Uhr früh in der portugiesischen Hauptstadt. Sechs Stunden später Weiterflug von Lissabon (LIS) nach Berlin (BER) mit TAP / Portugália, wo wir nach etwa 3,5 Stunden Flug am Nachmittag landeten.

DPG: Jahrestagung und Wahlen 2022

Foto der DPG-Fahne

Überblick von Gabriele Baumgarten-Heinke zum Wahl-Marathon am 28.10.2022 in Berlin

> Liebe Mitglieder, wie bereits angekündigt, wird in der Zeit vom 28.10. bis zum 30.10.2022 die DPG-Jahres­tagung in Berlin stattfinden. Wir senden Ihnen die Ein­ladung, das Programm und die Tagesordnung fristgerecht zu bzw. veröffentlichen diese im nächsten Portugal Report und auf der DPG-Website. 

Am 29.10.2022 findet die Mitgliederversammlung mit den Wahlen des Präsidiums statt. Die Übersicht über das aktuelle Präsidium finden Sie auf der vorletzten Innenseite des Portugal Reports. Das Präsidium wird, entsprechend der Satzung der DPG, für die Dauer von drei Jahren gewählt.

Ich möchte Ihnen hiermit einen kleinen Überblick über die zu wählenden Funktionen geben. Vielleicht möchten auch Sie kandidieren?

PräsidentIn: Zu den Aufgaben gehört die Unterstützung des Vereins in seiner Außenwahrnehmung. Er/Sie repräsentiert den Verein, baut Verbindungen (vor allem zu Botschaften) und Netzwerke aus und pflegt diese. Nach Möglichkeit sollte der/die DPG-PräsidentIn den Wohn­ort am Sitz der Gesellschaft haben und die Sprachen Deutsch, Englisch und Portugiesisch beherrschen.

Stellvertretende PräsidentIn: Der/die stellvertretende PräsidentIn vertritt bei Bedarf den PräsidentIn in all seinen Funktionen. Der Wohnort muss nicht unbedingt der Sitz der Gesellschaft sein, die Anforderungen an die Fremdsprachen sollte für die Sprachen Deutsch und Portugiesisch gelten. 

BundesschatzmeisterIn: Der/die BundesschatzmeisterIn verwaltet die Finanzen des Vereins, bucht und prüft die einzelnen Vorgänge unter der Vorgabe der Gemeinnützigkeit des Verbandes. Zur Zeit ist diese Funktion an die Leitung der Bundesgeschäftsstelle gebunden mit den Aufgaben der Mitgliederbetreuung über die Vereinssoftware linear, Kommunikation mit allen Verantwortlichen, Organisation von Tagungen und Workshops und Erstellen von Statistiken − in enger Zusammenarbeit mit dem DPG-Präsidium. 

VizepräsidentInnen: Entsprechend der Satzung der DPG (§ 12) werden vier VizepräsidentInnen gewählt, die, ebenfalls laut Satzung, auf bestimmten Gebieten aktiv werden sollten. Die TeilnehmerInnen des Strategie-Workshops im Juni 2021 hatten noch einmal die Notwendigkeit festgestellt, die Funktion der VizepräsidentInnen mit konkreten Aufgaben zu besetzen. 

Diese Aufgaben könnten nach jetzigem Stand sein: 1. AnsprechpartnerIn für Portugal (Außenwahrnehmung, Mitglieder); 2. Redaktion/Website; 3. Außenauftritt der DPG in den sozialen Medien; 4. Marketing/Strategien (u. a. Vorbereitung 60 Jahre DPG 2024) 

Dabei ist es laut Satzung auch zulässig, dass ein Präsidiumsmitglied zwei Ämter innehat. Eventuell weitere Aufgaben zur Verbesserung der Außenwahrnehmung der DPG sollten zur Mitgliederversammlung diskutiert werden. 

Liebe Mitglieder, noch immer fehlen uns Mitglieder die bereit sind, einen Landesverband oder eine Stadtsektion zu leiten. Eine Aufgabe, die Engagement verlangt, aber auch sehr viel Freude bereitet. Als Grundlage wurden im vergangenen Jahr die »Empfehlungen für die Vorsitzenden der Landesverbände (LVB) und Stadtsektionen (STS)« entwickelt, die als Leitfaden genutzt werden können. Außerdem gibt es eine regelmäßige Kommunikation zwischen allen Vorsitzenden und dem Präsidium, Sie sind in dieser Funktion nicht alleine! Die Funktionen der Vorsitzenden der LVB und STS sind Wahlfunktionen und werden ebenfalls auf drei Jahre gewählt. Die Regionen Sachsen, Bayern, Berlin-­­Brandenburg, Saarland und Rheinland-Pfalz werden zum Teil kommissarisch betreut und ihre Mitglieder warten auf ­eine/n Vorsitzende/n! 

Falls Sie für eine der aufgeführten Funktionen kandidieren möchten, sollte Ihre Kandidatur bis vier Wochen vor der Mitgliederversammlung in schriftlicher Form an die DPG-Geschäftsstelle gesandt werden. Einzige Voraussetzungen für die Wahl sind die Mitgliedschaft in der DPG und die regelmäßige Zahlung des jähr­lichen Mitgliedsbeitrages.  

Trauen Sie sich, sprechen Sie uns an, wir sind für Sie da! Wir wollen noch mehr tun für unser Motto DPG begeistert − seien auch Sie ein Teil davon! 

Como numa fiada de pérolas

O mar: Só os moinhos de água faltam

E favor de todo o povo português tal como numa fiada de pérolas • de Eberhard Fedtke e Ana Carla Gomes Fedtke

> As nossas perspetivas modernas, inúmeras vezes, ainda que de olhos e ouvidos bem abertos, não veem as possibilidades fundamentais para os progressos e para as soluções lógicas favoráveis, dentro da época em que vivemos. De vez em quando, a natureza ou uma certa situação ambiental ou quotidiana perigosa, confere-nos uma inspiração inicial para termos uma reação adequada ou até para criarmos inovações revolucionárias do homem.

Analisemos o setor da água potável na terra, uma condição de primeira linha para toda a nossa vida humana; para a existência rica da fauna e da flora e para o funcionamento do clima. À inúmera população mundial, acresce a terrível evidência de ela não ter o acesso suficiente a este bem essencial. A urgência do tema, vai-se já alargando a muitas mais partes do mundo, e vai causando perturbações de sobrevivência para os povos. O puro deserto é o produto final da falta permanente de água. A multiplicação das terras secas e desertas começam a fazer parte de uma mudança global do clima no nosso globo terrestre. Um resultado absolutamente aterrador do literal abuso de uma civilização exigente e de um consumo privado sem escrúpulos. Água doce e água potável, em qualquer parte do mundo, obtém uma nova denominação de o ouro da terra.

O nosso globo tem, como é sabido, 71 porcento de continentes e 29 porcento de água. O sal integra parte dos mares, as suas águas não são potáveis. Água doce suficiente no mundo inteiro, em princípio, falta porque falta chuva suficiente no mundo contemporâneo, também como resultado da mudança impertinente do clima, com os desertos crescendos no globo, agrava-se o problema, sem uma esperança condigna na regeneração em muitas partes afetadas. 

Olhamos para a nossa atualidade quotidiana no que diz respeito à água potável: em Portugal passamos um significante período de falta de chuva, há anos em curso. Em janeiro de 2022, por exemplo, só caiu 25 % de chuva, como prova a ­estatística estatal permanente, como se resume neste mês, comparativamente com anos anteriores. 75 % de falta deste bem essencial é um puro desastre para a agricultura, em primeiro lugar, mas não só, também para toda a nossa vida quotidiana. Pode ser, esperamos, um mero intermezzo ocasional da natureza, mas pode-nos alarmar para um contributo severo de uma evolução maçadora de longo prazo e, substancialmente perigosa. Não se pode continuar assim, alertam os responsáveis. O mais provável é que Portugal venha a entrar numa catástrofe natural, deturpando-se progressivamente a flora e a fauna. Ninguém sabe até quando vai continuar este castigo de seca e se estamos apenas no início normativo de uma mudança global do ambiente, cessando, definitivamente, para Portugal, chuvas em necessidades reais. O resultado catastrófico é óbvio e coloca numa situação dificílima todos os sectores de produtividade, dependentes de água pura, especialmente num mundo moderno, com necessidades crescentes. Ascetismo de água não faz sentido.

Rezar e esperar perante o fenómeno pré-pânico são boas medidas já experimentadas, efetivamente aconselháveis, afectuosas até, mas convém que usemos também a cabeça, a nossa inteligência e medidas sobretudo de fantasia industrial. A missão histórica, não só um projeto ocasional em causa, poderia ser articulada do seguinte título: como de facto não temos a garantia de um abastecimento sustentável de água na nossa terra, apenas percentagens incertas, e para não corrermos um risco fundamental, apresentamos algumas dicas de como poderiam ser corrigidos estes factos e sintomas a favor de uma água doce permanente e de autossuficiência, fazendo uma análise correta. Entrar no assunto de forma séria, oferece perspetivas muito interessantes para as aprofundar.

Foto einer Wasserflasche im Meer

Wasserflasche im Meer · Foto: © 0fjd125gk87 from pixabay

Factos certos são: existem instrumentos técnicos, quero dizer máquinas, que podem filtrar água salgada do mar, tornando-a em água potável. Trabalham, para o efeito, máquinas purificadoras em todo o mundo de diversos tipos, até ao ponto de água 100 % ecológica, também no campo de dessalgar água do mar. A técnica não é muito complicada, mas as referidas máquinas são caras e precisam de um tratamento contínuo qualificado e de uma manutenção permanente, de manejo individual. 

Para o nosso país, não há dúvidas que não falta água do mar, muito pelo contrário, com uma costa atlântica de 832 quilómetros de extensão, poderá sempre existir «água de entrega livre na porta». A natureza mostra-se generosa: com os degelos dos icebergs no ártico, os mares sobram em todas as regiões do mundo. Quantidades significativas de pessoas capazes para levar ao cabo esta profunda tarefa da indústria de «limpeza de água salgada», também não faltam. Ora, a modernização e a tecnologia, em crescendo, em todo o mundo do trabalho, produzem continuamente menos postos do trabalho. A profissão de um «engenheiro de purificação de água» poderá vir a ser uma nova profissão, com efetivas e boas perspetivas de futuro. É um chance histórico, criando, desta forma, um nova ­categoria profissional, com novos postos de trabalho no país, abrindo este horizonte um pessoal com uma educação ­especifica.

Depois de se ter prognosticado estas duas condições fundamentais, técnica e manpower, faltam os próximos passos concretos para construir e instalar estas máquinas de despoluição de água em grandes quantidades. Dever-se-ia definir uma estratégia territorial de bom exploração razoável, por forma identificar os locais favoráveis para novas instalações, perto do mar, dentro ou fora da praia, a fim de facilitar a sua melhor funcionamento e manutenção. Pensamos, por exemplo, numa fiada de pérolas desde o norte até ao sul de Portugal, com uma rede diagonal de distribuição desde o oeste ao leste, com abastecimentos em todo o país. Pode, assim, haver um certo renascimento afectuoso de aquedutos, em estilo moderno e adaptado às novas necessidades, mas também − e visto que a boa fantasia não tem limites − em manufaturas semelhantes de antigas peças, ainda existentes. Assim, reflitamos através de uma visão decorativa através de toda a costa portuguesa, decorada com uma fila pitoresca, em distâncias razoáveis, com construções em estilo de moinhos antigos ou outras estruturas características do país, a fim de se criar para este fiada de pérolas uma competição criativa de arquitetos engenhosos. 

Estes novos exploradores podem vir a brilhar, purificando e transformando a água salgada sem fim, em água doce. Uma revolução técnica inteira e um genial conjunto produtivo seria a coordenação local nestes moinhos, trabalhando em estilo antigo ou moderno, numa espécie de turbina eólica geradora, basicamente exclusivamente via força do vento, quase com um impulso simétrico, que funcionaria em simultâneo com a realização da filtração de água salgada, bem como o transporte da água polida em lugares, cujo destino estaria já traçado, uma sequência polifásica.

Illustration: Os moinhos da água

Os moinhos da água · © Illustration: Andreas Lahn

Falta o ponto final. O pagamento desta industria e o procedimento complexo: em pagamento estariam sete grandes sectores com subsectores regionais: a construção nacional central das máquinas de filtragem, a instalação delas, os moinhos de água em locais definidos na praia, a construção e manutenção de reservatórios e depósitos no interior do país, a construção e a manutenção das redes na sua totalidade para o transporte do precioso bem, a distribuição da água em determinados locais, a administração toda esta sequência, a partir da produção até à faturação/distribuição aos consumidores, assim finalmente a formação do pessoal.  Nasce e serve para este fim financeiro, uma ideia multicolorida: pode muito bem ajudar que, lado a lado com financiamentos tradicionais e com subsídios nacionais e internacionais, surja um plano de financiamento brilhante, eficaz e moral e, com múltiplos efeitos, suscitando quantias consideráveis do capital privada português, que regularmente são levados para fora de país, como toda a gente sabe. Estas quantias dormem e, por essa razão, falta a liquidez geral pública internamente, que poderiam, efetivamente, servir como empréstimos particulares − evidentemente na base de uma anterior amnistia total e irrevogável do Estado – para a exploração eficaz deste programa nacional de criação e de realização num «sistema de garantir sempre água pura em Portugal». Através desta técnica própria portuguesa poderia, inclusive, ressurgirem novas patentes mundiais, agindo com pessoal próprio e numa situação terrestre ótima. Dar-se-ia, por isso, a oportunidade de exportar água pura, como os portugueses já fazem, e com muito sucesso, no sector das exportações de eletricidade. Vale a pena ativar todas as fontes financeiras nacionais, incluindo o dinheiro preto reimportado, para esta forte riqueza, que seria a de produzir continuamente água ecológica, não faltando, em Portugal, água pura para a agricultura, para as diversas industrias e para o consumo interno. Também os bombeiros poderiam aproveitar destas redes regionais de água no combate a incêndios de florestas, em tempo de seca, provavelmente sempre mais fortes no futuro, minimizando, por exemplo, os custos enormes de hidroaviões.

Uma outra vantagem evidente seria o apoio profundo para um reforço e o crescimento do turismo, criando também ­novos postos de trabalho. Resumindo, acrescendo a este aumento prospero uma áurea mais brilhante: Portugal ­poderia com a sua água em superabundância, transformar-se, multiplicando as firmas de jardinagem, com repercussões a variadíssimos níveis, criando, para reforçar, novos e permanentes postos de trabalho. Aí, sim, Portugal tornar-se-ia, totalmente, num grande jardim em flor, sendo esta beleza da natureza uma excelente carta de visita para a imagem no mundo inteiro, em concreto: Portugal com um clima saudável, sem polução digna de menção, com mais horas de sol na Europa, com um ambiente de bem-­estar, usufruir-se-ia ainda mais de um clima social pacífico. Em suma: o país poderia tornar-se em luz idílica, dentro de um mundo cada vez mais nebuloso e sujo. 

Portugal tem muitos valores ainda não explorados. Neste nosso caso em causa, falamos de uma inovação natural, sem influências negativas da parte de industrias modernas que perturbam com barulho, mau cheiro e outros desgostos, a nossa vida quotidiana. É mais do que um sonho irreal limpar água do mar na dimensão perfeita de uma indústria nova, rente à nossa magnífica costa, em grande estilo e com uma inovação de excelência, exclusiva às próprias condições e elementos humanos, técnicos e materiais, conferindo-se, também, um adequado ­financiamento completo, no fim, com a venda de água ao consumidor final, incluindo um lucro calculável. 

Bem, atenção − sentimento nacional: só com reservas privadas é possível salvar todo o futuro da existência biológica e climática do país − que tarefa exclusiva do ponto de vista ambiental, económico, moral e ético! É que, no fim, é tão fácil cumprir e produzir tudo, contra uma fatalidade ante portas de um flagelo mortal de seca, precisa-se apenas de um bom planeamento! Também de um espírito empreendedor, entrar orientado e metodicamente no assunto emocionante e numa tarefa em profundo alvoroço.

Quem dá o primeiro passo nesta iniciativa de investimento da atualidade? Chegou a hora!