Kategorie: PR89

Luzinha in Berlin: So schmeckt Portugal

LUZINHA: Foto von in portugiesischer Sonne leuchtenden roten Granatäpfeln

So schmeckt Portugal

Interview mit Thomas Hirschmann, Geschäftsführer der Berliner Firma Luzinha    Fragen von Andreas Lahn

> PORTUGAL REPORT: Wer mit Produkten aus Portugal handelt, liebt das Land und seine Menschen. Wann bist du auf Portugal gekommen?
Thomas Hirschmann: 1988 zum ersten Mal. Und seitdem immer wieder. 

Gibt es für dich einen Lieblingsort in ­Portugal, zu dem es dich immer wieder hinzieht?
Nein, wir sind auch 1988 schon durch das  ganze Land gefahren. Es gibt keine Gegend, die ich schöner finde als eine andere. Sie sind alle schön. Doch jetzt mit ­Luzinha konzentrieren wir uns auf die Algarve, um die Transportwege kurz zu halten.

Mit deiner Berliner Firma Luzinha vertreibst du portugiesische Produkte. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Mit dem Obst fing alles an. Es gab damals kaum Möglichkeiten, in Berlin Bio-Orangen aus Portugal zu bekommen. Ich habe versucht herauszufinden, warum nicht. Es ist scheinbar schwierig, portugiesische Bio-Orangen nach Berlin zu transportieren, weil es  schwierig ist, die Logistik so aufzubauen, dass die Früchte verlässlich und regelmäßig in Berlin ankommen. Wir haben es nun aber doch geschafft! 

Foto von Orangen auf dem Weg zur Reife

Orangen auf dem Weg zur Reife· © Thomas Hirschmann

Mit den Bio-Orangen hat alles angefangen. Welche Produkte bietet Luzinha an und wie wählt ihr die ProduzentInnen aus?
Bei Nahrungsmitteln versuche ich, in jedem Fall Bioprodukte zu finden. Und natürlich ist die Qualität wichtig, aber die ist in Portugal eigentlich immer sehr gut. Ich habe noch keine schlechten Nahrungsmittel gefunden. 

Für mich muss es Bio sein und für die Produzenten damit auch, um ins Konzept zu passen. Wenn ich die Wahl habe, nehme ich meistens zuerst den kleineren Produzenten, weil ich dem Betrieb damit die Möglichkeit anbiete, seine Produkte auch außerhalb des eigenen Umfeldes zu vermarkten. Eben auch ins Ausland, was für Kleinproduzenten normalerweise unmöglich ist, weil es keine Lieferketten gibt.

In erster Linie Obst, Gemüse und Feinkost. Was gibt es noch bei Luzinha?
Ja, gutes Obst, im Sommer gutes Gemüse, Feinkost, und natürliche Produkte wie Wolldecken, schlichte Messer oder typisch portugiesische Rillengläser.

LUZINHA: Foto einer köstlichen Mango von Julia

Köstliche Mango von Julia · © Thomas Hirschmann

Und welches Obst und Gemüse bietet Luzinha an?
Zitrusfrüchte wie Orangen, Zitronen, Limetten, Blutorangen, Mandarinen, Pampelmusen, im Herbst dann frühe, mittlere und späte Granatäpfel, mehrere Sorten Avocados, Mangos sehr kurz, manchmal Maracujas. Wir suchen noch jemanden, der uns mit Pfirsichen und Aprikosen versorgt und nicht so weit weg wohnt, weil die schwierig zu transportieren sind. Unsere Produzenten sind ja sehr klein und haben keine Kühlfahrzeuge. Gemüse haben wir Süßkartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen, alles, was hier in Deutschland schlecht wächst. Man muss keine Erdbeeren aus Portugal holen, sondern kann in Deutschland auf die Saison warten. Keine Himbeeren, keine Heidelbeeren und keine Brombeeren.

Wie stellt ihr die Bioqualität der Produkte sicher?
Alle Produzenten, mit denen wir zusammenarbeiten, sind biozertifiziert, halten alle Richtlinien ein und verwenden keinerlei Gift. 

Willst du ein quasi vollständiges Sortiment an portugiesischen Produkten anbieten oder wählst du die Produkte, die auf die du beiläufig triffst?
Eigentlich suche ich die Produkte, die ich selber gerne mag. Wenn ich in Portugal etwas entdecke, was ich auch in Berlin gerne hätte, dann versuche ich, diese Produkte für Luzinha zu bekommen. Ich weiß, dass es in Portugal noch sehr viele Produkte gibt, von denen andere gar nicht wissen, dass sie existieren. Und Portugiesen sind häufig zu bescheiden, um das an die große Glocke zu hängen. Ich muss manchmal lange suchen, werde dann aber mit dem Finden wunderbarer Köstlichkeiten belohnt. 

Foto von Julia aus Silves neben ihren Mango-Bäumen

Julia aus Silves neben ihren Mango-Bäumen · © Thomas Hirschmann

Bananen, Schuhe, Gebäck − zunächst ist also nichts ausgeschlossen, oder?
Ich suche immer noch nach auf portugiesische Art eingelegten Oliven und halt­baren Käsesorten, die ich hier im Glas oder in Öl eingelegt verkaufen kann. Ich versuche, das Obstangebot weiter zu vergrößern, auch mit tropischen Früchten wie Maracujas, Mangos, Guaven, Papayas, die es ja auch an der Algarve gibt und die man so regional kaufen kann wie die  Avocados. 

Kommen alle Produkte aus dem Algarve und dem Alentejo?
Das Öl Norte kommt aus der Beira, aber bald bieten wir ein Öl aus dem Alentejo an. Der Honig kommt aus Mértola. Die frischen Produkte kommen überwiegend aus der Algarve, damit die Transport­wege zum zentralen Versender in der Nähe von Silves kurz bleiben. 

Die bestellten Produkte werden zu einer Sammelstelle transportiert?
Ja, genau. Ein Bauer sammelt alles. Und zu dem kommt dann der Spediteur und bringt alles nach Berlin.  

Foto von João, Zitrusbauer aus Odelouca

João, Zitrusbauer aus Odelouca · © Thomas Hirschmann

Wie läuft denn eine Bestellung über die Website www.luzinha.de konkret ab?
Ein Sonntag im Monat ist der letzte Tag, an dem man auf unserer Website für den jeweiligen Monat bestellen kann. Am folgenden Montag gebe ich diese Informationen nach Portugal weiter. Die Woche über wird dann gepflückt, Freitag kommt der LKW und lädt die Kisten ein. Am Dienstag ist der LKW in Berlin und ab Mittwoch wird dann verteilt. Im Moment liefere ich in Berlin und Potsdam nach Hause. Die Früchte sind also maximal zehn Tage vom Baum, bis sie den Kunden erreichen. Es wird nur die Menge gepflückt, die bestellt wurde. Niemand pflückt auf Verdacht.

Soll das Liefergebiet auf Berlin und Potsdam beschränkt bleiben oder plant ihr eine Ausweitung? Vielleicht auf die Orte, die an der Route des LKWs liegen?
Im Moment könnten wir theoretisch in Hamburg liefern, weil der LKW dort vorbeifährt und das Zwischenlager im Norden Berlins Richtung Hamburg liegt. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Hamburg habe ich in der Warteschleife. Aber man muss auch bedenken, dass wir für Zwischenhändler, Restaurants und auch für Bioläden in der Regel zu teuer sind. Luzinha ist nicht darauf ausgelegt, so große Mengen zu importieren, dass wir Rabatte für Großabnehmer machen können. Das widerspricht unserem Preismodell.

Es ist nicht immer leicht, die Balance zwischen KäuferIn und VerkäuferIn zu finden. Wie kommen die Preise der Produkte zustande?
Die Produzenten sollen mindestens genau so viel verdienen wie ich. Sie machen die Preise, indem sie mir sagen, mit welchem Preis sie glücklich sind. Und dann gucke ich, wie teuer ich sein darf, dass in Berlin noch jemand kauft. Ich orientiere mich an Bioläden und anderen Versandhändlern. Manchmal bin ich billiger, manchmal teurer. Bisweilen liegen im Winter die Preise für Orangen in Bioläden unter meinem Einkaufspreis. Wir versuchen, das ganze Jahr über immer den gleichen Preis zu zahlen, unabhängig davon, ob es eine Schwemme gibt oder die Saison gerade zu Ende geht. Wir schaffen es normalerweise  auch, die Preise stabil zu halten und müssen nur selten korrigieren. Und wenn das doch mal sein muss, kommunizieren wir das auch.

Foto von Lurdes und ihrem Vater aus Caldeiroa

Lurdes und ihr Vater aus Caldeiroa · © Thomas Hirschmann

Arbeitet Luzinha mit Portugal-Initiativen aus anderen Städten zusammen?
Noch nicht, das würde ich aber gerne. Wir sind zum Beispiel mit Pois in Stuttgart in freundschaftlichem Kontakt. 

Was unterscheidet Luzinha von anderen Anbietern? Was ist das Besondere an eurem Geschäftsmodell?
Das Besondere ist, dass Luzinha es kleinen Bio-Produzenten in Portugal ermöglicht, ihre Produkte in Deutschland zu verkaufen. Und, dass deutsche Kunden portugiesische Bioprodukte bekommen, die sie sonst nicht kriegen könnten. Wir haben wirklich phantastische Produkte, die eine wundervolle Qualität haben.

Du kannst es ruhig zugeben: Wenn ich dich reden höre, würdest du das ganze Obst und Gemüse am liebsten alleine essen…
Ich suche alles danach aus, was ich selber gerne hätte. Und wenn ich das denn gefunden habe, kommt es in den Shop.

Glücklich und traurig zugleich also?
Ich bestelle immer genug. Für mich bleibt immer etwas übrig.

Kiste von Luzinha: Jeden Monat ein bisschen anders: der Südfrüchte-Mix

Jeden Monat ein bisschen anders: der Südfrüchte-Mix · © Thomas Hirschmann

Merkst du, dass die BerlinerInnen mehr Geld für Energie, Benzin und Grundnahrungsmittel ausgeben müssen?
Ich hoffe, dass meine Kunden nicht primär beim Essen sparen. Ich glaube, den meisten ist bewusst, dass, wenn es hier schwieriger wird, es in Portugal auch nicht einfacher ist. Man sollte die Unterstützung für die Produzenten nicht einstellen, nur weil die Situation hier gerade etwas schwieriger wird. 

Gibt es Wünsche für die Zukunft oder einen Geschäftsplan für die nächsten Jahre?
Ich möchte, dass Luzinha weiter gesund wächst, ­damit alle Beteiligten mitkommen und keiner abgehängt wird. Wir haben großartige Produzenten und einen Spediteur, der mindestens einmal im Monat von Portugal nach Berlin fährt. Jetzt können wir richtig loslegen und dafür sorgen, dass immer mehr Menschen mitbekommen, dass z. B. nachhaltig transportierte Bio-Avocados direkt vor unserer Haustüre wachsen. Ein Schritt nach dem anderen also. Wenn in Berlin und Potsdam irgendwann alle, die gerne Gemüse und Obst aus Portugal essen möchten, ihre Bestellungen kriegen, dann können wir auch gerne in Hamburg oder in Leipzig weitermachen. Aber bis das soweit ist, gibt es hier noch viel zu tun.

Foto vonThomas Hirschmann, Geschäftsführer der Berliner Firma LUZINHA

Thomas Hirschmann, Geschäftsführer der Berliner Firma LUZINHA · © Andreas Lahn

Thomas  Hirschmann ist 55 Jahre alt und lebt in Berlin. Der gelernte Fotograf hat 2019 die Firma Luzinha gegründet, um portugiesisches Bio-Obst und Bio-Gemüse nach Berlin zu bringen. Und auch, um portugiesischen ProduzentInnen das ganze Jahr über gleichbleibende Preise zu bieten, die ihnen eine existenz­sichernde Kalkulation ermöglichen.

Bestellungen über: https://www.luzinha.de

Frankfurt 2022: Endlich wieder Buchmesse

Foto von der Frankfurter Buchmesse 2022

Frankfurt: Endlich wieder Buchmesse
Persönliche Eindrücke von Catrin Ponciano

> Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin sehr froh, gerade in diesem Jahr zur Pop-Up-Buchmesse in Leipzig und zur ersten Post-Pandemie-­Buchmesse in Frankfurt als Autorin eingeladen gewesen zu sein, denn beide Messen markieren einen Umbruch des öffentlichen Diskurses weg von absolutistisch geprägten Denkmustern in Schwarzweiß-Rauten hin zur offen geführten Auseinandersetzung über Personen und Ereignissen, die die Freiheit des Wortes und Demokratien als solche gefährden.

Mit einem Jahr Verspätung hieß es heuer im März 2022 in Leipzig doch noch Vorhang auf für das Gastland Portugal, wenngleich reduziert auf eine wesentlich kleinere Anzahl Veranstaltungen als seit 2021 vorgesehen, die am 17. März 2022 mit der Ansprache des portugiesischen Botschafters Francisco Ribeiro de Menezes im Haus des Buches in Leipzig feierlich eröffnet worden sind. Passend dazu eine Ausstellung über Saramagos Frauen, eingebettet in die Hundertjahr-Feierlichkeiten rund um den größten Erzähler Portugals und seines bisher einzigen Literaturnobelpreis-Trägers.

Foto von der Frankfurter Buchmesse 2022

Frankfurter Buchmesse 2022 · © Catrin Ponciano

Mit einem Jahr Verspätung konnte das Camões Institut aus Berlin sein ursprünglich für die Leipziger Buchmesse 2021 vorbereitetes, breit gefächertes literarisches Programm präsentieren. Gänzlich unterschiedliche Inhalte und Gedankenansätze bescheren der LeserIn ein weites Feld Politikhistorie, Einblicke in Gesellschaftsstrukturen, Spektren von Traditionen und Erinnerungskultur aus immerhin vier Kontinenten und neun Länder­regionen, in denen Portugiesisch Amtssprache ist. Im Vordergrund stehen Inhalte aus der jüngsten portugiesischen Zeitgeschichte und über Portugals einstiges Kolonialreich. Besonders hervorzuheben sei hier die emotionale Nähe zu den gegenwärtig bestehenden Wirklichkeiten in all den Regionen, die einst am Nabel des Königreiches Portugals gehangen, und dadurch eine von Portugal und seiner abendländisch geprägten, geistigen Haltung beeinflusste Entwicklung genommen haben. Die durch das Überstülpen der abendländischen Kultur und Religion hervorgerufene Verrückung der indigenen Identitäten wirkt authentisch erzählt und offenbart neue Denk- und Gefühlswelten, die uns bislang verschlossen geblieben sind. In der Portugiesisch sprechenden Welt spricht die Literatur aus Tradition stets durch die intellektuelle Elite und fördert so den öffentlichen Diskurs. Die LeserIn begibt sich demnach auf einen Spaziergang im Kopf einmal um die Welt.

Und genau das kann Literatur. Sie ist Zeugin der Menschheitsgeschichte, füttert Hoffnung, schwört Revolten herauf und dokumentiert Umbrüche. Worte überqueren Grenzen, Gefühle folgen Worten einmal rund um den Globus.

Auf der Buchmesse in Frankfurt lebte dieser Esprit übergangslos weiter. Spanien als Gastland brachte gleich eine ganzes Universum an Literaturen über die jüngste Zeitgeschichte seiner Nation und über die seiner einstigen Kolonien mit. Die Freiheit des Wortes stand hierbei ebenso im Fokus wie eine erfrischend dezidierte Auseinandersetzung mit totalitären Systemen. Überall im fantasievoll geschmückten Spanien-Pavillon wisperte ein klar heraus gestelltes Nein durch den Saal, und stand der einst erfahrenen Militär-Diktatur samt Worte-Inquisitoren, poetisch, faktisch, erzählerisch, gar fantastisch formuliert, geeint gegenüber.

Foto von der Frankfurter Buchmesse 2022

Frankfurter Buchmesse 2022 · © Catrin Ponciano

Der Nein-Kanon gegen das Schweigen waberte einstimmig durch die Messehallen. Politische oder gesellschaftliche Miss­stände werden nicht mehr übergangen. Soziale Ungerechtigkeiten nicht mehr bagatellisiert. Generationenübergreifende Schuld nicht mehr gedeckelt. Die Welt der Büchermenschen formiert sich. Selbstbewusst, argumentativ, divers, und laut. Gegen Krieg. Gegen die Unterdrückung des weiblichen Geschlechts in islamisch fundamentalistisch regierten Ländern. Gegen den politisch auferlegten Bann von Aufklärungsliteratur über sozial benachteiligte Ethnien und Lebensformen an Schulen und Universitäten in den USA. Bücher kennen keinen Grenzen. AutorInnen überspringen sie. Wir Lesende sind ihre Komplizen.

Gegenwartsliteratur muss politisch aktiv sein, in Wunden fassen, blutendes Fleisch hervorzerren, damit die Welt erfährt, was Menschen in Kriegsgebieten oder Frauen derzeit im Iran tatsächlich widerfährt. Autorenherzen teilen uns ihre Eindrücke mit. Sie ziehen sich splitternackt aus, stehen emotional erschüttert und schutzlos vor uns Lesenden, und rufen uns durch ihre Bücher zu: »Schaut nicht mehr weg!«

Nein, wir schauen nicht mehr weg. Sondern hin. Wir sprechen darüber, weil wir das Recht besitzen, uns eigene ­Gedanken zu machen. Die zu uns aus ­Krisengebieten sprechen, kämpfen mit einem Stift darum, ihr Recht auf freie Gedankenäußerung zu behalten. Nicht wenige von ihnen sterben sogar dafür.

Foto von Catrin Ponciano auf der Frankfurter Buchmesse 2022

Catrin Ponciano auf der Frankfurter Buchmesse 2022 · © Catrin Ponciano

Während der auf der #FBM22 dargebotenen Debattenkultur sowie während meiner persönlichen Begegnungen bei Pen-Berlin, den Mörderischen Schwestern, beim Syndikat für Deutschsprachige Kriminalliteratur, bei VerlegerInnen und Programm-ChefInnen, sogar während jeder Konversation beim zigsten Macchiatto war das Thema »Freiheit des Wortes« unüberhörbar präsent. Gut so. Der von innen nach außen gerichtete Blick rüttelt nämlich kräftig durch − und auf. Das wussten bereits andere große SchriftstellerInnen vor uns. »Beseelt wäre ich, hätte ich meine Heimat noch nie zuvor gesehen, das Gedankengut meiner Eltern und Lehrer noch nie zuvor gehört, denn dann könnte ich fühlen. Wahrhaftig fühlen.« So sagte es Fernando Pessoa vor etwa einem Jahrhundert über die ihm anerzogene absolutistische Sicht auf Dinge und Geschehnisse der damaligen Zeit. Seither sind einhundert Jahre vergangen, Europa steht − zumindest momentan noch − politisch stabil da. Eine Rundumerneuerung der Perspektive in den Literaturen ist demnach längst überfällig. Die Frankfurter Buchmesse hat vorgemacht, dass ein Neustart der eigenen Gedankenwelt und Sichtweise möglich ist. Danke dafür.

Treffen zu Mosambik

Foto von der Ausstellung zu Mosambik von DPG-Ehrenpräsident Harald Heinke im Rathaus von Berlin-Lichtenberg

Treffen zu Mosambik

Zur aktuellen Situation und mit Bildern von DPG-Ehren-Präsident Harald Heinke    von Michael W. Wirges

> Jedes Jahr trifft sich die Arbeitsgemeinschaft der Freunde und Freundinnen  Mosambiks zum Austausch von Informationen über aktuelle kulturelle, soziale und wirtschaftliche Angelegenheiten in Bezug auf Mosambik. Bei dem diesjährigen 12. Treffen am 5. November 2022 referierten verschiedene Persönlichkeiten in Anwesenheit des Ersten Botschafts­sekretärs der Botschaft Mosambiks im Rathaus von Berlin-Lichtenberg.

Das Treffen wurde organisiert von der Berlin-Brandenburgische Auslandsgesellschaft e.V. (Potsdam) und hatte die Herausforderungen der Nord-Süd-Beziehungen am Beispiel Mosambiks zum Thema.

Foto von Gabriele Baumgarten-Heinke auf dem Mosambik-Treffen in Berlin

Gabriele Baumgarten-Heinke auf dem Mosambik-Treffen in Berlin © Michael W. Wirges

Einen kulturellen Beitrag leistete ­Ga­briele Baumgarten-Heinke, Bundesschatzmeisterin und Leiterin der Geschäftsstelle der Deutsch-Portugiesische Gesellschaft e.V. (DPG) mit einem Vortrag über das Thema Art in Networks − The GDR and its Global Relations, ein Projekt der Technischen Universität Dresden zur Erforschung der kulturellen Zusammenarbeit zwischen der DDR und Mosambik. Sie nahm auch Bezug auf die künstlerische Zusammenarbeit ihres Mannes Harald Heinke, der von 1979 bis 1984 als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik tätig war, seine Aktivität mit der als Kunstmaler verband und mit bekannten mosambikanischen Malern wie Mankeu Mahumana, Moises Simbine und Malangatane zusammen gearbeitet hat. Eine Ausstellung von Bildern im Flur vor dem Rathaussaal zeigte Bilder von Harald Heinke und Mankeu Manhumana.

Foto von Michael W. Wirges auf dem Mosambik-Treffen in Berlin

Michael W. Wirges auf dem Mosambik-Treffen in Berlin © Gabriele Baumgarten-Heinke

Ich habe als gerade wiedergewählter Präsident der DPG die Gelegenheit genutzt, mich vorzustellen, über die Arbeit und die Ziele der Deutsch-Portugiesische Gesellschaft e. V. (DPG) zu sprechen und über die kulturellen Beziehungen zu Institutionen der Länder portugiesischer Sprache − somit natürlich auch zu Mosambik.

Algarve genießen: Zum Buch von Catrin Ponciano

Foto vom Cover des Buches »Algarve genießen« (Catrin Ponciano)

Algarve genießen

Zum Buch von Catrin Ponciano    von Andreas Lahn

Wenn Sie den Algarve genau so lieben wie gutes Essen, dann sind Sie mit diesem Reise-ErlebnisKochbuch bestens bedient. Auf über 300 Seiten breitet die ehemaligen Küchenchefin und seit mehr als zwanzig Jahren am Algarve lebende Catrin Ponciano ihr Wissen aus. Sie lernen alles, was eine abwechslungsreiche Küche ausmacht: Rezepte mit Fisch, Fleisch, Meeresfrüchten, Gemüse, Salz, Muscheln, Käse, Olivenöl, Hülsenfrüchten, Desserts. Diese Re­zept-­Sammlung kann Ihr Begleiter für die portugiesische Küche zu Hause werden.

Doch nicht nur das: Sie lernen die Geschichte des Algarve kennen, erfahren, wie die Algarvios ticken und warum es nicht die Algarve sondern der Algarve heißt. Extra-Kapitel zu Wein, Markthallen und Salz, Tipps zu Restaurants und Cafés und ein portugiesisch-deutsches Glossar zum Thema Essen und Trinken machen dieses Buch zu Ihrem Nachschlagewerk. In der Widmung für ihre Mama schreibt Catrin Ponciano: »Algarve duftet nach Zistrosen, nach Eukalyptus, nach wildem Oregano und im Frühling ganz besonders nach Orangenblüten. Algarve schmeckt zartbitterlecker nach Salzblüten, nach Olivenöl, nach Mandeln und nach Meer. Algarve schenkt Fernweh,Heimweh und ungebremst Lebensfreude. Herzlich willkommen.«

Catrin Ponciano – Algarve genießen. 
Reisebuch Verlag, Plön; 310 Seiten
ISBN 9783947334490 · 19,90 €

DPG-Jahrestagung 2022 in Berlin

Foto von DPG-Mitgliedern am 30.10.2022 vor dem Humboldt-Forum

Jahrestagung in Berlin

Persönliche Eindrücke von Andreas Lahn (AL) und Gabriele Baumgarten-Heinke

> Ich (AL) bin schon seit zwei Tagen in Berlin, um mal wieder die wundervolle Atmosphäre dieser Stadt aufzusaugen.Als ich am Freitagnachmittag im Humboldt-Forum ankomme, sind schon einige Mitglieder der DPG anwesend.

DPG-Mitglieder in der Archäologischen Sammlung des Humboldt-Forums

DPG-Mitglieder in der Archäologischen Sammlung des Humboldt-Forums · © Andreas Lahn

In der Führung durch einige Teile der Ausstellung des Ethnologischen Museums sehen wir ganz unterschiedliche Dinge der vergangenen Jahrhunderte aus aller Welt. Und hören von einem kundigen und sympathischen Guide allerlei Geschichten und Hintergründe zu den verschiedenen Exponaten des Museums. Natürlich wird auch über das Thema Raubkunst und die bisweilen komplizierten Eigentumsverhältnisse der Exponate gesprochen.

Abendessen bei JULCHEN HOPPE in Berlin

Abendessen bei JULCHEN HOPPE in Berlin · © Andreas Lahn

Nach gut einer Stunde und allerlei interessanten Foto-Motiven machen wir uns auf dem Weg zu Julchen Hoppe, wo Hunger gestillt, Durst gelöscht und der Wunsch nach interessanter Unterhaltung schnell erfüllt werden. Nach den Jahren der Kontaktbeschränkung ist es eine Wohltat, ganz unbefangen im Restaurant zu sitzen und zu plaudern.

Am nächsten Morgen trinke ich auf dem Weg zum Tagungshotel Aquino noch einen Espresso in einem kleinen Café und freue mich über ein leckeres Croissant. Gestärkt und gut gelaunt fahre ich mit der U- und weiter mit der Straßenbahn einige Kilometer durch die Stadt. 

Foto von Portugals Botschafter SE Francisco Ribeiro de Menezes

Portugals Botschafter SE Francisco Ribeiro de Menezes · © Andreas Lahn

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten gibt sich der Botschafter Portugals die Ehre: SE Francisco Ribeiro de Menezes. Er spricht über die deutsch-portugiesischen Beziehungen und lässt die Messen in Hannover und die nur mit einem Alternativprogramm stattfindende in Leipzig Revue passieren. Er geht auch auf deutsche Unternehmens-Investitionen in Portugal ein, spricht über die Bedeutung deutscher TouristInnen, Wasserstoff und die in den nächsten Monaten geplanten Besuche von Wirtschaftsminister Habeck und Außenministerin Baerbock in Portugal. Schade, dass die Rede des Botschafters nicht übersetzt wird, denn viele im Saal sprechen nicht so gut Portugiesisch, um eine solche Rede zu verstehen. 

Foto des DPG-Präsidenten Michael W. Wirges

DPG-Präsident Michael W. Wirges · © Wirges

In seinem Bericht spricht DPG-Präsident Michael W. Wirges über digitale Encontros und die Notwendigkeit, Ziele zu definieren und Aufgaben zu verteilen. Er geht nochmals auf den Strategie Workshop im Juni 2021 ein und verweist auf die im selben Jahr entstandene Gruppe in Lissabon. Der alte und neue Präsident betont die Wichtigkeit der Kontakt zu den Botschaften der portugiesisch-sprachigen Welt, aber auch zur Außenhandelskammer, zu den Goethe-Instituten und allen Vereinen und Organisationen, die sich mit Portugal beschäftigen. Die komplette Rede steht für Sie zum Download bereit.

Foto der DPG-Bundesschatzmeisterin Gabriele Baumgarten-Heinke

Bundesschatzmeisterin Gabriele Baumgarten-Heinke · © G. Baumgarten-Heinke

Schatzmeisterin Gabriele Baumgarten-Heinke verkündet stolz, dass die DPG das Rechnungsjahr 2021 mit einem Plus von 230 Euro abgeschlossen hat. Leider seien die Mitgliederzahlen rückläufig. Zwischen 2017 und 2021 seien 111 Personen aus- und nur 53 eingetreten. Die DPG müsse sich bemühen, diesen Trend umzukehren. Der Vorstand wird bei zwei Enthaltungen entlastet!

Im nun startenden Wahl-Marathon bleibt vieles wie gehabt: Michael W. Wirges wird wieder zum Präsidenten gewählt, Gabriele Baumgarten-Heinke zur Schatzmeisterin, neuer stellvertretender Präsident ist Matias Lima de Walter, der damit Maria de Fátima Veiga ablöst, die genau so zur Vize-Präsidentin ins Präsidium gewählt wird wie Carlos Rodrigues, Hans-Heinrich Kriegel und ich selbst.

Foto des stellvertretenden Präsident der DPG Matias Lima de Walter

Stellvertretender Präsident der DPG Matias Lima de Walter · © Andreas Lahn

Alle KandidatInnen haben sich kurz vorgestellt. Leider sind die schriftlichen Bewerbungen nicht an die Mitglieder verschickt worden. Das soll aber bei den nächsten Wahlen so gemacht werden, damit alle Mitglieder wissen, wer sich zur Wahl stellt. 

Es sind 30 Mitglieder vor Ort anwesend, 41 werden durch Vollmachten vertreten. Ich sehe die Sammlung von Vollmachten kritisch, weil derjenige, der die Vollmachten erhält, einfach so abstimmen kann, wie er will. Und natürlich konzentrieren sich die Vollmachten bei den aktiven Personen in Präsidium und Landesverbänden, was automatisch für sie eine Stimmenmehrheit bedeuten könnte. Das hat für mich nicht viel zu tun mit einer freien Willensbildung. Wenn es bald möglich ist, digital in der Mitgliederversammlung abzustimmen, sollte dieses System der Vollmachten in der Satzung angepasst werden. Meiner Meinung nach sollte nur wählen dürfen, wer inhaltlich weiß, worum es geht und dann entweder physisch anwesend oder digital zugeschaltet ist. 

Wie auch immer: Die Vorsitzenden der Landesverbände und Stadtsektionen werden in ihren Positionen bestätigt. Die aktualisierte Liste finden Sie auf Seite 19 dieses PORTUGAL REPORTS und auch auf der Website der DPG unter dpg.berlin/dpg-struktur.

Ob die Landesvorsitzenden überhaupt auf der Mitgliederversammlung der DPG gewählt werden dürfen, ist trotz einiger anwesender RechtsanwältInnen nicht verbindlich zu klären. Das sollte in der Satzung präzisiert werden. Es spricht vieles dafür, dass die Wahl der Landesvorsitzenden in den jeweiligen Bundesländern stattfinden sollte. Diese Frage muss dringend beantwortet werden.

Knapper geht es bei der Wahl der Vorsitzenden für Portugal zu. Hier setzt sich Ingeborg Dillner im zweiten Wahlgang mit 32 : 28 Stimmen gegen Catrin Ponciano durch. Es ist unklar, ob diese Wahl nicht durch die Mitglieder in Portugal durchgeführt werden sollte und was »Portugal« in der DPG-Struktur überhaupt bedeutet. Und auch hier steht eine verbindliche Klärung noch aus.

Abendessen im LEMBKE am Hackeschen Markt in Berlin

Abendessen im LEMBKE am Hackeschen Markt in Berlin · © Andreas Lahn

Nach der Tagung gehen wir zu Fuß die Oranienburger Straße entlang zum Hackeschen Markt und genießen das leckere Essen im Brauhaus Lemke. Beeindruckend ist die riesige Auswahl an Biersorten. Die feuchtfröhliche Plauderei dauert bis kurz vor Mitternacht.

Humboldtforum 30.10.2022 (von Gabriele Baumgarten-Heinke): Am letzten Tag der DPG Jahrestagung 2022 treffen wir uns − wieder einmal − am Stadtmodell von Berlin Mitte aus dem 19. Jahrhundert, allerdings nunmehr im fertiggestellten Humboldtforum. 

Foto von den Kellerfragmenten des Berliner Schlosses

Blick auf die Kellerfragmente des Berliner Schlosses · © Gabriele Baumgarten-Heinke

Nun sind wir mittendrin in barocken Fassaden und schlichten, hohen Wänden und bekommen durch die Führung einen Gesamtüberblick über das wiedererstandene Berliner Schloss. Weg vom Stadtmodell stehen wir im berühmten Schlüterhof, benannt nach dem Architekten Andreas Schlüter. Unter Kurfürst Friedrich III. leitete er Anfang des 18. Jahrhunderts den Bau des Hofes und entwarf die Fassaden im Stile des Barocks. Wir waren tief beeindruckt von diesem wieder entstandenem Hof, der unter anderem für Konzerte genutzt wird. Ein Höhepunkt der Führung war für uns und sind sicher für alle BesucherInnen die Kellerfragmente des Schlosses. Beim Wiederaufbau ist es gelungen, erhalten gebliebene Keller in die Rekonstruktion zu integrieren. 

Ausklang der Jahrestagung im VIVOLO OLÉ am Hackeschen Markt

Ausklang der Jahrestagung im VIVOLO OLÉ am Hackeschen Markt · © Gabriele Baumgarten-Heinke

Die Jahrestagung endet an einem fast sommerlichen Tag in dem spanischen Restaurant Vivolo olé am Hackeschen Markt. Noch einmal wird angestoßen auf das Wiedersehen der Mitglieder. Und wir verabreden uns für das Treffen in einem Jahr zur DPG-Jahrestagung in Lissabon (26.10.−29.10.2023).

Porto Santo – Viel mehr als eine Insel

Cover des Reisführers über Porto Santo

Porto Santo

Buchtipp • von Andreas Lahn

> Porto Santo. »Viel mehr als nur eine Insel« lautet der Untertitel des von Nuno Silvestre Silva, Carina Jesus, Gisela und Werner Tobias herausgegebenen Buchs über die portugiesische Insel Porto Santo. Auf 64 Seiten erfahren Sie alles, was Sie für einen Trip auf Madeiras Nachbarinsel wissen müssen.

Wie es sich für einen guten Reiseführer gehört, erfahren Sie, wie Sie nach Porto Santo kommen, wie und wann die Insel entstanden ist und was es alles zu entdecken gibt. Die AutorInnen sprechen nicht nur über den berühmten Strand, sondern auch über den »heilenden Sand«. Flora, Fauna, Sport, Wandern, Fahrzeuge, Kultur, Touren, Unterkünfte, Restaurants: Zu allen Stichworten gibt es eigene Kapitel in diesem Buch, nach deren Lektüre Sie schwach werden könnten und bei Ihrer nächsten Reise nach Madeira um einen Abstecher nach Porto Santo kaum herumkommen. Vielleicht bekommen Sie auch Lust auf einem längeren Aufenthalt, wer weiß… In der Einleitung heißt es: »An vielen Stellen zeigt Porto Santo seine Entstehungsgeschichte. Eruptionskanäle, farbiges Gestein weisen auf vulkanischen Ursprung hin, versteinerte Fossilien auf frühes Leben. Aber erst seit 1418 ist die Insel von Menschen bewohnt.

Porto Santo ist ideal für einen Aktivurlaub. Aber auch der Ruhe Suchende findet hier seinen Platz. Boas férias!«

Ich wünsche Ihnen mit dem Buch eine schöne Zeit auf Porto Santo.

Porto Santo – Viel mehr als nur eine Insel
Rasch Verlag, Bramsche, 64 Seiten
ISBN 9783899462630 · 9,80 €

DPG begeistert!

Frankfurt: Foot von Maria de Fátima Veiga (DPG Hessen), Catrin Ponciano (Autorin) und Petra Noack (TFM-Buchhandlung)

DPG begeistert!

Berichte aus Landesverbänden und Stadtsektionen plus Ausblick auf 2023    von Gabriele Baumgarten-Heinke

> Liebe Mitglieder, liebe FreundInnen Portugals, schon wieder neigt sich das Jahr dem Ende entgegen. Es ist an der Zeit, auf Erreichtes zu schauen und gleichzeitig einen Ausblick auf das neue Jahr zu wagen. 

Über die Aktivitäten in den einzelnen Stadtsektionen und Landesverbänden haben wir unter der Rubrik DPG begeistert seit Portugal Report 086 an dieser Stelle berichtet. Da gab es Lesungen, Konzerte und Stammtische − froh darüber, dass man sich nach den schweren Zeiten der Pandemie endlich wieder persönlich treffen konnte. 

Über Erreichtes in der Arbeit der DPG berichtete der Präsident der DPG, Michael W. Wirges, auf der DPG-Mitgliederversammlung am 29. Oktober 2022 in Berlin. In der Zeit nach dem Strategieworkshop 2021 waren es vor allem Themen der inneren Kommunikation und der Regelung und Verteilung der Aufgabengebiete. So wurde eine Geschäftsordnung erarbeitet, die Rechte und Pflichten in der Arbeit der Verantwortlichen über die Satzung hinaus, regelt. Für die Arbeit der Vorsitzenden der Stadtsektionen und Landesverbände wurden Empfehlungen zusammengestellt, um ihnen eine Anleitung für deren Arbeit zur Verfügung zu stellen. Seit nunmehr anderthalb Jahren treffen sich alle Verantwortlichen einmal im Monat zu einem Zoom-Meeting, um sich über ihre Arbeit und weitere Vorhaben auszutauschen. 

Der Einladung zur DPG Jahrestagung vom 28.10. bis 30.10.2022 waren 30 Mitglieder in Präsenz gefolgt. Die Möglichkeit der Online-Teilnahme wurde leider zu wenig genutzt. Über den Verlauf der Jahrestagung berichtet Andreas Lahn an anderer Stelle. Ich möchte Sie kurz über die jetzige Struktur nach den Wahlen zur diesjährigen Mitgliederversammlung in Berlin informieren. 

Foto: Maria de Fátima Veiga, Landesvorsitzende der DPG Hessen mit dem Bildhauer João Palheiro in seinem Atelier

Maria de Fátima Veiga, Landesvorsitzende der DPG Hessen mit dem Bildhauer João Palheiro in seinem Atelier · © DPG Hessen

Michael W. Wirges wurde erneut als neuer Präsident in seinem Amt bestätigt. Auch die Wahl meiner Person wurde bestätigt, ich werde also weiterhin Hüterin der DPG-Finanzen sein. Wir beide haben uns das letzte Mal zur Wahl gestellt und sehen eine der vielen Aufgaben darin, unsere Funktionen und die gesamte DPG-Geschäftsstelle nach weiteren drei Jahren an andere Mitglieder zu übergeben. 

Neugewählt wurde Matias Lima de Walter als stellvertretender Präsident. Maria de Fatima Veiga wird als Vizepräsidentin der DPG weiterhin rechtsberatend zu Seite stehen. Neu im Präsidium ist Andreas Lahn als Redakteur des Portugal Reports und Verantwortlicher der DPG-Website. Eine sehr gute Entscheidung, denn er ist nun in die Arbeit des Präsidiums eingebunden und kann diese mitgestalten.

Herr Prof. Siepmann hat in diesem Jahr nicht mehr für das Amt des Vizepräsidenten kandidiert. Über viele Jahre stellte er als gleichzeitiger Präsident der DASP die Verbindung zwischen der DPG und der DASP her und er organisierte u. a. die in Berlin jährlich stattfindenden DASP-Tagungen, an denen regelmäßig mehrere DPG-Mitglieder teilnehmen. Ihm gilt unser Dank für eine Jahrzehnte lange engagierte Mitarbeit im Präsidium der DPG. 

Aber wie geht es in der DPG weiter, wo sehen wir in uns in den kommenden Jahren? Eine dringende Aufgabe der DPG ist die Gewinnung neuer Mitglieder. Seit Jahren verlieren wir altersbedingt Mitglieder, Neueintritte gibt es nicht in erforderlicher Anzahl. Junge Menschen finden oft andere Wege der Gemeinschaft, Vereine sind satzungsgebunden und wirken von daher eher etwas verstaubt. In den nächsten drei Jahren sollte es gelingen, die DPG zu modernisieren, zu digitalisieren und für jüngere Menschen attraktiver zu machen. Das sind Fragen nach einer schlankeren Satzung, nach Ideen für ein projektorientiertes und zielorientiertes Handeln. Nach der diesjährigen Mitgliederversammlung werden, insofern das Amtsgericht den Anträgen folgt, virtuelle Teilnahmen selbstverständlich sein und müssen fortgeführt werden zu einer lösungsorientierten Arbeit in einer Cloud (Digitalisierung). Es braucht eine Plattform als Informations­zentrum und für den Gedankenaustausch sowohl der Mitglieder als auch Interessenten der DPG.

Sardinhada: Foto von Grillmeister Andreas Runge bei der Arbeit

Sardinhada: Grillmeister Andreas Runge bei der Arbeit · © Andrea Runge

Um diese Fragen zu diskutieren hat das neue Präsidium beschlossen, am 3.6.2023 in Berlin einen Strategie-Workshop durchzuführen und diesen selbstverständlich als hybride Veranstaltung. Es ist geplant, einzelne Themen vorab in Arbeitsgruppen zu diskutieren und zu erarbeiten. Wir werden rechtzeitig darüber informieren und zur Mitarbeit aufrufen. 

Weitere geplante Termine sind die DPG Jahrestagung 2023 vom 26.10. bis zum 29.10.2023 in Lissabon. Wir freuen uns, wieder einmal in der Landeshauptstadt Portugals tagen zu können. Diesen Termin sollten Sie sich schon einmal im Kalender vormerken! 

Für die Vorbereitung der Feierlichkeiten des 60. Jahrestages der DPG im Jahr 2024 wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, der sich jeder gern anschließen kann. Wir werden darüber berichten. 

Aber zunächst haben wir noch ein paar Wochen bis zum Jahreswechsel 2022/2023 und es fanden und finden in einzelnen Stadtsektionen und Landesverbänden weitere Veranstaltungen statt.

Jedes Jahr Anfang November findet auf der Feira Internacional de Lisboa im Parque das Nações der websummit statt. In diesem Jahr besuchten über 70.000 (!) Teilnehmer die Tech-Veranstaltung im Nordosten der Stadt, die damit längst an ihre Kapazitätsgrenze angekommen ist. Unter den Besuchern war auch Oliver Wedekind von der DPG-Arbeitsgruppe in Lissabon. Zahlreiche Kontakte konnten an den vier Tagen der Konferenzmesse geknüpft werden, von denen auch die kommenden DPG-Treffen der Arbeitsgruppe in Lissabon mit hoffentlich neuen Gesichtern profitieren können.

Am 13. November endete im Museu de Portimão an der Algarve die erfolgreiche Ausstellung der Künstlerin und DPG-Mitgliedes Gudrun Bartels «Água é Vida − Water ist life». (www.gudrun-bartels.de). 

Als einen besinnlichen Auftakt in die Adventszeit veranstaltet der Landesverband Baden-Württemberg am 27. November 2022 ein Schlosskonzert im Malteser-Saal des Dätzinger Schlosses mit klassischer Musik portugiesischer Komponisten des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts.  

Foto: Ausgelassene Stimmung auf der Sardinhada in Berlin

Ausgelassene Stimmung auf der Sardinhada in Berlin · © Andrea Runge

Mit der Sardinhada des Landesverbandes Berlin–Brandenburg am 7. September 2022 wurde mit 22 Teilnehmern ein schöner abendlicher Sommerausklang gefeiert. Bei Kerzenschein und bestem portugiesischen Weinen genoss man endlich wieder den Geschmack der Sardinen und anderen portugiesischen Leckereien. 

Michael W. Wirges lädt nun die Mitglieder des Landesverbandes Berlin–Brandenburg zu einem weihnachtlichen Encontro am 9. Dezember 2022 in das portugiesische Restaurant A-Telha ein. 

Einen weihnachtlichen Stammtisch soll es auch im Landesverband Hessen geben. Der Termin steht noch nicht fest. 

Freuen können sich alle unsere Mitglieder im Landesverband Bayern. Nach Gesprächen unseres Präsidenten im Rahmen der DPG Jahrestagung mit Angelika Müller konnte sie als neue Vorsitzende des Landesverbandes gewonnen werden. Angelika Müller ist seit vielen Jahren Mitglied der DPG, zunächst in Berlin wohnend, lebt sie jetzt in München und ist bei dem Reiseveranstalter Studiosus tätig. Sie wird zu den Mitgliedern des Landesverbandes Kontakt aufnehmen um dann gemeinsam Veranstaltungen zu planen. Wir wünschen ihr viel Erfolg!

Zum Abschluss des Jahres ist von der DPG wieder ein weihnachtlichen Encontro via Zoom für Freitag, den 16.12.2022, geplant. Es wird musiziert, rezitiert und erzählt über weihnachtliche Bräuche in Portugal und in Deutschland. Wir würden uns freuen, wenn auch Sie sich mit einem kurzen Beitrag aktiv einbringen würden − einem Gedicht oder Lied aus Ihrer Kindheit, Weihnachtsgeschichten und besondere Bräuche aus Ihrer Gegend. Lassen Sie uns bei Kerzenschein ein bisschen einhalten vom Alltag und den Geruch der Adventszeit genießen. 

Wir wünschen allen DPG-Mitgliedern und FreundInnen Portugals einen schönen und vor allem friedlichen Jahresausklang. Bleiben Sie uns gewogen und vor allem: Bleiben Sie gesund! 

Das Sagres Mini wird 50

Foto vom Sagres Mini, Kult-Bier aus Portugal

Das »Mini« wird 50

Eine bierologische Gratulation von Jörg Hahn

> Im Frühsommer dieses Jahres widmete die portugiesische Wochenzeitung Expresso dem Gegenstand, um den es hier jetzt gehen wird, sogar eine siebenseitige Titelgeschichte in der Magazin-Beilage. Warnung: Es dreht sich um Alkohol!

Expresso benannte den Artikel: «A pequena misteriosa» (»Das kleine Mysterium«). Und im Untertitel hieß es: »Was sagt das fünfzigjährige Jubiläum des Biers ›Mini‹ über uns aus?«

Auch als Portugal-Reisender, als Kurzzeit-Tourist oder Langzeit-Resident, kennt man das Sagres Mini in der charakteristischen, für Ausländer zunächst ungewohnt kleinen 20-Zentiliter-Flasche, und viele lieben es auch. Als schnellen, kleinen, kühlen Schluck nach der Arbeit, nach dem Strandtag, als Einstimmung auf ein Abendessen oder zwischendurch zu einem Bifana hat Tradition und Geschichte.

Foto von zwei Flaschen Sagres Mini

Zwei Flaschen Sagres Mini möchten getrunken werden · Jörg Hahn

Dies soll natürlich keine Bier-Werbung sein, sondern eine Spurensuche − warum gibt es das Mini, was macht es aus, was bedeutet es für die Historie und den Alltag in Portugal? Geboren 1972, hat es Momente überstanden, in denen das Mini vor dem Aus stand − wenn es nach der EU gegangen wäre, gäbe es das kultige Fläschchen nämlich gar nicht mehr.

Aber der Reihe nach. Die Minis haben eine enge Verbindung zum Alentejo. Denn diese Flasche mit dem langen Hals wurde, so ist im Archiv des Herstellers (heute firmiert er als Teil des globalen Heineken-Konzerns unter SCC – Sociedade Central de Cervejas e Bebidas) zu erfahren, vor einem halben Jahrhundert zunächst für den engeren Alentejo-Markt entwickelt. 

Der Alentejo war und ist bis heute die Kornkammer Portugals, also auch Rohstofflieferant für Braugerste. Die Region war damals noch mehr als heute ein Gebiet mit Riesen-Grundstücken, ausgedehnten Landflächen, wo zahllose Menschen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang arbeiteten, die mit sehr wenig Geld auszukommen hatten. 

Foto einer geöffneten Flasche Sagres Mini

Eine geöffnete Flasche Sagres Mini · © Jörg Hahn

Das Unternehmen hat seinen Sitz in Vialonga, eine halbe Stunde nordöstlich der Innenstadt Lissabons, dort befinden sich auch die Produktionsanlagen der Marke Sagres. Eine starke kommerzielle und emotionale Bindung an die Region habe zur Idee des Mini geführt. Man habe sich, so wird berichtet, mit den Menschen im Alentejo auseinandergesetzt, ihren täglichen Gewohnheiten und Notwendigkeiten. Natürlich, alle Gesellschaftsschichten tranken und trinken Bier, nicht bloß beim Fußball. Auch die armen Leute im Alentejo, die zu Fuß oder auf Eseln unterwegs waren, oft mit Hacken und anderen schweren Geräten auf dem Rücken, um bei sehr hohen Temperaturen auf den Feldern zu arbeiten. Was sie noch nicht hatten, waren kleine Bierflaschen, die in die Dosen passten, in denen sie ihre Lebensmittelrationen transportierten. Diese Dosen, tarro, bestanden aus Kork. Und eine Flasche von nur 20 cl Volumen passte perfekt hinein in den ­tarro, den Korkbehälter, der von den ganhões (Bauern) zur Aufbewahrung und zum Transport der kargen Verpflegung der damaligen Zeit verwendet wurde; ein Stück Brot, Oliven, eingelegte Sardine, Eintopf − und ein Getränk. 

Foto von zwei Freunden, die mit Sagres Mini anstoßen

Zwei Freunde stoßen mit Sagres Mini an · © Jörg Hahn

Die Größe der Flasche − also eben 20 cl statt wie bis dahin gewohnt 33 cl − passte wunderbar, der Geschmack auch. Aber eines funktionierte nicht: Es war der Name. Die kleine Flasche kam als Sagres Pequena auf den Markt. 

Dazu gibt es auch einen legendären Fernseh-Werbespot für RTP, der heute umgehend Verbraucherschützer  und Frauenbeauftragte auf den Plan rufen würde. Darin sagt eine Frau mit hellem Haar säuselnd: «Sou loira. Sou viva. Sou fresca. Sou leve. Um amor de pequena.» Und ein bärtiger Mann fügt mit dunkler Stimme dann hinzu: «Sagres Pequena, apenas mais pequena. Sagres Pequena, a sua cerveja.» Muss man das übersetzen? Also gut: »Ich bin blond. Ich bin lebendig. Ich bin frisch. Ich bin leicht. Die Liebe zum Kleinen.« Und: »Sagres Pequena, nur etwas kleiner. Sagres Pequena, Ihr Bier.«

Im Alentejo wurde der Name Pequena indes nie wirklich benutzt, man nannte es im Dialekt Mine, das heißt Meine. Die Verbraucher gaben den Hersteller letztlich den Namen vor. Das Unternehmen konnte das Produkt nicht mehr Pequena nennen, der Name wurde nach etwa ein, zwei Jahren geändert, und zwar nicht in den Alentejo-Begriff Mine sondern in Mini. 

Foto von etlichen Flaschen leer getrunkener Flaschen Sagres Mini nach einem lauschigen Nachmittag

Leer getrunkene Sagres Mini nach einem lauschigen Nachmittag · © Jörg Hahn

Es gibt noch ein Kuriosum oder auch Mysterium, um den Titel des Expresso nochmals aufzugreifen: Sagres Mini wurde für die Landbevölkerung entwickelt. Man sieht dort heute noch die verschwitzten Männer am Ende eines ­Ar­beitstages, wie sie sich in den Tascas treffen, und die Tische füllen sich mit geleerten Minis. In den 1980er Jahren erst eroberte das Kleine die Städte, wurde in den bekannten Lokalen Lissabons an­geboten. Später noch entdeckte das ­Ausland die Minis, die dank des langen Flaschenhalses so zischend frisch schmecken.

Erst rund drei Jahrzehnte später kam die Konkurrenz auf dieses Format. Beinahe hätte es diese Größe zu diesem Zeitpunkt aber gar nicht mehr geben dürfen. Als Portugal 1985 der Europäischen Gemeinschaft beitrat, sollten dem Land auch die Standards für Produkte und Verpackungen auferlegt werden. Europa kannte keine 20 cl, bloß 25 cl. Portugal wurde zum Glück eine Übergangszeit zugestanden, um die Minis abzuschaffen und die Größe auf 25 cl umzustellen. Aber wieder setzte sich der Kunde, ob aus dem heißen Alentejo oder anderswo in Portugal, durch: Heute ist das kleine Mini noch immer auf dem Markt, und es gibt sogar zwei gibt, das klassische 20 cl und das europäische 25 cl. In rund dreißig Ländern kann man Mini trinken, vom europäischen Ausland bis zu den portugiesisch-sprachigen Ländern wie Kap Verde, Angola, Mosambik oder São Tomé.

Foto von etlichen Kisten Sagres Mini

Im Hof stapeln sich etliche Kisten Sagres Mini · © Jörg Hahn

Was sagt also das 50 Jahre alte Mini-Bier über die Portugiesen aus? Es ist eine starke, vielleicht die stärkste nationale Marke. Die 20-Zentiliter-Flasche prägt geselliges Beisammensein, Partys und Unterhaltungen. Sie stammt aus dem Jahr 1972, als Portugal schon eine Art politischen Frühling verspürte (Diktator Salazar war gestorben, sein Nachfolger Marcelo Caetano hatte noch eine kurze Zeit bis zur Nelkenrevolution 1974 vor sich). Der Wohlstand wuchs langsam, das Land wurde peu à peu moderner, der erkennbare Wandel begeisterte die Menschen.  In den überseeischen Gebieten (Kolo­nien) wurde gekämpft, aber die Menschen zuhause wollten ihr Leben verbessern und genießen. In der Hauptstadt hieß ein neues großes Einkaufszentrum Apolo 70. Der Mensch hatte den Mond ­betreten, und die Portugiesen wollten genauso modern sein wie alle anderen. Die Warteliste für einen Telefonanschluss zum Beispiel wurde damals lang und länger. »Im aufstrebenden Kosmos der von RTP ausgestrahlten Werbespots für ­›Sagres-­ Mini‹ gab es in jedem Portugiesen einen ­solchen Mann, mit Schnurrbart und Brille, gepflegt, selbstbewusst in Gegenwart und Zukunft, verführerisch und scharfsinnig, stark und entschlossen«, schreibt Expresso in Bezug auf den schon erwähnten TV-Werbespot von 1972. »Frauen kochten, kümmerten sich um die Familie und beanspruchten aber auch zunehmend das Recht auf Eleganz, was den Wunsch nach Unabhängigkeit und Modernität zum Ausdruck brachte, in einer Zeit, in der sie noch die Erlaubnis ihrer Ehemänner brauchten, um in die Vereinigten Staaten zu reisen.« Aus dieser Zeit des für manche sicher verstörenden Umbruchs im äußersten Westen Europas stammt das Mini. Und es gibt eine Generation Mini. Trinken wir auf das Wohl Portugals und seiner Menschen! 

 

Erinnerungen an José Saramago

Foto des portugiesischen Schriftstellers José Saramago

Erinnerungen an José Saramago¹

von Rainer Bettermann

> Im November 1976 schickte ein kleines deutsches, heute fast vergessenes Land einen kulturellen Gesandten nach Lissabon, der dort die deutsche Sprache und ein schönes Bild dieses Landes verbreiten sollte. Aus dem Lehrer wurde unvorhergesehen ein Schüler, Entdecker einer anderen kleinen Welt. Die Grenzen zwischen beiden Welten aber waren streng gezogen. Also mussten nach der Rückkehr Wege gefunden werden, sie zu überwinden. Es begann ein paralleles ­Leben mit portugiesischer Sprache und Literatur. Freunde schickten mir Bücher aller möglichen Autoren: Luís de Camões und Eça de Queiroz, Florbela Espanca und Fernando Pessoa, Augusto Abeleira und Baptista-Bastos, Almeida Faria und José Rodrigues Miguéis, Maria Velho da Costa und Manuel da Fonseca und viele andere mehr.

Eines Tages war es aber vorbei mit der eskapistisch-nostalgischen Lektüre. Mit einem Buch kam die nachdrückliche Bitte der Absenderin, es in die deutsche Sprache zu übersetzen.

Es begann ein aufregendes und anstrengendes paralleles Leben mit dem Roman Levantado do Chão (Hoffnung im Alentejo, Übersetzung Rainer und Rosi Bettermann). Jede freie Minute galt nun Domingos Mau-Tempo, Sara da Concei­ção, João Mau-Tempo und Faustina, António Mau-Tempo, Manuel Espada und Gracinda, Sigismundo Canastro, Maria Adelaide und all den anderen. Es hieß, mit ihnen zu leben und zu leiden und den verschlungenen Pfaden des Autors zu folgen. Nur ein kleiner alter Langenscheidt und ein ebenso altes Pequeno Dicionário da Língua Portuguesa waren bei der Hand und so blieben viele Fragen und Zweifel. Mein erster Brief erreichte in der Rua da Esperança 76 in Lissabon einen José Saramago, der sich gerade in einem Erschöpfungszustand befand, den die Arbeit an dem Roman Memorial do Convento (Das Memorial, Übersetzung Andreas Klotsch) verursacht hatte. Die daher späte Antwort vom 17. Juni 1983 hielt eine Überraschung parat:

(…) Und um zu beginnen, gasgarro (p. 100) ist ein Wort, das es gar nicht gibt. Es wurde direkt beim Schreiben erfunden und versucht gleichzeitig auszudrücken Kehle, Schlund, aufgerissener Mund, kurzum gasgarro ist eine Erfindung des Autors, die mein Freund mit einer ähnlicher Intension übersetzen muss, in dem Maße wie die deutsche Sprache es erlaubt (…) (José Saramago, 17. Juni 1983, Lissabon).

Es blieb oft ein Gefühl der Unsicherheit oder Unzufriedenheit, ob die gewählten deutschen Ausdrücke auch genau den bildhaften portugiesischen Wörtern und Wendungen entsprachen. 

Aus einem Brief von José Saramago an Rainer Bettermann

Aus einem Brief von José Saramago an Rainer Bettermann

Saramago schrieb tröstend dazu: 

(…) mein Freund ist ein Übersetzer mit Zweifeln, ein leider seltener Fall mit den bekannten schlechten Resultaten. 

Der erste Brief endete mit einem halb illusorischen, halb hoffnungsvollen Versprechen: 

Und wenn mein Freund nach Portugal zurückkehrt, dann ist es jetzt schon abgemacht, dass ich ihn zum Alentejo mitnehmen werde, an alle Orte, an denen die Helden des Buches lebten und an denen heute andere Helden leben, deren Geschichte eines Tages erzählt werden wird (José Sara­mago, 17. Juni 1983, Lissabon). 

Doch leider blieb diese gemeinsame Reise ein Traum.

Auch die erste Begegnung liegt unter einem traumhaften Schleier: Ich gehe die Rua da Esperança aufwärts. Am Ende der menschenleeren Straße steht einsam eine hohe Gestalt, eine Schirmmütze schützt das Gesicht vor der Mittagssonne, ein graues Sommerjackett hängt über den Schultern, das olivfarbene Hemd ist oben aufgeknöpft, durch eine Hornbrille  blicken freundliche, aufmerksame Augen. «Olá, é o Rainer», sagt die Gestalt mit sanfter Stimme. Wie in seinen Büchern lässt José Saramago offen, ob es Frage oder Feststellung ist. »Wir werden uns beim Essen unterhalten.« Wir betreten ­eines dieser Restaurant-Cafés, in denen jeder Tisch, jeder Stuhl und jeder Gast seit Fernando Pessoas Zeiten zu sagen scheint: »Lass dir Zeit, komm und fühle dich wohl!« Wir essen, trinken roten Wein und lösen in zunehmend angeregter Stimmung meine auf einem Zettel notierten Fragen. 

Dieselbe hochgewachsene Gestalt schreitet an einem regnerischen Tag des Jahres 1986 in Trenchcoat und mit Regenschirm durch den Check Point Charlie, den berühmt-berüchtigten Grenzübergang zwischen dem geteilten Berlin. José Saramago kommt zur Präsentation von Hoffnung im Alentejo in das kleine deutsche Land. In einem Café sinnieren der Leiter des Aufbau-Verlags und José Saramago über einen noch zu schreibenden großen Jahrhundertroman. Mit einigem Wirbel werden später José Saramago und Hoffnung im Alentejo der Öffentlichkeit präsentiert. 

José Saramago schreibt und schreibt und schreibt und meine nächste deutsche Übersetzung dauert und dauert und dauert.

Mein lieber Rainer, (…) Rowohlt wartet mit Ungeduld2 (das Wort ist sicher übertrieben) auf die Übersetzung des Ricardo Reis3 (…) Wie auch immer, schicke mir alle deine Zweifel, so wie abgemacht. Hier eine große Umarmung deines unmensch­lichen Freundes José Saramago (José ­Saramago, 25. Oktober 1986, Lissabon). 

Endlich konnte ich die Übersetzung des Ricardo Reis abschließen. Man fragte mich, ob ich der Hausübersetzer von José Saramago werden möchte. Was würde dann aus Beruf, Familie und allerlei nebenbei? Ich lehnte seufzend ab. 

Das kleine deutsche Land stolperte in eine Krise. José Saramago, der mit História do Cerco de Lisboa (Geschichte der Belagerung von Lissabon, Übersetzung Andreas Klotsch) voll beansprucht war, antwortete spät auf meinen offenkundig melancholischen Brief: 

Wir durchleben schwierige Stunden, wissend, dass die Ideen gerecht sind und ihre gerechte Anwendung ganz sicher zum Glück der armen Leute beitragen wird, die wir sind und sehend, dass sie fehlerhaft, verfälscht, ja pervertiert angewendet werden. Das ist hart für den, der den einfachen Ausweg ablehnt, einfach die Ideen zu wechseln (José Sara­mago, 23. Februar 1989, Lissabon).

Notiz für den Saramago-Übersetzer Rainer Bettermann

Notiz für den Saramago-Übersetzer Rainer Bettermann

Als das kleine deutsche Land kurz vor seinem Ende die Grenzen öffnete, war das Reisen endlich für alle und überallhin möglich geworden. Endlich konnte die ein Jahr zuvor erfolgte Einladung Saramagos Wirklichkeit werden. Also auf nach Lissabon! Der August war heiß. In der Dach-Wohnung in der Travessa das Mercês im Bairro Alto war es heißer noch als heiß. Ein wenig erfrischende Erholung bot nachts die nahe gelegene Bank am Alto da Santa Catarina, dort wo die beiden Alten aus O Ano da Morte de Ricardo Reis gesessen und den «espectador do espectáculo do mundo», den Zuschauer des Welttheaters Ricardo Reis beobachtet hatten.

11. August, Sonnabend 1990: Abends bei José Saramago zu Gast. Er quetscht uns aus über die Lage in der DDR. Sozusagen Informationen aus erster Hand. Seine junge Frau Pilar, eine Andalusierin, hat ein vorzüg­liches Abendbrot zubereitet (…). 

Zum Schluss zeigt uns Pilar Saramagos Bücher in unzähligen Übersetzungen und Ausgaben. Er tut etwas schelmisch, so als ob er sie nicht mehr sehen könnte (Christel Bettermann, Reisetagebuch 1990).

Dann zog sich José Saramago zurück. »Er muss jetzt schreiben«, meinte Pilar freundlich und bestimmt. Woran er wohl schreiben mochte? Vielleicht am Roman O Evangelho Segundo Jesus Cristo (Das Evangelium nach Jesus Christus − Übersetzung Andreas Klotsch), der soviel Staub aufwirbeln sollte.

Im Oktober 1998 gab es ein freudiges Wiedersehen auf der Frankfurter Buchmesse. Ich kam zum portugiesischen Stand, Saramago löste sich aus dem ­illustren Kreis von Literaten und wir ­umarmten uns. Zum Glück kam die Nachricht von der Vergabe des Nobelpreises für Literatur an José Saramago erst ­danach, denn bei dem einsetzenden ­medialen Trubel wäre diese unverhoffte Begegnung so nicht möglich gewesen. Vieles ändert sich nun für José Sara­mago…

Am 29. Oktober 2004 war José Sara­mago mit seiner deutschen Managerin Ray Güde-Mertin in Leipzig. Vorgestellt wurde O Homen Duplicado (Der Doppelgänger, Übersetzung Marianne Gareis). Wir fuhren natürlich von Jena nach Leipzig, aber ein spontanes Treffen war in dem Gedränge nach der Lesung nicht möglich. José Saramago erfuhr zwei Jahre später von der verpassten Gelegenheit. Ich hatte ihm ein in Leipzig geschossenes Foto geschickt und es postwendend mit seiner Widmung zurückbekommen. So hatte die Begegnung doch irgendwie stattgefunden.

Mein lieber Rainer,
ich weiß nicht, ob du meinen letzten Roman As Intermitências da Morte4 erhalten hast. Es ist ein zugleich ernstes und unterhaltsames Buch (…) Wenn du mir schreibst, werde ich bestimmt nicht  sechs Monate und auch nicht sechs Wochen mit der Antwort warten. (…) Um grande e sempre grato abraço. José Sara­mago (José Saramago, 2. April 2006, Lanzarote).

Es war José Saramago immer peinlich, wenn seine Antwort Monate brauchte, obwohl er stets gute Gründe dafür hatte. Auf meinen Brief vom 17. September 2009 konnte es aber keine Antwort mehr geben.

Jetzt ist es an mir, lieber José, mich für meine Irrtümer und Versäumnisse tausendfach zu entschuldigen. Setzen wir uns auf die Bank am Alto de Santa Catarina und schauen auf die andere Seite, até sempre!

Anmerkungen:
1 »Erinnerungen« ist eine für den Portugal Report überarbeitete Version meines Beitrags «Algumas Memórias», der in der Übersetzung von Fernando Silvestre in Esteiros, Nr. 24 /2022 erschienen ist. Esteiros ist ein Bulletin der Regionalorganisation Lissabon der PCP, Abteilung Literarische Kultur / Intellektueller Sektor.

2 O Ano da Morte de Ricardo Reis (Das Todesjahr des Ricardo Reis, Übersetzung Rainer Bettermann)

3 Saramago benutzte das Wort ansiedade.

4 Eine Zeit ohne Tod, Übersetzung Marianne Gareis

Bacalhau: Magnífico símbolo da cultura portuguesa

Bacalhau – der Lieblingsfisch der PortugiesInnen

Bacalhau: Magnífico símbolo da cultura portuguesa

de Ana Carla Gomes Fedtke e Eberhard Fedtke

> Nomes de comidas típicas ou determinado tipo de cultura estão assoados a diferentes países, assim como a determinadas paisagens. No entanto, o famoso «hamburger» é conhecido por qualquer jovem, tal como a famosa «bola de Berlim» que é um grande sucesso em cidades como Munique ou Frankfurt. Mundialmente, associamos a qualquer parte um bom bife de Argentina, o típico queijo da Normandia ou a vodka russa. Podemos fazer uma enorme lista de sensações conhecidas e / ou reconhecidos pelo mundo fora.

Mas vamos agora concentrarmo-nos no famoso «bacalhau» português. Pensamos mesmo que o bacalhau se tornou num património histórico, um bom e «fiel amigo», um mito, desde o século XVIII. Cada vez mais, o bacalhau se tornou num hábito, numa refeição diária, não apenas nas grandes festas e eventos, mas também nos lares e nas famílias portugueses.

Hoje, o bacalhau é um prato primário, que facilmente ocupa o primeiro lugar no país, mesmo até do ponto de vista religioso. A bênção para todos aqueles que adoram o bacalhau é o festival de Aveiro que costuma decorrer entre 10 e 14 de agosto, na cidade de Aveiro.

Um outro famoso evento é o sábado «Aleluia», mais concretamente o enterro do bacalhau, por altura do fim da quaresma. Noutras épocas, o evento realizava-se apenas num determinado período. 

O bacalhau no dia 24 de dezembro é a sensação natalícia. Desde o início do advento até à noite de Natal, por tradição religiosa era a de que era proibido comer carne.

No dia 24 de Dezembro, precisamente, a cultura portuguesa manda comer bacalhau cozido com couve cozida. Como a mesa portuguesa é, por norma, rica e abundante, no dia seguinte, ou seja, no dia 25 de dezembro, juntam-se os restos do dia anterior e faz-se aquilo a que aqui no norte se designa por «roupa velha».

Existem inúmeras receitas para confecionar o bacalhau, apresentando-se este mais ou menos salgado. Vítor Sobral, um famoso restaurante no Alentejo, recolheu mais de 500 diferentes receitas. Um número como 1000 receitas é também realista, elas constam de um livro. Na nossa cozinha encontra-se disponível este livro, cuja finalidade é mesmo essa: oferecer a maior diversidade possível de receitas para confecionar o «tão aclamado» bacalhau. 

O bacalhau tornou-se também numa atração turística. O Bacalhau à lagareiro é conhecido no norte, nomeadamente nas Beiras quer na Beira litoral quer na Beira baixa, onde é confecionada com azeite. O bacalhau à Zé do Pipo é especialmente feito num restaurante no Porto. O bacalhau à Brás é particularmente conhecido na zona do Porto. Esta receita é uma mistura com puré e maionese, ganhando o primeiro prémio em 1960 numa competição cultural de culinária. Os famosos pastéis de bacalhau apareceram pela mão de Carlos Bandeira de Melo no seu famoso livro «Tratado na cozinha na copa.» Já no que ao bacalhau com todos diz respeito, é uma não mais do que uma junção de bacalhau, batatas, couve e azeite de alho, mais conhecido como o «fiel amigo».

Vale a pena estudar o mercado do bacalhau  assim como o seu dinamismo fantástico, e as suas receitas emblemáticas e famosas peculiaridades. Este dinamismo trás como sempre um entusiasmo acrescido que prevalece e prevalecerá na mentalidade portuguesa, assim como na sua alma. Verdadeiramente enraizada, verdadeiramente lusa!