Schlagwort: Portugal

Desaströses Ungeziefer im Ambiente der Flora in Portugal

Foto von zerstörten Palmen in Portugal

Über den hilflos wirkenden Umgang der Behörden mit der Insektenplage

• von Eberhard Fedtke und Ana Carla Gomes Fedtke


> Die portugiesische Flora leidet, wie die in allen modernen Ländern, unter der Fehlanwendung von Insektiziden zur Abwehr gegen Ungeziefer. Die Menge von Insekten, Würmern und Regenwürmern, für die Stabilität von Flora und Fauna verantwortlich – viele Tiere, nicht nur Vögel, leben von Insekten – nehmen kontinuierlich ab. Die Entomologie, die Wissenschaft, welche sich mit dem globalen Studium der Insekten und deren Arten befasst, schlägt länderübergreifend Alarm. Unter dem Titel »Der Verlust der Artenvielfalt und der Rückgang von Insekten« informieren die zuständigen Institutionen die Öffentlichkeit sowie die staatlichen Stellen über die Gefahren für Gesundheit und Gleichgewicht der Umwelt. Es wurden Programme ausgearbeitet, den verschiedenen Gefahren des Insektensterbens entgegenzuwirken. Die gesamte zeitgenössische Landwirtschaft steht zur Diskussion. Inzwischen gibt es gesicherte Erkenntnisse, wonach in der »Bio«-Landwirtschaft die Lage weniger besorgniserregend ist, das natürliche Gleichgewicht von Flora und Fauna sich weniger besorgniserregend zeigt, jedoch nicht, wie anempfohlen, perfekt ist. Um einen Vergleich zur globalen Bedrohung durch Plastik heranzuziehen, schließt, so die Spezialisten, die Bewahrung des modernen Weltgefüges die unbedingte Untersagung jeglicher Insektizidenprodukte ein.
Portugal lebt noch gefährlicher, was die aus dem Welthandel importierten Ungeziefer anbetrifft. Sie führen eine tödlichen Tanz in der portugiesischen Flora auf, nehmen zu und verdienen eine feste und entschlossene Antwort, um eine Apokalypse der Flora zu vermeiden.. Sprechen wir von einer kleinen Auswahl: fünf Arten von Insekten und Käfern tanzen einen Bauchtanz in der Flora Portugals. In fesche und vielfarbige Aufmachungen gekleidet, treten sie mit zerstörerischer Macht und diabolischer Gefahr gegenüber der Natur und den Menschen auf. Nicht glaubhaft? Übertrieben? Nennen wir die hehren Akteure beim Namen und kommen ohne Umschweife zu den Tatsachen:
Als ersten vorzustellen gilt es den pitoresken »Rhynchoporus ferugineus«, ein abscheulicher Käfer, aus den tropischen Gegenden Asiens und Polynesiens stammend. Er gelangte nach Afrika, schliesslich nach Europa und trat 1994 in Spanien auf. Radikal zerstört er verschiedene Arten von Palmen. Wer kennt nicht in unserem gesamten Land den schockierenden Anblick von Palmen mit herunterhängenden und vertrockneten Zweigen oder einen verlorenen, abrasierten Stamm als traurigen Beweis einer gestorbenen Pflanze? Beklagenswerte Anblicke, Belege für Krieg in der Flora, schreckliche Szenarien für alle Naturfreunde.
Der zweite Kumpane der illustren Auswahl ist die »Vespa-das-galhas-do-castanheiros«, ein Insekt, welches die Blattsprossen gallapfelig angreift, das Wachstum der Zweige hemmt, die Früchtebildung behindert, das Wachstum und die Qualität der Kastanienbäume beeinträchtigt und sie schließlich in Gänze vernichtet. Seine geographische Ausbreitung geht von Asien, Nordamerika bis Europa, sich immer stärker nach Mitteleuropa ausbreitend, zudem ersichtlich Portugal nicht verschonend.
Als dritten Parasiten heben wir die »Asiatische Wespe« hervor, aus Indien, China, Indochina sowie Indonesien stammend, und 2011 in Portugal entdeckt. 2015 wurden hierzulande 1.215 Nester gefunden. Die Plager dezimieren die heimischen Bienen hartnäckig, indem sie aggressiv und nachhaltig in deren Nester eindringen. Das wirtschaftliche Ergebnis bedeutet, dass die Produktion heimischen Honigs abnimmt.
Die Nummer vier, welche orkanartig die Wälder überfällt, ist die »Prozessionsspinne«, gleichermaßen für Mensch und Tier gefährlich. Ihr Ursprung liegt in Südeuropa.
Hat sie Kontakt mit sensiblen Körperteilen, sei es bei Mensch oder Tier, z.B. mit der Zunge von Hunden, kann dies schwerwiegende Verletzungen hervorrufen und bis zum Tod führen, sofern nicht umgehende ärztliche Hilfe zuteil wird. Das Tier fertigt weiße, gut sichtbare Nester in Pinien. Es handelt sich um eine ständig anwachsende Plage, sowohl für Pinien wie für Zedern.
Die Nummer fünf ist der »Buchsbaumzünsler«, ein weiterer asiatischer Import aus Japan, China. Korea und Indien. Er kennzeichnet sich durch Flecken auf den Blättern in grau-bräunlicher bis orangener Farbe, welche schnell zunimmt, durch schwarze Riefen auf der Kehrseite der Zweige, was mit deren Abfall endet. Es bedarf einer radikalen Behandlung.
Somit summiert und befördert die portugiesische Umwelt Probleme eines vorrangigen Schutz des Flora. Bekanntlich leidet das Portugal unter der besonderen Krise verbrannter Wälder und erduldet einen Mangel an wilden Tieren und Vogelsorten verschiedenster Art. Viele Jäger missbrauchen die Fauna, verringern sie auf Weniges. Wann wird die gefährliche und tödliche Gefahr für Flora und Fauna ein Ende nehmen, die sicherlich in einer Umweltkatastrophe endet?
Die portugiesischen Behörden des Zivilschutzes sind sich dieses schrecklichen Dramas bewusst, aber es kommt uns vor, dass wenige wirklich verängstigt erscheinen, sagen wir indigniert und moralisch reuig. Es gibt keine angemessenen medizinischen Behandlungen, den Parasiten Nr. 1 zu bekämpfen, ausser durch Importmittel. In Spanien ist jedermann verpflichtet, seine kranken Bäume den Behörden zu melden, während der Staat die öffentliche Natur behandelt. In Portugal fehlt es an einer solchen durchdachten Regelung und einer vernünftigen Choreographie, um in imperativer Weise die derart leidende Natur zu retten. Um den Feind Nr. 5 zu bekämpfen, reicht es aus, die kranken Bäume und Pflanzen abzuschneiden, was nicht der Schönheit der Natur dienlich ist.
Einige Ortschaften betreiben eigene Vorsorge, aber was zum Beispiel den Parasiten der Prozessionsspinne anbelangt, stellt man eindeutig Betroffenheit, Hilflosigkeit bis hin zur Desorientierung fest. Es ist erforderlich, eine gutes Programm zu besitzen, die Anfangszyklen der Plagen zu analysieren, praktisch mögliche Programme zu erarbeiten und sorgfältige Massnahmen durchzuführen, damit die betroffene Natur geschützt
wird, mit anderen Worten von der vernünftigen Vorsorge über die Kontrolle bis zur Entsorgung. Wir meinen, dass es stärkerer Anstrengung bedarf, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, und das mit einer Strategie, wonach ein Wechsel stattfindet. Portugal verdient eine Abteilung »Spezialfeuerwehr Umwelt«, eine reine »chemische Truppe«, so wie sie andere Länder in identischen Situationen einsetzen.
Es gibt noch viel gegen diese unangenehmen Besucher zu tun, dies sehenden Blickes zunehmen. Wer kennt den nächsten indiskreten Eindringling, welcher die Pflanzen schädigt und die Gesundheit der Menschen angreift? Die portugiesische Natur verdient es nicht, eine »via mala der Umwelt« zu gehen. Es braucht Anstrengung und Ausdauer. Endgültig!
Ein Argument, mehr als abgenutzt, ist das fehlender öffentlicher Finanzen. Offenbar schenkt der Minister für Landwirtschaft, Forst und Entwicklung diesen globalen Gegebenheiten nicht genügend Aufmerksamkeit. Man weiß nicht einmal, ob die zuständigen staatlichen Stellen nicht Beihilfen der EU-Gemeinschaft, für diesen Zwecke bestimmt, beantragen. Träfe dies zu, wäre es eine unverantwortliche und skandalöse Gleichgültigkeit. Demgegenüber ist es interessant mitanzusehen, wie bestimmte Gemeinden »großzügig« einen guten Teil ihres Budgets für Feste, Feuerwerk, Jahrmärkte und die ganze Spezies übertriebener Veranstaltungen ausgeben. Prioritäten zählen. Spreche einer ein ehrliches »mea culpa« zu Gunsten der Natur als die wesentliche Grundlage unseres Lebens Tag für Tag aus.
Das Problem an sich verdient keinen Pardon. Das Naturlabor braucht effektive Unterstützung, einbezogen sämtliche aktuellen wissenschaftlichen Maßnahmen, um den Einfall, den Verbleib und die Vermehrung dieses unerwünschten Ungeziefers – tödliche Gäste – rigoros zu verhindern. Die Regionen benötigen in erster Linie die Hilfe des für diese Materie verantwortlichen Ministeriums. Die Würde der Natur erfordert gerechte und konkrete Manifestationen. Nicht angängig ist die »kommode Wechselwirkung«, in der Politik »zu denken«, in Parlamenten »nachzudenken«, akademische Regelungen zu schaffen, viel zu reden und in Gemeindeversammlungen aktive Pläne zu entwerfen, wenn nichts oder wenig geschieht. Brüssel hat zweckbestimmte Mittel.
Andernfalls wird die Identität eines Landes, dessen Umweltwert noch zufriedenstellend und multikulturellen Tourismus anzuziehen geeignet ist, verschwinden.
Sicherlich nicht?

Portugal: Bichos desastrosos em ambiente da flora

Foto einer eingehende Palme in Portugal

Medidas insuficientes do Estado no combate à praga de insetos • de Eberhard Fedtke e Ana Carla Gomes Fedtke

> A flora portuguesa sofre, assim como o ambiente em todos os países modernos, do abuso de inseticidas na luta contra muitos pesticidas. A quantidade de insetos, vermes e minhocas, importante para a estabilidade da flora e fauna − muitos animais, não só os passarinhos, vivem dos insetos − vão diminuindo continuamente. A ciência de entomologia, que é a ciência que se ocupa do estudo global dos insetos e das respetivas espécies, está em alerta intercontinental. Sobre o título «Declínio de Biodiversidade e perda de insetos», as instituições competentes informam o público e os políticos estatais sobre o perigo para a saúde e para a integridade do ambiente no país. Foram elaborados programas específicos para combater os perigos ­diversos numa «morte dos insetos». Toda a agricultura contemporânea está em causa. Existem, no entanto, resultados fundamentados que na agricultura «Bio« a situação é muito menos preocupante, o balanço natural e geral da flora e fauna é bastante positivo, se recomendado, ele não perfeito. Só a título de comparação, por exemplo, no que respeita a uma ameaça global de plástico, a salvação do mundo moderno inclui também a interdição rigorosa de qualquer produto de inseticida, sublinham os especialistas. Um perigo após outro, perguntamos qual vai ser o próximo Mostramos responsabilidade para com a nossa terra.
Portugal vive de forma mais perigosa no que se refere aos bichos importados de fora por causa do comércio mundial. Eles fazem um vórtice mortal na flora portuguesa, crescem e precisam de uma resposta certa e definitiva, para evitar um apocalipse florestal. Falamos duma pequena seleção: cinco tipo de insetos e escaravelhos dançam o ritual do ventre na flora de Portugal. Envergados nos seus vestidos garridos e multicolores, mas de uma capacidade devastadora e de um perigo diabólico revelam-se ­fulminantes para a natureza e para o ­homem. Não acreditam? Exagerado? ­Nomeamos os «condignos atores» e ­vamos aos factos, sem rodeios.
O primeiro a apresentar chama-se pitorescamente «Rhynchoporus ferrugineus», um escaravelho aborrecido, natural das áreas tropicais de Ásia e Polinésia. Chegou até África e finalmente ao Continente Europeu, tendo entrado em Espanha no ano de 1994. Corrói radicalmente vários tipos de palmeiras. Quem não vê de forma chocante por todo o nosso país palmeiras com os ramos baixos e ressequidos ou um tronco perdido e arrasado como triste testemunha de uma planta morta? Vistas lamentáveis, provas de guerra florestal, cenários terríveis para todos os amantes da natureza.
O segundo companheiro da ilustre seleção é a Vespa-das-galhas-do-castanheiro, um inseto que ataca os gomos foliares em forma de galhas, reduz o crescimento dos ramos, trava a frutificação, diminui a produção e a qualidade dos castanheiros, arruinando-os finalmente na sua globalidade. A sua distribuição geográfica vai desde a Ásia, América do Norte e Europa, alastrando cada vez mais à Europa inteira e obviamente não escapando a Portugal.
Como terceiro parasita exibimos a ­vespa asiática, oriunda da Índia, China, Indochina e Indonésia e detetada em Portugal em 2011. Em 2015 foram aqui ­registados 1.215 vespeiros. As velutinas dizimam as abelhas autóctones de forma significativa, invadindo agressiva e obstinadamente as colmeias delas. O reflexo económico é que a produção do mel português diminui.
O número quatro que atinge como um furacão as florestas é a processionária do pinheiro, igualmente muito perigosa para as pessoas e animais. A sua origem é a Europa do Sul. Se ela tiver contacto com partes sensíveis do corpo, quer humano quer animal, por exemplo com a língua dos cães, pode provocar lesões graves e pode até levar à morte, se não forem imediatamente prestados cuidados de saúde. O bicho faz ninhos brancos nos pinheiros que são notoriamente visíveis. É uma praga que está em constante crescendo quer em pinheiros quer em cedros.
O número cinco é o fungo de buxo, mais uma importação asiática do Japão, China, Coreia e India. Manifesta-se por: manchas foliares de um cinzento acastanhado a alaranjado que surge repentinamente, um micélio branco sobre o avesso de folha, as folhas caem muito rapidamente, estrias negras nos ramos, todo acabando na queda dos mesmos. Precisa de um tratamento radical.
Assim o ambiente português acumula e acelera problemas de cariz prioritário na proteção da flora. Já é sabido que Portugal sofre com a crise evidente das florestas queimadas dos incêndios e padece ainda da ausência de animais selvagens e de pássaros de várias espécies. Muitos caçadores abusam da fauna, eliminam-na aos poucos. Quando vai acabar esta evolução perigosa e mortal para a flora e fauna, culminando certamente numa catástrofe ambiental?
As autoridades portuguesas da proteção civil têm consciência deste terrível drama, porquanto dá-nos a ideia que são poucos os que parecem profundamente angustiados, diríamos até indignados ou moralmente arrependidos. Não há tratamentos medicinais apropriados para combater o parasita n.º 1, só via importação. Em Espanha cada particular é obrigado a reportar às entidades civis as suas árvores doentes, uma vez que o estado trata a natureza estatal. Em Portugal falta este sensato regime e uma coreografia razoável para imperativamente salvar a natureza tão doente. Para combater o ­inimigo n.° 5, serve cortar os ramos das árvores doentes ou as plantas em causa, não sendo um resultado para satisfazer a beleza do ambiente.
Algumas freguesias promovem prevenções individuais, mas no que respeita por exemplo ao parasita processionário do pinheiro, nota-se uma clara atitude de perplexidade, desamparo e até de desorientação. É necessário haver uma boa gestão para analisar os ciclos iniciais das pragas, elaborar e praticar programas opcionais e promover diligências eficazes para proteção da natureza atingida, queremos dizer prevenção razoável desde o controlo à erradicação. Consideramos que deve haver uma maior aposta na sensibilização do público, estratégia que se afigura preponderante para que exista uma verdadeira mudança. Portugal carece de uma secção de «Bombeiros especializados em ambiente», uma pura «armada química», tal como dispõem outros países em situações idênticas. Ainda muito há a fazer contra estes desagradáveis visitantes, que crescem a olhos vistos. Quem conhece o próximo invasor indiscreto, que danifica as plantas e afeta a saúde dos homens? A natureza portuguesa não merece viver uma «via mala ambiental». É preciso ousadia e garra. Finalmente!
Um argumento «mais que batido» é o da falta de financiamento público. Obviamente que o ministério da agricultura, florestas e desenvolvimento não disponibiliza a atenção suficiente para estas ­situações globais. Não se sabe sequer se as repartições estatais competentes pedem verbas comunitárias destinadas a esta matéria. A ser verdade, é uma comodidade irresponsável e escandalosa. Mas não deixa de ser bastante interessante em ver como determinados municípios gastam «generosamente» uma boa parte do seu orçamento em festas, foguetes, feiras e toda a espécie de exacerbados eventos. São as prioridades que contam. Quem dera fazer um justo «mea culpa» ao favor da natureza a base essencial da nossa vida dia por dia.
O problema em si não merece um perdão. O laboratório natural precisa de um apoio efetivo, observando todas as medidas científicas em curso, rigorosamente para evitar a entrada, a permanência e a multiplicação desta indesejável bicharada – hóspedes mortais.
As regiões necessitam maioritariamente da ajuda do ministério responsável nesta matéria. A dignidade pela natureza apela a manifestações justas e concretas. Não adianta este «cómodo ciclo» em «pensar» na política, «repensar» no parlamento e fazer leis académicas, falar demasiado e sugerir planos ativos nas reuniões de municípios, sem que nada ou pouco aconteça. Bruxelas tem determinados fundos.
Caso contrário a identidade de um país cuja avaliação ambiental ainda satisfatória e capaz de atrair o turismo multicultural, desaparecerá.
Por certo?

Auf den Spuren der Portugiesen

Foto: Blick über die Altstadt von Muscat (Oman) auf die Festungen Mirani und Jalali

Notizen von einer faszinierenden Reise in den Orient und nach Südostasien • von Michael W. Wirges

> Im vergangenen Jahr unternahm ich mit meinem jüngeren Sohn eine Kreuzfahrt in den Orient. Wir besuchten die Vereinigten Arabischen Emirate, den Oman und Bahrain. Dieses war nicht nur die Begegnung mit der arabischen Welt, sondern auch mit alten Spuren, die die Portugiesen hier hinterlassen haben.
Eine weitere Inspiration fand ich bei der Ausstellung »Europa und das Meer«, die im vergangenen Jahr im Deutschen Historischen Museum in Berlin stattfand. Sie spannte in verschiedenen Kapiteln einen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart und präsentierte zwölf europäische Hafenstädte − darunter natürlich auch Lissabon.
Als erste Europäer erreichten die Portugiesen 1498 mit ihrem berühmten Seefahrer Vasco da Gama auf dem Seeweg nach Indien den Arabischen Golf und eroberten Muscat (Oman) im Jahre 1507. Der portugiesische Einfluss wurde von britischen und niederländischen Schiffen aus bekämpft, sowie von arabischen Seeräubern mit ihren Dhaus. Erst 1622 konnten Briten und Perser die Portugiesen aus dieser Region vertreiben.
Nach der Eroberung von Muscat, Sohar, Qalhat und Quriat und dem Königreich von Hormuz in den Jahren 1506 bis 1508 behielten die Portugiesen hier ihre Macht, bevor sie endgültig von den Arabern vertrieben wurden.
Einige Spuren der Portugiesen konnten wir noch im Oman und Bahrain ausfindig machen. In Muscat, der Hauptstadt des Oman, errichteten die Portugiesen 1587 die Festung Mirani, die heute von der könig­lichen Garde genutzt wird und für Besucher nicht zugänglich ist.
In Bahrain besuchten wir die Ausgrabungsstätte mit der Ruine einer portugiesischen Festung aus dem 16. Jahrhundert, Qat’ at al-Bahrain, auch als Bahrain Fort bekannt. Die Anlage ist seit 2005 als UNESCO-Welterbe eingetragen.
Die Kreuzfahrt mit meinem jüngeren Sohn nach Südostasien am Anfang dieses Jahres führte uns nach Thailand, Malaysia und Singapur. Auch hier haben die Portugiesen zahlreiche Spuren hinterlassen, die auch nach über 500 Jahren nicht ganz verwischt sind.
Ab 1507 wurde auch die Malaiische Halbinsel von den Portugiesen entdeckt. Durch die Ankunft der Portugiesen 1509 unter Diogo Lopes de Sequeira in Malakka, das ab 1511 von portugiesischen Truppen unter Afonso de Albuquerque erobert wurde − Errichtung der Festung A Famosa − begann die Kolonialisierung durch die Europäer. Bis 1641 stand Ma­lakka unter portugiesischer Herrschaft, bevor es die Niederländer eroberten und bis 1824 halten konnten. Danach kamen die Briten. Die Straße von Malakka war unter den drei europäischen Kolonialmächten stark umkämpft, da sie eine wichtige Passage auf der Gewürzroute und das Tor zum China-Handel bildete.
Wer sich für die Geschichte der portugiesischen Seefahrt interessiert, dem empfehle ich wärmstens das Museu da Marinha in Lissabon (Belém), das sich am westlichen Flügel des Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymus-Kloster) befindet.

1437: Ein Geiseldrama erschüttert Europa

Bild des Infante Dom Henrique

Wie der Größenwahn des Infante Dom Henrique seinen Bruder Fernando in den Kerker brachte • von Andreas Lausen

> Die Ursache für diese emotionale Tragödie liegt im Jahre 1415. Portugal hatte in einer waghalsigen Operation die Stadt Ceuta an der Nordküste Marokkos erobert und damit den Grundstein für die Entdeckungsfahrten und den Kolonialismus der Europäer gelegt. Infante Dom Henrique − in Deutschland als Heinrich der Seefahrer bekannt − hatte sich als junger Prinz und Ritter bei der Einnahme der Festung hervorgetan.
Die Einnahme der Stadt verbanden die Portugiesen mit der Hoffnung, den ertragreichen Handel Ceutas mit dem Orient und Nordafrika übernehmen zu können. Diese Erwartung erfüllte sich nicht: Die Karawanen und Schiffe der Mauren mieden das jetzt portugiesische Ceuta und liefen das 50 Kilometer westlich gelegene Tanger an.
Ceuta war zur Bürde für Portugal ­geworden. Alle Lebensmittel, jede Versorgung für Ceuta musste aus Portugal herangeschafft werden. Tausende Männer waren für die Verteidigung der Stadt nötig, ohne dass irgendein Profit für das Mutterland abfiel. König Duarte (Regierungszeit 1433−1438) und seine Berater entschieden nach langem Zögern, dass eben auch Tanger erobert werden müsste, um endlich das Handelsmonopol der Mauren, Venezianer und Genuesen zu durchbrechen.
Dem Infanten Henrique wurde die Leitung einer Militärstreitmacht von 6.000 Männern übertragen, der auch sein jüngster Bruder Fernando (1402−1443) als stellvertretender Befehlshaber angehörte. Im Gegensatz zur erfolgreichen Ceuta-­Expedition erledigte Henrique die Vorbereitungen schlampig. Die Ratschläge seiner Berater nahm er nicht ernst.
Im September 1437 landete die portugiesische Streitmacht zehn Kilometer östlich von Tanger. Entgegen den Warnungen seiner Berater ließ Henrique ­seine Truppe auf dem Landweg gegen Tanger marschieren. Bei den Schiffen blieb nur eine kleine Bewachung. Wasser nahm man kaum mit − Tanger war schließlich voller sprudelnder Brunnen, und für die Eroberung von Ceuta hatten die Portugiesen 1415 nur zwei Tage gebraucht.
Aber der Plan des Infanten ging nicht auf. Der Sultan hatte Tanger gut auf den portugiesischen Angriff vorbereitet. Die schnelle Eroberung der Stadt war unmöglich, und für eine Belagerung waren die Portugiesen nicht ausgerüstet. Die Soldaten des Sultans unter ihrem Feldherrn Salah Ibn Salah schnitten Portugals Truppe den Rückweg zu den Schiffen ab.
Der Infant saß mit seinen Männern in der Falle. Der Durst nahm ihnen allen Mut. So schmachteten sie in der heißen Steppe vor den Mauern von Tanger und waren dem Tod geweiht. Doch der Sultan machte ihnen ein Friedensangebot: Die Portugiesen könnten ehrenvoll abziehen, wenn sie Ceuta räumten. Infant Henrique versprach den Abzug aus Ceuta. Den Befehl dazu könne allerdings nur der König geben − mit Zustimmung der Cortes.
Der Sultan willigte ein, verlangte aber, dass Henriques Bruder, Infant Fernando, als Bürge für diese Abmachung im Gewahrsam der Mauren bliebe. So begaben sich Fernando und 12 Gefährten in die Gefangenschaft, während Henrique die Streitmacht sicher zu den Schiffen und heim nach Portugal brachte. Alle gingen davon aus, dass Portugal die Abmachung einhalten und Ceuta übergeben würde.
König Duarte war sofort damit einverstanden, nicht aber die Cortes. Diese Versammlung war einem Parlament ähnlich, war jedoch nicht nach heutigen Maßstäben gewählt, sondern aus Vertretern von Adel, Geistlichkeit und Ständen zusammengesetzt. Sie berieten ausführlich über die Lage. Eindringlich appellierte der König, Ceuta an die Mauren zurückzugeben und seinen Bruder aus der ­Geiselhaft zu erlösen.
Aber die Cortes lehnten ab. Die Eroberung Ceutas sei mit dem Leben hunderter Portugiesen teuer bezahlt worden, und das wöge schwerer als das Leben eines Prinzen. Allenfalls Lösegeld könne man zahlen. Der Sultan ließ sich darauf nicht ein. Hatte man in Marokko den Infanten bis dahin als Gast behandelt, wurde er nun in den Kerker von Fèz gebracht. Dort wurde Fernando gefoltert und nur mit Abfällen ernährt.
Fernando schickte flehentliche Briefe nach Portugal, man möge ihn doch aus dem Kerker befreien. Boten berichteten, dass sich sein Zustand immer weiter verschlechterte. Aber die Cortes blieben bei ihrer unnachgiebigen Haltung. Nach sechs Jahren starb Fernando elendig am 5. Juni 1443 im marokkanischen Verlies.
Infant Dom Henrique, verantwortlich für das Desaster von Tanger, wurde ein anderer Mensch. Er sah ein, dass Portugals Ziele auf dem afrikanischen Kontinent nicht mit blinder Gewalt erreicht werden konnten, sondern nur mit Planung, Verhandlungen und gründlicher Vorbereitung. Grübelnd und in Askese verbrachte er seine Tage und Nächte in Lagos und Sagres. Die Expeditionen an der Küste Afrikas wurden gründlich ausgearbeitet, die Kapitäne handverlesen. Die Entdeckungen der Portugiesen auf dem Seeweg nach Indien waren abenteuerlich, aber ihre Protagonisten waren keine Abenteurer, auch nicht nach dem Tod des Infanten im Jahre 1460.
Ceuta hatte für Portugal nur noch symbolische Bedeutung. 1668 wurde es nach einem Vertrag den Spaniern übergeben. Spanisch ist Ceuta auch heute noch − Ziel von Afrikanern auf dem Fluchtweg nach Europa.
Tanger wurde 1471 doch noch von Portugal erobert. 1661 wurde die Stadt als Mitgift der Infantin Catarina an England übereignet.
Die Gebeine Fernandos wurden von Portugal 1471 ausfindig gemacht und in der Grabkapelle der Dynastie Aviz im Kloster von Batalha beigesetzt. Der spanische Dramatiker Pedro Calderon de la Barca ließ sich durch das Schicksal des portugiesischen Prinzen zu seinem Schauspiel »El Principe Constante − Der standhafte Prinz« inspirieren (1636).

Cidades Invisíveis von Guilherme Parente

Foto des portugiesischen Malers Guilherme Parente

Über eine Ausstellung im Kunstraum der portugiesischen Botschaft in Berlin

> Am 6. Dezember 2018 fand im Kunst­raum der Botschaft von Portugal in Berlin die Vernissage der Ausstellung »Cidades Invisíveis« (Unsicht­bare Städte) des bekannten portugiesischen Malers Guilherme Parente in Anwesenheit des Künstlers und des portugiesischen Botschafters, S.E. João Mira Gomes, statt, zu der auch Mitglieder der DPG eingeladen wurden.
Guilherme Parente wurde im Dezember 1940 in Belém, Lissabon geboren. Er ist ein einflussreicher portugiesischer Maler mit mehr als 50 Jahren künstlerischer Tätigkeit, die durch Arbeiten in Aquarellen, Kacheln und Gravuren gekennzeichnet sind. Er hat an mehr als 100 Ausstellungen in Portugal und im Ausland teilgenommen.
1961 beginnt er seine künstlerische Laufbahn in der Sociedade Nacional das Belas-Artes, unter Orientierung an Meister Roberto Araújo. Dort verbringt er sehr viel Zeit, widmet sich seiner großen Leidenschaft, der Malerei, und nimmt 1968 an einer, seiner Meinung nach, größten kollektiven Ausstellung teil, nachdem er auch Gravur-Kurse an der Sociedade Cooperativa de Gravadores Portugueses besucht hat.
Zwischen 1968 und 1970 studiert er an der Slade School der University of London Union als Stipendiat der Stiftung Funda­ção Calouste Gulbenkian, einer Schule mit großer portugiesischer Tradition, die schon berühmte Künstler wie Sá Nogueira, Paula Rego und Bartolomeu Cid be­sucht haben.
Der Aufenthalt in London und seine Rückkehr nach Portugal waren für seine künstlerische Karriere maßgebend, vor allem für die Kunst und von der Kunst zu leben. 1970 realisiert er die erste eigene Ausstellung in der Galeria de Arte Moderna da Sociedade Nacional de Belas-Artes, ab 1974 folgt eine Reihe von Ausstellungen auf natiolaler Ebene, einschließlich Leiria, Porto, Lissabon, Ponta Delgada, Coimbra, Vila Viçosa.
Der Anfang der 1970er Jahre ist auch geprägt durch seine Beteiligung am künstlerischen Kollektiv »5+1«, einer Gruppe, die sich aus Leidenschaft zur Kunst zusammengeschlossen hat, zu der auch der Bildhauer Virgílio Domingues und die Maler João Hogan, Júlio Pereira, Sérgio Pombo, und Teresa Magalhães gehören.
Erneut als Stipendiat der Stiftung Fun­dação Calouste Gulbenkian kehrt er 1989 nach London zurück, um eine Studie über Holografie zu machen.
Er hat verschiedene Ausstellungen in Portugal und im Ausland realisiert, einschließlich Brüssel (1992), Frankfurt (1994), Macau (1995, 2013), Paris (1998), London (1999), Goa (2000), Atlanta (2001), Rom (2006) und Madrid (2007).
Er wird geehrt mit dem Prémio Malhoa (1975) und dem Prémio de Pintura da Sociedade Nacional de Belas-Artes (1989).
Er ist in verschiedenen Museen und Institutionen repräsentiert. Aktuell befindet sich sein Atelier im Palácio Valada Azambuja in Lissabon.

Text: Camões Instituto da Cooperação e da ­Lingua, Berlim; Übersetzung: Michael W. Wirges

Fußball verbindet die Portugiesen in Berlin

Foto von Spielern des Vereins »Fußball auf Portugiesisch e.V.«

Der Verein »Fußball auf Portugiesisch e. V.« besiegt die Verletzungen der Vergangenheit • von Christian Sachse

> Fußball auf Portugiesisch e.V.: So nennt sich ein in Berlin gegründeter Verein mit einer langen Geschichte. Es fing an im Jahre 2012, als die Berliner Zweigstelle der SOS Kinderdörfer ein Projekt der Kinderhilfe in der Willy-­Brandt-Teamschule hatte. Die in dem Projekt tätigen Mitarbeiter des SOS Kinderdorf nutzten die Gelegenheit, sich nach Unterrichtsschluss zu einer gemein­samen Runde Volleyball zu treffen. So entstand eine lockere Runde.
Nach und nach wurden auch aufgrund der entstandenen Freundschaften die unterstützten Jugendlichen zu dieser ­Aktivität eingeladen. Nach einiger Zeit kamen mehr und mehr Jugendliche zusammen, und es wurde beschlossen, statt Volleyball Fußball zu spielen. Es kamen vor allem Jugendliche aus den portugiesischsprachigen afrikanischen Ländern und aus Brasilien, die sich aus der gemeinsamen Schulzeit in der Grundschule Neues Tor und aus der Kurt-Schwitter-­Gesamtschule kannten. Beide Schulen ­geben zusammen mit den Kindergärten Casa Azul, Carvalho Marinho und Primavera den Kindern portugiesischsprachiger Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder bilingual aufwachsen zu lassen. Hauptbetreuer und längster Spieler im Verein ist Herr Friese, der viele der Jugend­lichen über etliche Jahre begleitet hat. Zuletzt war er auch der einzige aus dem SOS Kinderdorf, der noch der Fußball-­Gruppe angehörte.
Als er Ende 2018 nach Hamburg zog, war die Fortsetzung des Fußballspielens in der Halle nicht gewährleistet, da kein Verantwortlicher aus dem Verein die Halle mehr nutzt. Aus diesem Grund haben die Spieler der Gruppe gemeinsam den Verein Fußball auf Portugiesisch e.V. gegründet. Dieser steht für die Spieler, die fast ausschließlich portugiesisch miteinander sprechen. Dieser Verein soll nun die Räume übernehmen, damit weiterhin gespielt werden kann. Der Verein und die Spielweise zeichnen sich − trotz heftiger und hitziger Diskussionen − vor ­allem durch gegenseitige Rücksicht­nahme aus, da die als Tore verwendeten Matten oft keine eindeutige Aussage zulassen, ob es ein Tor war oder nicht.
Sie selbst sind teilweise Profifußballer, teilweise Schüler und Hobbyspieler. Dieser Zusammenschluss der Schüler und Spieler steht auch für einen Zusammenschluss der portugiesisch-sprachigen Länder als Zeichen, dass die gegenseitigen Vorurteile und Verletzungen aus der Vergangenheit zwischen Portugal, den ehemaligen afrikanischen Kolonien und Brasilien in den Köpfen der heutigen ­Jugendlichen zumindest in Berlin nicht mehr bestehen.

Adéus, Princesa: Hommage auf Catarina Eufémia

Foto von Catarina Eufémia

Kämpferin gegen die Tyrannei – über die Landarbeiterin Catarina Eufémia • von Catrin George Ponciano

> Ein bisschen Freiheit für eigene Träume, ein klein wenig mehr Lohn. Dafür lebte sie, dafür starb sie. ­Ermordet vor den Augen aller im Dorf, entfachte ihr brutaler Tod einen Flächenbrand der Rebellion, der erst mit der Nelkenrevolution am 25. April 1974 gelöscht wurde. 
Ihre Augen glühten. Ihr Blick war hart. Zu hart für das fragile Mädchen, das nicht mehr vom Leben wollte als eigene Träume und genügend zu essen. Es gab oft kein Mehl, kein Brot, nicht einmal Bohnen. Doch Catarina verspürte längst keinen Hunger mehr. Spielen wollte sie. Mit ihrer Puppe. Zusammengenäht aus Flicken. Den Kopf gerollt aus Zeitungs­papier, eingeweicht in Wasser, verquirlt mit Staub, zwischen ihren Kinderhänden zu einer Kugel modelliert. Aber an jenem Tag im späten Sommer, die Getreidefelder standen trocken und rasiert, das Korn war längst gedroschen, die Sonne glühte senkrecht hoch, gab es wieder einmal kein Mehl, auch keine Puppe, nicht einmal mehr einen Traum. Das Kind saß vor der Tür des Bauernhauses, in dem sie mit ihren Eltern, ihren Großeltern und ihren Geschwistern schlief, und schaute der Sonne zu, bis sie den Tag verabschiedete, der Mond die heran­nahende Nacht begrüßte. Bis ihr kleiner zartgliedriger Körper, der Rücken bereits gekrümmt von der Arbeit auf dem Feld, einen Schatten warf. Catarina sah zum ersten Mal ihren Schatten, im Land ohne Schatten: Das Flämmchen Ich entfachte.
Geboren war sie an einem kalten Tag im Februar 1928, dem Jahr, als der Estado Novo unter Salazar gebar. Catarina Eufémia wuchs auf in Baleizão, einem kleinen Dorf mit dicht aneinander gedrängelten Häusern entlang der Dorfstraße im Land­kreis Beja, am Gutshof Monte Olival, einem Getreide-Latifundium, das sich rund um Beja und Serpa, an beiden Ufern des Guadiana-Flusses nach Norden und Süden, nach Osten und Westen erstreckt, bis dorthin, wo die Erde den Himmel küsst. Hunderte Landarbeiterinnen schufteten auf den Feldern des Patrão von Monte Olival mit ihren Händen in Mutter Erde, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, einzig freigestellt am Sonntagmorgen zur Frühmesse. Der karge Lohn reichte nicht für mehr als für eine Handvoll Brosamen. Mehr konnte der Patrão ihnen nicht zahlen, sagte er. Wegen der Rezession.
Der Zweite Weltkrieg, danach die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges. Die allgemein marode Wirtschaft nach Kriegsende in Europa und in Portugal besonders, verwandelten das an sich reich mit Naturressourcen ausgestattete Land in ein Armenhaus. Gnadenlos beutete das Salazar-Regime die Kornkammer des Alentejo aus, verschacherte das lebensnotwendige Getreide meistbietend ins Ausland, beteiligte die Latifundien an den horrenden Gewinnen der Kriegsmaschinerie und lobte das Volk für seinen selbstlosen Verzicht auf Wohlstand für das Mutterland.
Besonders die Frauen, speziell die Landarbeiterinnen, ernteten sein zweischneidiges Lob. Glück allein läge nicht im materiellen Lohn, sondern in der ­Bescheidenheit des eigenen Tuns. Ihre Arbeit bliebe nicht unbemerkt, ihre Arbeit sei ein wichtiger Teil im großen Staatsapparat, sie sollten stolz darauf sein, das Rad mit ihrer Körper Kraft und ihrer Liebe zu Portugal anzutreiben. Nicht wenige Arbeiter und Bauern sonnten sich in diesem sogenannten Lob, aber gerade im Alentejo kannten die Menschen die Grenze zwischen Bescheidenheit und Misere genau. Ihr Leid bot fruchtbaren Boden für die Aussaat einer zweiten politischen Idee, dem Kommunismus. Ein Riss vollzog sich. 
Die einen hielten an der staatlich indoktrinierten Misere fest und hofften auf die Einlösung eines Versprechens, die anderen wandten sich ab vom Ein-Mann-Staat. Sie rebellierten gegen die Knute des Gehorsams, die Prügelstrafen und den als solchen betitelten Mutterland-Dienst. Durchströmt von dem Wunsch nach leichteren Lebensumständen, getrieben von der Hoffnung auf Gleichstellung und Gerechtigkeit, folgte eine Hälfte des Volkes dem Ideal der PCP. Diese gesellschaftlich hochkochende Diskrepanz diente letztlich beiden politischen Lagern, emotional und existenziell, für politische Parolen und für Stimmenfänger. Die Lage der Nation teilte vor allem das arbeitende, größtenteils schulisch völlig benachteiligte Volk in zwei Teile, obwohl beide Seiten auch weiterhin in ihrer Armut steckenblieben.
Salazar reagierte. Er verbot die PCP, verhängte Zensur über sämtliche politisch kommunistisch orientierte Parolen, konfiszierte Presse-Material und verurteilte kommunistische Anhänger als Landesverräter. Die Propaganda seiner Partei wurde schärfer, unterlegt mit Bildern. Mit Rücksicht auf 75% Analphabeten im Land, visualisierte er ab sofort seine Ideologie. In einem eigens editierten Bilderbuch-Band namens «A Lição de Salazar» proklamierte der Regierungschef das portugiesische Ideal-Heim A Casa Portuguesa, und die drei Säulen des Staates zur obersten Aufgabe zur Erziehung der Nation: Gott, Mutterland, Familie − Deus, Patria, Família. 
Salazars Propaganda zielte auf den Nationalstolz der Portugiesen, auf ihr einstiges Imperium als Entdeckermacht und auf das Kolonialreich, rückte die Postion der Frauen in ein scheinbar glanzvolles Licht, doch gleichzeitig hinaus aus dem öffentlichen Leben, fort von gesellschaftlichen Aufgaben, weit ins verfassungsrechtliche Abseits. Salazar entmündigte die Frauen und raubte ihnen ihre Selbstbestimmung. 
Die eigens zu diesem einzigen Zweck aufgelegte Bilderbuch-Galerie »Lektion Salazar« bestärkte die Frau in ihrer einzigen, ihr ebenbürtigen Rolle als Schoß der Nation und fütterte sie mit Stolz. Genau hingeblickt, erkennt man deutlich die durchgehende Herabsetzung der Frau, dargestellt in Comic-ähnlichen Zeichnungen (siehe Abbildung S. 6). Auf der Kommode neben der Tür steht das Kreuz als Symbol für Gott. Vor dem geöffneten Fenster erkennt man ein Castelo, die Bastion Portugal, uneinnehmbar, unzerstörbar. Die Burg symbolisiert das Mutterland, gekrönt von der National­flagge. Die Frau steht in Landarbeiterkleidung, mit langem Rock und Schurz in der Kaminküche. In den Händen hält sie einen Topf und schaut zur Tür. Ihr Mann kommt von der Arbeit zurück, eine Ackerhacke über der Schulter. Sein Gesicht glänzt glücklich, denn Arbeit ist des Mannes Lohn. Die Tochter sitzt auf dem Boden und spielt mit Dingen, die ihr späteres Leben erfüllen werden − Töpfen und Pfannen. Der Sohn sitzt auf einem Schemel. Er arbeitet nicht, sondern er liest. Er trägt die Uniform der Moçidade portuguêsa, die Kleidung der portugiesischen Salazar-­Jugend, und erfährt von Kindesbeinen an die faschistische Erziehung samt faschistischem Denkmodell. Im Haus gibt es keinen Strom und kein einziges Haushaltsgerät, denn das Familienglück liegt allein in der Hände Arbeit der Frau.
Catarina Eufémia kannte also kein anderes Leben als das mit Feldarbeit und  Hausarbeit, seit sie neun Jahre alt war. Auch sie wächst auf mit der »Lektion ­Salazars« und lernt von Kindesbeinen an, wo ihr Platz ist. Sie darf nicht in die Schule und nicht ohne Begleitung der Mutter auf die Straße, sie darf kein Interesse zeigen für das Leben außerhalb dem ihr zugeteilten Raum, Haus und Heim. Von Geburt an war sie verdammt zu einem Leben in Lehnarbeit. Anonym, ein Weib von vielen, deren Existenz im Land ohne Schatten unter einem breitkrempigen Strohhut auf den Feldern des Monte ­Olival dahinschmilzt, und vorbei ist, ­bevor es je begonnen hat. 
Catarina wächst ­heran, ein bildhübsches Mädchen mit einem wunderschönen Gesicht und einem erhärteten Blick. Ihr Schatten, den sie jeden Abend wieder nach getaner Arbeit auf ihrem Lieblingsplatz vor der Haustür sieht, wird größer. Sie beginnt Fragen zu stellen. »Warum bin ich eine Frau, und nicht einfach weiblich?«, fragte Catarina den Gutsverwalter eines Tages und kassierte zur Strafe eine Tracht Prügel. 
»Warum verdienen Männer mehr als Frauen, warum verdient der Patrão noch mehr als zuvor und wir hungern  immer noch?«, fragte sie ihre Genossinnen eines Morgens im Mai 1954, als die Rezession längst vorbei war, als die Latifundien mehr Ernteertrag einfuhren als je zuvor, als der Getreidepreis höher stieg als je erträumt.
»Warum warst du nicht still, warum bist du nicht zurückgewichen, warum du?«, fragte die portugiesische Nationaldichterin Sophia de Melo Breyner Andresen in ihren Catarina Eufémia gewidmeten Zeilen «Dual». Diese Zeilen passen poetisch-­­tragisch perfekt zu Catarina ­Eufémia. >>>
Am 19. Mai 1954, als es wieder einmal kein Mehl für die Frauen zum Brot­backen gab, legen die Landarbeiter die Arbeit nieder und treten in den Streik. Catarina Eufémia führt die Landarbeiterinnen hinauf zum Gutshaus auf dem Monte Olival. Sie verlangt den Patrão Senhor Fernando Nuno Ribeiro zu sprechen. Sie verlangt eine Lohnerhöhung von 2 Centavos, 2/100 portugiesische Escudos, für die Frauen, damit diese ihren Kindern Milch kaufen können. 
Der Patrão war aber am Morgen des 19. Mai nicht zu Hause, und sein Stellvertreter, der Gutsverwalter José Vedor, mit der ­Situation restlos überfordert. Er rief die Guarda Nacional da República zu Hilfe gegen die streikenden Frauen und ihre Wortführerin Catarina Eufémia, die, wie bei jedem Schritt des Tages, ihren acht Monate alten Sohn auf dem Arm trug. Tenente Carrajola traf auf dem Gutshof mit einem Dutzend Polizisten ein. Nach kurzem Handgemenge hatten die Polizisten die Frauen im Griff. Der Tenente erfüllte kraft seines Amtes seine Pflicht, bestrafte Catarina Eufémia wegen Ungehorsams und Aufwiegelei und schlug zu. Er schlug, er trat, er schoss auf Catarina Eufémia, die längst zusammengebrochen wehrlos am Boden lag. Er schlug die 26-Jährige, bis sie sich nicht mehr rührte. Ihr Kind saß neben seiner Mutter im Staub, und weinte.
Die Landarbeiter und Landarbeiterinnen des Patrão, seine Knechte und Mägde, alle Kinder und Alten aus Baleizão standen wehrlos, stumm, gelähmt vor Schreck und Angst im Kreis um den Tatort herum, bezeugten jeden Tritt, jeden Schlag, jeden Schuss. 
War es die Brutalität des Tenente? Die Ermordung in aller Öffentlichkeit? Das weinende Kind neben der toten Mutter? Oder war es Catarinas Entscheidung, sich selbst für ein besseres Leben aller Frauen zu opfern? Catarina Eufémias brutaler Tod lässt viel Raum für Interpretation. Ihr Martyrium tränkte die Seele der Landarbeiter mit Zorn. Ihr Tod schrieb mit Blut ein Wort: Genug!
Ihr Martyrium war nicht das einzige im Alentejo, im Ribatejo, an der Algarve, und sie nicht das einzige Todesopfer der Salazar-Diktatur. Doch gerade ihr Tod löste die Starre der Menschen in Beja, in Serpa, in Grandola, in Évora. Wie bei einem Vulkanausbruch macht sich die Jahrzehnte lang angestaute Wut Luft. Die Ohnmacht, die Not, der Hunger, die Misere: Das Volk steht auf, es rebelliert.
Zwanzig Jahre später, am 25. April 1974 kam es zum Befreiungsschlag. Mit Kämpfern aus der Untergrundbewegung LUAR, mit militanten Aktivisten aus der PCP, mit Verbündeten im bewaffneten Militär, mit Hilfe erfahrener Militärs und letztlich mit Unterstützung des Volkes gelang die Revolution und der Sturz der Diktatur. Die Flamme der Rebellion brannte an vielen Orten in Portugal, vor allem aber in Orten wie Baleizão, seit dem Tag, als Catarina Eufémia ihren Schatten zum letzten Mal sah.
Zeca Afonso, der Komponist der Freiheitshymne Grandola Vila Morena schickte Catarinas Stimme nach ihrem Tod in Liedform auf den Weg: «Cantar Alentejano», »Sing, Alentejo, sing«. Die Autorin ­Clara Pinto Correa aus Baleizão schrieb Catarinas Geschichte auf: Adeus, Princesa. Die Dichterin Sophia de Melo Breyner Andresen schließt den Lebenskreis der 26-jährgen Landarbeiterin in ihrem Gedicht für sie mit den Worten: »Die Suche nach Gerechtigkeit hört nie auf.« 
 
Die Tyrannei ist glücklich, denn sie legitimiert zu Taten, die nicht erlaubt, nicht erwünscht, nicht vorstellbar sind.

Der Palácio das Passagens in Vendas Novas

Foto vom Palácio das Passagens in Vendas Novas

Ein Königspalast für zwei Tage 
•  von Andreas Lausen

> Die portugiesische 12.000-Einwohner-Stadt Vendas Novas ist nicht gerade ein Magnet für Besucher. Zwar sind die hier beheimateten Bifanas (Brötchen mit Schnitzel) berühmt, aber sonst macht die Stadt zwischen Lissabon und Évora keinen attraktiven Eindruck. Und doch gibt es in Vendas Novas einen weitgehend unbekannten königlichen Palast, der für wenige Tage im Jahre 1729 im Mittelpunkt einer kuriosen Reise stand. Wie viele Bauwerke in Portugal ist er einer Laune des barocken Königs João V. entsprungen, der das Land von 1706 bis 1750 regierte.
João war eher ein friedfertiger Mensch. Er strebte nicht nach militärischen Großtaten wie viele seiner europäischen Kollegen. Seine Leidenschaft waren die Schönen Künste: Architektur, Musik, Bildhauerei, Malerei und die Bücher.
Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1714 wollte er die jahrhunderte­alte Feindschaft mit den spanischen Nachbarn beenden. Die kluge Heirats­politik seiner österreichischen Verwandten brachte João auf die Idee, zur neuen spanischen Bourbonen-Dynastie ehe­liche Bande zu knüpfen.
So verhandelten die Nachbarländer ausführlich über eine Doppelhochzeit: Die portugiesische Prinzessin Maria Bárbara sollte den spanischen Thronfolger Fernando (später König Fernando VI.) heiraten. Im Gegenzug wurde die spanische Infantin Mariana Vitória dem portugiesischen Thronfolger José versprochen. 1723 wurde das Heiratsversprechen feierlich abgelegt, obwohl Fernando erst neun und Maria Bárbara erst zwölf Jahre alt waren. Mariana war eigentlich bereits dem französischen Thronfolger zugesagt und hatte schon einige Jahre in Versailles gelebt, aber inzwischen war den spanischen Bourbonen die Hochzeit mit dem portugiesischen Thronfolger wichtiger. Die Unterhändler verhandelten ausführlich über den Austausch der Prinzessinnen, der auf den 19. Januar 1729 festgelegt wurde.
Als Ort der Feierlichkeiten wurde der kleine Grenzfluss Caia zwischen Elvas und Badajoz ausgesucht. Hier sollte ein stabiles hölzernes Brückenbauwerk errichtet werden mit einem Saal auf portugiesischer, einem auf spanischer Seite und einem Saal über der Flussmitte. Nun galt es, für die portugiesische Delegation standesgemäße Quartiere zu finden. Von Évora bis Elvas standen genügend Unterkünfte zur Verfügung, aber zwischen Lissabon und Évora fand sich nichts.
1727 rief João die Architekten zu sich, die seit bereits zehn Jahren am Palast von Mafra arbeiteten. Dem deutschstämmigen João Frederico Ludovice, seinem Sohn Pedro und dem Portugiesen Custódio Vieira schwante nichts Gutes. Seit Jahren forderte der König von ihnen mehr Anstrengungen, um den Bau in Mafra zu beschleunigen. Und jetzt verlangte der Magnânimo (der Großherzige) den Bau eines weiteren Palastes in Vendas Novas, um dort auf der Reise zur spanischen Grenze ein standesgemäßes Quartier vorzufinden!
Innerhalb eines Jahres sollte der Bau fertig sein, in den Maßen von 70 mal 70 Metern. Die drei Architekten wagten den Widerspruch. Schon in Mafra fehlten Arbeiter, Künstler und Geld − wie sollte dann noch ein Schloss fertig werden? Der König wischte alle Bedenken vom Tisch. Sein einziges Zugeständnis war: Ein tatkräftiger Offizier (Coronél José de Silva Pais e Vasconcelos) sollte für genügend Arbeiter und Geld sorgen. Dieser schickte Greiftrupps durch das Land, um Arbeiter für die Bauten anzuwerben, was oft nur mit Gewalt gelang.
Im Jahre 1728 arbeiteten 45.000 Männer in Mafra und 2.000 in Vendas Novas, um die Bauwut ihres Königs zu befriedigen. In Brasilien wurden mehr Zölle und Steuern eingetrieben, und unter Leitung von Custódio Vieira wurde Vendas Novas tatsächlich schon in neun Monaten fertig.
So konnten sich João V. und seine öster­reichische Gemahlin Maria Ana mit Sohn und Tochter am 9. Januar 1729 von Lissabon auf den Weg machen. 185 prächtige Kutschen umfasste die Kolonne − einige davon stehen heute im Kutschenmuseum in Belém − dazu hunderte Plan­wagen und Karren, begleitet von 7.000 Soldaten, 3000 Dienern, einem Orchester, 222 Köchen, Adligen, Bischöfen, Priestern und Handwerkern. Pauken und Trompeten kündigten die königliche Karawane an, die durch die stillen Dörfer des Alentejo lärmte. Und wenn der König gute Laune hatte, griff er in die Truhe zu seinen ­Füßen und warf ein paar Hände voll Münzen unters Volk.
Trotz Kälte und Regen sowie zahlreicher Achsbrüche kam man termin­gemäß im neuen Palast von Vendas Novas an. Portugals Nobelpreisträger für Literatur José Saramago beschreibt die Reise eindrücklich in seinem Buch »Das Memorial«. Der Palast war prächtig ausgestattet und geschmückt. Nach der Übernachtung ging es über Èvora weiter nach ­Elvas.
Am 19.Januar 1729 trafen sich die Delegationen beider Königreiche in dem hölzernen Bauwerk über dem Grenzfluss. Zum ersten Mal begegneten sich hier die eingeschüchterten Brautpaare. Die Zeremonie erinnerte eher an den Austausch von Geiseln («Troca das princesas») als an eine fröhliche Feier. Beide Prinzessinnen sahen ihre Heimat nie wieder.
Politisch war die so besiegelte Freundschaft nicht von langer Dauer. Schon 1734 forderte Spanien den Abzug der Portugiesen vom Rio de la Plata und griff die Kolonie Sacramento im heutigen Uru­guay an.
Auch auf der Rückfahrt von Elvas machte die königliche Familie wieder in Vendas Novas Station. Danach residierte nie wieder ein König in diesem Palast, der den Namen «das Passagens» erhielt − »Palast der Durchreisen«. Nach langem Leerstand wurde der Palast schließlich als Seuchenspital genutzt. Als 1857 direkt hinter dem Palast die Eisenbahnlinie Barreiro—Évora gebaut wurde, fand der Palast eine gänzlich andere Verwendung. Der Gleisanschluss machte den schnellen Transport von Geschützen möglich, und so residiert hier seit 1861 die Escola ­Prá­tica de Artilharía.
Eine reguläre Besichtigung des mili­tärisch genutzten Gebäudes ist nicht ­vorgesehen. Trotzdem können Sie den Wachtposten am Tor danach fragen. Wenn der Dienstplan es erlaubt, führt ­Sie ein fachkundiger Soldat durch einige Räume und zeigt Ihnen auch die an­sprechende Kapelle mit sehr schönen weiß-blauen Azulejos. Sie sehen dann ­einige der königlichen Wohnräume mit ­Deckengemälden und den Lichthof mit gusseisernen Säulen. Auch die «Sala dos Tedescos» ist heute noch beeindruckend.
Und wenn Sie mögen, können Sie anschließend in einem Restaurant in Vendas Novas die berühmten Bifanas probieren.

Naturpark Ria Formosa am Algarve (Portugal)

Blick über den Lagunenstrand von Ria Formosa (Algarve)

Blick über den Lagunenstrand von Ria Formosa (Algarve) · © Catrin George Ponciano

Über die Zukunft des Naturparks Ria Formosa (Algarve)

Löst Natur-Tourismus die Probleme von immer mehr TouristInnen? · von Catrin George Ponciano

Das Archipel Ria Formosa an der Ostalgarve vereint das Meer mit der Erde, bietet Flora und Fauna einen einzigartigen Lebensraum und den Menschen eine solide Lebensgrundlage und neue berufliche Chancen. Früh am Morgen schimmert das sich seicht ins Meer ausstreckende Archipel im Sotavento milchig trüb, gletscherfarben im Dunst der sich davonstehlenden Nacht. Mittags leuchtet es unendlich tintenblau, im Licht der Nachmittagssonne schilfgrün, am Abend gülden orange. Eine milde Brise kräuselt die Oberfläche. Die Ruhe der Natur ist spürbar zum Greifen nahe: ein kleines Paradies! Vielleicht meinte António Aleixo, der Heimatdichter der Algarve, deshalb einst: »Wer hier stirbt, lebt weiter.«
1987 zum Naturpark erhoben, breitet sich das Wasserschutzgebiet im Ria Formosa-Archipel etwa 60 Kilometer entlang der Küste auf einer Gesamtfläche von 18.400 Hektar aus. Zweimal täglich schwemmt der Atlantik Meerwasser in die Lagune hinein und hinaus, gibt so die grazile Unterwasserwelt für wenige Stunden frei.
Die markant geformte Dünen-Barriere verläuft ab Faro durch fünf Landkreise, beginnend westlich von Faro im Landkreis Loulé, vorbei an Olhão und Tavira gen Osten bis an die Landkreisgrenze Tavira/Vila Real de Santo António in Cacela Velha, und schützt die Küste vor Erosion durch Meeresströmung und Wind.
Bereits beim Landeanflug auf Faro bietet die Ria einen imposanten Anblick, am Boden gewährt der Naturpark dann ­unterwegs zu Fuß bemerkenswerte Einblicke in die Biodiversität, zum Beispiel auf einem Spaziergang im eigens angelegten Parque da Reserva Natural da Ria Formosa in der Nähe des Campingplatzes von Olhão, wo Besucher auf einem eigens markierten Naturlehrpfad an Salinen vorbei zu einer noch intakten Gezeitenmühle gelangen, durch schattigen Kiefernwald wandeln und auf römische Salzbecken sowie im Schilf verborgene Vogelbeobachtungsposten stoßen.
Um den Naturpark auf eigene Faust zu Wasser zu erkunden, eignet sich die regelmäßig vom Kai in Olhão verkehrende Fähre zu den Inseln Armona, Farol, Deserta oder Culatra, und die in Tavira zu den Düneninseln Cabanas oder Ilha de Tavira. Vorne am Bug der Fähre stehend, die Nase im Wind, gewinnt man rasch Abstand zum Urlaubertrubel in den Touristenhochburgen.
Authentische Mee(h)r Einblicke in die fragile Flora und Fauna des Archipels schenkt ein privat gebuchter, mehrstündiger Bootsausflug. »Am besten bei Ebbe«, sagt João Sabino, Bootseigner, Skipper, und Betreiber des Naturtourismus Unternehmens »Sabino Boattours« in Olhão. »Denn erst, wenn sich das Meer zurückzieht, wird unser Paradies wirklich sichtbar und ich kann euch sogar das Leben am Meeresboden zeigen, wenn wir durch noch völlig unberührtes Marschland steuern«, lächelt er. Der Sohn einer Fischerfamilie geht dem Geschäft am Arbeitsplatz Meer seit seinem zwölften Lebensjahr nach. João weiß genau, wo es die besten Krebse gibt, wo die größten Lagunenherzmuscheln »wachsen« oder die fleischigsten Herzmuscheln im Sand verborgen liegen, denn er hat als Muschelbauer gearbeitet, bevor er sein Unternehmen gründete. Der Kapitän kennt die Verstecke der ­Seepferdchen-Kolonien und jeden Priel zwischen den Inseln. Unterwegs zeigt João seinen Gästen die spannendsten Stellen zum Schnorcheln oder wo Löffler nisten. Gewusst wie, sammelt er Seesterne, Seeigel und Seegurken zum Anschauen und hinterher wieder ins Wasser entlassen. Seinen Erfahrungsschatz über das bio-kosmische Zusammenspiel in »seiner« Ria vermittelt er spielerisch und mit großer Hingabe zum Detail, sammelt ganz nebenbei jeden Tag Plastikmüll aus dem Meer, während er sein komfortabel ausgestattetes Boot mit einer Hand souverän durch die mäandernde Lagune steuert.
»Wichtig für sauberes Wasser in der Lagune sind die Salz-Schlickgras-Weiden«, erklärt er. Die Halme heißen Spartina ­anglica. Sie wachsen moosgrün störrisch kräftig dicht an dicht am Meeresboden und wandeln Monoxid mittels Photosynthese in Sauerstoff um. In diesen Seegrasweiden fühlt sich der Mini-Dinosaurier Cavalo Marinho ganz besonders wohl. Der knorpelig possierliche See­pferdchen Jurassic-Geselle hat hier in der Ria keine natürlichen Feinde, pflanzt sich gefahrlos fort und zählt mit der hiesig heimischen Population zu den größten Seepferdchen-Kolonien der Welt.
Heutzutage hat das biologische Gleichgewicht in der Lagune eine andere Priorität als früher. Die Fischergemeinschaft hat erkannt, dass sie ihre Ria nicht grenzenlos ausbeuten kann, sondern mit sensibel durchdachten Projekten die Umwelt schonen muss, um auch künftig von den Ressourcen ihrer Ria profitieren zu können. Dazu zählen zum Beispiel Kinderstuben und Aufzucht-Sandbänke für Schaltiere und Austern, sowie streng kontrollierte Schonzeiten für gewisse Muschelsorten und Fischarten, damit sich ihr Bestand nicht weiter dezimiert, sondern behutsam erholt. Bereits die Phönizier wussten sich die natürliche Kraft der Gezeiten zunutze zu machen und legten Meersalz-Salinen an, die den Salzbauern bis heute das begehrte weiße Gold nachhaltig bescheren. Die Römer bauten die weiterverarbeitende Indus­trie sowohl für Fischpasteten auf als auch für den begehrten Meeresschinken Muxama vom Thunfischfilet. Ansässige Fischer entwickelten spezielle Fischfallen für den Thunfischfang, Muschelbauern legten Muschelfelder für Schaltiere an. Somit sorgen die endogenen Ressourcen seit über 2500 Jahren für solide Einkommensquellen. Mit dem neuen Markt-­Sujet Naturtourismus bietet die Ria ­Formosa berufliche Alternativen zum ­Fischfang und jungen Salzbauern völlig neue Zukunfts-Perspektiven, so dass sie nicht abwandern müssen. Dank aktiv umwelt­orientierten Unternehmern wie João ­Sabino wird auch der Blick des ­Besuchers für die fragile Biodiversität sensibilisiert. Sie tragen als Kunden dazu bei, dass die historisch begründete ­Lebensform im Archipel erhalten wird und das Paradies paradiesisch bleibt.

TIPPS
Sabino Boattours – Naturtourismus Ria Formosa:

www.sabinoboattours.com/en/

Spazierwege-Beschreibungen mit Karte finden Sie hier:
www2.icnf.pt/portal/turnatur/visit-ap/pn/pnrf

Parque da Reserva Natural da Ria Formosa
www.olhao.web.pt/parquenatural.htm

Denkmal für die Opfer des Kolonialismus

Die Schattenseite der Entdeckungen

Für die Opfer des portugiesischen Kolonialismus soll es endlich ein Denkmal geben · von Vasco Esteves

Ich bin als Flüchtling nach Deutschland gekommen, weil ich mich weigerte, an den Kriegen Portugals gegen die Befreiungsbewegungen in »unseren« Kolonien in Afrika teilzunehmen …
In Portugal gibt es viele Denkmäler für Kriegsopfer. Mich hat immer gestört, dass es dort kein Denkmal für die Opfer der eigenen Diktatur gibt und − noch schlimmer − für die afrikanischen Opfer unserer Kolonialkriege: ein unverzeihliches Manko angesichts des unendlichen Leidens der schwarzen Bevölkerung unter portugiesischer Herrschaft!
Portugal hat nicht nur die Afrikaner in ihrer Entwicklung gebremst und ausgebeutet, sondern sie auch in ihrer Würde verletzt und oft mit Gewalt bekämpft − militärisch oder durch Sklaverei. Zwischen 1501 und 1866 sind ungefähr 12,5 Millionen Sklaven von Afrika nach Amerika verschifft worden. Die Hälfte davon wurde von Portugiesen nach Brasilien gebracht! Portugal beschäftigte sogar Sklaven als Handwerker, Fischer oder Bauern auf dem eigenen Festland!
In diesem Jahr wird in Lissabon endlich ein Denkmal für die Opfer der Sklaverei und des Rassismus errichtet. Leider nicht ganz freiwillig und offiziell, sondern auf Initiative des Vereins DJASS, der Afrodeszendenten in Portugal, mit Unterstützung der Lissaboner.
Beatriz Gomes Dias, Vorsitzende des DJASS-Vereins: »Mit diesem Denkmal wollen wir einen Dialog eröffnen und unbekannte Geschichten erzählen. Es ist wichtig anzuerkennen, dass der Glanz Portugals zum größten Teil dem Sklavenhandel zu verdanken ist.«
Das Denkmal soll nun auf dem Platz »Ribeira das Naus« gleich neben der »Praça do Comércio« in Lissabon errichtet werden, genau dort, wo damals der Hauptsklavenmarkt Lissabons war.
Schwarze Sklaven in Lissabon: Anhand der folgenden drei Beispiele soll gezeigt werden, dass die Afrikaner schon immer gegen die Fremdherrschaft der Portugiesen gekämpft haben und sich dabei oft heldenhaft verhalten haben.

Nzinga Mbandi
Die angolanische Königin Nzinga Mbandi bot schon im 17. Jahrhundert der Kolonialmacht Portugals die Stirn. Sie lebte von 1583 bis 1663 im heutigen Angola. Das war am Anfang der portugiesischen ­Kolonisierung, in einer Zeit, in der das Geschäft mit der Sklaverei aufblühte… Angefangen hat Nzinga Mbandi als Diplomatin. Sie war bekannt für ihren Stolz und verhandelte immer auf Augenhöhe mit den Portugiesen. 1623 bestieg sie für 40 Jahre den Thron des Ndongo-Königreiches und wurde gleichzeitig Führerin und Mitkämpferin der Armee, die Widerstand gegen die Besatzer leistete. Ein Friedensvertrag, den Mbandi 1622 mit den portugiesischen Machthabern ausgehandelt hatte, wurde kurz danach von den Portugiesen gebrochen, weswegen sie sich mit den Holländern gegen die Portugiesen verbündete.
In ihren Methoden war sie manchmal skrupellos und handelte teilweise selbst mit Sklaven. Nzinga Mbandi konnte portugiesisch sprechen, lesen und schreiben und beherrschte auch mehrere native Sprachen.
Die UNESCO hat (allerdings nur auf Portugiesisch und Englisch, nicht auf Deutsch) eine PDF-Datei mit der Geschichte dieser angolanischen Königin in Zeichentrick-Format herausgebracht: Download unter http://unesdoc.unesco.org/images/0023/002309/230931por.pdf

Ngungunhane
Der Bantukönig Ngungunhane führte im 19. Jahrhundert das zweitgrößte afrikanische Imperium. Auf Wikipedia steht über ihn: »Er war von 1885 bis 1895 König von Gaza, dem letzten großen, unabhängigen Bantu-Königreich im heutigen ­Mosambik. Erst ein Vasall des portugiesischen Königs, rebellierte er später ­gegen die portugiesische Obrigkeit«. Ngungunhane war Führer des zweitgrößten afrikanischen Imperiums im 19. Jahrhundert in Afrika, also kein kleiner oder unbekannter Stammesführer!
Er hatte einen Pakt mit den Portugiesen geschlossen, fiel aber in Ungnade, als er anderen afrikanischen Stämmen, die gegen die Portugiesen rebelliert haben, Schutz gewährte. Die portugiesische Kolonialmacht schickte Truppen gegen ihm. Er verlor mehrere Schlachten und suchte schließlich Zuflucht in seiner eigenen heiligen Stadt »Chaimite«, wo er von den Portugiesen festgenommen wurde. Weil er aber in Europa schon sehr bekannt war, wurde er nicht − wie in solchen Fällen üblich − einfach erschossen, sondern zuerst nach Lissabon gebracht, wo man ihn auf demütigende Weise als »Trophäe« präsentierte: Er wurde in einem Käfig durch Lissabon gekarrt und später im botanischen Garten von Belém wie in einem Zoo ausgestellt. Danach brachte man ihn auf die Azoren-Inseln ins Exil, wo er 1906 starb. 1985, zehn Jahre nach der Unabhängigkeit Mosambiks, wurde Ngungunhanes Leichnam endlich nach Mosambik gebracht, wo er als Held empfangen wurde.
Ich erinnere mich noch, dass in den Geschichtsbüchern zu meiner Kindheit in Portugal Ngungunhane als Beispiel aufgeführt wurde, wie die Portugiesen die »wilden« Afrikaner »domestizierten«, das heißt: mit vielen Toten und »militärischen Erfolgen«, um so die Überlegenheit der »weißen Rasse« zu demonstrieren. Und gleichzeitig predigte uns die Katholische Kirche in Portugal damals, dass alle Menschen, egal von welcher Farbe, vor Gott gleich seien!

Amílcar Cabral
Amílcar Cabral war der wahre Vater der Unabhängigkeit von Guinea-Bissau und den Kapverden. Er war ein Agrarwissenschaftler aus Guinea-Bissau, der später zum Unabhängigkeitskämpfer und charismatischen Führer der PAICG (Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit von Guinea und Kap Verde) wurde. Er war auch populär als Dichter und Theoretiker der Entkolonialisierung. Er veröffentlichte mehrere Schriften, die sogar ich damals als oppositioneller Student in Portugal mit Begeisterung gelesen habe: Als »portugiesischer Frantz Fanon«, plädierte er für Blockfreiheit und bekam auf der internationalen Bühne viel Anerkennung. Er war Mitglied in der Sozialistischen Internationale und befreundet mit wichtigen Sozialisten aus Europa wie Olof Palme oder Francois Mitterand).
Ein Zitat von Amílcar Cabral: »Wenn in Portugal ein Regime herrschen würde, das bereit wäre, die Zukunft und den Wohlstand des portugiesischen und auch unseres Volkes gleichberechtigt aufzubauen, also in absoluter Gleichheit, das heißt wo zum Beispiel der Staatspräsident auch aus Guinea oder Kap-Verde stammen könnte, und dasselbe für alle andere staatlichen Stellen gelten würde, dann gäbe es für uns keine Notwendigkeit, für Unabhängigkeit zu kämpfen. Wir wären nämlich alle schon unabhängig, und das sogar in einem aus historischer Perspektive viel größeren und vielleicht effektiveren menschlichen Rahmen.«
Er wurde 1973 in Guinea-Conakry im Rahmen eines misslungenen Putsches innerhalb der PAIGC ermordet. Man vermutet die Auftraggeber hinter diesem Mord aber in der portugiesischen Geheimpolizei PIDE. Trotzdem war der Befreiungskampf in Guinea-Bissau schon damals so weit fortgeschritten, dass das Land noch im gleichen Jahr seine Unabhängigkeit von Portugal erklärte!
Schlusswort: Die Nelkenrevolution am 25. April 1974, welche den Portugiesen wieder Freiheit und Demokratie brachte, ist gewissermaßen auch in den portugiesischen Kolonien entstanden, weil die ­afrikanischen Völker sich erfolgreich gegen den portugiesischen Kolonialismus und Faschismus gewehrt haben. Deswegen bin ich meinen afrikanischen Brüdern für immer dankbar: Sie haben nicht nur für ihre eigene Freiheit, sondern auch für unsere gekämpft!

VASCO ESTEVES kommt 1969 aus politischen Gründen von Portugal nach Deutschland. Als Mathematiker arbeitet er 30 Jahre in der IT-Industrie im Rhein-Main-Gebiet. Ab 2007 fängt er eine zweite Laufbahn als Theaterschauspieler an. Seit 2009 lebt er in Berlin und ist Mitglied der DPG. Seine damalige Flucht nach Deutschland hat sein Leben komplett verändert − und ist Motivation für diesen Artikel.

INFORMATIONEN
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