Zur Geschichte des Liedes Adeste Fideles

Blick in die Basilika von MafraBlick in die Basilika von Mafra · © Andreas Lausen

Ein Weihnachtslied aus Portugal?    von Andreas Lausen

> Jetzt, in der Adventszeit, ist unser Alltag von Einschränkungen geprägt, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu bremsen. Da möchte ich Sie einmal auf ein Weihnachtslied aufmerksam ­machen, das Sie bestimmt kennen − und das vielleicht aus Portugal stammt.
Weihnachtslieder haben oft ihre eigene Geschichte. O Tannenbaum war von seiner Melodie her ein Lied der wandernden Handwerker des 18. Jahrhunderts (»Es lebe hoch, es lebe hoch,  der Zimmermannsgeselle!«). Tochter Zion freue dich stammt aus Georg Friedrich Händels Oratorium Judas Maccabäus (1751) mit der Titelzeile «See, the conquering hero comes» (»Seht, der siegreiche Held kommt«). Es wird im britischen Sprachraum noch heute gespielt, wenn zum Beispiel die Preisboxer in den Ring steigen. 
Die Herkunft des Liedes Adeste fideles ist geheimnisvoll und umstritten. Außerhalb Portugals wird meistens der Engländer John Francis Wade (1711−1786) als Komponist genannt. Seine erste schriftliche Aufzeichnung der Melodie mit ­lateinischem Text stammt von 1751. Er sorgte für die Verbreitung in Europa. ­Unklar ist aber, ob er tatsächlich der Schöpfer des Liedes ist (was er nie behauptete) oder ob ihm nur Aufzeichnung und Verbreitung zu verdanken sind.

Nach Abspaltung der anglikanischen Glaubensrichtung von der katholischen Weltkirche durch den englischen König Henry VIII. merzte er alle Anhänger des Papstes in seinem Reich systematisch aus. Eine katholische Insel in England blieb aber die Gesandtschaft Portugals in London, die eine eigene Kapelle besaß. Dort wurden katholische Messen zelebriert, an denen auch der Katholik Wade teilnahm. Hat er dort von dem Lied gehört?
Der Musiker Vincent Novello, der an der Gesandtschaft engagiert war, spielte dort das Lied auf der Orgel und berichtete etwa 1805 von einem portugiesischen Ursprung. Dafür spricht auch, dass Adeste Fideles zwar in viele Sprachen übersetzt wurde, es aber keine portugiesische Fassung gibt. Eine Übersetzung war überflüssig, denn in Portugal wird bis heute die lateinische Ursprungsversion gesungen, die sieben Strophen hat. Der Text ist einfach, ohne Schnörkel und ohne Reim. Gegen einen englischen Ursprung des Liedes spricht, dass in der anglikanischen Kirche die lateinische Sprache kaum verwendet wurde. 
In Portugal wird das Lied heute noch als »portugiesische Hymne« (Hino Português) bezeichnet und vulgarmente vielfach König João IV. (1604−1656) zugeschrieben, der 1640 Portugal aus der Umklammerung der spanisch-habsburgischen Nachbarn löste. Bewiesen ist seine Autorenschaft indes nicht. Deutlich ist allerdings der Stolz vieler Portugiesen auf ihr Lied Adeste Fideles. 
Wo könnte man dieses Lied besser zur Geltung bringen als im Weihnachtskonzert in der prunkvollen Basilika des Paláçio Naçional von Mafra? Dort wird es präsentiert von den 300 jugendlichen Stimmen der Academia de Música de ­Santa Cecília und der Sopranistin Joana Seara. 
Sie finden die Aufnahme bei Youtube unter Adeste Fidelis − Concerto de Natal na Basílica Real de Mafra oder Sie sehen gleich das komplette Konzert: Concerto de Natal dos Seis ­Órgãos da Basílica de Mafra (17.12.2019).

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