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Santa Luzia, die Hauptstadt der Kraken

Eduardo Mangas und Nicole Effenberg in ihrem Restaurant «Casa do Polvo»

Santa Luzia, die Hauptstadt der Kraken

Besuch in der außergewöhnlichen Tasquinha Casa do Polvo    von Catrin Ponciano

> Das gastronomische Unternehmer-­Ehepaar Nicole Effenberg und Eduardo Mangas setzt mit seinem innovativen Konzept in ihrem Restaurantbetrieb «Casa do Polvo Tasquinha» bewusst auf Nachhaltigkeit rund um den polvo.

Kraken-Hauptstadt wird Santa Luzia gerne genannt, dabei ist der Ort gar keine Stadt, sondern ein Fischerörtchen im Landkreis Tavira, gelegen an einem Kanal in der Lagunenlandschaft Ria Formosa. Die in Santa Luzia ansässige Fischergemeinschaft hat sich auf Kraken-Fang spezialisiert, nachdem der einstige Thunfischfang in den 1970er Jahren drastisch abgenommen hat und viele Fischer über Nacht erwerbslos dastanden, als auch die letzten Thunfischfallen vor der Praia do Barril abgebaut wurden.

Die Fischer sattelten um auf Oktopus-­Fang. Polvo bot ihnen eine einträgliche Alternative zur davor ausgeübten Arbeit in den Thunfischfallen − und darüber ­hinaus geschäftliche Unabhängigkeit von Großunternehmen. Ausgestattet mit eigener Fanglizenz stechen Santa Luzias Kraken-Fischer seither als Einzelgänger oder mit kleiner Crew und speziell ausgerüsteten Kuttern in See und fangen ausschließlich Kraken.

Oktopus-Gericht in der Casa do Polvo in Santa Luzia (Algarve)

Oktopus-Gericht in der Casa do Polvo in Santa Luzia (Algarve) · Foto: © Catrin Ponciano

Der Oktopus aus Santa Luzia zählt zu den besten der Welt. Das verdankt der Wirbellose dem umweltfreundlichen Ambiente im Meer vor der Algarve-Küste. Hier finden Herr und Frau Krake jede Menge Nahrung, allen voran Garnelen und Muscheln. Derart proteinreich ­ernährt glänzt der Oktopus aus Santa Luzia zartrosa. Seine abertausenden Saugnäpfe leuchten schneeweiß, der Kopfbeutel sahneweiß, kurzgesagt: polvo ­allerbester Güte.

So dauerte es nicht lange, bis sich »polvo» aus Santa Luzia auf dem Meeresfrüchte-Großhandelsparkett Marktanteile sicherte. An jedem Werktag kommen Großhändler zum Hafen in Santa Luzia in die bis heute einzige Versteigerungshalle Portugals für polvo, und kaufen meistbietend und fangfrisch en gros.

Der einzige Restaurantinhaber mit ­eigener Lizenz für das Ersteigern von polvo in der docapesca ausgestattet, heißt Eduardo Mangas. Er ist stets einer der ersten am Hafen, sobald die Kutter heimkehren und an den schwimmenden Docks anlegen. Mit prüfendem Blick ­begutachtet er die Ware bereits beim Löschen und überschlägt die Menge, die er kaufen will.  

Eduardo ist Gastronom und betreibt gemeinsam mit seiner Frau Nicole seit zwölf Jahren das legendäre Polvo-Spezialitäten-Restaurant Casa do Polvo Tasquinha. Für ihre Gäste kommt aus Prinzip einzig 1a-Qualität auf den Teller.   

Damit das garantiert gelingt, entwickelten die Eheleute Nicole Effenberg Mangas und Eduardo Mangas ein eigenes Verfahren zur Konservierung des ­polvo. Damit revolutionierten sie sämt­liche bis dato herkömmlichen Weiterverarbeitungsmethoden und eröffneten eine ­eigene Fabrik. Dort in der Casa do Polvo de Santa Luzia wird der polvo, nachdem Eduardo ihn vor der Haustüre in der docapesca am Hafen von Santa Luzia ersteigert hat, fachfraulich und -männisch in einem ausgeklügelten Konservierungsverfahren behandelt, küchenfertig portioniert und fachgerecht verpackt. So bestücken Nicole und Eduardo ihr eigenes Restaurant und beliefern außerdem eine Menge Restaurants in Porto, Coimbra und Lissabon mit ihren exquisiten Produkten. 

Polvo-Spezialitäten in der Casa do Polvo in Santa Luzia (Algarve)

Polvo-Spezialitäten in der Casa do Polvo in Santa Luzia (Algarve) · Foto: © Catrin Ponciano

Neben den weitläufig bekannten Spezialitäten wie Bohneneintopf mit Kraken (feijoada do polvo) oder Kraken-Reis (arroz do polvo) glänzt Nicoles und Eduardos Menükarte mit lukullisch charakteristischen Kreationen aus aller Welt. Zum Beispiel Moceca do Polvo, nach brasilianischer Manier mit Kokossauce zubereitet. Oder nach Goa-Art mit Curry. Deliziös ist die Fusion à la Orient mit Aprikosen und Mandelsplitter. Zur Vorspeise kitzeln die den Gaumen erfrischende Ceviche aus Peru oder hausgemachte Chamuças und Kroketten aus Kraken-Tartar sämtliche Geschmacksnerven wach − delikat nuanciert mit Gewürzen und Kräutern. 

Da fällt den Gästen die Auswahl schwer, auch wenn sie jederzeit wiederkommen und andere leckere Häppchen probieren können. Eine frühzeitige Tischreservierung in dem lokaltypisch eingerichteten Restaurant Casa do Polvo Tasquinha ist in jedem Fall empfehlenswert.

Nicole und Eduardo sprühen geradezu vor Unternehmergeist, und der Erfolg gibt ihrem Konzept recht. In ihrer erst in diesem Jahr im Mai neu eröffneten ­polvo-Boutique Mercearia do Mar, gleich neben der hauseigenen fábrica unweit des Restaurants, können Privatkunden all die köstlichen Hausspezialitäten zum frittieren take-away kaufen, und außerdem − nach Vorbestellung − küchenfertig portionierten polvo.

Nicole und Eduardo arbeiten in ihrem Unternehmen bewusst nachhaltig und haben sich längst ihre Nische im Restaurantgeschäft und Großhandel mit Oktopus gesichert. Sie kaufen prinzipiell beste Qualität vor Ort und unterstützen damit Santa Luzias Fischergemeinschaft jeden Tag wieder. In der fábrica verarbeiten sie den polvo fangfrisch und garantieren gleichbleibende Qualität mit Frischegütesiegel.

In ihrem von der Stadt Tavira und der Gemeinde Santa Luzia ausgezeichneten größten Betrieb in Santa Luzia schaffen Nicole und Eduardo 23 Arbeitsplätze − aufgeteilt auf Einzelhandel (1), Weiterverarbeitung (4), und Restaurant (18).

Für seinen innovativen Esprit mit unternehmerischem Einsatz für die Gemeinde und den örtlichen Fischfang sowie für den Verdienst zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen rund um polvo haben die Bürgermeisterin von Tavira, Ana Paula Martins, und die Bürgermeisterin der Gemeinde Santa Luzia dem Unternehmer Eduardo Mangas am 30. Juni 2022 die silberne Verdienst-­Medaille Medalha de Mérito Grau Prata mit der Würdigung «pelo assinalável contributo e dedicação à Freguesia de Santa Luzia» verliehen. Eine ehrenvolle Hommage für Eduardos unermüdliches unternehmerisches Bestreben, die lokale Kulturidentität zu fördern und zu erhalten, damit Santa Luzia Portugals Kraken-­Hauptstadt bleibt. Herzlichen Glückwunsch!

WEITERE INFORMATIONEN:

Tasquinha «Casa do Polvo»
Avenida Eng. Duarte Pacheco 8, 8800-545 Santa Luzia – Tavira – Reservierung via Textnachricht an: +351 | 961024297 

Gourmet-Boutique «Mercearia do Mar Fábrica Casa do Polvo de Santa Luzia»
Rua Comandante Henrique Tenreiro 16 A/A 8800-456 Santa Luzia (Tavira) 
Telefon: +351  |  916269929

Auch im Sommer: DPG begeistert!

Foto von zwei staunenden Eiern

Auch im Sommer: DPG begeistert!

Berichte aus Landesverbänden und Stadtsektionen  •  von Gabriele Baumgarten-Heinke

> Liebe Mitglieder, liebe FreundInnen Portugals, Urlaubszeit und Hitze in Europa – dennoch gab es etliche Aktivitäten in einzelnen Landesverbänden, von denen ich Ihnen berichten möchte. 

Michael W. Wirges, auch kommissarischer Landesvorsitzender des Landesverbandes Berlin/Brandenburg, freute sich, dass für seinen Landesverband endlich wieder ein Stammtisch stattfinden konnte. 18 Mitglieder folgten seiner Einladung und trafen sich am Freitag, den 24.6.2022, im Café Lisboa in Berlin und genossen den schönen Sommerabend, das Wieder­sehen nach vielen Monaten, die vielen interessanten Gespräche, Tapas und portugiesischen Wein. Das war ein gelungener Sommerauftakt.

Ein weiterer Höhepunkt in Berlin und damit des Landesverbandes Berlin/Brandenburg war die Veranstaltung Young Euro Classic, das Festival der besten Jugendorchester der Welt. Lesen Sie dazu den Bericht auf Seite 2. 

Der nächste Termin wird am 7. September ein typisches portugiesisches Sardinenfest, die Sardinhada á Portuguesa, sein. Über mehrere Jahre war die Sardinhada der Höhepunkt der Encontros des Landesverbandes, was zunächst durch Baumaßnahmen in der damaligen Lokalität und später durch Corona unterbrochen wurde. Nun freuen sich viele der Mitglieder schon auf dieses Treffen und dem Duft frisch gegrillter Sardinen, von 17−20 Uhr im Innenhof des SoVD Berlin in der Kurfürstenstraße 131.

Unsere Schriftstellerin und Vorsitzende der Algarve, Catrin Ponciano, geht im September auf Lesereise und wird ihren soeben erschienenen Roman Rache im Alentejo vorstellen, so unter anderem auch am 15.9.2022 um 19.30 Uhr in der Buchhandlung A Livraria MondoLibro, Torstraße 159, in Berlin. Herzlichen Glückwunsch Catrin, wir wünschen viel Erfolg und freuen uns auf die Lesung. 

Maria Fatima de Veiga vom Landesverband Hessen lud ihre Mitglieder für den 25.8.2022 zur Besichtigung des Ateliers des portugiesischen Bildhauers João Malheiro nach Frankfurt-Sachsenhausen ein. João Malheiro wurde 1952 in Portugal geboren und ist seit 1985 als freier Künstler in Frankfurt tätig. Eine tolle Gelegenheit, ihn persönlich, sein Atelier und seine Werke, kennenzulernen. 

Aus Portugal berichtete Ingeborg Dillner über das umfangreiche Projekt ­Bagagem de mão der Associação Contemporaneus mit ihr und Ihrem Mann Timo Dillner, das in der Igreja das Freiras in Lagos am Algarve stattfand. Lesen Sie dazu auch den ausführlichen Artikel auf Seite 2. 

Im Landesverband Nord, für den Matias Lima de Walter zuständig ist, fand ein Encontro in Hamburg statt. Auch wenn die Teilnahme noch gering war, freuten sich die Mitglieder über die Initiative, wieder Treffen zu veranstalten. Eine Wiederholung ist für den Herbst geplant,

Hans-Heinrich Kriegel, Vorsitzender des LV Nordrhein-Westfalen, denkt schon weiter voraus und bemüht sich um ein kleines Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters für das Jahr 2024, dem 60. Jubiläum der DPG. Er selbst ist noch als Oboist zu verschiedenen Konzerten aktiv.

In Lissabon gab es ein weiteres Treffen der DPG-Aktiven um Oliver Wedekind, Ariane Reipke und Madalena Leal de Faria. Ariane Reipke stellt sich die Frage, wie man Deutsche in Portugal für die DPG begeistern kann, denn viele der hier lebenden Deutschen hätten keinen ­Bezug mehr zu Deutschland. Sie plant, einen Stadtrundgang anzubieten zum Thema Die Geschichte der Deutschen in Lissabon seit der Gründung Portugals. Gespräche einer Zusammenarbeit gibt es des ­Weiteren aktuell mit dem Goethe-Institut Lisboa und dem Lissaboner Jazz-Club HCP.

Voller Begeisterung berichtete Carlos Rodrigues vom LV Baden-Württemberg über das schon traditionelle Sommerfest im Garten der Pimentas. Das war ein besonders schönes Fest bei strahlendem Sonnenschein und gegrillten Sardinen. Lesen Sie dazu auch den ausführlichen Artikel von Gunt­hard Lichtenberg auf Seite 2. 

Auch in den anderen Landesverbänden und Stadtsektionen werden nach dem heißen Sommer wieder Encontros und Stammtische organisiert. 

Der Höhepunkt für alle Mitglieder wird die Jahrestagung der DPG vom 28.10. bis zum 30.10.2022 in Berlin sein. Im Rahmen der Mitgliederversammlung am 29.10.2022 im Hotel Aquino in Berlin-Mitte finden in diesem Jahr Wahlen statt. Über die einzelnen Wahlfunktionen haben wir im Portugal Report 87 auf Seite 18 berichtet. Die Mitgliederversammlung wird online übertragen. Melden Sie sich jetzt an, der Anmeldeschluss ist der 24.9.2022. Wir freuen uns, recht viele Mitglieder in ­Berlin oder aber auch online begrüßen zu können. 

DPG-JAHRESTAGUNG 2022 IN BERLIN 

Berlin: Molecule Man

DPG-JAHRESTAGUNG 2022 IN BERLIN (28.10.–30.10.2022)

UPDATE VOM 9.10.2022: DIGITALE TEILNAHME KOSTENFREI!
Liebe Mitglieder!
Sie können leider nicht nach Berlin zur DPG Jahrestagung anreisen?
Dann nutzen Sie doch die kostenfreie Möglichkeit, die DPG Mitgliederversammlung online zu verfolgen. Nach Ihrer Anmeldung zur digitalen Teilnahme senden wir Ihnen einen Link für Ihre Zugang.
Sie sind selbstverständlich nicht verpflichtet, sieben Stunden lang von dem PC auszuharren – auch die Mitgliederversammlung hat mehrere Pausen.
Das Präsidium hat beschlossen, die Kosten für die digitale Teilnahme zu streichen, sie ist damit kostenfrei.

Wir freuen uns auf Sie!

Mit freundlichen Grüßen / Com os melhores cumprimentos
Michael W. Wirges
Präsident / Presidente

> EINLADUNG
Liebe Mitglieder, nach der erfolgreichen Jahrestagung 2021 in Porto treffen wir uns in diesem Jahr wieder in Berlins Mitte in dem uns bereits bekannten Hotel Aquino. Bei der Programmgestaltung ist es immer wieder schwierig, für jeden das Passende zu finden. Und so hoffen wir, dass von jedem etwas Interessantes dabei ist. Bitte buchen Sie rechtzeitig Ihre Übernachtung, Empfehlungen haben wir Ihnen rausgesucht.

Bis spätestens vier Wochen vor der Tagung erhalten Sie von uns Ihre persönliche Einladung und die Tagungsunterlagen. Alle Informationen finden Sie auch auf der Website der DPG unter: dpg.berlin/downloads.

Wir freuen uns, Sie in Berlin zur DPG-Jahrestagung 2022 bzw. Online zur DPG-Mitgliederversammlung zu begrüßen.

PROGRAMM
Vorläufiges Programm – Änderungen vorbehalten · Stand: 18.9.2022

TAGUNGSHOTEL
Hotel Aquino, Katholische Höfe Berlin-Mitte 
Hannoversche Str. 5b, 10115 Berlin
Tel.: 030 | 284860; www.hotel-aquino.de

FREITAG, 28.10.2022

  • Individuelle Anreise nach Berlin
  • 16.00 Uhr: Führung: Die Neupräsentation der ethnologischen Sammlung / Fragen des Kolonialismus (Humboldt-Forum) · Dauer: ca. 1 Stunde
  • 18.00 Uhr: Treffen und Abendessen im Altberliner Gasthaus Julchen Hoppe, Rathausstraße 25, 10178 Berlin (Nikolaiviertel)

SAMSTAG, 29.10.2022

  • 10.30 Uhr: Check-in und Begrüßungs-Café im Hotel Aquino 
  • 11.00 Uhr: Mitgliederversammlung mit Wahlen des Präsidiums, der Landesvorsitzenden und Vorsitzenden der Stadtsektionen
  • 12.30 Uhr: Lunch-Buffet im Hotel Aquino (auf Einladung der DPG)
  • 16.00 Uhr: Kurze Kaffee-Pause
  • 19.00 Uhr: Abendessen in Lemkes Brauhaus, Hackescher Markt, Dircksenstraße / S-Bahnbogen 143, 10178 Berlin

SONNTAG, 30.10.2022

  • 10.00 Uhr: Führung Humboldt-Forum: Förderverein Berliner Schloss e. V.
  • ca. 13.00 Uhr: Restaurant Vivolo Olé am Hackeschen Markt, Am Zwirngraben 11–12, 10178 Berlin
  • danach: Ende der DPG-Jahrestagung 2022

WIR FREUEN UNS DARAUF, SIE IN BERLIN ZU BEGRÜSSEN!

ÜBERNACHTUNGSEMPFEHLUNG
Leider kann uns das Hotel Aquino keine Zimmer für die Übernachtung zur Verfügung stellen. Wir empfehlen Ihnen die MOTEL ONE-Hotels am Alexanderplatz und am Hackeschen Markt. Von hier aus erreichen Sie unkompliziert unser Tagungshotel und die DPG-Treffpunkte. 

Motel One, Alex: Gruner Str. 11, 10179 Berlin
https://www.motel-one.com/de/hotels/berlin/hotel-berlin-alexanderplatz/

Motel One, Hackescher Markt: Dircksenstr. 36 10179 Berlin
https://www.motel-one.com/de/hotels/berlin/hotel-berlin-hackescher-markt/

Einzelzimmer: ab 89 € pro Zimmer / Nacht
Doppelzimmer: ab 109 € pro Zimmer / Nacht
Frühstücks-Buffet: 13,50 € pro Person

HUMBOLDT-FORUM »KOLONIALISMUS«
Freitag, 28.10.2022 · 16 Uhr · Dauer: 1 Stunde
FÜHRUNG: DIE NEUPRÄSENTATION DER ETHNOLOGISCHEN SAMMLUNG 
Vorgestellt werden die Sammlungsbereiche Afrika, Ozeanien und Musikethnologie sowie zeitgenössische Kunstwerke aus diesen Regionen. Zur Sprache kommen dabei Fragen nach der Herkunft der Objekte, die Diskussion um Rückgaben und wie der Kolonialismus auch heute noch in den unterschiedlichen Gesellschaften nachwirkt. 

GASTHAUS JULCHEN HOPPE 
Freitag 28.10.2022 · 18 Uhr
Am Anreisetag treffen wir uns mit Ihnen im Herzen Berlins (Nicolaiviertel) im Alt-Berliner Gasthaus Julchen Hoppe. Das Gasthaus gleicht einer Altberliner Wohnung und sofort fühlen Sie sich wie bei Muttern. Die Küche legt Wert auf eine vegetarische Zubereitung der Speisen und bietet dennoch eine beeindruckende Vielfalt.

MITGLIEDERVERSAMMLUNG 
HOTEL AQUINO, Samstag, 29.10.2022 · 11 Uhr (Check-in: 10.30 Uhr)
Bereits im Jahr 2019 trafen wir uns zur Jahrestagung der DPG im Hotel Aquino. Das Hotel wurde 2020/2021 restauriert und neu konzipiert und wir freuen uns, den Service genießen zu können. Unsere Mitgliederversammlung wird hybrid durchgeführt. Sollten Sie eine Anreise nach Berlin nicht ermöglichen können, haben Sie die Möglichkeit, sich online in die Mitgliederversammlung zuschalten zu können. Den entsprechenden Zugang erhalten Sie von uns nach Ihrer Anmeldung fristgerecht zugesandt. 

WAHLEN / KANDIDATUREN
Sie möchten sich aktiv in die Arbeit der DPG einbringen und kandidieren? Dann senden Sie bitte bis 4 Wochen vor der Mitgliederversammlung Ihren schriftlichen Antrag auf Kandidatur mit einer Kurzbeschreibung Ihrer Vita an die DPG-Geschäftsstelle. Im Portugal Report 87 (1.6.2022, Seite 18) finden Sie einen Überblick über die 2022 zur Wahl stehenden Funktionen. 

BRAUHAUS LEMKE 
Samstag, 29.10.2022 · 19 Uhr
Außergewöhnliche Biere – gebraut in der Mitte Berlins!  Lassen Sie uns den Abend gemeinsam ausklingen mit vielen Sorten handwerklich hergestelltem Berliner Bier, gutem Essen (auch vegetarisch!), interessanten Gesprächen und Gemütlichkeit. 

HUMBOLDT-FORUM »BERLINER SCHLOSS«
Sonntag, 30.10.2022 · 10 Uhr
Nunmehr zum dritten Mal haben wir eine Führung im Humboldt-Forum für Sie reserviert. Wir sind in allen Bauphasen des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses dabei gewesen, von der Bauplanung am Stadtmodell, in den ersten Phasen des Wiederaufbaus und nun steht es vor uns: das endgültig fertig gestellte Humboldt-Forum im Berliner Schloss. Der Gemeinnützige Verein Stadtschloss Berlin e.V. lädt uns zu einer Führung ein um uns einen Überblick über das Kulturforum und Universalmuseum auf der Spreeinsel in der historischen Mitte Berlins zu vermitteln. 

SPANISCHES RESTAURANT VIVOLO OLÉ
Sonntag, 30.10.2022, HACKESCHER MARKT · ca. 13 Uhr
Selbstgemachte Tapas, echte Paella und vieles mehr…

WEITERE INFOS
www.hotel-aquino.de
www.julchen-hoppe.eatbu.com
www.hm.lemke.berlin
www.vivolo.de
www.humboldtforum.org/de
www.motel-one.com/de/hotels/berlin/hotel-berlin-alexanderplatz/
www.motel-one.com/de/hotels/berlin/hotel-berlin-hackescher-markt/

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DPG-Jahrestagung 2022 · Programm und Anmeldung
DPG-Jahrestagung 2022 · Programm
DPG-Jahrestagung 2022 · Anmeldung

Zwei Morde, ein Tatort: Kein Zufall, ein Zeichen

Cover des Buches »Rache im Alentejo« von Catrin Pociano

Zwei Morde, ein Tatort: Kein Zufall, ein Zeichen

»Rache im Alentejo«: Anmerkungen zum neuen Krimi von DPG-Mitglied Catrin Ponciano    von Andreas Lahn

> Es kommt selten vor, dass der Ast einer Korkeiche innerhalb von lediglich 30 Jahren zwei Mal das zweifelhafte Vergnügen hat, einen erhängten Menschen beherbergen zu dürfen − wenn auch jeweils nur kurzzeitig. Da es Zufälle im Leben nicht wirklich gibt, liegt die Vermutung nahe, dass die eine Leiche etwas mit der anderen zu tun hat.

Aber der Reihe nach: Catrin Ponciano hat mit ihrem Krimi-Debüt Leiser Tod in Lissabon 2019 ein wundervolles Buch ­geschrieben und wird 2021 vollkommen zurecht mit dem Stuttgarter Krimi-­Debütpreis ausgezeichnet. Damals klärt Inspetadora Chefe Dora Monteiro den aufsehenerregenden Mord an Elías ­Inácio in der Lissabonner Igreja de São Miguel auf und sticht dabei in ein Wespennest der portugiesischen Geschichte. Trotzdem Dora Monteiro für ihre aufsehenerregenden Ermittlungen mit Lob überhäuft wird, fasst sie den Entschluss, den Dienst bei der Lissabonner Mordkommission zu quittieren, sich fortan der Kunst zu widmen und mehr Zeit mit ihrem lustigen Raben Afonso Henrique zu verbringen, dessen »Dorrra« eine liebevolle Begrüßung ist, wenn Dora Monteiro nach getaner Arbeit nach Hause zurückkehrt. Nachfolger wird ihr Nachbar und bisheriger Untergebener Sérgio Cardoso.

Wer nun glaubt, dass Dora Monteiro in Ruhe als Künstlerin arbeiten und das Leben genießen kann, hat die Rechnung ohne Catrin Ponciano gemacht. Sie löst ihr Versprechen ein, Dora wieder ermitteln zu lassen. Nicht als Polizistin, sondern als verdeckte Ermittlerin, denn als sie der Hilferuf ihres Jugendfreundes Tomás Maia erreicht, der unter Mordverdacht im Gefängnis von Grândola sitzt, überlegt sie nur kurz und macht sich von Lissabon aus auf den Weg in den Alentejo. An der Mündung des Rio Sado wird sie zwischen Grândola, Tróia, Carrasqueira und Comporta in den Sumpf der alentejanischen Geschichte gezogen. Es geht nicht nur um die verfeindeten Familien Maia und Carvalho, sondern auch um Erniedrigung, Gier, Macht und Gewalt.

Tomás Maia soll am 13. Juni 2022 nach einer Feier zu Ehren von Santo António Gustavo Carvalho ermordet haben, den Sohn von Américo Carvalho, den von vielen gehassten Besitzer der Herdade Carvalho und glühender Anhänger von Salazar, fremdenfeindlich und homophob. Américo Carvalho gilt als Auftraggeber für den als Selbstmord deklarierten Mord an Tomás Maias Vater Guilherme am 11. November 1992 während des São Martinho-Festes. Dora Monteiro muss alle Register ziehen, um die Mauern des Schweigens zu brechen und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Lesen Sie, wie sie entdeckt, was die mitten in einem von der EU geförderten Naturschutzgebiet geplante Ferienhaussiedlung mit der Widmung zum Buch »Für die Fischer mit Land ohne Grund« zu tun hat und warum die Häuser Fishermen heißen. 

Catrin Ponciano hat es mit diesem Buch wieder geschafft, mich von anderen Dingen fernzuhalten, aus Neugier und aus Angst davor, jemand könne die Buchstaben aus diesem wundervollen Kriminalroman stehlen, wenn ich es ignoriere.

Also liebe Catrin, ich verneige mich und sage 1.000 Dank, weil es mir wie ein kleines Weltwunder vorkommt, eine derart spannende und tiefsinnige Geschichte aus meinem geliebten Portugal lesen zu dürfen. Und wie du weißt, lese ich ja ansonsten kaum noch Romane …

Trotzdem ist es so, dass uns die Autorin am Ende des Buches wichtige Informa­tionen unterschlägt: Ihr Rabe, oder besser gesagt, ihre Räbin, die nunmehr Afon­­zine-Henriqua heißt, erwartet nach einer heißen Liebesnacht mit dem zugeflogenen Raben Egas Nachwuchs. Vier Eier werden ausgebrütet, aber bis zum Ende des Buches wird nichts darüber berichtet, wer dem Ei entschlüpft und ob zukünftig alle Räbinnen und Raben als kleines Orchester Dorrrra krächzen, wenn Dora Monteiro nach Hause kommt. Da Catrin Ponciano schlicht vergessen hat, uns den Werdegang der Rabenkinder mitzuteilen, freue ich mich schon auf den dritten Band mit Dora Monteiro und ihren RäbInnen.

Von diesem kleinen Fauxpas abgesehen, ist Catrin Ponciano mit Rache im Alentejo ein Krimi gelungen, der eine spannende Geschichte mit der Realität menschlicher Abgründe verbindet: »Wer nie eingesperrt gewesen ist, erkennt Freiheit nicht.« Dieses Zitat aus den Tagebüchern des Miguel Torga, Diário V sollte uns alle zum Nachdenken darüber anregen, in welcher Welt wir leben und was wir bereit sind zu opfern, um in einer besseren Welt zu leben. Was für eine kleine Polizeistation in Grândola zutrifft, gilt auch für weite Teile dieser Welt: »Diese Willkür musste ein Ende finden, so wahr sie Dora Monteiro hieß.« Leisten wir unseren Beitrag, um Dora Monteiro in ihrem Kampf um mehr Gerechtigkeit zu unterstützen, in Portugal, in Deutschland und im Rest der Welt.

Und wenn Sie zur Ruhe kommen müssen, erinnern Sie sich gerne an die Weisheit der Fischer: »Das Meer kommt, das Meer geht, aber es bleibt immer das Meer.« (Seite 20) und / oder bereiten Sie sich den Nachtisch zu, den die verliebte Dora mit ihrem Liebhaber verspeist: »Zum Dessert teilten sie sich kandierte Rainha-Cláudia-­Pflaumen mit Quarkschaumcreme und fütterten sich gegenseitig mit langstieligen Löffeln.« (S. 120) Das macht mich beim Schreiben und auch beim Lesen glücklich. Wie muss das erst beim Essen sein?

Catrin Ponciano, Rache im Alentejo
Kriminalroman, 256 Seiten, Broschur Emons Verlag, Köln 2022
ISBN: 978-3-7408-1574-5; Preis: 13 €
auch als E-Book erhältlich

Foto von Catrin Ponciano, Krimi-Autorin

Catrin Ponciano, Krimi-Autorin · © Foto: Anabela Gaspar

LESEREISE 2022
Catrin Ponciano liest aus ihrem neuen Krimi Rache im Alentejo

RIEDE 
13. September · 19 Uhr / PREMIERE
BÜCHERKISTE RIEDE 
Thedinghauser Str. 12 · 27339 Riede

BERLIN
15. September · 19.30 Uhr
A Livraria MondoLibro
Torstraße 159 · 10115 Berlin

FRANKFURT
22. September · 20 Uhr
TFM – Buchhandlung für portugiesische Bücher – Centro do Livro
Große Seestraße 47
60486 Frankfurt

SCHWANHEIM
23. September · 19.30 Uhr
BÜCHER WAIDE
Alt Schwanheim 39a
60529 Frankfurt-Schwanheim

ROGIL (ALGARVE)
1.Oktober · 17 Uhr
Biblioteca / Bücherei
Rua do Mercado 23
8670-440 Rogil

LAGOA (ALGARVE)
7. Oktober · Convento de São José
18.30 Uhr: Cocktail das boas-vindas no Claustro – Empfang im Lichthof
19.30 Uhr: Presentação da Autora com Livro – Autorenlesung Anschließend Signierstunde, Buchverkauf, All-Talk

KERPEN-HORREM
24. Oktober · 19.30 Uhr
Buchhandlung WortReich
Hauptstraße 196
50169 Kerpen-Horrem

KIRCHZARTEN
25. Oktober · 19.30 Uhr
Kirchzartener Bücherstube
Freiburger Straße
679199 Kirchzarten

Dieter Schneider: Ankerplatz Portugal

Dieter Schneiders Stopp vor der Kirche von Barranco do Velho

Dieter Schneider: Ankerplatz Portugal

Der Algarve als Base Camp eines Weltreisenden    von Jörg Hahn

> Der Deutsche Dieter Schneider will mit einer Initiative deutlich machen: »Die Welt ist zu schön für Depression.« Ein Gespräch mit ihm wird schnell zum Kopfkino und zu einer Reise um die Welt − der 1959 in Koblenz geborene, ehemalige Olympia Fechter ist leidenschaftlicher Motorradreisender. In Würzburg begann er seine berufliche Karriere in der Medien- und Werbebranche, gründete eine Familie. Der Einschnitt im Leben war der Tod des Sohnes, der sich im Alter von 23 Jahren nach einer schweren Depression das Leben nahm. Ein Jahr danach, 2015, brach Dieter Schneider zu einer viermonatigen Trans­afrika-Tour auf, die ihn von Würzburg bis nach Kapstadt brachte. Und im Juni 2018 startete er eine − zwischenzeitlich von der Corona-Pandemie unterbrochene − Weltumrundung, 130.000 Kilometer. »Ich bin durch Länder gerast, in Honduras zum Beispiel war ich genau einen Tag lang. Da habe ich nur die Oberfläche gesehen. In Portugal will ich alle Kurven fahren und erleben«, sagte der Neubürger von Barranco do Velho im Hinterland des Algarve, etwas oberhalb von Loulé in den Kork­eichenwäldern gelegen.

Die Weltreise half ihm nicht nur, den Schicksalsschlag zu bewältigen und die Trauer zu verarbeiten. Die globale Tour wurde auch zu einer Initiative, um auf eine Krankheit aufmerksam zu machen, die in unserer Gesellschaft noch immer ein Randdasein führt. Und das, obwohl die psychische Gesundheit und die mentale Fitness in fast allen Lebensbereichen des modernen Menschen eine immer größere Rolle spielen. »Wenn Deine Seele Fernweh hat, setz Dich aufs Motorrad und fahr los«, heißt seine Devise. Als Elternteil war er indirekt betroffen von den Folgen der Krankheit Depression. Dieter Schneider musste schmerzhaft erkennen, dass wir uns schwer tun damit, die Symptome zu deuten und richtig einzuordnen. In der Arbeitswelt, in Schulen und Universitäten sowie im privaten Bereich gibt es damit noch zum Teil erheblichen Nachholbedarf. »Ich bin kein Psychologe, ich möchte dabei helfen ein Klima zu schaffen, in dem über mentale Krisen offen gesprochen werden kann. Ich möchte direkt und indirekt betroffenen Menschen Mut machen und ihnen die Angst vor einer Stigmatisierung nehmen.« Mut machen, um rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie bei jeder anderen Krankheit auch. »Psychisch erkrankte Menschen ­haben (noch) keine Lobby. Je mehr wir darüber in aller Offenheit reden, umso mehr wird sich zum Positiven verändern.«

Dieter Schneider weiß, wie man Öffentlichkeit schafft, er ist ausgebildeter Fachjournalist für Reise und Motor. Er engagiert sich schon lange ehrenamtlich in sozialen Projekten. Unter anderem hat er gemeinsam mit seinem Freund und ehemaligem Weltklasse-Schwimmer Thomas Lurz eine Stiftung zugunsten des Behindertensports sowie für Depressionshilfe ins Leben gerufen. Er hält Vorträge über seine Motorradreisen und plant weitere Touren für die Zukunft. Die Aufmerksamkeit, die seine Bilder und Geschichten beim Publikum und in den Medien wecken, will er auf die Depressionshilfe lenken.

Dieter Schneiders Motorrad vor Ortsschildern am Algarve

Dieter Schneiders Motorrad vor Ortsschildern am Algarve · © Jörg Hahn

Unter dem Motto Mit offenem Visier für Depressionshilfe organisiert er verschiedene Projekte in der Motorrad-Community. Unter anderem den Fellows Ride, eine 2021 in Würzburg begründete Motorradausfahrt zugunsten der mentalen Gesundheit. Fellows Ride steht einerseits für das Kennenlernen von Fellows, Mates, Compañeros, Buddys und Freunden, mit und ohne Motorrad. »Wir sind brave Fahrer, keine Lederjackenträger, die mit offenem Auspuff laut durch die Landschaft brettern.« Auf der anderen Seite steht Fellows Ride auch für die Mission, Aufmerksamkeit für Depressionshilfe zu schaffen. In diesem Jahr gibt es vier Fellow Rides, mit denen zugleich Spendengelder gesammelt werden, in Wolfsburg, Innsbruck, Würzburg und im Odenwald. Berlin, das Rhein-Ruhr-Gebiet und Frankfurt am Main könnten bald dazukommen – und natürlich steht der Algarve oder der Großraum Lissabon auch auf der Wunschliste von Dieter Schneider. Für die Organisation sucht er schon Mitstreiter. »Gemeinsam mit engagierten Menschen bringen wir etwas Gutes ins Rollen.« In Wolfsburg gingen jüngst die Spenden an die Robert-Enke-Stiftung. Der frühere Fußball-Nationaltorhüter hatte sich depressionskrank ebenfalls das Leben genommen, dessen Frau Teresa führt heute die Stiftung.

Dieter Schneider ist durch alle Welt­religionen gefahren − vier Tage Teaching beim Dalai Lama in seinem Exil in Dharamsala in Indien hätten ihm gezeigt, was Glück bedeuten kann: »Glück ist, Dinge zu akzeptieren, die du nicht ändern kannst.« Er war Zeuge der Rituale des Thaipusam-Festivals in Malaysia, hat im australischen Outback mit Aborigines gesprochen und war eingeladen zu einer Sundance Ceremony der Blackfootindianer in Kanada. »Neben dem Reichtum der Kulturen und der Schönheit von Mother Earth machen die vielen Begegnungen mit den Menschen vor Ort eine solche Reise aus. Gefunden wurde ich von der Seele meines Sohnes. Ohne ihn und seinen Tod hätte ich das alles nicht erlebt. Darf ich ihm dafür dankbar sein?« Man könne unter dem Motorradhelm heulen, ohne dass es jemand merke, stellt er fest.

Portugal sei für ihn als Base Camp vorprogrammiert gewesen, sagt er. »Ich wollte nach der Weltreise in den europäischen Süden, Portugal stand oben auf der Liste, irgendwas wartet hier auf mich.« Vom Nordkap kommend blieb er zunächst in Cascais und startete dann die Suche nach einer Bleibe im Algarve. »Der Mensch braucht eine Adresse, einen Standort.« Es gehe ihm nicht um den Begriff Heimat, er habe auch nie Heimweh verspürt. Sein Lebensstil bleibe für die nächsten zehn Jahre das «Travelling», wie er es nennt. »Ich will von Barranco aus nach Marokko, Westafrika, Andalusien. Ich bin mehr Entdecker als Reisender, ich habe keinen großen Plan, nur grobe Leitplanken — etwa, wann durch das Wetter eine gute Zeit für eine Reise ist. Ich fahre morgens los ohne zu wissen, wo ich abends lande. Das wird nicht aufhören.« Die E.N. 2, die auch durch Barranco do Velho führt, nennt Dieter Schneider die »Route 66 Portugals«, diese 700-Kilometer Strecke von Süd nach Nord reizt ihn natürlich.

Dieter Schneider in Lagos

Dieter Schneider in Lagos ·© Jörg Hahn

Über seine Transafrika-Tour 2015/2016 hat er ein Buch verfasst: »Wenn dich dein Leben rechts überholt − Mit Freude und Tränen durch Afrika«. Nach seiner Weltumrundung ist eine 70-minütige Filmdokumentation entstanden mit dem Titel »Ride don’t hide − Die Welt ist zu schön für Depression.« Es sei ein Film, der Leben retten könne. Auf der ganzen Welt nach Erklärungen, Sinn und Seelenfrieden suchen, darum sei es ihm persönlich gegangen − und damit ist er ein Vorbild geworden. In einem Text von Dieter Schneider heißt es: »Wir Deutschen tun uns schwer mit dem Glück. Allein, dass wir nur ein einziges einsilbiges Wort (mehr ein Glucksen) für ein so vielschichtiges Bedeutungs-Spektrum kennen, ist auffällig. Im Sanskrit gibt es über zehn Begriffe, die das unterschiedliche Glücksempfinden beschreiben. Grundsätzlich unterscheiden wir ›Glück haben‹ (to be lucky) vom ›glücklich sein‹ (to be happy). Mich interessiert nicht das Zufallsglück − wie etwa beim Lotto. Ich will wissen wie das Erreichen eines gelingenden zufriedenen Lebensglücks funktioniert.«

Einen Buchtipp hat Dieter Schneider zum Thema auch noch: »Ich möchte lieber nicht« von Juliane Marie Schreiber. »Wir dürfen uns nicht dem Zwang zum Glücklichsein unterwerfen«, meint er. »Und wir dürfen nicht vergessen: Die Welt wird von Unzufriedenen verändert.«

LINKS:
www.fellowsride.de
www.sport-stiftung.de

Ilha dos Tigres

Ilha dos Tigres: Sonnenuntergang über Kirche, Rollbahn und Krankenhaus

Ilha dos Tigres

Portugiesische Ruinen im Sandsturm    von Andreas Lausen

> Es gibt wohl keinen anderen Ort, der so lebensfeindlich und öde ist wie diese Insel (bis 1962 Halbinsel) am südlichen Zipfel der angolanischen Atlantikküste, 40 Kilometer nördlich vom Grenzfluss Cunêne und dem Nachbarland Namibia. 

Diese völlig kahle Sandinsel (98 km2, 35 Kilometer lang, bis zu 6 Kilometer breit und mit bis zu 30 Meter hohen Dünen bedeckt) ist Teil der Namib-Wüste und wurde 1486 von dem portugiesischen Seefahrer Diogo Cão entdeckt. Die Wellenmuster der riesigen Dünen auf der gegenüberliegenden Küste des afrikanischen Festlands brachten der Region den Namen Baía dos Tigres ein. 

Später liefen Niederländer und Briten die unbewohnte Bucht an. Die Holländer gaben der Insel den finsteren Namen Doodsakker, aber sie bemerkten den Reichtum an Fisch, der bis heute mit dem kalten Benguela-Strom vor die Küste Angolas kommt. 

Als Mitte des 19. Jahrhunderts die ­europäischen Großmächte die weißen Flecken der afrikanischen Landkarte aufspürten und unterwarfen, sah Portugal seine größte Kolonie Angola gefährdet. So reifte in Lissabon der Plan, portugiesische Siedlungen im abgelegenen Süden Angolas zu gründen. Im Algarve wurden 300 Siedler angeworben, meist junge Fischerfamilien, und ab 1860 auf die Tiger-Halbinsel gebracht. 

Die Lebensbedingungen dort können kaum feindlicher sein: beständiger Westwind, der oft zum Sandsturm wird, Sand, der durch alle Ritzen dringt, tagsüber Hitze, 365 Tage im Jahr sengende Sonne, nachts eisige Kälte. Die einzige Feuchtigkeit bringt der Morgennebel. Keine Bodenschätze, nicht einmal Trinkwasser. Kein Baum, kein Strauch. Versorgungsgüter, auch Trinkwasser, mussten nach einer Seereise von 100 Kilometern aus dem nächsten Ort  Porto Alexandre (ab 1976: Tômbua) geholt werden.

Prozession am St.-Martins-Tag 1961

Ilha dos Tigres: Prozession am St.-Martins-Tag 1961 · © Foto: Blog von Maria Nídia Jardim

Die Algarvios machten sich an die Arbeit. Aus den reichlich vorhandenen Baustoffen Sand, Muschelkalk und Salzwasser bauten sie ihre Hütten und Häuser. Sie fischten von ihren mitgebrachten Booten aus und trockneten den Fang am Ufer. Ein Landungssteg wurde gebaut, an dem auch Seeschiffe festmachen konnten. Die Siedlung erhielt den Namen São Martinho dos Tigres.

Der Handel mit Trockenfisch, Fischöl (damals für Lampen gebraucht) und ­Fischmehl entwickelte sich gut. Bald fehlten Arbeitskräfte. Sie wurden aus dem Binnenland Angolas geholt, wo die Völker der Mucurocas und Himbas lebten. Sie hatten sich seit Jahrtausenden an das Leben in der Wüste angepasst. Kamen sie freiwillig? Wohl kaum, obwohl Portugal die Sklaverei verboten hatte.

1900 wurde eine Kirche errichtet, ein Friedhof mit Kapelle wurde angelegt. Ein kleines Krankenhaus wurde gebaut, dazu eine Zollstation, ein Kraftwerk und eine Schule für die ersten vier Klassen. Ein Kino brachte Abwechslung in den rauen Alltag. Ab 1922 machte eine der weltweit ersten Meerwasser-Entsalzungsanlagen (22.500 Liter pro Tag) das Leben etwas leichter. Aber ein finsteres Gefängnis erinnerte daran, dass auch dieser entlegene Landstrich Teil von Salazars Estado Novo war.

Mit dem Bau einer 35 Kilometer langen Trinkwasserleitung zur Cunêne-Mündung (1955) hatten auch die Fischfabriken ihre Wasserprobleme gelöst. 14 Betriebe verarbeiteten den Fisch, sodass die Tigerinsel bis 1962 der größte Fischereihafen Angolas war. Bäume und kleine Gärten brachten etwas Grün. Eine 1.000 Meter lange betonierte Piste, zugleich die Hauptstraße des Ortes, ermöglichte die Flugverbindung mit der Distrikt­hauptstadt Moçâmedes (die Stadt erhielt 2016 ihren alten Namen zurück).

1962 begann der Niedergang des Ortes. Eine Sturmflut riss die Landzunge zum Festland weg und mit ihr die Wasserleitung. Vom Festland war die Insel jetzt durch einen sechs Kilometer breiten Meeresarm getrennt.  Die Einwohnerzahl sank von 1.500 auf 1.068 in 400 Wohnungen (1973). 

Die Nelken-Revolution am 25.4.1974 und die bevorstehende Unabhängigkeit Angolas versetzte − anders als sonst − weiße und schwarze EinwohnerInnen in Angst. Als die Fischereibetriebe aus Furcht vor einer Enteignung ihre Schließung verkündeten, fiel die Lebensgrundlage der Menschen weg. 1975 verließen in wenigen Tagen alle weißen und schwarzen EinwohnerInnen ihre Insel. Sie flohen in die unbekannte Heimat ihrer Vorfahren. 

Ilha dos Tigres: Eine Halle der Fischfabrik, 1975 verlassen

Ilha dos Tigres: Eine Halle der Fischfabrik, 1975 verlassen · © Foto: Blog von Maria Nídia Jardim

Seitdem regiert wieder die Wüste auf der Insel. Gärten und Friedhof sind unter Sand begraben, viele Wohnhäuser hat der ständige Wind zerstört. Für die stabileren öffentlichen Gebäude ist eine neue Gefahr dazu gekommen: Trotz der abgeschiedenen Lage schaffen es ab und zu Menschen mit zerstörerischen Absichten auf die Insel. Sie hinterlassen ihre Tags und zerschlagen, was noch heil ist. 

Die Glocke der Kirche, die noch ab und zu im Sturm läutete, wurde von einem Fischkutter mit einem Tau aus dem Turm gerissen und als Schrott verkauft. Auch die Kirchbänke wurden geklaut und als Lagerfeuer verheizt. Andere unerwünschte Besucher setzen mit Allrad-­Jeeps auf die Insel über und veranstalten Wettrennen in den empfindlichen Dünen oder schießen Seevögel. Im Atlantik machen fremde Trawler Jagd auf Fisch für die Fischmehl-Produktion. Der Reichtum des angolanischen Meeres landet in chinesischen oder europäischen Futtertrögen, ohne dass Angola irgendeinen Nutzen davon hätte. 

Aber einige Schornsteine sind noch stehen geblieben und ragen aus dem Sand. Sie sind den typischen Kaminen der Algarve nachempfunden, der Heimat der ersten Siedler, wo inzwischen die meisten ihrer Nachkommen wieder zuhause sind. 

Nach den Vorstellungen der Provinz­regierung in Moçâmedes soll die Insel eine Zukunft haben. Sie ist immer noch eine eigenständige Gemeinde in Angola − ohne Menschen, aber mit einem Bürgermeister namens Ernesto Manuel Tchihihavo, der in Tômbua residiert. Er stellte 2021   im angolanischen Fernsehen das Projekt vor: Ansiedlung von 750 Menschen, Bau eines Kasinos und eines ­Hotels, dazu ein großer Kai, Anlauf von Kreuzfahrtschiffen, Wüstensafaris, Fischereitouristik und historische Rundgänge. Der Plan für ein neues Gefängnis scheiterte zum Glück.

Bescheidener sind die Vorstellungen einer Gruppe von AngolanerInnen und PortugiesInnen, die den Status des Welt­kultur­erbes für die Insel anstreben. Dies würde Massentourismus verhindern, aber den weiteren Verfall der Bauten in Kauf nehmen. 

HINWEIS: Die Fotos sind mit freundlicher Genehmigung dem von Maria Nídia Jardim betreuten Blog entnommen: mossamedes-do-antigamente.blogspot.com

Hannover-Messe 2022: Portugal Makes Sense

Antonio Costa spricht auf der Hannover-Messe 2022

Hannover-Messe 2022: Portugal Makes Sense

Eindrücke und Einschätzungen    von Oliver Wedekind

> Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause fand die größte Indus­triemesse der Welt vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2022 erstmals wieder als Präsenzmesse in Hannover statt. Partnerland der Veranstaltung war Portugal. Vier Tage lang präsentierten sich unter dem durchaus selbstbewussten Motto Portugal Makes Sense dabei auch 109 innovative portugiesische Unternehmen.

Partnerland der Hannover Messe zu werden wird jedes Jahr nur einem Land ermöglicht. Vor Portugal waren u. a. bereits große Wirtschaftsnationen wie China, USA, Indien, Frankreich und Großbritannien mit Beteiligungen in Hannover. Der politische Charakter der Messe − neben dem unbestreitbaren Image, die weltgrößte Industriemesse zu sein − wurde bereits bei der feierlichen Eröffnung am Vorabend durch Bundeskanzler Olaf Scholz und Premierminister António ­Costa sowie weiteren Mitgliedern beider Kabinette und Wirtschaftsführern aus ganz Europa unterstrichen. Von Seiten der DPG nahmen u. a. Präsident Michael W. Wirges und Vizepräsident Matias Lima de Walter, Carlos Rodrigues vom Landesverband Baden-Württemberg sowie die weiteren DPG-Mitglieder Dr. Ruth Tobias und ich selbst an der Eröffnungszeremonie in Hannover teil − ich in meiner Funktion als Director Public Affairs der Messegesellschaft und überdies entsprechend stark eingebunden in die Planung und Durchführung der gesamten Veranstaltung.

DPG-Mitglieder auf der Hannover-Messe 2022: Carlos Rodrigues, Matias Lima de Walter, Ruth Tobias, Michael W. Wirges, Oliver Wedekind

DPG-Mitglieder auf der Hannover-Messe 2022: Carlos Rodrigues, Matias Lima de Walter, Ruth Tobias, Michael W. Wirges, Oliver Wedekind · Foto: © Oliver Wedekind

Nach Aussage der portugiesischen Investitions- und Außenwirtschaftsagentur AICEP war die diesjährige Messebeteiligung die mit Abstand stärkste Bewerbung der portugiesischen Wirtschaft seit Jahrzehnten. Dabei konnte sich Portugal der Industrie in gleich vier verschiedenen Messehallen als äußerst leistungsstarker und innovationsfreudiger Partner präsentieren. Auf der Hauptbühne fanden überdies eine Reihe hochkarätiger Panels statt, u. a. mit den portugiesischen Staatssekretären für Internationalisierung, Bernardo Ivo Cruz, für Energie, João Galamba, und für Wirtschaft, João Neves.

Um der portugiesischen Beteiligung besonderen Ausdruck zu verleihen, ­waren alle Stände des Partnerlandes in einem angenehmen Grünton gehalten, der sofort ins Auge der BesucherInnen fiel. Und das gleich mit einer mehrfach möglichen Bedeutung, wie die Deutsch-­Portugiesische Industrie- und Handelskammer einfallsreich zusammenfasste: »Grün wie die Nationalflagge Portugals, grün wie der Wandel zu einer klimafreundlicheren Zukunft, grün wie die Hoffnung auf eine bessere Welt. Und ganz dezent tauchte immer wieder ein rot grüner Kompass auf, der nicht nur an die Geschichte der Seefahrernation erinnert, sondern gleichzeitig einen Weg in die Zukunft bahnen mag.« Doch das Partnerland zeigte sich mit weitaus mehr als nur symbolträchtigen Farben und Motiven. So lag augenscheinlich das größte Interesse der BesucherInnen ­neben Themen der Digitalisierung vor ­allem auf den innovativen Lösungen im Bereich der Energie und der Positionierung Portugals als Standort für die Herstellung von grünem Wasserstoff.

Der portugiesische Regierungschef hatte bereits im Vorfeld der Messe Portugals Ambitionen für eine klimafreund­liche Reindustrialisierung in Europa ­unterstrichen: »Wir bringen innovative Lösungen für erneuerbare Energieerzeugung, intelligentes Energiemanagement und urbane Mobilität nach Hannover. Wir stellen künstliche Intelligenz, Augmented Reality und Digitalisierungslösungen in den Dienst der Effizienz der Industrie. Wir liefern Indu­striebedarf, Maschinen und hochmoderne Werkzeuge in der hervorragenden Qualität, die die europäische Industrie verlangt. Wir bringen die Zukunft nach Hannover. Die Langlebigkeit und Stabilität der Beziehungen zwischen Portugal und Deutschland beweisen den gegenseitigen Nutzen der ­Zusammenarbeit.«

 Wer es nicht längst wusste, dem war spätestens nach den vier tollen Tagen in Hannover klar: PORTUGAL MAKES SENSE!

Os seis padroeiros de Europa

Foto von Edith Stein als Studentin in Breslau (circa 1913

Os seis padroeiros de Europa

de Eberhard Fedtke e Ana Carla Gomes Fedtke

> Temos seis Santos de Europa, trés ­senhoras e trés senhores. Foram ­tudos escolhidos e instalados no ­Papado, em Roma.

O primeiro foi Benedicto de Nursia, nomeado padroeiro no ano de 1964 pelo Papa Paulo VI. Benedicto de Nursia foi laureado o «pai da vida monástica do ocidente». As suas Regras Benedictas não só foram o fundamento para a Ordem dos Benedictinos, mas para todas as ordens religiosas. Ele é considerado com o construtor e o inspirador do monarquismo ocidental. Morreu dia 21 de março de 547 em Montecassino, num mosteiro, onde nasceu a Ordem do Benedictinos. Os dias comemorativos em honra a este padroeiro são: dia11 de julho e 21 de março.

Os outros dois padroeiros são os Santos Kyrill e Methodius, nomeados pelo Papa João Paulo II. em 1980. Kyrill foi monge, Methodius bispo. Fizeram entrar na liturgia a lingua eslava, inventando, por isso, uma nova escrita eslávica. Kyrill morreu dia 14 de fevereiro de 869, Methodius no 6 de abril de 885. O dia da lembrança comum é o 14 de fevereiro na igreja católica, na igreja protestante e na igreja anglicana. Na igreja ortodoxa, as festas de comemoração são dia 14 de fevereiro para Kyrill, sendo assim um verdadeiro multi-padroeiro europeu, assim como o dia 11 de maio, junto com Methodius.

A próxima, escolha do Papa João ­Paulo II., em 1999, foi Catarina de Siena, intitulada Virgem consecrata. Foi sócia da Ordem dos Dominicanos, aparece no nº. 3. Trabalhou no setor eclesiástico e secular para a renovação da vida espiritual e promoveu com energia a volta dos Papas da enclave de Avignon para Roma. Morreu dia 29 de abril de 1380 em Roma, tendo, como dia da sua celebração, o dia 29 de abril.

Também em 1999 foram eleitas pelo Papa João Paulo II. a Santa Brigitta da Svecia e a Santa Teresia Benedicta de Cruz, conhecida com o nome alemão Edith Stein. Ela viveu os últimos 24 anos da sua vida, em Roma, onde trabalhou como conselheira de nobres e Papas. Morreu no dia 23 de julho de 1373 em Svecia. O dia de comemoração é o 23 de Julho.

A carta de visita de Edith Stein é significante: mãe, combatente para os direitos das mulheres, Carmelitana, mártire. Ela nasceu numa família judaica, estudou filosofia, passou num doutoramento com excelência e foi baptizada no ano 1922, entrando assim na igreja católica. Entrou em 1933 na congregação Carmel Maria de Paz em Colónia, fugiu dos Nazis, em 1936, para Echt, na Holanda, mas foi presa, aí, no ano  de1942, trasportada para Auschwitz, onde morreu dia 9 de agosto de 1942.  Esta data é o dia da sua comemoração, todos os anos.

Assim, temos uma panóplia de seis personagens brilhantes para agir como bons padroeiros europeus, todos com uma vida activa, criativa, corajosa, pacífica e ética para a sociedade  humana de hoje. Se hoje, em 2022, nesta situação conturbada, no continente, se precisar de mais representantes de paz e proteção, o Vaticano podia continuar com a sua tarefa reservada, até hoje, de nomear mais europeus famosos, para servir na custódia desta parte integral do mundo, com um história rica, digna, mas colorida também dos conflitos ensanguentados.

Eine Reise auf die Kapverden (26.2.–8.3.2022)

KAPVERDEN – São Vicente: Strand und Bucht von Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges

Reisebericht (26.2.–8.3.2022) von Michael W. Wirges

> Einer meiner lang gehegten Träume wurde wahr − eine Reise auf die Kapverdischen Inseln, auch kurz Kapverden genannt! In Lissabon geboren, wollte ich seit vielen Jahren auch den afrikanischen Teil des Atlantiks kennen lernen. 

Vorab beschäftigte ich mich intensiv mit dieser Inselwelt, die etwa 570km von der westafrikanischen Küste entfernt liegt. Die Bezeichnung stammt aus dem Portugiesischen − Cabo Verde − bedeutet Grünes Kap und besteht aus zehn Inseln, wovon nur neun tatsächlich bewohnt sind. Die Flagge der Kapverden symbolisiert mit den zehn goldenen Sternen die Inseln des Landes, die Farben Blau, Weiß und Rot stehen für Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit. Die Kapverden haben nach der Nelkenrevolution in Portugal 1975 ihre Unabhängigkeit erlangt.

Die nördlich gelegenen acht Inseln werden die Inseln über dem Wind (Ilhas do Barlavento) genannt, zu denen Santo Antão, São Vicente, Santa Luzia, Branco, Razo, São Nicolau, Sal und Boa Vista gehören. Die vier Inseln unter dem Wind (Ilhas do Sotavento) liegen südlich und bestehen aus den Inseln Brava, Fogo, Santiago und Maio. Die von mir gebuchte Reise hatte die drei Inseln São Vicente, Santo Antão und Sal im Programm. 

Die Reise von Michael W. Wirges in Bildern

KAPVERDEN – São Vicente: Schwimmendes Restaurant in der Marina von Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – São Vicente: Vulkanlandschaft auf der Insel · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – São Vicente: Strand und Bucht von Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – São Vicente: Museum Cesária Évora in Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Der Vulkan Monte Leão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Vulkan in der Wüstenlandschaft · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Salinen von Pedra de Lume · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Sägefisch · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Meeresbrandung bei Buracona · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Hotelanlage Dunas Beach bei Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Espargos mit Internationalem Flughafen · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Vulkan Monte Leão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Das Blue Eye · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Bucht vor Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Auf dem Katamaran · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Palmeira · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Sal: Am Meer nahe dem Vulkan Monte Leão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Zuckerrohranbau im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Western Canyon-Ponte-Sul, Schlucht bei Ribeira das Patas · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Vale de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Terassenförmige Landwirtschaft im Gebirge · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Promenade in Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Praia Grande an der Baía das Gatas · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Panoramafahrt auf der Corda-Pass-Straße · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Panoramafahrt auf der Corda-Pass-Straße · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Monte Verde · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Meeresbrandung bei Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Landwirtschaft am Vulkankrater Cova de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Im Tal Vale de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Gebirgsdorf · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Einsturzkrater Cova de Paúl · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Blick durch die Schlucht zum Meer · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Bergdorf Fontaínhas bei Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Bäuerin in ihrem Garten im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Aufstieg zum Gebirgsdorf Fontaínhas bei Ponta do Sol · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Auf dem Weg in den Naturpark Monte Verde · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Ansicht vom Gebirge auf Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Anfahrt auf die Insel Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges
KAPVERDEN – Santo Antão: Am Strand von Porto Novo · Foto: © Michael W. Wirges
SV_Schwimmendes-Restaurant-in-der-Marina-von-Mindelo-(S.-Vicente)
SV_Vulkanlandschaft--auf-der-Insel---S-Vicente
SV_Strand-und-Bucht-von-Mindelo-(S.-Vicente)
SV_Museum-Cesária-Evora-in-Mindelo-(S.-Vicente)
SL_Vulkan-Monte-Leao1(Sal)
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SA_Zuckerrohranbau-im-Tal-Vale-da-Ribeira-da-Torre-(Santo-Antao)
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26./27. Februar: BERLIN − LISSABON − SÃO VICENTE

Von Berlin ging es frühmorgens nach Lissabon, wo wir einen Tag Aufenthalt hatten. Nach dem Frühstück in unserem sehr schönen Hotel erfolgte der Transfer zum Internationalen Flughafen von Lissabon und der check-in. Mittags starteten wir pünktlich mit TAP Air Portugal und flogen über den Atlantik nach São Vicente, unserem ersten Reiseziel. Der Flug dauerte etwa 6 Stunden, gegen 17 Uhr landeten wir auf dem Aeroporto Internacional Cesária Évora in Mindelo. Der Transfer mit dem Bus brachte uns zum 4* Blue Marlin Hotel, das auf einer An­höhe lag, mit herrlichem Blick über den Hafen und die Bucht. 

Nach einer Begrüßung von der ört­lichen Reiseleitung mit Caipirinha auf ­einem schwimmenden Restaurant in der Marina von Mindelo, nahmen wir das Abendessen in dem für die Region typischen Restaurant, dem Clube Nautico, ein. Wir wurden verwöhnt mit Inselspezialitäten und einem kleinen Live-Konzert mit der für die Kapverden bekannten Morna-Musik, moll-lastig und sehnsüchtig, und die dem portugiesischen Fado sehr ähnlich ist. Die bereits 2011 verstorbene Sängerin Cesária Évora konnte diese Musik wie niemand anders interpretieren.

Unser Reiseführer, José Antonio Almeida, kurz José genannt, hatte hervorragende Deutsch-Kenntnisse, und war mit seiner Lebendigkeit und Hilfsbereitschaft von Anfang an dabei, begleitete uns auf die ersten beiden Inseln, die wir besuchten − São Vicente und Santo Antão.

28. Februar: SÃO VICENTE

Nach diesem wunderbaren afrikanischen Auftakt war ich gespannt auf den folgenden Tag und auf alles das, was in den nächsten Tagen noch auf mich zukommen würde. 

José führte uns auf einem Rundgang durch die Inselhauptstadt Mindelo. Besonders sehenswert waren hier unter ­anderem die Markthallen des Mercado Municipal und des Fischmarktes Mercado do Peixe, die mich sehr an meine Reise nach Madeira erinnerten. Bei beiden Märkten kann man die Vielfalt der Landwirtschaft und der Fischerei, die die Natur auf diesen Inseln hergibt, bestaunen. Exotische Früchte wie Mango, Papaya, Kokosnuss, Bananen, auch Maniok, Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Chilischoten, sowie Fische in allen Arten und Größen. 

KAPVERDEN – São Vicente: Museum Cesária Évora in Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – São Vicente: Museum Cesária Évora in Mindelo · Foto: © Michael W. Wirges

Besonders gespannt war ich auf den Besuch des Museums über das Leben der Musiklegende Cesária Évora (1940−2011), die sich durch die Interpretation und Verbreitung der traditionellen Musik aus den Kapverden, weltweit einen Namen gemacht und das kapverdische Lebensgefühl in die Welt getragen hat. 

Der berühmte, von Cesária Èvora besungene Karneval von São Vicente, fand corona-bedingt leider nicht statt, was uns alle zwar sehr enttäuschte, wofür wir aber Verständnis zeigten.

Auf einer Serpentinenstrecke ging es danach mit einem Kleinbus auf den 750 Meter hohen Berg Monte Verde im gleichnamigen Naturpark in vulkanischem Gebiet, welches auf den Inseln überall zu sehen ist, und die von kargen, braunschwarzer Landschaften geprägt ist. Wir fuhren durch die bewohnten, aber sehr kleinen und einfachen Ortschaften Viana und Salamancia. 

Nach einem Besuch des Strandes Praia Grande an der Baía das Gatas hielten wir Rast im Hafenörtchen Calhau mit leckeren Gerichten, die vielfach aus Fisch bestanden.

1. März: SÃO VICENTE − SANTO ANTÃO

Frühmorgens Check-out aus dem Hotel Blue Marlin und Fahrt mit der Fähre über den aufgewühlten Atlantik nach Porto Novo auf der Insel Santo Antão − Unterbringung im 4* Hotel Tiduca in Ponta do Sol. Auch unser neuer Reiseführer hier auf Santo Antão sprach sehr gut Deutsch und war eine angenehme Begleitperson. 

Stark beeindruckt hat mich die Panoramafahrt auf der Corda-Pass-Straße mit mehreren Foto-Stopps, unter anderem zum Vulkan-Einsturzkrater Cova do Paúl, von den Einheimischen auch caldeira oder cratera do vulcão genannt. Von da aus ging es weiter durch bizarre, vulkanische Gebirgslandschaften. 

Weitere Orte, die wir durchfuhren, waren Combo de Figueira, Delgadim, Corda, und Ribeira Grande, wo wir zu Mittag aßen. Viele Speisen werden mit Maismehl, Erbsen, Süßkartoffeln und Maniok zubereitet. Selbstverständlich serviert man viel frischen Fisch aus der Vielfalt des Atlantiks. Im grünen Tal Vale da Ri­beira da Torre sahen wir Anpflanzungen mit Zuckerrohr, Maniok, Bananen, Mango, Süßkartoffeln und anderen exotischen Früchten, sowie Brotbäume, Kokospalmen und wir konnten Angola- und Kapverden-Enten bestaunen.

Am frühen Nachmittag waren wir wieder in unserem Hotel Tiduca in Ponta do Sol zurück.

2. März: SANTO ANTÃO

Nach dem Frühstück besuchten wir die Kleinstadt Ribeira Grande mit Reiseleiter Tino, auch er sprach ein recht gutes Deutsch. Wir fuhren weiter mit dem Kleinbus entlang der Küstenstraße, die, wie die meisten Straßen auf dieser Insel, eher mit Granit- und Basaltsteinen gepflastert waren als mit Asphalt belegt.

Im Tal Vale de Paúl stieg noch Begleitperson Lilly dazu, da wir für diesen Tag zwei anstrengende Wanderungen zu erwarten hatten. Die erste, über zweistündige Wanderung, begann mit einem beschwerlichen, steilen Aufstieg bergaufwärts, später durchs Tal hindurch. Hier besichtigten wir eine Farm, in der Zuckerrohr zu verschiedenen Sorten Schnaps verarbeitet wird. Für mich war es völlig neu zu erfahren, dass es so viele verschiedene Sorten von Zuckerrohr- Schnaps gibt. Dieser konnte käuflich erworben werden.  

KAPVERDEN – Santo Antão: Bäuerin in ihrem Garten im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Santo Antão: Bäuerin in ihrem Garten im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

Mittags hielten wir eine kurze Rast in einer Hütte, die sich dann als Bar-Restaurant entpuppte. Die Inhaberin von O Curral war eine Deutsche, die mit ihren erwachsenen Kindern dieses Lokal und eine Farm mit Zuckerrohr betreibt. Ihr verstorbener Mann, der Österreicher Alfred Mandl (1950−2019) hatte sich hier bereits in den 1980er Jahren zunächst als Student, später als Aussteiger, niedergelassen und eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft aufgebaut. Er galt als Pionier des sanften und ökologischen Tourismus, den er ab 1987 mit seinem Reiseunternehmen Alsatour gründete. Dieses Unternehmen erhielt für diese Leistung später einen Preis des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Seine Frau Christine, die während ihres BWL-Studiums hierherkam und bei ihm blieb, führt mit ihren Söhnen sein Lebenswerk fort.

Nach dem Mittagessen in Ribeira Grande besichtigten wir eine Ruine auf einem Felsvorsprung am Meer. Hier stand einmal eine Synagoge (Sinagoga), die verlassen wurde, als sich die in Pombas und Ponta do Sol lebenden Juden aus Mangel an Geschäften von der Insel zurückzogen.

KAPVERDEN – Sal: Salinen von Pedra de Lume · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Salinen von Pedra de Lume · Foto: © Michael W. Wirges

Nach einer kleinen Pause in unserem Hotel starteten wir am Nachmittag erneut zu einer weiteren Panorama-Wanderung durchs Gebirge nahe Ponta do Sol, zu dem malerischen Bergdörfchen Fontaínhas. Der 45-minütige steile Aufstieg hatte sich gelohnt, denn das mitten an Gebirgshängen liegende, malerische Dörfchen war umgeben von terrassenförmig angelegter Landwirtschaft. Der Weg bot zudem noch eine wunderschöne Aussicht auf das Meer. Auch der gleiche Rückweg, an steilem vulkanischen Gebirge entlang, war für mich sehr beeindruckend. 

3. März: SANTO ANTÃO

Der nächste Tag der Busrundreise begann mit einem Fotostopp nahe dem Leuchtturm Cruzinha da Garça.  

Auf einem anschließenden Rundgang durch die Stadt Porto Novo zeigte uns unser Reiseleiter zwei Straßenzüge mit kunstvoll, bunten Graffitis bemalten Häuschen, die das farbenfrohe, wenn auch karge Leben der Kapverdianer, widerspiegelten. Auf den Fahrten über vorwiegend mit Kopfstein gepflasterten Straßen und mit wenig Ampeln fiel mir wohlwollend die peinliche Sauberkeit in den Ortschaften auf. 

KAPVERDEN – Santo Antão: Ansicht vom Gebirge auf Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Santo Antão: Ansicht vom Gebirge auf Santo Antão · Foto: © Michael W. Wirges

Karge, braun-schwarze Landschaften, zeigten sich besonders im Landesinnern. Bei einem Fotostopp im Western Canyon Ponte Sul, nahe dem Dörfchen Lagedos, an der Schlucht von Ribeira das Pajas, kam ich beim Aussteigen aus dem Bus ins Rutschen, stürzte zum Entsetzen aller Businsassen fast die Schlucht hinunter. Zum Glück konnte ich schnell die Kurve kriegen, mich abfangen und kam mit dem Schrecken davon! Es war alles nochmal gut gegangen!

Weiter ging die Fahrt über den Pass der Selada. Der Pass Selada de Alto Mira ist etwa 1.200 Meter hoch, ein fast menschenleerer Landstrich, Norte genannt. Der Berggipfel Pico de Alto Mira ist etwa 1.900 Meter hoch, wir hielten kurz auf halber Höhe für Fotoaufnahmen dieser kargen, vulkanischen Gebirgslandschaft an. Während der Fahrt durch das Gebirge fuhren wir durch mehrere Dörfer weiter in das Dorf Alto Mira, das etwa 900 Meter hoch liegt. Die Weiterfahrt bergab erfolgte durch fast unwegsames Gelände zu dem Bauernhof Babilonia, in dessen Restaurant wir zu Mittag aßen.

KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Santo Antão: Häuser im Tal Vale da Ribeira da Torre · Foto: © Michael W. Wirges

Weiter ging es direkt zum Hafen in Porto Novo. Unser Gepäck war schon vom Hotel dorthin gebracht worden. Am Nachmittag bestiegen wir die Fähre, die uns wieder zurück nach São Vicente brachte. Diesmal war es eine Überfahrt auf dem Atlantik bei ruhigerem Seegang. Es erfolgte eine Übernachtung in dem uns schon bekannten Blue Marlin Hotel. Entgegen den ersten zwei Nächten hier, bekam ich nach Reklamation diesmal das wohl beste Zimmer mit dem schönsten Blick auf den Hafen und die Bucht. Meiden Sie also bitte das Zimmer Nummer 20, wenn Sie jemals dort übernachten sollten!

4. März: SANTO ANTÃO – SAL

Nach dem Frühstück wurden wir früh um 6.30 Uhr mit dem Kleinbus vom Hotel zum Flughafen Aeroporto Internacional Cesária Évora gebracht. Wir flogen mit einer kleineren Turboprop-Maschine der Fluggesellschaft bestfly, Typ ATR 72 für etwa 80 Passagiere, von São Pedro auf São Vicente nach Espargos auf Sal, zum Aeroporto Internacional Amílcar Cabral. Gleich nach Ankunft erfolgte der Bustransfer zum 5* Strandhotel Meliá Dunas Beach Resort & Spa / Tortuga Beach bei Santa Maria. Diese Ferienanlage der spanischen Hotelgruppe Meliá kann ich jedem Besucher der Insel Sal nur empfehlen, da dieser Komplex keine Wünsche offenlässt. 

Nach Ankunft und Check-in unternahmen wir individuell einen Erkundungsgang über die riesige, touristische Hotel- und Erholungsanlage mit diversen Restaurants, Bars, Pools und sogar einem eigenen Strand am Meer! Fast alles war all inclusive!

5. März: SAL

Für diesen ersten Tag auf Sal war eine Inselrundfahrt mit dem Kleinbus geplant. Uns begleitete wieder José, der Reiseleiter von São Vicente. Unsere Fahrt ging zunächst zu dem Fischerdörfchen Santa Maria, das sich neben Fisch- inzwischen auch auf Touristenfang eingestellt hatte. Ein Spaziergang durch den Ort zeigte uns das Fischer- und Strandleben sowie exklusive Herbergen, unter anderem das Hotel Morabeza, welches vor Jahrzehnten eines der ersten am Platz war.

KAPVERDEN – Sal: Meeresbrandung bei Buracona · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Meeresbrandung bei Buracona · Foto: © Michael W. Wirges

Die Busfahrt ging weiter durch sehr karge Landschaften zu dem Städtchen Espargos (= Spargel!), der Inselhauptstadt. Von hier aus ging es hinauf auf einem Hügel über der Stadt, auf der sich eine Kaserne befand. Von hier aus hatten wir einen wunderbaren Rundblick auf Espargos und den internationalen Flughafen von Sal.

Gespannt war ich auf den kleinen, am Meer gelegenen Vulkan Monte Leão, der eine Höhe von etwa 400−500 Metern aufweist. Die Fahrt dorthin führte uns durch wüstenähnliche Landschaft. Der Vulkan selbst erscheint wenig spektakulär, stellt aber dennoch eine besondere Sehenswürdigkeit in dieser kargen Landschaft dar. Weiter ging die Fahrt nach Palmeira, einem kleinen Ort mit Fischerhafen. 

Nach einem kurzen Spaziergang am Strand und Fischerhafen in Palmeira fuhren wir weiter zu den Salinen von Pedra de Lume (= Feuerstein). Diese wurden 1805 von Manuel António Martins gegründet und liegen in einem Vulkankrater. Die Salinen wurden später durch die Franzosen neu ausgebaut. Der Zufluss von Meerwasser erfolgt unter­irdisch, wobei die Meerwasserentsalzung im Krater erfolgt.

Es ging mit dem Bus weiter auf einer langen Ruckelfahrt durch unwegsames Gelände, zur heftigen Meeresbrandung bei Buracona. Hier besichtigten wir die Grotte Blue Eye, in welche das Meereswasser mit aller Gewalt hineinschießt und je nach Sonneneinstrahlung ein zeitweise blau schimmerndes Auge erscheinen lässt. Was für ein Naturereignis!

KAPVERDEN – Sal: Das Blue Eye · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Das Blue Eye · Foto: © Michael W. Wirges

Etwas weiter entfernt, ebenfalls in dieser Wüstenlandschaft − wenig Grün, ein paar Sträucher, amerikanische Akazien −, die merkwürdigerweise den Namen Terra Boa (= Gute Erde!) trug. Hier konnten wir das Phänomen einer echten Fata Morgana miterleben. Am Horizont erschien uns ein seeähnlicher, blauglitzernder Streifen, der in der Realität aber gar nicht existierte. 

Auf der Rückfahrt zum Hotel fuhren wir vorbei an Wellblechhütten, einem ehemaligen Gefängnis und verlassenen Neubauprojekten, die sich noch im Rohbau befanden. Welch ein Kontrast zu unserer Unterkunft!

6. März: SAL 

Endlich kam für uns ein Vormittag zum Ausschlafen, Relaxen und zum individuellen Bummeln. Am frühen Nachmittag fuhren wir von der Hotelanlage zum Hafen von Palmeira. Wir wurden mit einem Tenderboot eingeschifft − alle mussten Schwimmwesten anlegen − und zu einem Katamaran gebracht, der zwischen Fischerbooten vertäut lag.

Mit diesem Katamaran folgte eine Stunde Fahrt auf dem relativ ruhigen Atlantik bis zum kleinen Vulkan Monte Leão, den wir bereits am Vortag besucht hatten. An Bord hörten wir internationale und afrikanische Musik, es gab Snacks und Getränke, Entertainment mit der jungen, einheimischen Begleiterin Gigi, die auf afrikanisch tanzte. Zur Crew gehörte weiterhin der Schiffsmaat, der Bordarbeiten erledigte. Fun, Relax, und auch die Gelegenheit, ein Bad im Meer zu nehmen, blieben nicht aus. 

KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges

KAPVERDEN – Sal: Am Strand von Santa Maria · Foto: © Michael W. Wirges

7. März: SAL

Heute war kein Besuchsprogramm. Den ganzen Tag über hatten wir Zeit zur freien Verfügung, um auch leider wieder unsere Koffer zu packen! Ich nutzte diese Zeit, um mit einem Taxi von der Hotelanlage noch einmal nach Santa Maria zu fahren, am Strand spazieren zu gehen und dem Treiben der Fischer zuzusehen. 

Zur ungewöhnlichen Zeit erfolgte der Late Check-Out gegen 19 Uhr, danach gab es ein gemeinsames Abschiedsessen in einem Restaurant in der Hotelanlage.

Gegen 23 Uhr wurden wir von der Hotelanlage mit Kleinbussen abgeholt und zum Aeroporto Internacional Amílcar Cabral in Espargos gebracht. Unsere kleine Gruppe nahm herzlichen Abschied von unserem tollen Reiseleiter José, und von diesem herrlichen Inselhopping.

8. MärzSAL−LISSABON−BERLIN 

Um 1:00 Uhr Rückflug mit TAP Air Portugal nach Lissabon, Landung gegen 6.00 Uhr früh in der portugiesischen Hauptstadt. Sechs Stunden später Weiterflug von Lissabon (LIS) nach Berlin (BER) mit TAP / Portugália, wo wir nach etwa 3,5 Stunden Flug am Nachmittag landeten.

KAPVERDEN – Stürmischer Atlantik (Video von Michael W. Wirges)

José Saramago und sein Jahrhundert

Foto von José Saramago

Über sein Leben und das Buch Os seus nomes    von Catrin Ponciano

> Ein Hederich sei er gewesen, schreibt José Saramago über sich. Ein wilder Rettich, auf Portugiesisch saramago. Der einstige Spitzname seiner Eltern, die als Landarbeiter in Zeiten des Hungers sich und ihre Kinder mit dem Verzehr von wilden Rettich und ihren würzigen Blättern ernährt haben, bürgt seit Jahrzehnten für Weltliteratur aus Portugal. Geboren am 16. November 1922 in Azinhaga, etwa einhundert Kilometer nord­östlich von Lissabon im Ribatejo bei Santarém, verbrachte der Junge José seine Kindheit und Jugend in Lissabon und abwechselnd auf dem Land.

Josés Vater war ein Kriegsveteran des Ersten Weltkrieges und tauschte das Landleben gegen eine berufliche Zukunft als Schutzpolizist in der Hauptstadt ein. Die Familie zog 1924 in die Kapitale um. Obwohl der Alltag in Lissabons Penha da França-Viertel ein Stück weit leichter wirkte als zuvor auf dem Dorf, erwartete die Familie dennoch keine nennenswerte wirtschaftliche Entlastung. Bittere Armut hat Josés Jugend begleitet, doch in seinem Kopf lebt die Erinnerung an Menschen fort, die unvorstellbar wenig besaßen, aber enorm viel Mitgefühl zeigten, verwurzelt in ihrer Heimat waren und keinerlei Anbindung an die Geschehnisse der Welt zeigten, wie er in Palavras para uma Cidade schreibt.

Tief berührt von dieser in den ärmsten Vierteln Lissabons erfahrenen Mitmenschlichkeit, empfängt Saramago den Samen des empathisch differenzierten Beobachters. Seinen Blick weitet er mit literarischen Sprenkeln aus der Vergangenheit und Gegenwart, aus der Nationalbibliothek und aus internationalen Literaturen, und schärft ihn auf unausgesprochene Wahrheiten. Dieser geschärfte Blick zeichnet ihn zeitlebens als Mensch und als Autor aus, der jeden Vorhang der Scheinheiligkeit rigoros beiseite schob und aufschrieb, was er dahinter entdeckt hat. Es sind Menschen gänzlich ohne einen Funken Glück, von denen nicht einmal der Schwellenstein übrigbliebe. Wenn sie sterben, ist einfach alles vorbei, resümiert er beispielsweise in Pátio do Padeiro über Menschen, an den Rand der Gesellschaft geschoben, als würden sie gar nicht existieren.

Die Lebenslinie des Literaten ist ein Kaleidoskop aus Orten, Begegnungen und Reflexionen, die erst in Saramagos Kopf und dann mit Feder und Tinte zu Geschichten zusammengewebt werden. Ich folge seinen Spuren (auf Portugiesisch) in der von Alejandro Garcia Schnet­zer und Ricardo Viel im April 2022 herausgegebenen Biografie SARAMAGO − Os seus nomes. Um álbum biográfico. Auf 350 Seiten im DIN A 4-Format erwarten mich jedoch mitnichten eine Fülle von einem Autor zu einer Chronologie aneinandergereihte Fakten des bislang einzigen portugiesischen Literaturnobelpreisträgers, nein, ich höre Sara­magos eigener Stimme zu, wie er aus seinem Leben erzählt. Ihn höre ich − und keine außenstehende Stimme, die auktorial über ihn erzählt.

 

Foto: Catrin Ponciano liest im Buch von José Saramago

Catrin Ponciano liest im Buch von José Saramago · © Catrin Ponciano

Das macht dieses opulente Werk zu ­einem ganz besonderen Lese-Erlebnis. Seite für Seite entblößt es, wer und was Saramagos Geist geformt und geprägt hat. Und so lässt er nachträglich noch einmal kompakt an allem teilhaben, was ihn von Kindesbeinen an bis ins hohe ­Alter beschäftigt und vorangetrieben hat. Er führt die Lesenden zu seinen Themen, seinen Geschichten und seinen Figuren als säße man mit ihm am Schreibtisch und begleitet ihn bei seinen Überlegungen. 

Den beiden Editoren gelingt es, die Komplexität eines Schriftstellerlebens in Gänze einzufangen und einen authentischen Spannungsbogen in der Wahrnehmung Saramagos von den Menschen, Ereignissen und Orten zu kreieren, die sein Leben und seine Arbeit markieren.

Bewundernd, kritisch, und geradezu hypnotisierend intensiv setzte Saramago sich mit der Literatur seiner VorfahrInnen und mit den Lektüren seiner ZeitgenossInnen auseinander, und bezieht deren Lebensumfeld in seine Reflexionen ein. Als berausche er sich an deren literarischem Antrieb, als absorbiere er die gesamte Bandbreite literarischer Ansätze. Jedes Werk ist seines Erachtens einzigartig und thematisiert Epochen und Ereignisse. Das ist schließlich die Auf­gabe der Literaturen. Somit wundert es nicht, dass Saramagos Werk mit der Epoche vor, während und nach der Portugiesischen Revolution begann, wie er die historisch als Nelkenrevolution betitelte Revolte gegen die Diktatur nannte. Mit Nelken, erklärt er, revolutioniert niemand etwas und diejenigen, die daran Teil hatten, haben den Widerstand ganz sicher nicht blumig empfunden. 

So ging Saramago dorthin, wo keine Nelken geblüht haben sondern das Aufbegehren, und schrieb seinen unvergessenen Roman Hoffnung im Alentejo in ­Lavre bei Montemor-o-Novo im Alentejo, wo die Geschichte spielt, und seine wahrhaftig nachempfundenen Figuren gelebt haben. Sein Debüt Levantado do Chão erinnert schmerzlich realistisch daran, wie es wirklich gewesen ist − vor der Revolution − und Saramago hält schriftstellerisch gnadenlos und gleichzeitig begnadet fabulös Wahrheiten darin fest. Ein Roman, der Geschichte schrieb und aktuell in sorgfältig aufbereiteten literarischen Fährtenrunden im Alentejo und in Lissabon zu den Originalschauplätzen führt. Ein Buch gegen das Vergessen. Der Grundstein seines Lebenswerkes.

Einmal im Leben sollte jeder Schriftsteller sich so groß wie Camões fühlen, gesteht Saramago, und verrät den Lesenden an dieser Stelle seiner Aufzeichnungen den innigen Wunsch eines jeden ­Autors nach Anerkennung. Nicht als ­Protagonisten seiner eigenen Geschichte sondern als Geschichtenerzähler seiner Epoche. Damit man sich erinnern wird. Später an gestern und an all die Menschen und ihre Schicksale.

 

Foto von Büchern des Schriftstellers José Saramago

Bücher von José Saramago · Foto: © Catrin Ponciano

Geständnisse vom Schreibtisch Saramagos erheben dieses biografische ­Album zu einem literarischen Kunstwerk, zu einer innovativen und gleichzeitig ­ästhetischen Spielart der literarischen Gattung Biografie. Ein gewichtiges Buch, überschrieben mit SARAMAGO, Os seus nomes, publiziert anlässlich des 100. Geburtstages des großen Literaten, der seiner Nachwelt ein literarisch einmaliges Erbe hinterlassen hat.

Doch davon handelt das Buch nicht. Das Opus preist weder etwas an noch wirft es mit Attributen um sich. Es ist ein nachdenklich stimmendes und des­wegen ein Großes Buch.

Es führt die Lesenden behutsam ausgesucht zu Saramagos Wegmarken. Unterwegs erzählt die Lektüre von Sarama­gos Begegnungen, von seinen Gedanken zur politischen und sozialgesellschaft­lichen Lage seiner Nation in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und an der Schwelle zum dritten Jahrtausend. Seite um Seite ist es gefüllt mit Namen, von Frauen und Männern, von FreundInnen, KollegInnen und Angehörigen, die dieser großartigen Lebens­enzyklopädie ihren Geist schenken. Die Lesenden bereisen mit Saramago gemeinsam dessen persönliche und intime Gedankenwelt und springen von einem Jahrzehnt zum nächsten, von einem Kontinent zum anderen, von einer Begegnung zur nächsten. Beim Durchblättern und sich Hineinversetzen in Saramagos hinterlassene Spuren scheint es, als stehe er auf von den Toten, die ihn am 18. Juni 2010 zu sich genommen haben.

Dank Saramagos Aufzeichnungen in seinen Tagebüchern und den chronologischen nach Jahren zugeordneten Heften sowie anhand seiner weltumspannenden Korrespondenz mit Literaten, Künstlern, Musikern und Politikern ist es den Editoren gelungen, den Lesenden die Tür zu Saramagos Kosmos zu öffnen. Wer Saramago liest, versteht Portugal. Wer SARAMAGO − Os seus nomes liest, versteht zum einen Saramagos persön­liches literarisches Jahrhundert und gleichzeitig das eigene, denn im Grunde genommen ist es die Epoche, die uns aktuell alle angeht. 

MEHR INFOS

  • SARAMAGO – Os seus nomes. Um álbum biográfico; 350 Seiten mit Farbfotografien und einem Vorwort des derzeitigen Generalsekretärs der Vereinten Nationen, António Guterres; Edição de Alejandro Garcia Schnetzer e Ricardo Viel
    © Porto Editora; © Fundação Saramago
    ISBN 978-972-0-03164-8 – Preis: 40 € 
  • Literarische Spurensuche im Alentejo und in Lissabon „Roteiro Literário Levantado do Chão” – Homepage – Roteiro Literário Levantado do Chão (roteirolevantadodochao.pt)