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Portugiesische Offiziere 1917 in Breesen

Breesen: Fado-Töne im  norddeutschen Moor
Vor 100 Jahren wurden portugiesische Offiziere in deutschem Lager inhaftiert von Andreas Lausen

Wer heute auf der Bundesstraße 208 von Ratzeburg nach Gadebusch fährt, kommt durch die kleine Ortschaft Breesen-Chaussee. Nichts deutet darauf hin, dass diese unscheinbare Siedlung  einmal Teil europäischer Geschichte war − ein Schauplatz deutscher und portugiesischer Geschichte im I. Weltkrieg.

Die DPG hat 2003 ein Stück portugiesischer Vergangenheit aufgespürt. Hier, am Rande des Breesener Moors, stand von 1917 bis 1919 das einzige Kriegsgefangenen-Lager für portugiesische Offiziere, das es jemals in Europa gegeben hat.

Das Deutsche Reich hatte am 9. März 1916 Portugal den Krieg erklärt, nachdem Portugal 72 deutsche Handelsschiffe beschlagnahmt hatte, die sich in Häfen des neutralen Portugal geflüchtet hatten. Zuvor hatten deutsche U-Boote die Versorgung Portugals mit Lebensmitteln und englischer Kohle stark beeinträchtigt.

Deutsche Truppen drangen bald da­rauf  von der deutschen Kolonie Tanganyika in das portugiesische Moçambique ein. Ab Februar 1917 schickte Portugal ein Expeditionskorps nach Frankreich und bestand dort auf einen eigenen Frontabschnitt gegen die Deutschen, der bis zu 18 Kilometer breit war. In blutigen Kämpfen fielen 2.424 Portugiesen, 7000 gerieten in deutsche Gefangenschaft. Von den 285 gefangenen Offizieren kamen 262 in das abgelegene Lager Breesen.

Dem Großherzogtum Mecklenburg- Schwerin fiel die Aufgabe zu, die portugiesischen Offiziere unterzubringen und zu versorgen. Das deutsche Kommando wählte dazu dieses einsame Lager Breesen, das direkt an der Landesgrenze zum preußischen Herzogtum Lauenburg lag. Mit dessen Hauptstadt Ratzeburg verband es eine Bahnlinie, die die Transporte einfach machte.

Während Mannschaftsdienstgrade nach der Haager Landkriegsordnung in der Gefangenschaft zur Arbeit verpflichtet waren, galt dies nicht für Offiziere. Sie hatten »Anspruch auf die landesübliche Verpflegung«. Diese bestand zu dieser Zeit meist aus Steckrüben, Kartoffeln und wässeriger Grütze. »Die Deutschen haben selbst nichts zwischen den Zähnen«, schrieb ein Portugiese nach Hause. Und so war der Hunger ständiger Begleiter im Lageralltag.

Der Alltag der Portugiesen war ­geprägt von Gedanken an die Heimat, an ihre ­Familien und von Langeweile. Einige ­Offiziere meldeten sich freiwillig zur Arbeit im Forst oder im Moor. Gelegentlich wurden sie mit einer Bahnfahrt ­unter ­Bewachung in die nächstgelegene katholische Kirche nach Ratzeburg ­belohnt.

Das Verhältnis zu den deutschen Bewachern − meist verwundete Soldaten oder ältere Reservisten − wird als gut beschrieben. Schwieriger war das Verhältnis zu den 17 portugiesischen Gefreiten, die den Offizieren für allerlei unliebsame Arbeiten zugeteilt waren. Sie wurden »standesgemäß« von den meist besser gestellten Offizieren schikaniert und beleidigt. Die Gefreiten setzten sich schließlich mit einer wüsten Prügelattacke auf eine Offiziersstube zur Wehr, was den entsetzten deutschen Kommandanten zu einem Appell an die Ehre der portugiesischen Soldaten veranlasste.

Ganz wichtig war die Post. Die Gefangenen durften einen Brief pro Woche nach Hause schicken, und aus dem ebenfalls hungernden Portugal kamen Päckchen mit Lebensmitteln. So mancher ­Bacalhau, mancher Bolo do Rei und manche Chouriço fand so seinen Weg ins Mecklenburger Moor − wenn er nicht vorher von hungrigen Deutschen gestohlen wurde. Auch Bücher und Musik­instrumente kamen per Post, dank der ­Bemühungen portugiesischer Frauenverbände und des Roten Kreuzes.

Als der Krieg im November 1918 mit der deutschen Niederlage endete, dauerte es noch einige Monate, bis die letzten Gefangenen im April 1919 nach Portugal heimkehrten. Trotz des Hungers kamen aus Breesen alle lebend zurück.

Der mit einer Mecklenburgerin verheiratete portugiesische Schriftsteller Aquilino Ribeiro begab sich 1920 auf Spurensuche in das Lager Breesen. Er fand nichts mehr vor: Selbst die Bretter der Baracken waren als Baumaterial und Brennholz verwendet worden. »Aus dem blinden Stolz der Deutschen und der Unvernunft der Briten und Franzosen wird schon bald ein neuer Krieg entstehen«, schrieb er − und behielt Recht.

 

Im Gespräch mit Michael W. Wirges (DPG)

»Wer in Berlin lebt, dem wird nicht langweilig«

Michael W. Wirges ist seit 18 Monaten Präsident der DPG. Er spricht über Portugal, Deutschland, sein Leben in Berlin und über die DPG • Fragen von Andreas Lahn

Du bist in Lissabon geboren. Deshalb stellt sich natürlich sofort die Frage: Sporting oder Benfica?
Michael W. Wirges: Obwohl meine Schule näher am Sporting-Stadion liegt, bin ich Benfica-Fan, weil das Krankenhaus meiner Geburt im Stadtteil Benfica liegt. Ich muss aber auch sagen, dass ich nicht viele Spiele gucke. Nur die wichtigen…

Und für wen bist du, wenn Deutschland gegen Portugal spielt?
Ich habe die Frage schon mal so beantwortet: In der ersten Hälfte bin ich für Deutschland und in der zweiten für Portugal. Aber mein Herz schlägt natürlich für Portugal.

Als Kind bist du auf die »Deutsche Schule« gegangen. Wie lange hast du in Lissabon gelebt und warum seid ihr fortgegangen?
In Lissabon habe ich nur mein erstes Lebensjahr verbracht. Wir sind 1954 in die Nähe von Estoril gezogen. Dort und in Cascais habe ich meine Kindheit verbracht. Später auch in Lissabon, weil ich dort auf die Oberschule gegangen bin.
Mein Vater stammt aus der Nähe von Köln. Er ist Mitte der zwanziger Jahre ausgewandert. Meine Mutter stammt aus Sachsen. Sie hat von 1936 bis 1938 bei einer deutsch-­portugiesischen Familie als Au-pair-Mädchen gearbeitet. Da mein Va­ter ein Freund der Familie war, haben sie sich eines Tages kennengelernt. Meine Mutter ist nach Sachsen zurückgekehrt, um ihr Studium zu beenden. Während des Krieges haben sie sich geschrieben. Und danach hat mein Vater ihr vorgeschlagen, nach Portugal auszuwandern.
Ich war nach der Schule zur Ausbildung als Hotelkaufmann ein Jahr in Deutschland, am Tegernsee. Im Oktober 1972 bin ich nach Portugal zurückgekehrt, um bis Oktober 1974 ein Praktikum am Lisboa Sheraton Hotel anzutreten.

Du hast während der Nelken-Revolution in diesem Hotel gearbeitet. Wie hast du den Sturz der Diktatur aufgenommen?
Den Sturz der Diktatur vom 24. auf den 25. April 1974 habe ich live miterlebt, weil ich als Praktikant Nachtdienst hatte. ­Einen Monat später bin ich nach Paris gegangen, um meine Stelle im dortigen Sheraton-Hotel anzutreten. Damals war das Hotel das größte in Europa. Das hatte keine politischen Gründe, sondern war schon länger geplant.

Wann und warum bist du nach Deutschland gekommen?
Ich war zwei Jahre in Paris, habe dort gelebt und gearbeitet, und immer wieder nach Portugal geschaut, ob sich die Lage dort beruhigt, denn in Portugal ging zu dieser Zeit alles drunter und drüber. Da eine Besserung nicht in Sicht war, habe ich beschlossen, erst einmal nach Deutschland zu gehen. Ich habe ein Jahr für das Sheraton in Frankfurt gearbeitet und wurde dann nach München versetzt. Dort war ich circa vier Jahre. Der Verdienst war nicht üppig und ich wollte keinen Schichtdienst mehr machen. Deshalb  habe ich entschieden, bei einer kleinen Firma alles zum Thema Indus­trieexport zu lernen. Im Oktober 1980 bin ich nach Berlin gezogen und habe mich bei der Industrie- und Handelskammer zum Industriefachwirt umschulen lassen.

Du hast ein halbes Leben als Exportkaufmann für Bombardier in Berlin gearbeitet. Was hast du dort hauptsächlich gemacht?
Ich habe dafür gesorgt, dass Maschinen und Maschinenteile versendet wurden, habe Angebote geschrieben, den Transport, die Zollabwicklung und Bankpapiere organisiert. Bis 2016, allerdings nicht nur bei Bombardier, sondern zunächst bei kleineren Firmen. 1985 bin ich zur AEG gewechselt, die jedoch in die Pleite rutschte. Ich habe einen neuen Arbeitsplatz bei der Waggon Union Gmbh gefunden, die Waggons für die Alliierten gebaut und repariert hat, und Doppel­decker-Busse für Berlin, Lübeck und Bagdad. Sie wurde mit anderen Firmen zu Adtrans, die im Jahre 2000 von Bombardier übernommen wurde. Ich habe 30 Jahre für das gleiche Unternehmen gearbeitet, obwohl ungefähr fünfmal der Unternehmer gewechselt hat.
Letztes Jahr wurde ich verabschiedet, habe mich zwei Jahre für die Altersteilzeit verpflichtet, ein Jahr aktiv und ein Jahr passiv, das Ende September zu Ende geht. Am 1. Oktober gehe ich in meinen wohlverdienten offiziellen Ruhestand.

Jeder Portugiese reist so oft es geht nach Portugal. In welche Regionen fährst du?
Ich fahre am liebsten in die Region Lissabon, weil dort Freunde und Bekannte leben und ich das Grab meiner Eltern und meines Bruders auf dem deutschen Friedhof aufsuche. Meine Freunde in Lissabon, Estoril, Cascais, Sintra und anderen Orten freuen sich jedes Mal, wenn ich komme − und ich mich natürlich auch. Ich möchte auch mal wieder an den ­Algarve fahren. Weitere Reiseziele sind Madeira und die Azoren.

Liest du Bücher und Zeitungen lieber auf deutsch oder auf portugiesisch?
Da ich Deutscher bin, lese ich vorwiegend auf deutsch, aber ich nehme auch portugiesische Schriftstücke in die Hand und beziehe zwei Zeitungen. Meinen Freunden in Portugal schreibe ich natürlich auf portugiesisch.

Musik von Madredeus und der Fado von Amália Rodrigues, Mariza, Mísia, Ana Moura etc. werden weltweit bewundert. Ist das auch deine Musik?
Ja, selbstverständlich! Das ist ein Mix aus dem ursprünglichen Fado mit Folklore, Jazz und ein bisschen Pop. Exemplarisch dafür ist die Gruppe Sina Nossa. Ich bin noch die alte Fado-Zeit aus den 60er und 70er Jahren gewohnt, wo der konserva­tive Fado noch unter Beobachtung Salazars und dem Estado Novo stand: Carlos do Carmo, Amália Rodrigues etc. Von den jungen Leuten wurde er weitgehend abgelehnt. Nach der Revolution ist eine neue Generation von Fado-SängerInnen entstanden. Die haben einen neuen Fado entwickelt, der auch die Jugend anspricht und von ihr akzeptiert wird.

Es heißt, es gäbe für jeden Tag des Jahres ein andere Art, Bacalhau zu servieren. Welches ist dein Lieblings-Rezept?
Ich schätze viele Arten von Bacalhau, aber am liebsten mag ich Bacalhau à Brás. Das Gericht esse ich nicht nur in Portugal, sondern auch in Berlin. Ich habe auch nichts einzuwenden ­gegen ein kräftiges Mahl aus dem Alentejo oder einer anderen Region.

Eines deiner Hobbys ist das Rad fahren. Ist das für dich ehrgeiziger Sport oder nutzt du die Zeit in der Natur, um abzuschalten?
Ich bin gerne Radfahrer. Aber kein Rennradfahrer, sondern eher der gemütliche. Ich fahre gerne in Berlin, hauptsächlich in meinem Kiez im Westend, in Charlottenburg. Ich mache auch Radtouren z. B. durch Brandenburg. Einmal im Jahr ­fahre ich mit meiner Schwägerin durch Holland. Von Enschede, Groningen oder Alkmaar aus fahren wir fünf Tage durch Nord-Holland, schauen uns schöne Landschaften an, gehen ins Museum oder ­besuchen ein Konzert. Dieses Jahr war ich in Amsterdam, um diese herrliche Stadt kennenzulernen.

Du bist seit 18 Monaten Präsident der DPG. Hast du dich mittlerweile an die Anforderungen dieses Amtes gewöhnt oder bist du immer noch in der »Lernphase«?
Ich bin eigentlich immer in der Lernphase. Wir lernen ja jeden Tag etwas dazu. Ich bin 2001 in die DPG eingetreten. Kurze Zeit später hat Harald Heinke mein Potential erkannt und mich ins Präsidium berufen. Dort war ich lange als einer der vier Vize-Präsidenten tätig. Ich habe vor allem von Harald Heinke viel gelernt und bin so in die Aufgaben hineingewachsen. Ich war also kein Anfänger mehr, als ich 2016 gewählt wurde, und wusste, was auf mich zukommt. Es sollte ja jemand sein, der sich auskennt mit Deutschland, Portugal, den beiden Sprachen und den Mentalitäten. Wichtig war für Harald Heinke, dass die zu wählende Person in Berlin ansässig ist.

Ist alles so gelaufen wie erwartet oder ist etwas besonders Schönes, Komisches oder Ungewöhnliches passiert?
Eine Sache war besonders schön und auch komisch: Ich wachte Anfang März auf, saß an der Bettkante, schüttelte meinen Kopf und sagte zu mir: Mein Gott, Michael, jetzt bist du Präsident der DPG! Da lief mir ein Schauer über den Rücken, und ich fragte mich, ob das wohl gutgehe… Ich begreife das Amt als Herausforderung, als Dienst an der Freundschaft zu Harald Heinke, seiner Frau Gabi, zum Präsiduum und zur DPG ingesamt.

Vom 20. bis 22.10.2017 findet die Jahres­tagung der DPG in Erfurt statt. Warum sollten noch mehr Mitglieder als sonst daran teilnehmen?
Bisher hatten wir immer 40−60 Anwesende. Ich würde es natürlich begrüßen, wenn mehr kämen. Wir haben 350 Mitglieder in Deutschland und Portugal. Ich wäre froh, wenn wenigstens 1oo kämen. Ich fordere nochmals alle Mitglieder auf, nach Erfurt zu kommen. Schließlich ist es schön, über Portugal zu sprechen und sich über Kultur auszutauschen. Je mehr Außenstehende davon erfahren, desto besser ist das für die DPG. Das ist eine Art Schneeball- oder Synergie-Effekt.

Persönlich und bezogen auf die DPG: Welche Ziele hast du für die Zukunft?
Wir müssen ein stabiler und erfolgreicher Verein bleiben, der sich weiterentwickelt und es schafft, jüngere Menschen für die Mitarbeit in der DPG zu begeistern, für Portugal, die portugiesisch-sprachige Welt und Kultur. Der Verein wurde ja 1964 gegründet und 1990 erweitert durch die Freundschaftsgesellschaft DDR/Portugal. Wir sind zusammengewachsen. Außerdem möchte ich noch einige Reisen im Inland machen und auch im Ausland wie z. B. auf die Kapverdischen Inseln.

Der Kontakt zur portugiesischen Botschaft ist immer wichtig für die DPG. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Botschafter João Mira Gomes? Gibt es etwas zu verbessern?
Die Zusammenarbeit mit dem Botschafter und seinem Team läuft sehr gut. Ich bin froh, dass wir uns oft treffen, auch zu Kunst- und Kulturveranstaltungen. So können wir zusammen auftreten, auch mit dem Instituto Camões. Es hat in der letzten Zeit in Berlin einige Lesungen gegeben, die wir zusammen mit der Botschaft und dem Instituto Camões durchgeführt haben. Das freut mich sehr!

Die Regierung von António Costa hat den Mindestlohn angehoben, Renten und Sozialleistungen für Geringverdienende erhöht, die 35-Stunden-Woche im Öffentlichen Dienst eingeführt etc. und zahlt Staatsschulden trotzdem pünktlich zurück. Ein kleines Wunder, das größte Anerkennung verdient, oder?
Selbstverständlich. Toll, dass es mit ­Portugal wieder aufwärts geht. Selbst Finanzminister Schäuble hat Portugal gelobt. Der Tourismus hat stark zugenommen. Die Portugiesen sind jedoch noch unzufrieden, weil bei ihnen viel gekürzt wurde, wodurch sie viel leiden müssen. Bis 2020 will der Staat aus der Schuldenfalle raus sein.

Du lebst seit 36 Jahren in Berlin. Was gefällt dir an dieser Stadt und was nicht?
Ich mag die heitere, lockere Art der Berliner, auch wenn sie bisweilen sehr frech sind. Doch so ist die Berliner Schnauze eben. Man muss auf humorvolle Art und Weise kontern können. Dann wird man akzeptiert. Ich mag die offene Art und die Stadt selbst: Häuser, Hochhäuser und man ist schnell im Grünen, in Müggelsee, Wannsee, Grunewald. Und dann ist da ja auch noch die hochkarätige Kultur. Wer in Berlin lebt, dem wird nicht langweilig. Und wenn doch, ist er selber Schuld! Das gilt für das Jahr 2017. Noch in den 1980er Jahren waren wir jedoch umzingelt von einer schrecklichen Mauer, die undurchlässig war. Wenn man raus wollte, musste man Anträge stellen und sich Visa von den DDR-Behörden holen. Ich bin froh, dass die Mauer weg ist. Ich ­erzähle meinen erwachsenen Söhnen von der Existenz dieser Mauer, damit so etwas nie wieder passiert. Ich lebe hier gern. Und Berlin wird auch meine letzte Adresse werden. Ich gehe von hier nicht weg und werde meine Zeit als Rentner auf keinen Fall am Algarve verbringen!

»Ó mar salgado, quanto do teu sal são lágrimas de Portugal!« Was denkst du über diese Worte von Fernando Pessoa?
Ein sehr schöner Spruch: »Oh du salziges Meer, wie viel von deinem Salz sind Tränen Portugals!« Die Portugiesen sind zwar ein heiteres Volk, aber sie lamentieren auch gerne. Auch über ihr Land. Und sie leiden. Ich denke, dass dieser Spruch richtig gut zu Portugal passt.

Die Sardinhada im Juni in Berlin hat allen BesucherInnen große Freude bereitet. Deshalb schlage ich vor, sie zukünftig einmal im Monat zu feiern. Was meinst du?
Ein- bis zweimal im Jahr ist das wunderbar. Jeden Monat wäre es irgendwann langweilig und würde dem Fest seinen Reiz nehmen.

MICHAEL W. WIRGES ist am 23.4.1953 in Lissabon geboren. Dort, in Estoril und Cascais verbringt er seine Kindheit. Er lernt Hotelkaufmann und arbeitet für die Sheraton-Hotels in Lissabon, Paris, Frankfurt und München. 1980 zieht er nach Berlin. Nach der Umschulung zum Industriefachwirt durch die IHK arbeitet er 35 Jahre als Exportkaufmann in verschiedenen Unternehmen. Am 1.10.2017 geht er in Rente.

Michael W. Wirges ist ledig und Vater zweier erwachsener Kinder. Im Jahre 2001 tritt er in die DPG ein und wird im Februar 2016 deren Präsident. Er fotografiert viel, fährt gerne Fahrrad, singt im Jazz-Chor, hört Musik und beschäftigt sich mit Kunst und Historischem. Er liest gern Texte von Fernando Pessoa, Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke. Seine Lieblingsfarben sind dunkelblau und dunkelgrün.

Zuckerbäckereien für Naschkatzen am Algarve

Foto vom leckeren Gebäck der Feigensterne am Algarve in Portugal

So sehen gebackene Feigensterne aus · © Catrin George

Schlaraffenland für Naschkatzen: Zuckerbäckereien am Algarve
Feige, Mandel und Johannisbrot stillen sinnliche Gelüste nach Süßem und bieten unzählige Möglichkeiten beim Kochen und Backen von Catrin George

Den kulinarischen Naschhäppchen in den Auslagen der Algarve-Cafés kann kaum jemand widerstehen. Die Auswahl ist riesig, die Portionen sind zu Miniaturen gebacken und klein genug, um mehr als nur eine süße Köstlichkeit zum Kaffee zu probieren. Neben ­bekanntem Gebäck und Kuchen, Obst-­Tarten und Topfkuchen brillieren die Konditorei-Vitrinen mit einer Fülle von regionalen Spezialitäten: Kunstwerke aus Feigen-Rohmasse, Süßmandel-Marzipan und Johannisbrot-Paste. Die gerade einmal daumengroßen, filigran von Hand modellierten Figuren aus Marzipan sehen täuschend echt aus wie Gemüse, Obst oder Tiere und liegen hübsch mit Lebensmittelfarbe bemalt in Papier-Manschetten aus. Daneben türmen sich − auf Silbertabletts präsentiert − JohannisbrotPralinen in Mandelsplitter gewälzt oder Kugeln aus Feigenkonfekt, gerollt mit Schokohäubchen, und vieles mehr. Ein Schlaraffenland für Naschkatzen!

Das Wissen, wie man die drei Ur-Früchte Feige, Mandelkern und Johannisbrot-­Schote trocknet, aufbewahrt und zu Nahrung verarbeitet, gelangte mit den punischen und griechischen Seefahrern nach Portugal − und mit ihnen die Bäume. Die fühlen sich in der steinig lehmigen und stark kalkhaltigen Erde im Hinterland des Algarve ganz besonders wohl und tragen zum typischen lokalen Landschaftsbild im Barrocal im mittleren und im Sotavento im östlichen Algarve bei.

Die Backkunst hat im Algarve Tradi­tion: Bereits vor den KlosterkonditorInnen, die aus den Zutaten der verführerischen Früchte-Trilogie seit dem späten Mittelalter regional famoses Naschwerk buken und zu süßen Botschaftern erhoben, kreierten maurische ZuckerbäckerInnen feines Marzipan wie Petite Four, Mandel-Honig-Baklava und Feigen-Sorbet. Homer erwähnte die drei Ur-Früchte bereits in seiner »Odyssee« und laut bi­blischer Überlieferung überlebte Johannes der Täufer während seiner Wüstendurchquerung Hunger und Durst nur deshalb, weil er sich von der Frucht des Karob-Baumes nährte, so dass die dunkelbraune Schote seitdem den lautmalerischen Namen Johannisbrot trägt. Ein Feigenbaum, heißt es in einer griechischen Sage, beschützte mit seinen weit ausladenden Ästen unter dem wie zu einem Herz geformten Blätterdach einst Remus und Romulus, die Gründer Roms. Über den Mandelbaum erzählt eine Geschichte aus 1001 Nacht: Ein Mauren­könig hat um die Burg von Silves herum tausende Mandelbäume pflanzen lassen, weil er unsterblich in seine Lieblingsfrau, eine Prinzessin aus dem hohen Norden, verliebt gewesen ist, die tief traurig ­jeden Winter wieder den Schnee in ihrer Heimat vermisste. Sobald jedoch die hübschen weiß leuchtenden Blüten jedes Jahr wieder im Januar und Februar wie Schneegestöber durch die Luft vor ihrem Turmfenster in der Burg vorbei wirbelten, war die Schöne aus dem Norden wieder glücklich und der König sich ihrer Gunst sicher.

Mandel, Feige und Johannnisbrot, alle drei Früchte reifen im Frühsommer und werden in der heißen Jahreszeit im August und September geerntet. Während Mandeln und Johannisbrot vom Baum geschüttelt auf ausgebreitete Tuchlaken fallen, pflücken Erntearbeiter Feigen behutsam Frucht für Frucht. Frische, für den Handel bestimmte Feigenfrüchte werden sorgsam in Körbchen oder Plastikschalen verpackt, damit sie prall bleiben und keine Stoßflecken bekommen. Überreife Feigen trocknen an sonnenexponierter Stelle. Bereits weiche Früchte legt man für Schnaps und Likör in ­Weinbrand ein oder kandiert sie in Zucker­lösung. Aus Trockenfeigen wird Feigenkonfekt als Grundmasse für die Algarve-­Zuckerbäckerei hergestellt. Die Mandelblüte im Januar und Februar kündigt das Ende des Winters an. Mandelbäume blühen, bevor ihre Blätter sprießen, und aus der Blüte wächst eine pelzig-grüne Außenhaut, die die Mandelnuss umhüllt. In Inneren der Nuss liegt der Mandelkern, nochmals umhüllt von einer rauen, braunen Haut. Sobald die grüne Schale aufspringt, sind die Mandeln reif für die Ernte. Die Mandelnüsse knackt man mittels Mandel-Mühle auf. Die braune Haut um den Mandelkern entfernt man am leichtesten mit brühend heißem Wasser-Aufguss, oder man verwertet Mandelkerne mit Haut, was dem späteren Gebäck eine leicht bittere Note verleiht. Nackte Mandelkerne kann man lose ausgebreitet an der Sonne oder auf einem Backblech im Ofen bei Niedrigtemperatur trocknen, danach halbieren, in Splitter oder grobe Krümel und zu Mandelstaub für die Marzipankunst feinmahlen.

Im Algarve gehörten Anbau, Handel und Weiterverarbeitung von frischen und getrockneten Mandeln, Feigen und Johannisbrot über viele Jahrhunderte hinweg zu den tragenden Säulen der hiesigen landwirtschaftlichen Erwerbswirtschaft, bis in den 1980er Jahren industriell hergestellte Süßigkeiten die leckeren Früchte aus dem Süden Portugal vom internationalen Nasch-Markt verdrängten. Bis dahin galt speziell die Hafenstadt Portimão − im westlichen Algarve an der Mündung des Arade-Flusses gelegen − als Zentrum für den Export für süße Verführungen aus Feigen, Mandel und ­Johannisbrot, vornehmlich nach England und Frankreich, weswegen die Landwirte im Landkreis Portimão eine für Portugals Steuer-Geschichte einmalige, eigens erhobene »Feigensteuer« − auf Portugiesisch »Imposto do Figo« − entrichten mussten, die erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts abgeschafft wurde. Als die internationale Nachfrage nach den Konditorei-Spezialitäten aus dem Algarve vor fünfzig Jahren faktisch auf null sank, stellten etliche Fabriken die Produktion ein. Die Folgen für die Erzeuger waren fatal: Plantagen verwaisten, Früchte verfaulten, Ernte-Arbeiterinnen sattelten um auf Berufe im Tourismusmarkt. Der bis dato lukrative Wirtschaftszweig für Bauern und Industrie brach komplett weg. Als kulinarischer Geheimtipp überlebte die famose Konditoreikunst der ­Algarven dennoch, und zwar in den Vitrinen der Café-Häuser in der Nachbarschaft, wo noch Kuchen und feine Gebäck-Spezialitäten  von Hand gebacken angeboten werden. Ein Geheimtipp bleiben die süßen Verführungen der Algarven auch in Zukunft, obwohl die Nach­frage nach Gebäck, Marzipan und ­Kuchen-Spezialitäten − hergestellt nach Ur-Omas ­Rezept − stetig steigt, was mehrere positive Aspekte nach sich zieht: Stillgelegte Plantagen werden rekultiviert, neue Setzlinge angepflanzt. Landwirt sein hat wieder Zukunft, Erntearbeit ist wieder Geld wert. Die zumeist frisch gebackenen Jungunternehmer nutzen die neuen ­Medien geschickt für ihr Marketing und platzieren ihre wohlschmeckenden, nahr­haften und überwiegend biologisch angebauten Früchte gezielt auf dem Markt, indem sie für glutenfreie und Bio-Produkte werben und damit in den wachsenden Nischenmarkt für bewusstere ­Ernährung vordringen. Mit Erfolg! Die Renaissance der Konditorei-­Kunst im ­Algarve begünstigt das Kleinunternehmertum, die wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung der Region mit vorhandenen Natur-Ressourcen und stärkt gleichzeitig die lokale Marktposition der ­Marke »Made in Algarve«.

Am Douro entlang mit dem Comboio histórico

Foto von der Fahrt mit dem Comboio histórico (historischer Zug) am Douro entlang

Fahrt mit dem Comboio histórico am Douro entlang · © Andreas Lahn

Das schrille Pfeifen macht den Unterschied
Der »Comboio histórico« fährt durch die Weinberge von Régua nach Tua am Douro entlang von Andreas Lahn

Wenn Sie Lust auf eine abwechslungsreiche Zeitreise haben, buchen Sie bei Comboios de Portugal (CP) einen Platz im Comboio histórico. Der Zug fährt von ­Régua nach Tua am Douro entlang. Die schwarze Lokomotive heißt Vapor 0186 und ist 1925 von Henschel & Sohn kon­s­truiert.

Als ich auf dem Bahnhof in Régua ankomme, herrscht dort schon ein reges Treiben. Viele Fahrgäste sind neugierig und steigen in den Führungsstand der Lokomotive. Hier wird nichts per Software geregelt. Alles wird von Hand gepflegt, wofür immenses Wissen nötig ist.

Die Lok soll fünf Waggons ziehen, von denen zwei als 1. Klasse ausgewiesen sind. Alles wirkt dort edler und komfortabler. Doch mir gefällt mein Platz in der 2. Klasse. Die komplette Inneneinrichtung ist aus Holz gefertigt − gemütlich! Ich habe einen Platz auf der rechten Seite am Fenster − mit dem perfekten Blick auf den Douro (beim Buchen beachten!).Die Lok fährt mit großem Getöse los, dampft, was das Zeug hält, kommt aber genau so gut voran wie heutige Züge. Die spannende Tour beginnt! Ich mag die romantische und geheimnisvolle Ausstrahlung des Douro und bin beeindruckt von den an Berghängen angelegten Weinbergen − Trauben für den Portwein, den ich bisweilen genieße. So auch im Zug, denn nach einer Flasche Wasser wird ein Gläschen Portwein gereicht. Wie passend!

Um die Reise durch alte Zeiten fühlbarer zu machen, darf Musik nicht fehlen. Eine Musikgruppe aus der Region zieht in traditionellen Kleidern durch die Waggons und macht den Zug zum Festsaal. Diese Mischung aus wundervoller Landschaft, gemütlichem Fahren und kleinem Fest gefällt allen Reisenden. Beeindruckend finde ich das schrille Pfeifen, mit dem sich der Zug bemerkbar macht. Vermutlich kommt den Gästen auf den Kreuzfahrtschiffen des Douro ihr eigenes Gefährt seltsam langweilig vor im Vergleich zu diesem schnaufenden, dampfenden und pfeifenden Zug, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und man spürt den Spaß, den der Lokführer und die Techniker dabei haben, die Fahrt zu etwas Besonderem zu machen. Dieses Pfeifen werde ich nie vergessen!

Der Zug hält in Pinhão, wo die Lok gehegt und gepflegt wird. Die Reisenden bestaunen dieses Spektakel. Schnell geht es weiter nach Tua, wo eine längere Pause gemacht wird. Die Lok muss ans andere Ende des Zuges rangiert werden. In der Bahnhofshalle von Tua werden regionale Spezialitäten verkauft. Die Musikgruppe legt sich ins Zeug und erobert die Herzen vieler Menschen.

Auf dem Rückweg sind alle Passagiere bester Stimmung, plaudern miteinander und freuen sich über die alles über­tönende Pfeife. Und so kommen wir nach einer kurzweiligen Reise pünktlich wie­der in Régua an: Ein wunderschöner Nachmittag in einem faszinierenden Zug!

INFO: Der Zug fährt noch bis zum 29.10.2017 samstags und sonntags um 15.33 Uhr ab Régua und ist um 18.32 Uhr wieder zurück. Tickets und weitere Informationen:
auf portugiesisch:
https://www.cp.pt/passageiros/pt/how-to-travel/em-lazer/Roteiros/blog-ch
auf englisch:
https://www.cp.pt/passageiros/en/como-viajar/For-leisure/circuits/blog-ch
Sie können auf www.cp.pt auch einen Account einrichten und alle Zugtickets für Portugal buchen, ausdrucken und per Lastschrift bezahlen.

Gostaria de agradecer aos Senhores Bruno Martins e Pedro Gonçalves dos Comboios de Portugal pelo bilhete e pelas informações.

Festa de São João em Braga cada vez mais viva

Foto der Plastik-Hammer, mit denen sich die Leute beim Fest São João im Norden Portugals auf den Kopf hauen

Der Plastik-Hammer ist das wichtigste Utensil für das São João-Fest am 24. Juni in Porto · © Andreas Lahn

Festa de São João em Braga cada vez mais viva
Ana Carla Gomes e Eberhard Fedtke

O mais recente programa da festa do S. João, apresentando uma agenda cultural, folclórica e clerical, no dia 24 de Junho, é um evento cada vez mais popular, com relevância comparável ao Natal e Páscoa.

Já este ano o S. João chamou para a rua milhares de cidadãos de Braga e arredores, acrescendo a estes, multidões de ­turistas, vindos de quase toda parte do planeta que percorreram a pé a Avenida da Liberdade e festejaram efusivamente o acontecimento anual, debaixo de um agradável céu de verão, uma componente muito importante para esta celebração plebeia de rua. A atmosfera foi, como sempre, bem colorida.

Também no Porto, na famosa capital do Douro Litoral, as gentes celebram o ­S. João. O evento foi importado de Braga, onde originalmente terão começado tais comemorações. Braga e Porto vivem de uma concorrência animada para ver quem torna o espetáculo mais criativo e impressionante. Outras cidades no país também festejam diversos e conhecidos santos, por exemplo, em Lisboa celebra-se o Santo António a 13 de Junho e em Évora o S. Pedro a 29 de Junho, já para não falar de outras comemorações similares em variadíssimas regiões de Portugal. Um plano vantajoso para a indústria de carrosséis e variadíssimos animadores circenses, bandas e músicos que ­passam a vida andando de um lugar para outro energicamente.

A atual festa do S. João de Braga está culturalmente enriquecida de exposições e variadas apresentações musicais e culturais, este ano todo o programa ­decorreu entre 11 e 30 de Junho. Os temas das exposições foram, por exemplo, desde »O S. João de 1917«, aliás o ano do ­milagre de Fátima, até aos »Gigantones e Cabeçudos do São João em Braga« que deram testemunhos silenciosos e clássicos da arquitectura da cidade de Braga, Bracara Augusta e Barroca e lembrando simultaneamente o S. João do homem sagrado. No programa vistoso, saltam à vista as Sanjoaninas e os desfiles de bandas. Promovem-se cada vez mais eventos de alta categoria.

A cerimónia anual dos festejos de S. João representa uma tradição verdadeiramente fixa. Depois de uma saborosa sardinhada em casa com a própria família ou fora com os amigos num dos muitos restaurantes das ruas da cidade, acompanhada por broa de milho, azeitonas e pimentos e uma boa garrafa de vinho, a festa continua pelas ruas da ­cidade. Aí a comunicação é muito boa e intensa, quer com o »martelo na cabeça« quer com o alho porro debaixo do nariz, atividades que têm tanto de amigável quanto de cansativa, mas em qualquer caso pacífica.

A festa prossegue com inúmeras bandas de música. Grupos de dança assim como coloridas e inventivas rusgas ­atingem o top e o ponto culminante, por volta da meia-noite. Crianças entram ativamente na celebração, bebés de colo adormecem num cansaço profundo nos braços dos pais, apesar da crescente ­agitação e barulho. Este advém de vários palcos espalhados pela cidade, que ­oferecem música para todos os gostos. Diversos palcos apresentam sugestivos e pitorescos nomes tais como: palco Synergia, palco Desperados, palco Bira Ú lustre, palco RUM e palco da Avenida Central. No entanto todas estas fantásticas designações parecem viradas para a imaginação mística e contemporânea da juventude. Quem tem o desejo de dançar pode fazê-lo intensivamente com os POPados.

Vem depois o ponto alto da festa com o obrigatório fogo-de-artifício. Para os portugueses puros e fiéis, geneticamente marcados e infetados por qualquer tipo de vírus fogo, este momento reflete a ­alegria total: mais foguetes! Muito mais doses! Sem fim, se faz favor! Uma entonação infernal, um tártaro estético! Que desejo orgástico! No dia seguinte, não se pensa sequer nos custos deste mágico e fascinante evento.

Quem tem fome a meio da exaustiva noite, encontra de forma opulenta, pão com chouriço, bifana, frango assado, petiscos diversos, salgados, farturas e outras apetitosas escolhas da doçaria da famosa cozinha tradicional portuguesa.

A multidão animada vai ficando até ser dia, rindo e tagarelando toda a noite, ­alguns preparam-se já interiormente, de forma gulosa, para a próxima grande ­festa pública da cidade, a brilhante noite branca, a ter lugar no início de Setembro. Assim se vive neste país com uma determinada obsessão permanente pelas ­festas e festivais e que dá prioridade ao entretenimento e bem-estar, enfim, uma vida de luxo de abraços e beijinhos em grandes quantidades.

O evento clerical significante ocorreu na tradicional missa do arcebispo de Braga, D. Jorge Ortiga, conhecido como um homem de coragem e de mente aberta, recordou, no dia 24 de Junho, a histórica figura de S. João Batista que viveu como um homem sem medo, que proclamou a verdade perante os compatriotas e ­perante os representantes do estado, ­denunciando sem ilusões e falsa perspicácia os erros da sua época e da sua ­sociedade, mesmo quando corria risco de vida. O arcebispo primaz encorajou os fiéis a soltar a língua, a deixar a passividade e a inércia e a interferir dedicadamente nos problemas atuais. Aguardemos para o que virá para 2018, tendo D. Jorge Ortiga sublinhado que é indispensável para o desenvolvimento de uma sociedade ativa, com alma e sentido, a intervenção hábil dos seus cidadãos, abrindo os mesmos mão da sua própria comodidade, eminente preferência para a sociedade moderna.

Vamos a ver, se o S. João ajudar. Por ­favor, santo reverendo, auxilia! É a tua festa!

Garrano-Wildpferde im Norden Portugals

Foto eines Garrano-Wildpferdes in den Bergen von Peneda-Gerês im Norden Portugals

Garrano-Wildpferd in den Bergen von Peneda-Gerês · © Andreas Lahn

Die Power der Garranos
Über eine Begegnung in den Bergen von Peneda-Gerês • von Andreas Lahn

Wild lebende Pferde im nordportugiesischen Minho: Über ein Jahr laufe ich mit der Erinnerung an den Film auf ARTE durchs Leben. Die Garranos sehen nicht nur wundervoll aus, sie haben eine würdevolle Ausstrahlung und etwas Geheimnisvolles, wenn sie in größeren oder kleineren Herden in der Abendsonne durch die Gegend ziehen. In der tiefstehenden Sonne leuchtet das Fell und die schwarze Mähne glitzert. Ich bin nicht vernarrt in irgendwelche Tiere. Doch diese Pferde sind von nun an in meinem Herzen und harren der leibhaftigen Begegnung. Eine Zeitlang schaffe ich es, dieses stärker werdende Gefühl zu ignorieren. Doch dann muss alles ganz schnell gehen: Auf meiner Reise nach Portugal in diesem Jahr plane ich einen Abstecher in den Minho ein. So komme ich auch in das von Eberhard Fedtke geführte »Casa do Javali« (Wildschweinhaus) in Caniçada und genieße diesen wunderschönen Blick auf den Rio Cávado und zwischen den Bergen hindurch bis nach Gerês.

Als wir an einem wunderschönen Sommertag gemeinsam aufbrechen, um Ausschau zu halten nach den Garranos, bin ich mir sicher, dass wir Glück haben und in den Bergen welchen begegnen. Die Landschaft wird von grünen Weiden, hohen Gebirgsformationen und riesigen Steinen dominiert. Vor allem die Steine beeindrucken mich, wie sie trotz ihrer oft gigantischen Ausmaße majestätisch auch auf höchsten Gipfeln thronen, ohne nach unten zu kugeln. Und auch die aus massiven Steinen gebauten Vorratsspeicher. Diese Gegend in und um den Natio­nalpark von Peneda-Gerês ist ein idealer Ort, um zu wandern, zur Ruhe zu kommen und um Tieren zu begegnen, die man sonst nirgends findet, den Garranos.

Diese Pferde sind im Minho seit über 20.000 Jahren ansässig, werden aber erst seit 1993 als eigenständige Rasse* staatlich anerkannt. Ihr Bestand wird aktuell auf 1.000 − 1.500 Pferde* geschätzt. Pro­bleme gibt es, wenn die ­Garranos sich auf den Mais- und Gemüse­ackern der Bauern bedienen*. Wie ein Mensch diese wundervollen Tiere mit ­einem Jagd­gewehr einfach abschießen kann, ist mir unbegreiflich. Garranos werden zudem von Wölfen bedroht und finden weniger Weideland infolge von Waldbränden.

Wir fahren einige Zeit durch die Berge, gar nicht mal lange, und dann es soweit: Circa 100 Meter von der Straße entfernt steht eine kleine Herde von sechs Tieren. Ich gehe über einen Feldweg auf die Pferde zu, was sie zunächst nicht stört, doch als ich näher komme, sind plötzlich alle Augen auf mich gerichtet. Und auch die Ohren scheinen jedes Geräusch wahrzunehmen. Ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich mich verhalte, wenn ich den Pferden nahekomme und gehe furchtlos auf die Herde zu. Ich halte ein paar Meter Abstand, werde weiterhin von allen gemustert, bis das Leitpferd auf mich zukommt. Ich strecke ihm meinen Arm entgegen und lasse meine Hand beschnuppern. Als das Pferd wahrnimmt, dass von mir keine Gefahr ausgeht, entspannen sich die anderen Pferde und fressen weiter in Ruhe die Gräser der Weide. Ich streichle dem Leitpferd über die Nüster und spüre die Energie dieses Tieres. Ich kann mich jetzt bewegen, ohne misstrauisch beäugt zu werden. So entstehen einige Fotos, die ich nie vergessen werde. Gerade das Leitpferd mit seiner Mähne, dem braunen und in der Sonne so schön leuchtenden Fell und vor allem die bis zum Knie schwarzen Beine erfüllen mich mit Glücksgefühlen, die sich kaum beschreiben lassen. Für mich ist dieses zehn-minütige Eintauchen in die Welt dieser sechs Garranos etwas Besonderes, weil es wieder zeigt, dass nicht die Dauer von Erlebnissen wichtig ist sondern die Intensität. Ich sehe mich verträumt an die halbe Stunde des ARTE-­Filmes zurückdenken, als ich zum ersten Mal von der Existenz dieser Pferde höre. Und nun stehe ich hier im Nirgendwo des Minho mitten in den Bergen und kommuniziere auf eine freundliche Art und Weise mit den Garranos. Damit ist ein kleiner Traum Wirklichkeit geworden.

Auf der Weiterfahrt durch die Berge sehen wir in der Nähe eines Restaurants noch zwei weitere Garranos, eine Stute mit ihrem Fohlen. Ich glaube, das Fohlen möchte gerne näherkommen, um Kontakt aufzunehmen zu dem merkwürdigen Wesen, das ihm da gegenübersteht. Doch die Mutter schiebt einer weiteren Annäherung energisch einen Riegel vor. Pferde haben ihren eigenen Kopf. Und das ist ja auch gut so!

Es wird sich kaum vermeiden lassen, noch einmal in die Gegend von Gerês zu kommen. Zum einen habe ich mich ein wenig in die Pferde verliebt und möchte gerne mehr Zeit in ihrer Nähe verbringen, als das an diesem einen Tag möglich ist. Und zum anderen gilt das gleiche für’s Casa do Javali: Die wenigen Tage hier sind wunderschön, anregend und beruhigend zugleich, mit liebevollen Gastgebern, die diese Zeit im Minho für mich unvergesslich machen. Also Ana Carla, Rodrigo und Eberhard: Vielen Dank für die schönen Tage, die ich mit euch habe verbringen dürfen! Gern erinnere ich mich an die angenehme Ruhe bei euch und in den Bergen. Ich bin von den Festen für Santo António aus Lissabon gekommen und fahre weiter nach Porto zum Fest für São João, wo ich mindestens 100 Menschen mit dem Plastikhammer auf den Kopf haue. Dazwischen liegen Caniçada und die Garranos.

* nach Infos auf www.portugalmania.de