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Der DPG-Präsident auf Reisen: Viagem pela minha terra

Foto der Ruine des Tempels der Diana in Évora

Eine Busreise durch Portugal • von Michael W. Wirges

> Die Maschine der TAP, die uns nach Lissabon bringen sollte, landete an diesem Abend im Mai erst kurz vor unserem Boarding in Berlin-Tegel, ­sodass wir erst anderthalb Stunden als geplant unser Ziel erreichten. Der Bustransfer unserer Reisegruppe − etwa 50 Deutsche mit deutschsprachiger Reisebegleiterin − zum Hotel der Gruppe Galé, das fast genau unter der Brücke Ponte 25 de Abril lag, verlief hingegen reibungslos. Dass wir zwei Tage und Nächte unter der Brücke Unterkunft finden sollten, haben da wohl einige falsch verstanden …
Endlich wieder in der alten Heimat! Obwohl ich in den vorangegangenen sechs Monaten schon zweimal die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Für mich würde diese 8-tägige Busreise durch das ganze Land mehr zu einer nostalgischen denn zu einer touristischen Reise werden.
Am nächsten Tag eine Stadtrundfahrt durch Lissabon, mit dem Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten: im Stadtteil Belém die Torre de Belém und das als UNESCO-Weltkulturerbe gelistete Hieronymiten-Kloster mit dem Kenotaph für den Nationaldichter Luis de Camões, dem Sarkophag von Vasco da Gama, dem Indienfahrer, dem Kenotaph von König Sebastião (der 1578 nach einer Schlacht in Nordafrika nie mehr gefunden wurde), und dessen Onkel und Nachfolger Kardinal Henrique. Leider konnten wir aus Zeitgründen nicht auch den berühmten Kreuzgang besichtigen. Auf dem Rossio-Platz (Praça D. Pedro IV) standen die ­Jacaranda-Bäume in voller Lila-Blüte, und vom Castelo de São Jorge hatten wir einen herrlichen sonnigen Blick über die ganze Hauptstadt. Den Fußmarsch zu der Burg hinauf und wieder hinab durch das Alfama-Viertel − arabisch für heiße Quelle − haben wir uns nicht nehmen lassen, und auch nicht einen Bummel durch die Baixa (Unterstadt).
Sintra, das wir am nächsten Tag besuchten, war die Sommerresidenz der maurischen Herrscher und der portugiesischen Könige, und ist überhaupt ein mystischer Ort auf bewaldeten Hügeln. Unten das alte Königsschloss aus dem Mittelalter, oben das sehr sehenswerte, bunte und aus verschiedenen Baustilen bestehende Märchenschloss Pena, das der deutschstämmige Gemahl Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha der portugiesischen Königin Maria II Mitte des 19. Jahrhundert erbauen und den Park von seinem Freund Baron von Eschwege anlegen ließ.
Hier waren wir oft mit unseren Eltern Quellwasser aus den Sintra-Bergen holen. Und Vaters Geburtstag krönten wir mit einer Fahrt per Pferdekutsche vom Ort hinauf zum Pena-Schloss und wieder zurück, in Serpentinen durch den mystischen Geisterwald! Sir Arthur Conan ­Doyle (Sherlock Holmes) lebte hier zeitweise in seiner Villa, und die Quinta da Regaleira (erbaut um 1900) mit ihrem mystischen Park wurde vor einigen Jahren erneuert.
Am Nachmittag fuhren wir noch über die Ponte 25 de Abril, die 1966 unter dem Namen Ponte Salazar und nach der Nelkenrevolution 1974 ihren heutigen Namen erhielt, zum Cristo Rei bei Almada.
Diese riesige Christusstatue an der gegenüberliegenden Seite des Tejo ist ein Heiligtum und Wallfahrtsort, entstanden nach einem Gelübde portugiesischer Bischöfe in Fátima (1940), sollte Portugal von dem Zweiten Weltkrieg verschont bleiben. Nicht weit entfernt liegt das kleine Städtchen Azeitão, in dem wir noch eine bekannte Keramikfabrik besuchten.
Zu einem Abstecher nach Estoril und Cascais, wo ich aufgewachsen bin, fehlte es an Zeit, und so fuhren wir tags darauf früh los über Fátima, Batalha, Coimbra nach Porto.
Fátima ist der bekannteste Wallfahrtsort Portugals und einer der bedeutend­sten Europas. Hier soll von Mai bis Oktober 1917 jeweils am 13. des Monats drei Hirtenkindern die Mutter Gottes erschienen sein, mit ihnen gebetet und ihnen drei Geheimnisse mit auf den Weg gegeben haben. Ein riesiger Platz, die Basilika mit den Grabmalen von zwei der Hirtenkinder, die sehr früh gestorben sind, die Erscheinungskapelle mit dem Baum der Erscheinung, das alles lässt auch Hartgesottenen den Atem stocken. Da unsere Eltern gläubige Katholiken waren, sind wir als Kinder mit ihnen oft hier gewesen.
In Batalha (Schlacht) steht das als ­Nationalheiligtum geltende gotische Kloster, das als Dank für die im August 1385 von den Portugiesen unter König João I in Aljubarrota gewonnenen Entscheidungsschlacht gegen das kastilische Heer erbaut wurde und heute als UNESCO-Weltkulturerbe gilt. An der Ostseite stehen die Capelas Imperfeitas, ­Kapellen, die nie vollendet wurden. In Coimbra besuchten wir das Universitätsgelände. Die Hochschule wurde 1290 gegründet, gilt als die erste des Landes und eine der ältesten weltweit, und wurde 2013 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Hier in Coimbra ist auch eine besondere Art des Fado durch die Studenten entstanden. Am Abend erreichten wir Porto, die Hauptstadt des Nordens.
Ziele des nächsten Tages waren Braga und Guimarães, sowie die Erkundung von Porto. Die kirchliche Stadt Braga ist vor allem bekannt für das hoch über der Stadt, in den Bergen gelegene Heiligtum Bom Jesus do Monte mit seiner prachtvollen Anlage, der Kirche, den Statuen und den 580 Stufen, die in die Stadt hinunterführen. Zum Glück hielt der Bus oben an der Kirche! Guimarães gilt als berço da Pátria − die Wiege Portugals. Hoch über der Stadt wacht das mittelalter­liche Kastell aus dem 10. Jahrhundert. Afonso Henriques erblickte hier 1106 das Licht der Welt und wurde 1139 zum ersten König eines unabhängigen Portugals gekrönt. In der Taufkapelle steht das Taufbecken mit Inschrift.

Foro der Muro dos Cobertos da Ribeira in Porto

Muro dos Cobertos da Ribeira in Porto · © Michael W. Wirges

Porto, die zweitgrößte Stadt Portugals, Kulturhauptstadt Europas, ist wohl die dynamischste des Landes. Man sagt wohl nicht zu Unrecht, dass in Braga gebetet, in Coimbra studiert, in Porto gearbeitet und sich in Lissabon amüsiert wird! Eine Stadtrundfahrt und später auch ein Spaziergang durch die Altstadt − seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe − führte uns zum Douro hinunter, wo wir eine einstündige Fahrt mit einem traditionellen Schiff auf dem Fluss machten. Sehr beeindruckend war der Bahnhof São Bento, der noch im alten Stil erhalten ist und innen große Kacheln mit ­Bildern aus der portugiesischen Geschichte zeigt.
Richtung Süden ging es am nächsten Tag weiter, zunächst nach Bussaco, wo der berühmte Wald Mata Nacional do Buçaco und das romantische Schloss­hotel aus dem 19. Jahrhundert besucht werden konnten. Da standen auch eine 1000 Jahre alte Araukarie und ein 700 Jahre alter Benjaminbaum.
Hier im kühlen Norden, mal in den Termas do Luso, mal in den Termas de Manteigas in der Serra da Estrêla, ­haben wir im Sommer oft mit unseren Eltern die Ferien verbracht, um der großen Hitze weiter südlich zu entgehen.
Nazaré war das nächste Ziel. Das ­malerische Fischerdorf ist nicht nur ein beliebter Badestrand, sondern auch ­bekannt für seine sich in der Nähe brechenden Monsterwellen, die mutige Surfer aus aller Welt anlocken, wo auch internationale Meisterschaften ausgetragen werden. Nach dem Mittagessen ging es schnurstracks durch den Alentejo an die Algarve-Küste, vorbei an Kork­eichen, Getreide- und Reisfeldern, Salzsalinen, Weinreben und Olivenölbäumen. Während die Landwirtschaft im Norden von Minifundien geprägt ist, überwiegen hier die Latifundien (Großgrundbesitz) − die Kornkammer Portugals. An der Algarve findet man riesige Orangenplantagen, aber auch Birnen-, Mandel- und Johannisbrotbäume. Am Abend erreichten wir Armação de Pêra an der Algarve − »Arme Sau«, sagten einige Deutsche, in Anspielung auf den Stadtnamen!
Am nächsten Tag erkundeten wir das Hinterland. In Silves, kulturelle maurische Hochburg und Hauptstadt der Algarve im 11. Jahrhundert, besichtigten wir die mächtige Maurenburg, die Ende des 12. Jahrhunderts von Mauren und Kreuzrittern schwer umkämpft war, und die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Die Thermen von Monchique mit ihren heißen Heilquellen, die schon zur Römerzeit bekannt waren und die Fahrt durch die Monchique-Gebirgszüge, die letztes Jahr größtenteils heftigen Waldbränden zum Opfer fielen, waren unsere nächsten Ziele, bevor es wieder zurück ins Hotel ging, und ein Nachmittag zur freien Verfügung angesagt war. Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag weiter mit einer Fahrt an der westlichen ­Algarve-Küste entlang. Zunächst bis auf die Festung in Sagres, die vor dem 14. Jahrhundert gegründet wurde, und in der Prinz Heinrich der Seefahrer (1394−1460) bedeutende Gelehrte seiner Zeit − so auch den Nürnberger Martin Behaim −, um sich versammelte, um ­Navigationsgeräte, Seekarten und astronomische Berechnungen zu verbessern. Die Existenz einer Seefahrerschule ist jedoch nicht bewiesen. Das seit der Antike mystische Cabo de São Vicente gilt als der südwestlichste Punkt des europäischen Kontinentes, der Leuchtturm ist einer der lichtstärksten Europas. Auf der Rückfahrt machten wir noch den obligatorischen Foto-Stopp an der Ponta da Piedade mit ihren bizarren Felsformationen, die viele Millionen Jahre alt sein sollen. In Lagos machten wir einen Rundgang durch die Altstadt, mit dem Marktplatz, der Statue für Heinrich den Seefahrer, dem ironischen Denkmal für König Dom Sebastião, dem ehemaligen Sklavenmarkt und anderem Sehenswerten. Hierhin führte übrigens auch meine Hochzeitsreise, das ist jedoch schon sehr lange her, und es hat sich privat bei mir sehr vieles verändert!
Am Abend traf ich mich im Hotel mit Catrin George Ponciano, der Leiterin der DPG-Sektion Algarve. Sie brachte ihren Ehemann mit, den ich zunächst auf italienisch begrüßte, in der Annahme, dass er Italiener sei. Arménio wunderte sich etwas, bemerkte dann aber, dass er Portugiese sei! Zusammen verbrachten wir einen herrlichen Abend mit beeindruckendem Sonnenuntergang an der Praia Dourada, dem Goldstrand.

Foto eines zentralen Platz in Lagos (Algarve)

Zentraler Platz in Lagos (Algarve) · © Michael W. Wirges

Vorletzter Tag dieser für mich nostalgischen Reise: Sehr früh morgens starteten wir auf unsere letzte Etappe Richtung Lissabon. Wieder durch die Algarve und den Alentejo, zunächst nach Beja, wo eine Olivenölpresse von Figueirinha in São Brissos und eine Weinkellerei der Hotelkette Galé (wo wir immer logiert haben) in Santa Vitória besichtigt werden konnten. Im nahe gelegenen Vidigueira erhielt Vasco da Gama nach seiner Rückkehr aus Indien die Grafschaft als Dank für seine Verdienste.
Die einzige fast komplett erhaltene Stadtmauer Portugals befindet sich in Évora. Hier besuchten wir, nahe dem ­römischen Tempel der Diana, die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Ein Stadtrundgang führte uns in der Altstadt, die seit 1996 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht, an etlichen alten Gebäuden vorbei, wie auch an der Universität.
Ein letzter Stopp war die Besichtigung einer Korkfabrik im Alentejo, bevor es endgültig nach Lissabon zurückging, wo wir am späten Abend im Hotel ankamen. Sehr früh am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von dieser schönen Hauptstadt, von den gastfreundlichen, liebenswürdigen Einwohnern dieses herrlichen Landes.
Adeus, Portugal − até à próxima! Bis hoffentlich sehr bald!

Jahrestagung 2018: DPG stellt Weichen für die Zukunft

Foto von Düsseldorf: Blick auf den Rhein

Bericht aus Düsseldorf (19.–21.10.2018) von Josef Wolters (JW) und Andreas Lahn (AL) >

HALLO DÜSSELDORF (AL)

Als ich am frühen Freitagnachmittag in Düsseldorf ankomme, bleibt noch Zeit für einen Stadtrundgang. Bei sommerlichen Temperaturen macht es viel Spaß, durch die Altstadt zu bummeln, in Läden zu stöbern, auf dem Rhein Schiffe zu beobachten und auf einem Markt Kaffee zu trinken.
Um 18 Uhr treffen sich die DPG-Mitglieder in der Lobby des Tagungs-Hotels zur Begrüßung und brechen kurze Zeit später gemeinsam auf zum Weinkeller von Carlos Quintas. In der gemütlichen Atmosphäre seines Gewölbe-Kellers aus roten Ziegelsteinen und wunderschönen Rundbögen schmeckt der servierte Wein gleich noch leckerer.

Foto im Gewölbekeller von Carlos Manuel Lopez Quintas'

Carlos Manuel Lopez Quintas (2. v. l.) erzählt die Geschichte seines wunderschönen Gewölbekellers »Vinhos de Portugal« · © Herbert Schlemmer

Foto vom Weinausschank in Carlos Manuel Lopez Quintas' wunderschönem Gewölbekeller »Vinhos de Portugal«

Weinausschank in Carlos Manuel Lopez Quintas‘ wunderschönem Gewölbekeller »Vinhos de Portugal« · © Herbert Schlemmer

Einige Gespräche später machen wir uns auf den Weg zum Restaurant Schumacher, das in Düsseldorf Kultstatus genießt. Kult hin oder her: Mir ist es hier zu laut, das Reden und vor allem das Hören sind extrem anstrengend. Trotzdem ist es natürlich schön, viele Bekannte und auch einige Neue begrüßen zu dürfen.
Am Samstagvormittag entscheide ich mich für einen weiteren Bummel durch die gemütliche Düsseldorfer Innenstadt, während Josef Wolters und viele andere ein Kolloquium besuchen.

KOLLOQUIUM DER »INITIATIVE LISBOA-DÜSSELDORF« (JW)

Das IV. Kolloquium der »Initiative Lisboa-Düsseldorf« findet im Stadtmuseum der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf statt. Carlos Quintas, seit vergangenem Jahr Mitglied der DPG, ist sozusagen der Gründungsvater dieser Initiative. Er berichtet über die bisherigen Aktivitäten und Publikationen, über die der Leser mehr im Internet unter http://lisboa-duesseldorf.de erfahren kann.
Dr. Susanne Anna, Leiterin des Stadtmuseums, begrüßt circa 40 TeilnehmerInnen zum Kolloquium. Sie hält einen (kunst-) historischen Vortrag zum Thema »Düsseldorf, die soziale Stadt«. Ausgehend von der offiziell beurkundeten Stadtgründung geht sie auf die Gründung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft vor mehr als 700 Jahren ein. Seitdem hat sich Düsseldorf zu einer sozialen Stadt mit mehr als 1.000 gemeinnützig eingetragenen Vereinen entwickelt, die mit ihren Mitgliedern das soziale Klima der Stadtgesellschaft auf der Basis christlich gelebter Werte bestimmen.
Als zweiter Redner des Kolloquiums spricht der ehemalige Leiter des Düsseldorfer Goethe-Museums, Prof. Dr. Volkmar Hansen, zum Thema »Goethe informiert sich über Portugal«. Nach Hansens Recherche diente Goethe das Tagebuch eines Soldaten als Quelle seiner Gedanken. Dieser Soldat hat seit 1808 Aufzeichnungen zu kriegerischen Auseinandersetzungen gemacht hatte. Goethe selbst ist nie nach Portugal gereist, so dass er sich nur anhand dieser schriftlichen Berichte ein Bild über das Land machen konnte.
Anschließend hält Prof. Dr. Rolf Nagel einen kurzen Vortrag zum Thema »Deutschland 1945–1949, ein Land ohne Wappen«. Längere Ausführungen zu diesem Thema hat er bereits in der Vorwoche auf einer Konferenz der »Portugiesischen Geographischen Gesellschaft« in Lissabon gemacht.
Carlos Quintas stellt in einem Bildvortrag den »Garten Stephanie« in Almada vor. Der Garten liegt hinter dem Palácio Real do Alfeite, dem Hauptquartier der Portugiesischen Militärmarine. Es war ein besonderes Anliegen der »Initiative Lisboa-Düsseldorf«, dem lange Zeit gärtnerisch im Dornröschenschlaf versunkenen Garten neuen Glanz zu verleihen. Allein mit privat aufgebrachten Spendenmitteln von beträchtlicher Summe ist es gelungen, einen Garten zu bauen, der gut zu dem herrschaftlichen Anwesen des Palastes passt.

Foto der Pianistin Chiara Wernet

Die Pianistin Chiara Wernet verzaubert die Zuhörer · © Falk Zirnstein

Musikalischer Höhepunkt des Kolloquiums ist das Klavierspiel der 17jährigen Chiara Wernet. Sie spielt auf einem Bechstein-Flügel das Stück »Ceresteiros« des Komponisten Villa Lobos. Die vielfach ausgezeichnete Virtuosin hatte bereits in Cascais/Portugal einen Auftritt und ist eine exzellente Schülerin der Clara-Schumann-Musikschule in Düsseldorf.
Der Vorsitzende der DPG in Nordrhein-Westfalen, Josef Wolters, beendet das Kolloquium mit einem Dank an alle Beteiligten und überreicht der jungen Pianistin ein Buch über die Düsseldorfer Stadtgeschichte.

JAHRESTAGUNG 2018 (AL)

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Hotel beginnt um 14 Uhr die Jahrestagung der DPG. In seinem Grußwort betont Fernando de Matos vom portugiesischen Generalkonsulat die harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der DPG und den portugiesischen Institutionen. Er spricht von »guten Freunden« und hofft, »dass es so bleibt«. Christian Sachse vom LV Berlin/Brandenburg wird anschließend einstimmig zum Rechnungsprüfer gewählt. Ein herzlicher Dank geht an Dr. Rolf Müller, der sein Amt aus persönlichen Gründen aufgeben muss.

Foto von Christian Sachse

Der später zum zweiten Rechnungsprüfer gewählte Christian Sachse bei seiner Vorstellungsrede · © Gabi Baumgarten-Heinke

DPG-Präsident Michael W. Wirges dankt in seiner Rede allen Aktiven für ohre Arbeit und ruft nochmals dazu auf, wieder mehr über die eigenen Aktivitäten in den Ländern und Stadtsektionen zu berichten und im Portugal Report zu veröffentlichen. Er informiert die Anwesenden über einige der Termine, die er in den vergangenen Monaten wahrgenommen hat. Anschließend erläutert uns die Schatzmeisterin Gabi Baumgarten-Heinke die finanzielle Situation der DPG. Das Jahr 2017 sei zwar mit einem Überschuss von 237,08€ abgeschlossen worden, dennoch bestehe kein Grund zur Euphorie, da die Einnahmen ohne Spenden wesentlich geringer als die Ausgaben seien.

Foto von der Jahrestagung der DPG in Düsseldorf

Josef Wolters spricht auf der Jahrestagung der DPG · © Falk Zirnstein

Bei den Berichten aus den Landesverbänden und Stadtsektionen fällt auf, dass immer häufiger sogenannte »Stammtische« stattfinden, wo sich in einem Café oder Restaurant Mitglieder und Interessierte zwanglos zu einem geselligen Beisammensein treffen und ungezwungen unterhalten. Ein solches Treffen lässt sich in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen ohne großen Aufwand umsetzen.
Die DPG tut einiges, um sich nach außen in einem einheitlichen Design zu präsentieren. Dazu gehören neben der Website, der Fanpage auf Facebook, dem Portugal Report auch die Visitenkarten und Briefbögen. Ich selbst habe alle Beteiligten aufgefordert, mir die Termine und Aktivitäten in den Landesverbänden und Stadtsektionen mitzuteilen, um sie im Portugal Report und auf der Website zu veröffentlichen – in einer kurzen Mitteilung oder im Falle von Konzerten und Veranstaltungen gerne auch in einem kleinen Artikel.

Foto der TeilnehmerInnen an der DPG-Jahrestagung 2018 in Düsseldorf

Die TeilnehmerInnen der DPG-Jahrestagung 2018 in Düsseldorf · © Falk Zirnstein

Workshop der DPG in Leipzig (April 2018): Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden vorgestellt. Darüber gibt es ein Protokoll. Wer an diesem Diskussionsprozess teilnehmen möchte, sollte sich an die Geschäftsstelle in Berlin wenden, um das Protokoll zu erhalten.
Um mehr über die Kenntnisse der DPG-Mitglieder zu erfahren, wird eine »Wissens-Datenbank« angeregt, die nach dem Versenden eines Fragebogens an alle Mitglieder erstellt werden soll. An dieser Stelle also der Aufruf an alle, den Fragebogen auszufüllen und zurückzusenden.
Die Idee, über Crowdfunding Spenden für Projekte einzuwerben und die DPG dadurch bekannter zu machen, wird begrüßt.
Anschließend wird beschlossen, dass die Jahrestagung 2019 in Berlin stattfinden soll. Und im Jahre 2020 soll es mal wieder nach Portugal gehen. Und zwar nach Porto – unter dem Vorbehalt natürlich, dass die Organisation der Tagung dort überhaupt realisierbar ist. Genug Zeit ist ja immerhin vorhanden…

CAVE TAPAS (AL)

Nach einer kurzen Pause geht es auch schon los zum gemeinsamen Abendessen im portugiesischen Restaurant »Cave Tapas«. Zwei U-Bahn-Stationen und einen kurzen Fußweg später sind wir auch schon da. Ein Hauch Portugal zieht durch das Restaurant. Bei vielen leckeren Tapas und köstlichem Wein genießen wir die angenehme Atmosphäre im Cave Tapas. Dabei werden intensive und anregende Gespräche geführt. Dabei lässt sich niemand vom Übereifer der KellnerInnen anstecken, die bisweilen etwas hektisch wirken. Alles in allem ein wundervoller Abend!

Foto im Cave Tapas, Düsseldorf

Zufriedene Gesichter beim leckeren Essen im »Cave Tapas« · © Herbert Schlemmer

STADTRUNDFAHRT (JW)

Am Sonntagmorgen starten immerhin noch 17 TeilnehmerInnen der Jahrestagung zu einer knapp zweistündigen Stadtrundfahrt. Der Cabrio-Bus bietet ein Audioguide-Programm in 10 Sprachen an, leider keines auf portugiesisch. Die meisten Düsseldorfer Sehenswürdigkeiten werden angesteuert und vorgestellt: Landtag, Königsallee, Aqua-Zoo, Medienhafen, Altstadt, Hofgarten. Einige Düsseldorfer Highlights fehlen auf der Rundfahrt, so dass jede TagungsteilnehmerIn aufgerufen ist, sich bei einem weiteren Besuch in Düsseldorf den historisch bedeutenden Stadtteil Kaiserswerth, das Schloss Benrath mit seinem Garten und in der Peripherie das Neandert(h)al mit seinem berühmten Neandert(h)almuseum anzusehen. Düsseldorf ist wegen seiner weltweit geschätzten Messen »Boot«, »DRUPA«, »K(unststoff)« und nicht zuletzt wegen des Karnevals immer eine Reise wert.

Am Ende der Stadtrundfahrt wird das Ehepaar Wolters für die tolle Organisation der Jahrestagung ausdrücklich gelobt. Auch ich möchte herzlichen Dank sagen, insbesondere dafür, dass endlich mal »portugiesische« Elemente im Tagungs-Programm enthalten sind. Mögen sich die OrganisatorInnen der Jahrestagung 2019 in Berlin daran ein Beispiel nehmen!
Also dann: Auf ein Wiedersehen im Oktober 2019 in Berlin!
Herzliche Grüße von Josef Wolters und Andreas Lahn

Jahrestagung der DPG 2018 in Düsseldorf

 

Grafik der Silhouette von Düsseldorf

Silhouette von Düsseldorf · © JiSign-stock.adobe.com

Einladung zur Mitgliederversammlung in Düsseldorf (19.10.–21.10.2018)

 

TAGUNGSHOTEL
CVJM Düsseldorf Hotel & Tagung · Graf-Adolf-Straße 102, 40210 Düsseldorf
Tel.: +49 211 172 85-0 · Fax: +49 (0) 211 172 85-44 
www.cvjm-duesseldorf-hotel.de

FREITAG, DEN 19.10.2018

Individuelle Anreise ins Hotel
16.00 Uhr  Präsidiumssitzung im Hotel
18.00 Uhr  Treffpunkt Hotellobby zum Get together und Abendessen: Fahrt mit der U 79 ab Düsseldorf Hbf Richtung Neuss bis zur Haltestelle Tonhalle. Dann 5 Minuten Spaziergang.
18.30 Uhr  Get together im Gewölbekeller 1641  »Vinho de Portugal«, Altestadt 6−8: Carlos Manuel Lopes Qiuintas erwartet Sie im ältesten privaten Gewölbe in Düsseldorf − direkt neben der Basilika St. Lambertus − zu einem Umtrunk mit Sekt, Orangensaft und Wasser. Auf Einladung des Landesverbandes NRW!
19.30 Uhr  Fahrt zum Abendessen: Fußweg bis Haltestelle Tonhalle und von dort mit der U79 in Richtung Vennhausen bis U-Bahnhof Oststraße
20.00 Uhr  Abendessen in der Hausbrauerei Schumacher (Selbstzahlerbasis), Oststraße 123, 40210 Düsseldorf, T: +49 (0) 211 828 9020: Seit über 175 Jahren steht der Name SCHUMACHER in Düsseldorf für bestes Altbier und traditionelle Gastfreundschaft. Genießen Sie den ersten Abend der DPG-Jahrestagung in stimmungsvoller Atmosphäre und genießen Sie leckeres Essen bei einem frischen Glas SCHU­MACHER ALT.

SAMSTAG, DEN 20.10.2018

09.30 Uhr  Treffpunkt Lobby CVJM Hotel 

Alternative A
10.00 Uhr  Teilnahme am IV. Kolloquium der Initiative ­Lisboa-Düsseldorf im Stadtmuseum zum Thema »Die soziale Stadt« − u.a. mit Vorträgen zur Sebastianus-­Schützenbruderschaft Düsseldorf und Casa Misericordia Lisboa: Mit der Tram 709 ab Stresemannplatz bis Haltestelle Poststraße, Fußweg zum Stadtmuseum, Berger Allee 2, 40213 Düsseldorf, ­T: +49 (0) 211 899 6170 
Die Initiative Lisboa-Düsseldorf/A Iniciativa ­Lisboa-Düsseldorf: Anlässlich der 150-jährigen Wiederkehr der Heirat der Düsseldorfer Prinzessin Stefanie von Hohenzollern-Sigmaringen mit dem portugiesischen König Pedro II. 1858 hat sich aus kulturinteressierten Bürgerinnen und Bürgern der Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine der Freunde Lissabon eine Initia­tive gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, auf der Basis der geschichtlichen Verbindung von Düsseldorf und Lissabon den kulturellen Austausch zwischen beiden Städten zu fördern. 

Alternative B
10.00 Uhr  Individueller Bummel über die Königsallee, durch die Altstadt, an den Kö-Bogen zum Carlplatz (Markt); U-Bahn ab Hauptbahnhof bis Kö / Steinstraße oder Heinrich-Heine Allee

Beginn Tagungsprogramm
13.00 Uhr  Mittagessen im Hotel: 3-Gang SB-Buffet und 1 Glas ­Mineralwasser
13.30 Uhr  Begrüßungskaffee/Check in vor dem Tagungsraum
14.00 Uhr  Beginn der Mitgliederversammlung im Raum Paris
15.30 Uhr  Kaffeepause mit Kuchen
18.00 Uhr  Ende der Tagung 
19.00 Uhr  Treff in der Hotellobby und Fahrt zum Restaurant Cave Tapas: Fahrt mit der U79 Richtung Vennhausen bis H Kettwiger Straße, Fußweg (ca. 350−400m) zum Cave Tapas, Erkrather Straße 218 b, 40233 Düsseldorf, T: +49 (0) 211 879 312 70 
20.00 Uhr  Abendessen (Geschlossene Gesellschaft) auf Einladung der DPG (Getränke Selbstzahler): Das Cave Tapas ist ein gemütlicher Treffpunkt und ein ­Restaurant mit echtem portugiesischem Lebensgefühl. 

SONNTAG, DEN 21.10.2018

09.30 Uhr  Treffpunkt Lobby CVJM Hotel
10.00 Uhr  Stadtrundfahrt im HopOn/HopOff City Tours ab Touristeninformation am Hauptbahnhof: Die ca. 1,5-stündige Fahrt führt Sie rund um und durch die Innenstadt der pulsierenden Metropole am Rhein. Das moderne HopOn-HopOff-Konzept ermöglicht es Ihnen, an jedem Haltepunkt auszusteigen und Ihre Lieblingsplätze in Ruhe zu entdecken. Über Kopfhörer (zehn Sprachen) erfahren Sie während der Tour mehr über die Sehenswürdigkeiten der Stadt.
12.00 Uhr  Ende der Tagung und individuelle Abreise 

Lage des Tagungshotels und Anreise: Das Tagungshotel liegt nur 200 Meter vom Düsseldorfer Hauptbahnhof entfernt. Es ist ein 3-Sterne Hotel mit Komfort bei relativ moderaten Preisen. 

Anreise mit der DB: Das CVJM Hotel hat für seine Hotel­gäste einen Vertrag mit der Deutschen Bahn, mit dem diese besondere Sparpreise für DB-Tickets in Anspruch nehmen können. Falls Sie mit der Bahn anreisen möchten, kontaktieren Sie bitte das Hotel wegen dieser Vereinbarung. 

VRR–Ticket: Alle Hotelgäste, die im CVJM Hotel übernachten, erhalten darüber hinaus unentgeltlich ein VRR–Ticket zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im gesamten VRR–Raum (Regionalbahnen, S-Bahnen, U-Bahnen und Stadtbusse).   

Anreise per Flugzeug: Wenn Sie per Flug zur Tagung anreisen und im Tagungshotel übernachten, wird Ihnen auf Anfrage das VRR Ticket vorab per Post zugesandt, damit Sie mit der S11 vom Airport bis Düsseldorf Hauptbahnhof fahren können.

Anreise mit dem PKW: Für PKW–Nutzer ist das Parkhaus Grupellostraße / Ecke Karlstraße, ca. 300m vom Hotel entfernt, geeignet. Die Parkgebühr beträgt 7 € pro Nacht. 

Kosten:
EZ inkl. Frühstück pro Nacht: 53,10 € 
DZ inkl. Frühstück pro Nacht: 71,10 € 
Die Preise verstehen sich pro Zimmer und Nacht inklusive Frühstücksbuffet, Service und der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Bitte buchen Sie gleich Ihr Zimmer, das Abrufkontingent »DPG 2018« gilt nur bis zum 15. September 2018

 
 

Kleine Schritte – große Wirkung?

Foto eines Weges in der Quinta da Regaleira

Weg in der Quinta da Regaleira · © Andreas Lahn

Kleine Schritte, große Wirkung?!

Als Mitglied aktiv sein · von Falk Zirnstein (Leipzig)

Mit dem Anliegen dieses Artikels mit der Tür ins Haus (des DPG-Mitglieds) fallen (im portugiesischen sagt man »ir direitamente ao assunto«) würde − im übertragenen Sinne − ggf. wie folgt ablaufen. Der Besucher kommt und sagt:

»Liebes Mitglied, die DPG ist nun mehr als ein ­halbes Jahrhundert alt, in diesem Alter hat man den Zenit des Lebens überschritten, die Kräfte schwinden, die Haare ergrauen und die wenigen Enkel haben viele (uns fremde) eigene Interessen − willst Du ­zulassen, dass die Gesellschaft altersschwach wird? Das wirst Du doch nach dem mühsamen und erfolgreichen Aufbau und Leben nicht ernsthaft wollen, deshalb lasse Dein Erbe nicht verfallen und mach was, z.B.:

  • Wirb ein neues Mitglied!
  • Besuche jährlich eine regionale Veranstaltung des Vereins!
  • Bringe eine Idee ein, eine solche Veranstaltung zu organisieren und unterstütze die Vorbereitung
    Schau auch immer mal in der Mitgliederversammlung vorbei!
  • Berichte von der (Existenz) der DPG!
  • Schreib einen Artikel für den DPG-Report, er muss nicht lang sein!
  • Sage, was Du neu, anders oder weiter so machen würdest!
  • Schon eine dieser Taten umgesetzt, wäre ein kleiner Schritt mit großer Wirkung, denn mutmaßlich würden sich andere von Dir berührt und aktiviert fühlen, viele kleine Schritte überwinden eine große Weg­strecke.«

So könnte und so müsste es meines Erachtens sein, wenn wir gemeinsam das Werk der vielen Jahre schöner Momente des Lebens in und mit der Gesellschaft für die Zukunft erhalten wollen. Dies bewegt mich und wie ich weiß viele andere in der Gesellschaft. ­Allen ist dabei sicher bewusst, dass es ein Leben ­außerhalb der Gesellschaft gibt und die Umsetzung immer auch eine Herausforderung ist. Gleichwohl erscheint es lohnenswert, an dem Vorhandenen aufzusetzen und es unter den aktuellen Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln. Junge Leute machen es uns vor, alle sozialen Medien haben den persönlichen Dialog und Kontakt von Angesicht zu Angesicht, dass individuelle persönlichen Netzwerk nicht beseitigt, nein ich wage die These, auf andere Art und Weise ist auch deren Leben durch neue Formen des ersten Anknüpfens und Pflegens des Kontakts auf der persönlichen Ebene breiter geworden, allerdings auch die Interessenlage und dass Desinteresse für Althergebrachtes. Häufig sind es aber schlichtweg fehlende Informationen und Erfahrungen, welche Perlen möglicher Aktivitäten ungesehen am Wegesrand liegen. Auf uns aufmerksam zu machen, andere und ins­besondere auch Jüngere für Portugal, das wechselseitige kulturelle Erbe sowie die gemeinsamen ­sozialen Themen beider Länder bzw. des lusophonen Welt insgesamt zu interessieren und zum mitgestalten zu aktivieren, wird eine Herausforderung sein, die sich aus dem demographischen Wandel auch der DPG nicht nur abzeichnet, sondern laut an der Tür klopft; das Problem ist schon durch die Tür hereingefallen.

»Wirb ein Mitglied, Besuche eine Veranstaltung, …« − wie könnte das Aussehen? Diese Frage beantwortet sich nicht allgemein und schon gar nicht leicht. Gleichwohl kennt jeder eine Vielzahl vielfältig interessierter Menschen, manchmal muss man vielleicht auch direkt auf eine Person zu gehen, von der man weiß, dass sie einen Bezug zu diesen Thema hat. Und es wird tatsächlich auch eine Illusion sein, dass es jedem gelingt innerhalb eines Zeitraums von ein oder zwei Jahren ein neues Mitglied zu gewinnen. Die Erfahrung zeigt aber auch, manchmal geht es einfacher als man selbst wahrgenommen hat, der plakative Satz »Kommunikation ist alles!« bewahrheitet sich häufig auch in diesen Kontext. Ich möchte also dazu animieren über das Land, über die Kultur mit anderen in den Dialog zu treten und vielleicht lässt sich der eine oder andere auch dafür gewinnen, sich mit diesem Thema (begleitet durch eine Mitgliedschaft) in bester Gemeinschaft mit den Vereinsmitgliedern zu begeistern und mit zu gestalten.

Eine Veranstaltung zu besuchen ist sicher ein erster und naheliegender Schritt, insbesondere als Gast. Eine solche organisiert sich natürlich nicht von allein. In Leipzig haben wir die Erfahrung gemacht, dass weniger mehr ist, das aber konsequent umgesetzt. Eine Veranstaltung im Jahr in den Fokus nehmen, ­zuletzt die Organisation eines Konzerts mit portu­giesischen Studenten und einer überraschenden ­Besucherzahl von über 200 Besuchern, ein bis zwei­jähr­liche Treffen bei einem Essen zum Austausch untereinander, mehr ist häufig nicht machbar, gegebenenfalls auch vielleicht nicht genügend im Sinne eines Anspruches, aber ausreichend um gesellschaftliches Leben in der DPG zu gestalten, das persönliche Bereicherung ist, ohnehin unschätzbar und sei es schlichtweg der gute Kontakt zu lieben Menschen, denen man sich mit und über den Verein persönlich nah gekommen ist.

MITGLIEDER-Versammlung heißt das jähr­liche Treffen, umrankt von einer Reihe ­spannender erlebnisreicher kultureller und persönlicher Impulse, immer auch an einem lohnenswerten Reiseziel. Nicht jeder kann zu jedem Termin und für manchen ist es insgesamt ein Erschwernis, teilzunehmen. Das wird sich nicht ändern, liegt in der Natur der Sache und es ist eben auch so, dass es andere Möglichkeiten gibt, sich als Mitglied einzubringen; gerade die Vielfalt der Möglichkeiten gibt jedem eine Chance, mitzumachen (und von dem durch andere Getanen zu partizipieren). Gleichwohl: Fahrgemeinschaften, der ­Besuch nach langer Zeit oder welche Rahmenbedingung oder Motiv auch in diesen Kontext steht − wer die Zeit investiert und den Nerv hat teilzunehmen, kehrt bereichert zurück und hat vielleicht auch aktiv mitgestaltet.

Kommt man mit Fremden oder Freunden ins Gespräch, sind Berichte über Reisen und ­Urlaubsziele schnell ein Thema. Portugal ist ­beliebt, bekannt und besucht haben es schon viele. Dieser Anknüpfungspunkt bietet häufig auch die Gelegenheit darüber zu berichten, dass man Mitglied der Gesellschaft ist, die ­Frage des Gegenüber: »Was machst DU, was ­machen DIE da?« ergibt sich dann schon fast zwangsläufig und schon ist man im Gespräch über die eigene Geschichte darüber, wie man zur Gesellschaft gekommen ist, was sie tut und durch welche Impulse der Bezug zu Portugal das eigene Leben bereichert. Schon das Wissen über die Existenz der Gesellschaft bringt häufig neue Anknüpfungspunkte für gemeinsame ­Aktivitäten oder auch eine spätere Mitgliedschaft. Und bleibt es beim schlichten Dialog darüber, welche Erlebnisse man rund um das Thema Portugal hatte, war es vielleicht auch einfach ein schönes Erlebnis darüber zu sprechen und sich auszutauschen. Mit etwas Glück hat man auch noch einen eigenen Impuls ­bekommen, welches Thema man weiterverfolgen sollte.

Ein kurzer Bericht im DPG-Report über ein Erlebnis in Portugal, eine Begegnung hier in Deutschland, eine Aktivität ist schnell geschrieben und feingeistiger literarischer Schliff ist hier nicht der Maßstab. Einfach, authentisch, kurz, informativ − das wird gelesen und das gibt uns allen Impulse. Andreas Lahn, der Chef­redakteur des DPG-Report hat es in der zweiten von ihm verantworten Auflage gut gesagt: Es liest sich doch irgendwo auch schön, seinen eigenen ­Artikel gedruckt zu sehen, verbunden mit seinem ­Namen und löst sicher die eine oder andere Freude und vielleicht auch stolz auf das Geleistete aus. »Trau Dich«, würde man sagen, wenn man in die Tür fällt und die oben genannten Ausführungen ergänzen wollte.

Neue Ideen einbringen, aktuell getanes hinterfragen und bewährtes in seiner Wirkung unterstützen − es gibt viele Möglichkeiten auch einfach ­einmal zu sagen und in den Dialog darüber zu ­treten, wo wir stehen und wo es hingehen kann oder sollte.

Nicht alles wird bequem sein, solange persönliche Befindlichkeiten und Angriffe nicht den Maßstab des Dialogs bilden, darf alles gesagt sein und werden. Kritische und konstruktive Dialoge sind wichtig, ­haben in den letzten Monaten vieles ­bewegt und ­insofern auch gezeigt, dass die Gesellschaft lebt, ­weitere Impulse aber eben auch braucht.

Das Ganze ist gesagt, ohne im Vorstand ein Amt zu bekleiden, fern von der Zentrale aus einer sich dynamisch entwickelnden Leipziger Stadtperspektive ­betrachtet und begleitet von dem Umstand, dass das Arbeitsleben viel Zeit bindet, in der Privates und auch dieses Leben in der Gesellschaft eher zurücksteht. Und doch bereichert mich gerade das Leben in dieser Gesellschaft, die sich einem Land und einem Sprachraum gewidmet hat, dessen Sprache ich nicht beherrsche, eine Region, deren Schönheit ich mir erst den letzten 2 Jahren durch persönliche Besuche erschlossen habe und genau das motiviert das Engagement, mit dem ich mich auch weiter einbringen werde. Ich habe Menschen kennengelernt über ein Thema, ­welches eher fern meiner Interessen lag, wurde ­begeistert und will und werde begeistern.

In einigen Regionen gibt es vielfältige und umfassende Aktivitäten, dies belegt eindrucksvoll, dass die Gesellschaft ein guter Ort ist, sich auszutauschen, zu treffen und den Vereinszweck umzusetzen. Mit ­meinen − sicher streitbaren − Überlegungen möchte ich insbesondere dort Anregung stiften, wo es aus vielerlei und hinsichtlich der Ursache auch nicht zu hinterfragenden Gründen weniger gelungen ist, das Vereinsleben auszugestalten und weiterzuent­wickeln.

Dieser Artikel, ein kleiner Schritt in jene Richtung, die mir wichtig erscheint − das Leben der Gesellschaft fortzuentwickeln − hat Zeit gekostet, die ich gern aufgebracht habe, hat sie mir doch bewusst gemacht, welchen Wert die Gesellschaft für mich hat.

Fallen Sie mit der Tür vielleicht nicht ins Haus, aber öffnen Sie Türen, gehen Sie durch solche und fühlen Sie sich animiert, eine Idee, eine Tat, was auch immer einzubringen oder Impulse zu setzen.

Im Gespräch mit Michael W. Wirges (DPG)

»Wer in Berlin lebt, dem wird nicht langweilig«

Michael W. Wirges ist seit 18 Monaten Präsident der DPG. Er spricht über Portugal, Deutschland, sein Leben in Berlin und über die DPG • Fragen von Andreas Lahn

Du bist in Lissabon geboren. Deshalb stellt sich natürlich sofort die Frage: Sporting oder Benfica?
Michael W. Wirges: Obwohl meine Schule näher am Sporting-Stadion liegt, bin ich Benfica-Fan, weil das Krankenhaus meiner Geburt im Stadtteil Benfica liegt. Ich muss aber auch sagen, dass ich nicht viele Spiele gucke. Nur die wichtigen…

Und für wen bist du, wenn Deutschland gegen Portugal spielt?
Ich habe die Frage schon mal so beantwortet: In der ersten Hälfte bin ich für Deutschland und in der zweiten für Portugal. Aber mein Herz schlägt natürlich für Portugal.

Als Kind bist du auf die »Deutsche Schule« gegangen. Wie lange hast du in Lissabon gelebt und warum seid ihr fortgegangen?
In Lissabon habe ich nur mein erstes Lebensjahr verbracht. Wir sind 1954 in die Nähe von Estoril gezogen. Dort und in Cascais habe ich meine Kindheit verbracht. Später auch in Lissabon, weil ich dort auf die Oberschule gegangen bin.
Mein Vater stammt aus der Nähe von Köln. Er ist Mitte der zwanziger Jahre ausgewandert. Meine Mutter stammt aus Sachsen. Sie hat von 1936 bis 1938 bei einer deutsch-­portugiesischen Familie als Au-pair-Mädchen gearbeitet. Da mein Va­ter ein Freund der Familie war, haben sie sich eines Tages kennengelernt. Meine Mutter ist nach Sachsen zurückgekehrt, um ihr Studium zu beenden. Während des Krieges haben sie sich geschrieben. Und danach hat mein Vater ihr vorgeschlagen, nach Portugal auszuwandern.
Ich war nach der Schule zur Ausbildung als Hotelkaufmann ein Jahr in Deutschland, am Tegernsee. Im Oktober 1972 bin ich nach Portugal zurückgekehrt, um bis Oktober 1974 ein Praktikum am Lisboa Sheraton Hotel anzutreten.

Du hast während der Nelken-Revolution in diesem Hotel gearbeitet. Wie hast du den Sturz der Diktatur aufgenommen?
Den Sturz der Diktatur vom 24. auf den 25. April 1974 habe ich live miterlebt, weil ich als Praktikant Nachtdienst hatte. ­Einen Monat später bin ich nach Paris gegangen, um meine Stelle im dortigen Sheraton-Hotel anzutreten. Damals war das Hotel das größte in Europa. Das hatte keine politischen Gründe, sondern war schon länger geplant.

Wann und warum bist du nach Deutschland gekommen?
Ich war zwei Jahre in Paris, habe dort gelebt und gearbeitet, und immer wieder nach Portugal geschaut, ob sich die Lage dort beruhigt, denn in Portugal ging zu dieser Zeit alles drunter und drüber. Da eine Besserung nicht in Sicht war, habe ich beschlossen, erst einmal nach Deutschland zu gehen. Ich habe ein Jahr für das Sheraton in Frankfurt gearbeitet und wurde dann nach München versetzt. Dort war ich circa vier Jahre. Der Verdienst war nicht üppig und ich wollte keinen Schichtdienst mehr machen. Deshalb  habe ich entschieden, bei einer kleinen Firma alles zum Thema Indus­trieexport zu lernen. Im Oktober 1980 bin ich nach Berlin gezogen und habe mich bei der Industrie- und Handelskammer zum Industriefachwirt umschulen lassen.

Du hast ein halbes Leben als Exportkaufmann für Bombardier in Berlin gearbeitet. Was hast du dort hauptsächlich gemacht?
Ich habe dafür gesorgt, dass Maschinen und Maschinenteile versendet wurden, habe Angebote geschrieben, den Transport, die Zollabwicklung und Bankpapiere organisiert. Bis 2016, allerdings nicht nur bei Bombardier, sondern zunächst bei kleineren Firmen. 1985 bin ich zur AEG gewechselt, die jedoch in die Pleite rutschte. Ich habe einen neuen Arbeitsplatz bei der Waggon Union Gmbh gefunden, die Waggons für die Alliierten gebaut und repariert hat, und Doppel­decker-Busse für Berlin, Lübeck und Bagdad. Sie wurde mit anderen Firmen zu Adtrans, die im Jahre 2000 von Bombardier übernommen wurde. Ich habe 30 Jahre für das gleiche Unternehmen gearbeitet, obwohl ungefähr fünfmal der Unternehmer gewechselt hat.
Letztes Jahr wurde ich verabschiedet, habe mich zwei Jahre für die Altersteilzeit verpflichtet, ein Jahr aktiv und ein Jahr passiv, das Ende September zu Ende geht. Am 1. Oktober gehe ich in meinen wohlverdienten offiziellen Ruhestand.

Jeder Portugiese reist so oft es geht nach Portugal. In welche Regionen fährst du?
Ich fahre am liebsten in die Region Lissabon, weil dort Freunde und Bekannte leben und ich das Grab meiner Eltern und meines Bruders auf dem deutschen Friedhof aufsuche. Meine Freunde in Lissabon, Estoril, Cascais, Sintra und anderen Orten freuen sich jedes Mal, wenn ich komme − und ich mich natürlich auch. Ich möchte auch mal wieder an den ­Algarve fahren. Weitere Reiseziele sind Madeira und die Azoren.

Liest du Bücher und Zeitungen lieber auf deutsch oder auf portugiesisch?
Da ich Deutscher bin, lese ich vorwiegend auf deutsch, aber ich nehme auch portugiesische Schriftstücke in die Hand und beziehe zwei Zeitungen. Meinen Freunden in Portugal schreibe ich natürlich auf portugiesisch.

Musik von Madredeus und der Fado von Amália Rodrigues, Mariza, Mísia, Ana Moura etc. werden weltweit bewundert. Ist das auch deine Musik?
Ja, selbstverständlich! Das ist ein Mix aus dem ursprünglichen Fado mit Folklore, Jazz und ein bisschen Pop. Exemplarisch dafür ist die Gruppe Sina Nossa. Ich bin noch die alte Fado-Zeit aus den 60er und 70er Jahren gewohnt, wo der konserva­tive Fado noch unter Beobachtung Salazars und dem Estado Novo stand: Carlos do Carmo, Amália Rodrigues etc. Von den jungen Leuten wurde er weitgehend abgelehnt. Nach der Revolution ist eine neue Generation von Fado-SängerInnen entstanden. Die haben einen neuen Fado entwickelt, der auch die Jugend anspricht und von ihr akzeptiert wird.

Es heißt, es gäbe für jeden Tag des Jahres ein andere Art, Bacalhau zu servieren. Welches ist dein Lieblings-Rezept?
Ich schätze viele Arten von Bacalhau, aber am liebsten mag ich Bacalhau à Brás. Das Gericht esse ich nicht nur in Portugal, sondern auch in Berlin. Ich habe auch nichts einzuwenden ­gegen ein kräftiges Mahl aus dem Alentejo oder einer anderen Region.

Eines deiner Hobbys ist das Rad fahren. Ist das für dich ehrgeiziger Sport oder nutzt du die Zeit in der Natur, um abzuschalten?
Ich bin gerne Radfahrer. Aber kein Rennradfahrer, sondern eher der gemütliche. Ich fahre gerne in Berlin, hauptsächlich in meinem Kiez im Westend, in Charlottenburg. Ich mache auch Radtouren z. B. durch Brandenburg. Einmal im Jahr ­fahre ich mit meiner Schwägerin durch Holland. Von Enschede, Groningen oder Alkmaar aus fahren wir fünf Tage durch Nord-Holland, schauen uns schöne Landschaften an, gehen ins Museum oder ­besuchen ein Konzert. Dieses Jahr war ich in Amsterdam, um diese herrliche Stadt kennenzulernen.

Du bist seit 18 Monaten Präsident der DPG. Hast du dich mittlerweile an die Anforderungen dieses Amtes gewöhnt oder bist du immer noch in der »Lernphase«?
Ich bin eigentlich immer in der Lernphase. Wir lernen ja jeden Tag etwas dazu. Ich bin 2001 in die DPG eingetreten. Kurze Zeit später hat Harald Heinke mein Potential erkannt und mich ins Präsidium berufen. Dort war ich lange als einer der vier Vize-Präsidenten tätig. Ich habe vor allem von Harald Heinke viel gelernt und bin so in die Aufgaben hineingewachsen. Ich war also kein Anfänger mehr, als ich 2016 gewählt wurde, und wusste, was auf mich zukommt. Es sollte ja jemand sein, der sich auskennt mit Deutschland, Portugal, den beiden Sprachen und den Mentalitäten. Wichtig war für Harald Heinke, dass die zu wählende Person in Berlin ansässig ist.

Ist alles so gelaufen wie erwartet oder ist etwas besonders Schönes, Komisches oder Ungewöhnliches passiert?
Eine Sache war besonders schön und auch komisch: Ich wachte Anfang März auf, saß an der Bettkante, schüttelte meinen Kopf und sagte zu mir: Mein Gott, Michael, jetzt bist du Präsident der DPG! Da lief mir ein Schauer über den Rücken, und ich fragte mich, ob das wohl gutgehe… Ich begreife das Amt als Herausforderung, als Dienst an der Freundschaft zu Harald Heinke, seiner Frau Gabi, zum Präsiduum und zur DPG ingesamt.

Vom 20. bis 22.10.2017 findet die Jahres­tagung der DPG in Erfurt statt. Warum sollten noch mehr Mitglieder als sonst daran teilnehmen?
Bisher hatten wir immer 40−60 Anwesende. Ich würde es natürlich begrüßen, wenn mehr kämen. Wir haben 350 Mitglieder in Deutschland und Portugal. Ich wäre froh, wenn wenigstens 1oo kämen. Ich fordere nochmals alle Mitglieder auf, nach Erfurt zu kommen. Schließlich ist es schön, über Portugal zu sprechen und sich über Kultur auszutauschen. Je mehr Außenstehende davon erfahren, desto besser ist das für die DPG. Das ist eine Art Schneeball- oder Synergie-Effekt.

Persönlich und bezogen auf die DPG: Welche Ziele hast du für die Zukunft?
Wir müssen ein stabiler und erfolgreicher Verein bleiben, der sich weiterentwickelt und es schafft, jüngere Menschen für die Mitarbeit in der DPG zu begeistern, für Portugal, die portugiesisch-sprachige Welt und Kultur. Der Verein wurde ja 1964 gegründet und 1990 erweitert durch die Freundschaftsgesellschaft DDR/Portugal. Wir sind zusammengewachsen. Außerdem möchte ich noch einige Reisen im Inland machen und auch im Ausland wie z. B. auf die Kapverdischen Inseln.

Der Kontakt zur portugiesischen Botschaft ist immer wichtig für die DPG. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Botschafter João Mira Gomes? Gibt es etwas zu verbessern?
Die Zusammenarbeit mit dem Botschafter und seinem Team läuft sehr gut. Ich bin froh, dass wir uns oft treffen, auch zu Kunst- und Kulturveranstaltungen. So können wir zusammen auftreten, auch mit dem Instituto Camões. Es hat in der letzten Zeit in Berlin einige Lesungen gegeben, die wir zusammen mit der Botschaft und dem Instituto Camões durchgeführt haben. Das freut mich sehr!

Die Regierung von António Costa hat den Mindestlohn angehoben, Renten und Sozialleistungen für Geringverdienende erhöht, die 35-Stunden-Woche im Öffentlichen Dienst eingeführt etc. und zahlt Staatsschulden trotzdem pünktlich zurück. Ein kleines Wunder, das größte Anerkennung verdient, oder?
Selbstverständlich. Toll, dass es mit ­Portugal wieder aufwärts geht. Selbst Finanzminister Schäuble hat Portugal gelobt. Der Tourismus hat stark zugenommen. Die Portugiesen sind jedoch noch unzufrieden, weil bei ihnen viel gekürzt wurde, wodurch sie viel leiden müssen. Bis 2020 will der Staat aus der Schuldenfalle raus sein.

Du lebst seit 36 Jahren in Berlin. Was gefällt dir an dieser Stadt und was nicht?
Ich mag die heitere, lockere Art der Berliner, auch wenn sie bisweilen sehr frech sind. Doch so ist die Berliner Schnauze eben. Man muss auf humorvolle Art und Weise kontern können. Dann wird man akzeptiert. Ich mag die offene Art und die Stadt selbst: Häuser, Hochhäuser und man ist schnell im Grünen, in Müggelsee, Wannsee, Grunewald. Und dann ist da ja auch noch die hochkarätige Kultur. Wer in Berlin lebt, dem wird nicht langweilig. Und wenn doch, ist er selber Schuld! Das gilt für das Jahr 2017. Noch in den 1980er Jahren waren wir jedoch umzingelt von einer schrecklichen Mauer, die undurchlässig war. Wenn man raus wollte, musste man Anträge stellen und sich Visa von den DDR-Behörden holen. Ich bin froh, dass die Mauer weg ist. Ich ­erzähle meinen erwachsenen Söhnen von der Existenz dieser Mauer, damit so etwas nie wieder passiert. Ich lebe hier gern. Und Berlin wird auch meine letzte Adresse werden. Ich gehe von hier nicht weg und werde meine Zeit als Rentner auf keinen Fall am Algarve verbringen!

»Ó mar salgado, quanto do teu sal são lágrimas de Portugal!« Was denkst du über diese Worte von Fernando Pessoa?
Ein sehr schöner Spruch: »Oh du salziges Meer, wie viel von deinem Salz sind Tränen Portugals!« Die Portugiesen sind zwar ein heiteres Volk, aber sie lamentieren auch gerne. Auch über ihr Land. Und sie leiden. Ich denke, dass dieser Spruch richtig gut zu Portugal passt.

Die Sardinhada im Juni in Berlin hat allen BesucherInnen große Freude bereitet. Deshalb schlage ich vor, sie zukünftig einmal im Monat zu feiern. Was meinst du?
Ein- bis zweimal im Jahr ist das wunderbar. Jeden Monat wäre es irgendwann langweilig und würde dem Fest seinen Reiz nehmen.

MICHAEL W. WIRGES ist am 23.4.1953 in Lissabon geboren. Dort, in Estoril und Cascais verbringt er seine Kindheit. Er lernt Hotelkaufmann und arbeitet für die Sheraton-Hotels in Lissabon, Paris, Frankfurt und München. 1980 zieht er nach Berlin. Nach der Umschulung zum Industriefachwirt durch die IHK arbeitet er 35 Jahre als Exportkaufmann in verschiedenen Unternehmen. Am 1.10.2017 geht er in Rente.

Michael W. Wirges ist ledig und Vater zweier erwachsener Kinder. Im Jahre 2001 tritt er in die DPG ein und wird im Februar 2016 deren Präsident. Er fotografiert viel, fährt gerne Fahrrad, singt im Jazz-Chor, hört Musik und beschäftigt sich mit Kunst und Historischem. Er liest gern Texte von Fernando Pessoa, Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke. Seine Lieblingsfarben sind dunkelblau und dunkelgrün.