Kategorie: PR76

Spannende Begegnungen in Paraty (Brasilien)

Foto von Paraty (Brasilien)


Eindrücke von einer Reise nach Brasilien • von Catrin George Ponciano

> Brasil tem muitos rostos, sagt der Volksmund. Brasilien hat viele Gesichter. Das Lebenslos für den Großteil der Bevölkerung in Brasilien kann kaum stärker sichtbar werden, als auf einer Fahrt von Rio de Janeiro vom internationalen Flughafen Galeão durch kilometerlange Favela-Siedlungen bis zur Stadtgrenze − und von dort an weiter in die Serra de Bocaine bis nach Paraty in den idyllischen, einst portugiesischen Goldgräberhafen im Fjord Bahía de Paraty, etwa 250 Kilometer südlich von Rio, Richtung São Paulo gelegen.
Der Blick aus dem Busfenster auf die Suburbien von Rio de Janeiro deprimiert. Die Elendsviertel der Millionenmetropole wachsen stündlich. Das Material für die Kubus förmigen Behausungen, finden ihrer Erbauer auf der Straße. Im Müll. Auf stillgelegten Baustellen. In Neubauten und in Ruinen. Alles Baumaterial wird recycelt verwendet, bis man vier Wände und ein Dach hat. Man baut nebeneinander, übereinander, hintereinander und wieder übereinander. Die Hütten-Stufen klettern die Berghänge rund um Rio hinauf, fräsen sich hinein in Täler, an Ausfallstraßen entlang.
Die Favela-­Bewohner richten sich ihr Leben ein mit allem, was ihnen unter die Finger kommt. Man behilft sich. Irgendwie. Wenn möglich legal. Wenn nicht, dann illegal. Alle behelfen sich und hoffen, dass es eines Tages anders wird, vielleicht besser, aber Hauptsache anders. Seit den letzten Präsidentschaftswahlen ist es anders. Schlimmer. Der soziale Abgrund klafft noch dunkler und noch tiefer auf für die Cariocas in den Favelas, allen voran für alleinstehende Frauen, und hier speziell für Frauen mit afro-brasilianischem oder indigenen Familienhintergrund.
Die Fahrt von Rio nach Paraty mit dem Bus dauert mit viel Glück und ohne Baustellen, Polizeikontrolle oder Stau, sechs Stunden. Die Hauptverbindungsstraße ist eine Schlaglochpiste, die der Busfahrer mit durchgetretenem Gaspedal nimmt. Die Klimaanlage im Bus steht auf eisgekühlt. Es ist Winter auf der Südhalbkugel der Erde. In der tropischen Bergregion rund um den Fjord herrschen 90% Luftfeuchtigkeit. Das Thermometer zeigt 26°C an. Muito frio, sagen die brasilianischen Mitreisenden. Im Juli wird es in Brasilien früher dunkel als in Portugal. Halb sechs Uhr dämmert es. Der Bus erreicht Paraty. Die Serra de Bocaine erhebt sich bis 2000 Meter Höhe rund um die Bahía de Paraty und umarmt den größten Fjord in Südamerika wie ein Schutzwall, der dieses winzige Paradies gegen die Großstadt-Molochs im Süden und im Norden abschirmt.
Im 17. und 18. Jahrhundert als Verladehafen von portugiesischen Goldgräbern und Großgrundbesitzern genutzt, strahlt Paraty exakt den charakteristisch historischen Charme eines Fischerortes aus, wie man ihn sich im Regenwald an der Küste vorstellt. Die einstöckigen Häuser mit ihren bunt eingefassten Fenster und Türen vermitteln augenblicklich ein Stück Portugal. Alle drei Kirchen erinnern an Gotteshäuser im ländlichen Portugal. Man feiert gerade die heilige ­Santa Rita. Die Stadt ist geschmückt mit bunten Wimpeln mit dem Antlitz der ­Maria Rita darauf gedruckt. Die Straßen von Paraty sind gepflastert mit großen runden Steinplatten, die durch das Jahrhunderte lange Befahren und das Einschwemmen von Meerwasser während der allmonatlichen Vollmondphase, die Wege holprig befestigen. Hier spaziert man von Stein zu Stein und trainiert den Gleichgewichtssinn.
Die Altstadt von Paraty atmet Party­laune ein und aus. Bars, Souvenir­geschäfte, schicke Restaurants sind Etablissements für diejenigen, die Paraty besuchen − für ein Wochenende, für Sommer­urlaub oder für eine der unzähligen kulturellen Veranstaltungen, die das ­gesamte Jahr hier geboten werden.
Für die Einwohner von Paraty gehört ein Besuch in einem Restaurant in der Altstadt nicht zum Alltag. Dafür arbeitet ein Großteil der Bevölkerung in der Gastronomie und Hotellerie und partizipiert auf diese Weise.
Im Juli war Paraty auch in diesem Jahr wieder Bühne für eine Buchmesse der etwas anderen Art. FLIP − die 17. Festa Literária Internacional de Paraty (https://www.flip.org.br/) − vereint in einem Straßenfest vier Tage lang die brasilianische mit der internationalen Literaturlandschaft. Unterstützt unter anderem von der Frankfurter Buchmesse mit einer Delegation deutscher Autoren und Verlagsfachleuten sowie vom Goethe-Institut Rio de Janeiro mit deren Transport und Unterbringung, und von vielen anderen Kulturinstitutionen aus Europa, verkörpert FLIP eine Schnittstelle zwischen südamerikanisch und europäisch geprägter Literatur und verleiht dem Event ein einmalig exotisches und gleichzeitig internationales Flair. Beteiligte Verlage mieten Ferienhäuser und transformieren diese in Casa Begegnungsstätten, in denen Debatten, Lesungen, Vorträge, ­Podiumsdiskussionen und andere Event-­Formate rund um das Buch stattfinden, und die die ansässige Bevölkerung, eigens angereiste Messebesucher sowie Literaturkollegen aus ganz Brasilien und Europa zusammenführen.
In diesem Jahr vibrierte FLIP besonders unter der wachsenden Angst vor Zensur in Brasilien. Das Thema, ob und wie Kritik am Bolsonaro-Regime künftig mögliche Repressalien provoziert, wurde politisch, gesellschaftskritisch und ethisch mit Argumenten untermauert. Gerade die ausländischen Mitwirkenden beäugten diese neue Gefahr in ihrem Gastland kritisch und äußerten sich offen in Vorträgen unter anderen über Menschenrecht, Erinnerungskultur, Pressefreiheit, Homosexualität.
Von morgens bis nachts wurden Bücher und ihre Autoren vorgestellt, inländische wie ausländische, Genre querbeet. Paraty summte den Buchstaben-Blues der weiten Welt, atmete Geschichten über ferne Länder ein und kraftvolle ­Poesie aus, wurde konfrontiert mit Bestseller-Autoren, die ihre in viele Sprachen übersetzten Werke vorstellten, und mit Müllfrauen aus São Paulo mit ihrem preisgekrönten Kochbuch darüber, wie man weggeworfene Lebensmittel in Nahrung transformiert. Jedes Mittel zu Ausdruck fand eine Bühne. Poetry-Slam, Rap, Samba, Musik, Theater. Neben Buchpräsentationen gab es jede Menge Live-Acts auf dem FLIP Praça Aberta, in den Casas, in den Gassen der Altstadt von Paraty, die just drei Tage vor FLIP-Beginn zum ­UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Die harmonisch funktionierende Interaktion und Integration zwischen den lokalen steinzeitlich bis mittelalterlichen Kulturspuren und den überlebenden ­indigenen nach wie vor ansässigen Stäm­men formen eine einzigartige Kulturidentität. Dies und die schützenswerte Flora und Fauna in dieser fünftgrößten biodiversen Regenwaldlandschaft weltweit gaben den Ausschlag für die Erhebung. (https://whc.unesco.org/en/list/1308/)
Die UNESCO-Erhebung ist wichtig für Paraty − besonders für die Anwohner. Mit den künftigen finanziellen Kulturfördermitteln können die Altstadt und die Natur erhalten und für die Anwohner in den Randgebieten bessere Konditionen geschaffen werden. Dazu zählen sanitäre Einrichtungen, geregelte Müllabfuhr, Spielplätze, Arbeitsplätze, urbane Landwirtschaft, damit das idyllische Gesicht von Paraty und die lokale Kulturidentität nicht genauso verwahrlosen wie die von Rio de Janeiro.
Beim Abschied von Paraty, von FLIP, von Brasilien wiegt der Koffer schwerer als bei der Ankunft. Liebenswerte Erinnerungen an intensive Begegnungen mit Ádria, Mara, Renata, Alme­rinda und unzähligen anderen Frauen, die auf ihre Weise Brasiliens Zuständen den Kampf angesagt haben und versuchen, aus ihren Lebensumständen trotzdem das Beste zu machen, unabhängig davon, ob als Müll-Frau in São Paulo oder als Angestellte in einer Kulturinstitution, erfüllen mein Herz mit Licht.
Die Erinnerungen an FLIP in Paraty, an den Ausflug an Bord hinein in die Inselwelt der Bahía bis zur Insel Ilha Grande, die Begegnung mit Daniel, dem Bootseigner, und Talita, der Umweltaktivistin, das paradiesische Zusammentreffen mit der brasilianischen Tropenwelt und ihren exotischen Vögeln, Reptilien, Affen und Fischen und auch der Sprung mit Taucherbrille in die Meereslagune markieren mein Leben für immer. Licht und Schatten sind mir in Brasilien begegnet, die unterschwellig allgegenwärtige Angst vor der Zukunft ebenso. Die Schönheit der Landschaft hat mich fasziniert, die Liebenswürdigkeit der Menschen, denen ich begegnet bin, überwältigt, die Armut und ihre Ausweg­losigkeit trostlos berührt.

Portugal in der Diskussion: Eine Tagung in Chemnitz

Foto von der Gedenkfeier auf dem Largo do Carmen in Lissabon (2014) zur Erinnerung an die Nelken-Revolution 1974

Portugal im deutsch-deutschen Fokus
Zwischen Diktatur, Kolonialkrieg, Revolution und Demokratie (1960–1990)«

Technische Universität Chemnitz, Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften Professur Kultureller und Sozialer Wandel

Veranstaltungsort: Zentrum für Materialien, Architekturen und Integration von Nanomembranen (MAIN), Rosenbergstraße 6, 09126 Chemnitz

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aktualisiertes Programm (20.11.2019)

DONNERSTAG, 5.12.2019
8.30–8.45 Uhr: Begrüßung und Einführung
 
8.45–10.15 Uhr: PANEL 1 – Der westeuropäische Rahmen
Moderation: Bernd Rother
• Hermann Wentker (Institut für Zeitgeschichte Berlin): Die Westeuropapolitik der DDR und die deutsche Frage 
• Michael Dauderstädt (ehemals Friedrich-Ebert-Stiftung): Die Europäisierung der portugiesischen Wirtschaft und der westdeutsche Beitrag 1975–1990
 
10.15–10.45 Uhr: Kaffeepause
 
10.45–12.15 Uhr: PANEL 2 – Diktatur und Kolonialkrieg 1961–1974
Moderation: Thomas Weißmann
• Nils Schliehe (Uni Hamburg): Von Geschäften, Gewehren und guten Beziehungen – Die Unterstützung der BRD für die Kolonialkriege des Estado Novo
• Hans-Joachim Döring (Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum Magdeburg): Die Unterstützung der DDR für die afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen
 
12.15–13.30 Uhr: Mittagspause
 
13.30–14.30 Uhr: Diskussionsrunde: Deutsche und das demokratische Portugal
Moderation: Teresa Pinheiro
Henry Thorau (Prof. i.R. Trier), Michael Vester (Prof. i.R. Hannover) und Rainer Bettermann (Universität Jena)
 
14.30–14.45 Uhr: Kaffeepause
 
14.45–16.45 Uhr: PANEL 3 – Portugal als Ost-West-»Politikum«: Deutsche Perspektiven der Nelkenrevolution. 1974–1975
Moderation: Michael Duderstädt
• Antonio Muñoz Sanchez (ICS Lissabon): Grundrisse einer unerwarteten linken Revolution während des Kalten Krieges 
• Bernd Rother (Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung Berlin): »Die Nelken brauchen jetzt Wasser« – Das Portugal-Engagement der SPD im internationalen Rahmen
• Gert Peuckert (Deutsch-Portugiesische Gesellschaft): »Hände weg von Portugal!« Die SED und die Nelkenrevolution
 
16.45–17.00 Uhr: Kaffeepause
 
17.00–18.15 Uhr: «Viva Portugal»: Eine kommentierte Filmvorführung mit dem Regisseur Malte Rauch
Moderation: Teresa Pinheiro
 
20.00 Uhr: Gemeinsames Abendessen
 
 
FREITAG, 6.12.2019
8.45–10.00 Uhr: 54 Jahre Portugal Erfahrung – ein Rückblick von Bodo Freund (Prof. i.R. HU Berlin)
Moderation: Uwe Optenhögel
 
10.00–10.15 Uhr: Kaffeepause
 
10.15–11.45 Uhr: PANEL 4 – Die Agrarreform als Utopie der deutschen Linke 
Moderation: Antonio Muñoz Sánchez
• Michael Vester (Prof. i. R. Universität Hannover): Die Agrarreform: Zwischen moralischer Ökonomie und kultureller Tradition 
• Regina Grajewski (Thünen-Institut Braunschweig): Göttinger (Agrar-) Studierende in einer Reisanbaukooperative am Rio Sado
 
11.45–13.00 Uhr: Mittagspause
 
13.00–15.00 Uhr: PANEL 5 – Kontaktzonen
Moderation: Nils Schliehe
• Uwe Optenhögel (Foundation for European Progressive Studies Brüssel): Unicidade und die Folgen: Portugals Gewerkschaftssystem und die Rolle des DGB
• Svenja Länder (Bucerius Law School Hamburg): Vom einmillionsten Gastarbeiter bis zur Nelkenrevolution: Portugiesische Migration in die BRD 1964–1974
• Thomas Weißmann (TU Chemnitz): Die Rolle des Sportes in den Beziehungen Portugal—DDR
 
15.15–16.00 Uhr: Abschlussrunde mit Kaffee und Kuchen
 

Organisation:
Thomas Weißmann
(TU Chemnitz) und Antonio Muñoz Sánchez (ICS Lisboa) · Eine Anmeldung ist nicht nötig. Bitte einfach nach Chemnitz kommen!

«Belcanto» dos preços baixos (artigo em português)

Ana Carla Gomes Fedtke e Eberhard Fedtke sobre a brincadeira com os consumidores

> Portugal é um país com muitos contrastes. Quem visita pela primeira vez este canto da Europa do Sul, fica admirado com os muitos hábitos fora da «normalidade europeia».
Não é só o tempo agradável, a pacifica área social, o ar puro, a gente amigável e acolhedora, mas também a capacidade duma flexibilidade e improvisação em todos sectores do dia a dia. Os portugueses querem improvisar e chamar atenção com ideias «fora da série«.
Fazemos uma observação especial no nosso país: Parece que vivemos continuamente num puro paraíso de pequenos preços. Quando entramos num supermercado, uma onda de ofertas especiais dá-nos as boas vindas em todo lado. É um espetáculo «omni-influenciável« de excessiva e agressiva publicidade perfeita. Uma opulenta redução aqui, uma impressionante ação do mês acolá, da semana ou do dia. Existe uma panóplia de preços tão bem instituída que leva o consumidor de forma arrebatadora. Toda a sala é uma vibração contagiosa de oportunidades exclusivas para «poupar». O publico é altamente stressado: pais esgotados não podem resistir aos caprichos irredutíveis dos filhos, adultos perdem o controlo mental sobre a lista de compras na mão, pessoas de alta formação esquecem perante furacões de ofertas únicas e radicais que, segundo as análises científicas aprofundadas, só máximo de 35% dos produtos expostos no supermercado no setor da alimentação são suficientes para se ter uma vida completamente equilibrada, agradável e saudável, aliás chegam 10% para bem viver, diríamos até: sobreviver. Basta recordarmos por poucos minutos as modestas listas de compras dos nossos antepassados não muito longínquos, não existindo ainda nem supermercados, nem minimercados, só pequenas lojas com mercadorias de produtos de sobrevivência. Se virmos as fotografias a preto e branco das pessoas desta época, notamos que eram elegantes e cheias de saúde. E hoje em dia? Receitas, produtos e consultas para emagrecer no ano 1900 não eram necessários.
A análise contemporânea espelha uma pura imoralidade perante a fome mundial em crescendo e que nos choca cada vez mais. Uma informação global e total via internet choca-nos todos. O mundo inteiro vive a crédito da produção de recursos a partir de meados do ano. Consumir é a maior doença do mundo moderno. Quem tem vergonha? Muito poucos.
Fazemos um exame de consciência e falamos a verdade: acham que são necessárias dez espécies de leite diferentes, vinte modelos de iogurtes, trinta marcas de pão, quarenta variações de queijo, cinquenta seleções de vinho, cem marcas de doces, chocolates ou cereais infantis?
Façamos uma introspeção mental, pensamos na saúde e nas calorias. A grande percentagem acima de 35% respetivamente; 10% representa um puro luxo para a nossa mesa, é muita decoração, e feitas as contas não é mais do que um grave perigo para o fígado, para o coração para o aumento do peso, finalmente uma boa parte, a boa parte talvez acabe no lixo. A secção infantil exerce uma ­esmagadora e potente diretriz nos supermercados, confrontando uma fraqueza significativa de pais que cedem com ­facilidade aos devaneios e birras das crianças. 60% ou mais das crianças portuguesas têm sobrepeso, um escândalo cultural e medicinal.
De propósito, com estratégias profundamente pensadas e minuciosamente ­articuladas, os grandes supermercados levam a cabo «um ambiente agradável de compras», conferindo «um determinado sentimento de bem-estar» de preferência dentro das cores alegres que oferecem músicas lisonjeiras em torno. Este ambiente «a alegria de poupar» é por isso propício ao estímulo de compras ­desenfreadas, tal como uma droga irresistível, despoletando assim o conflito entre tentação e racionalismo, entre força e fraqueza pessoal, entre lógica humana e um absurdo cenário de consumo de imoralidade. Perante este múltiplo stress, acompanha-se o amado cliente a partir da entrada até à caixa, onde filas longas provam significativamente, qual filosofia domina, apresentando-se os carrinhos ou os cestos das compras não raras vezes mega cheios com produtos de luxo.
Placas ilustres e penetrantes, uma invasão para os nossos olhos e ouvidos em forma de propaganda insistente e comovente, quer através da rádio e da televisão, de folhetos coloridos ou de enormes expositores de propaganda da rua contribuem para a sensação de tentar um produto novo ou ainda desconhecido, logo a partir de hoje, experimentar uma receita nova. O sector «PPD − Promoção, Poupar, Desconto» é uma nova industria ilustre e moderna, contaminando as fantasias dos consumidores. «Mais apetite, menos calorias», «A sua saúde é a nossa alegria«, «Hoje não se arrependa», «Novas formas de poupar», «Sempre ao seu lado», «Tudo a preços históricos», «Descobrir o melhor», «Sorriso aos preços cada dia mais baixos», «Centenas de produtos em promoção a não perder», são apenas uma pequena seleção de hipócritas promessas. «Poupar», «Aproveitar», «Comer ­confortavelmente demais», «Beber sem arrependimento» etc. são os slogans ­recorrentes da indústria alimentícia, ­ignorando também as dissonâncias ­financeiras de muita gente «gulosa». Uma suave realidade é que no fim o cliente usufrui de cupões de desconto para a ­gasolina que uma parte destes supermercados incorpora. Mais compras, mais combustível barato disponível, mais quilómetros, mais poluição para os pulmões. É o complemento perfeito: adição dos elementos destrutivos na nossa sociedade moderna, tão animada, constantemente debaixo do estigma da poupança.
Voltamos seriamente às regras económicas: pode um supermercado com um lucro global de 2 até 3% das vendas sobreviver com tais quantias de reduções permanentes de 20, 30, 40, 50 ou até 70%? Não pode. Mas o cliente reage de forma crédula, fraca ou pelo menos superficial e ignorante. Quem compara os preços das ofertas de vários supermercados, para encontrar o preço ideal de um determinado produto, por exemplo da manteiga, da carne e do peixe, dos abacates, dos limões, da batata doce e de todos os produtos favoritos na sua panela? Quem lê os jornais diários ou os labirínticos ­folhetos dos supermercados? Conforme sondagens sérias talvez até 5% dos adultos, entre eles uma boa parte dos reformados que têm tempo para cuidar da alimentação da família ou passam nos supermercados para divertir-se num ambiente agradavelmente pitoresco e que serve para se aquecer no inverno, tendo até cada supermercado de categoria um pequeno bar. A avó e o avô são um par bem informado no sector de supermercados, não os pais que depois do trabalho do dia se apressam para fazer as compras necessárias.
Aliás, a grande maioria dos consumidores compra sempre nas mesmas lojas, tem afinidades irresistíveis com os seus «supermercados de sempre». Alguns deles possuem já um «fan club» para todos: miúdos e graúdos. Ligações quase familiares.
Mesmo a brilhante promessa de equilibrar um preço mais baixo de um ­concorrente, é uma finta inteligente, mas vazia. Precisa-se de um controlo global e eficaz de todo o mercado em causa, para encontrar finalmente os preços certos, já para não mencionar as diferentes qualidades e volumes dos pacotes. O preço do quilo é um dos fatores essenciais para fazer uma comparação verdadeira. Nem pensar numa tal isenta comparação! Falta para a sociedade moderna «de pressa» passar o seu precioso tempo dentro de um supermercado, a fim de comparar preços. Pouco idílico num ambiente ­aldrabão de preços coloridos e encantadores.
No entanto se se fizesse este prazer de um controlo completo, o resultado surpreendente seria muitas vezes o de que um determinado preço baixo ou reduzido − incluído os enormes custos de ­publicidade − numa loja, é um preço normal noutra. O intuito é fazer uma análise total neste sentido e estudar diligentemente todas as secções dos produtos ­oferecidos, tal como faz o vendedor permanentemente, optando ele por colocar preços reduzidos, dependendo estrategicamente dos produtos e das respetivas ofertas na concorrência. Dá-se assim como provado que este sistema de reduções é uma simples tentativa de argumentar as vendas e ganhar mais clientes, pelo menos alguns do famoso grupo dos 5% que compram com os olhos bem abertos. O principal objetivo é sempre auto-egoísta, só em segundo lugar surge indiretamente a vantagem para o consumidor.
Conclusão: estas reduções de preços, em conjunto com uma esmagadora publicidade, servem em primeiro lugar para o bem-estar dos supermercados hoje em dia. A razão é que relativamente ao número populacional, para fornecer a alimentação, as ofertas de mercado −pequenas e grandes, nacionais e inter­nacionais − são em geral exageradas. ­Metade das lojas e supermercados seria suficiente. A população não cresceu em extensão como os metros quadrados dos mercados da alimentação. Os grandes impérios de supermercados que são cada vez mais os grandes responsáveis pela crise do pequeno comércio, que desaparece mais e mais, apresentam uma competição diária e desenfreada de redução de preços, para cobrir os seus próprios custos.
Viver num paraíso de preços verdadeiramente reduzidos é um sonho irreal e mítico. Baixas de preços são à partida preços certos. O preço mais alto, bem ­visivelmente cancelado no indicador para este efeito, é uma mentira tática, um estímulo dia-a-dia variável para servir os interesses de quem vende, uma filosofia individualista para multiplicar os seus lucros.
Brincadeira simples: truques ocultos para cilada dos consumidores de boa fé,
Portugal nada um pais de cucanha.

Eine Kleinstadt im »steinigen« Aufbruch

Foto aus dem Geopark Arouca


In Nordportugal lockt Arouca Touristen auf Abwege • von Thomas Fischer

> Nur gut 60 Kilometer von Porto entfernt zeigt Nordportugal ganz überraschende Facetten. Arouca lockt Touristen auf Abwege − und trumpft auch international auf.
Auf dem Kopfsteinpflaster einsamer Dörfer liegen Kuhfladen, wie in alten Zeiten, als hier noch keine Windturbinen in die Höhe ragten. Wer sich die Turbinen wegdenkt und hier und da einen Ochsenkarren in die Landschaft phantasiert, kann sich leicht um 30 Jahre in der Zeit zurückversetzt fühlen. Nicht einmal am Netz gewundener schmaler Straßen scheint sich hier, anders als in so vielen anderen Teilen von Portugal, viel verändert zu haben.
Im Landkreis Arouca führen solche Wege aber zu ungewöhnlichen, bisher jedoch kaum bekannten Attraktionen. Eine davon schlummert beim 900 Meter hoch gelegene Dorf Castanheira mit Hausdächern aus grobem Schiefer. Um seine pedras parideiras, übersetzt »gebärende Steine«, rankt sich gar eine alte Volksweisheit. Legt man sie im Bett ­unters Kopfkissen, sollen sie gar Kindersegen bringen.
Eine Bewohnerin des Dorfes will auf diese Weisheit nicht schwören, und selbst wenn das Rezept funktionieren ­sollte, hat es in diesem Dorf keinen nachhaltigen Effekt gehabt. Hier leben nur noch acht Menschen, alle Frauen, die jüngste 63 Jahre alt, weiß die junge Mitarbeiterin in einem modernen Besucherzentrum, wo ein Film über diese selt­samen Steine zu sehen ist. Wunder hin, Wunder her − bei den Steinen handelt es sich um ein uriges geologisches Phänomen.
Im Innern von großen Brocken aus gräulichem Granit entstanden vor vielen Millionen von Jahren kleine schwarze Steine, die auch Feldspat und Granit enthalten. Sie erwärmen sich bei hohen Temperaturen mehr als das Gestein um sie herum, so dass sie sich stärker ausdehnen und sich im Laufe der Jahrtausende herauslösen. Hiervon zeugen am Ort große Brocken aus Granit mit kleinen dunklen Flecken als Zeichen dafür, dass hier kleinere dunklere Steine »ausgebrochen« sind.
Im Jahr 2018 verirrten sich rund 25 000 Personen zu den pedras parideiras. Sie ­gehören zu den Aushängeschildern des Landkreises Arouca, der offiziell zum Großraum der Nordmetropole Porto gehört, aber doch eine Welt für sich bildet. Nicht weit westlich, näher an der Autobahn A 1 von Lissabon nach Porto, liegen Orte wie São João da Madeira mit seiner Schuhindustrie oder Santa Maria da Feira, das Zentrum der Korkverarbeitung. Arouca mit seiner Fläche von 329 Qua­dratkilometern und rund 22.000 Einwohnern liegt abseits und war auch als ­Reiseziel bisher kaum bekannt.
Das will die Verwaltung des im wahrsten Sinne des Wortes steinreichen Landkreises ändern. Arouca möchte seine geologische Vielfalt ausspielen, um sich einen Platz auf der touristischen Landkarte zu erobern. Immerhin hat die ­UNESCO den gesamten Landkreis als »Geopark« anerkannt.
Für eine neue Attraktion wurde Arouca schon viermal, in den Jahren 2016−19, mit World Travel Awards ausgezeichnet, nämlich für die im Jahr 2015 eröffneten Passadiços do Paiva. Es handelt sich hierbei um einen 8,6 Kilometer langen Laufsteg aus Holz, der es auch Leuten ohne Wanderschuhe erlaubt, durch eine wilde Landschaft zwischen steilen Felsen und dem rauschenden Rio Paiva zu spazieren. Hier wurde die Passage an die Felsen geschraubt, dort mit Pfeilern auf den Stein gestützt. Mal verläuft der Weg waagerecht, mal führen Treffen im Zickzack steil hinauf und wieder hinunter. Wer arg ins Schwitzen kommt, findet unterwegs Plätze für kühle Bäder im Fluss.
Die Kommune beziffert die Investition für das mit EU-Geld geförderte Projekt auf rund 1,8 Millionen Euro. 2008 kamen rund 200.000 Besucher, die den eher symbolischen Eintrittspreis von einem Euro bezahlten. An manchen Tagen war der Andrang so stark, dass die von der Kommune und privaten Unternehmen ge­tragene Gesellschaft Geopark Arouca ein Limit von 2000 Eintritten pro Tag fest­legte.
Nicht nur zu Fuß lässt sich die Landschaft erkunden. An einem Ende des Laufstegs befindet sich ein Café, dessen Betreiber auch Rafting-Abenteuer auf dem Fluss organisiert, dies mit fünf festen und rund 30 freien Mitarbeitern. Wer ganz hoch hinaus will und schwindelfrei ist, soll die Schlucht des Rio Paiva bald auf der mit 516 Metern weltweit längsten Hängebrücke für Fußgänger überqueren können − immerhin bis zu 175 Meter über dem Boden.
Arouca selbst ist eine adrettes und sympathisches Städtchen mit dörflichem Ambiente und einigen gemütlichen Winkeln, wenngleich die Postkartenmotive eher rar sind. Im Zentrum erhebt sich ein früheres Kloster, das der Staat als Eigentümer vor einigen Monaten für die ­Einrichtung eines Hotels der gehobenen Kategorie an einen privaten Investor verpachtet hat. Etwa 50 Zimmer zählt das derzeit größte, relativ neue Hotel am Ort.
Wenige Autominuten vom Ort entfernt befindet sich das Museu das Trilobites ­Gigantes, mit ungewöhnlich großen Fossilien, die vor über 400 Millionen Jahren entstanden. Ein geologisches Kontrastprogramm aus der jüngeren Geschichte bieten frühere Minen für Wolfram, das einst zur Härtung von militärischen Geschossen diente. Schon im Ersten Weltkrieg exportierte Portugal dieses Metall. Im Zweiten Weltkrieg wurde es aber zu einem regelrechten Exportschlager des neutralen Landes, das beide damit Seiten belieferte − also die Briten ebenso wie Nazi-Deutschland.
Minen für Wolfram gab es in verschiedenen Gegenden des Landes. Im Kreis Arouca hatten derweil sowohl die Briten wie auch die Deutschen ihre Minen, nur wenige Kilometer von einender entfernt. Zu dem, was übrig geblieben ist, winden sich schmale Straßen, teils am Rand von Abgründen entlang und durch so manche Funklöcher.
Bei der deutschen Mine pflegt die 69-jährige Dona Alice die Erinnerung an alte Zeiten. Sie erzählt, dass ihr Vater schon Jahre vor ihrer Geburt auf dem Höhepunkt des Wolfram-Booms hierher zog und nach Kriegsende am Schwarzmarkt für das weiterhin gefragte Mineral aktiv war − bis er untertauchen musste, weil ihm die Polizei auf die Schliche gekommen war. Casa do Volfrâmio heißt noch heute die Ferienwohnung, die Dona Alice vermietet. Um Gästen zu zeigen, wie Wolfram aussah, hält sie einen Kasten mit einigen Brocken davon bereit. Und sie kennt die Verse eines Liedes ­darüber, wie einst die Arbeitskraft für die Ernte von Oliven, Mais und Kartoffeln knapp war, weil so Leute in der Mine schufteten. Wer eine Taschenlampe oder ein Mobiltelefon mit Licht dabei hat, kann sich durch einen Stollen dieser Mine tasten und erreicht einen rauschenden Wasserfall.  
»Werfen Sie Ihr Navigationsgerät in den Fluss« rät eine Frau dem Fremden, den die Elektronik bei der Suche nach der englischen Mine in einem einsamen Dorf auf Irrwege geleitet hat. Hinter vielen weiteren Kurven schlummert das Dorf Regoufe. Kurz davor führt ein holpriger Abstecher zu den Ruinen gräulicher Häuser und den Toren eines seit langer Zeit wohl ungenutzten Fußballplatzes als Zeuge des Hochbetriebs, der hier einst herrschte.
In jüngerer Zeit spielte der Fußballclub von Arouca einige Jahre in der ersten Liga und empfing auch die ganz großen Teams des Landes. Am Ende der Spielzeit 2017 / 18 konnte Arouca aber den Abstieg nicht vermeiden. Anstelle der Fußballfans sollen jetzt die Touristen herbeiströmen.

Weitere Informationen

Der DPG-Präsident auf Reisen: Viagem pela minha terra

Foto der Ruine des Tempels der Diana in Évora

Eine Busreise durch Portugal • von Michael W. Wirges

> Die Maschine der TAP, die uns nach Lissabon bringen sollte, landete an diesem Abend im Mai erst kurz vor unserem Boarding in Berlin-Tegel, ­sodass wir erst anderthalb Stunden als geplant unser Ziel erreichten. Der Bustransfer unserer Reisegruppe − etwa 50 Deutsche mit deutschsprachiger Reisebegleiterin − zum Hotel der Gruppe Galé, das fast genau unter der Brücke Ponte 25 de Abril lag, verlief hingegen reibungslos. Dass wir zwei Tage und Nächte unter der Brücke Unterkunft finden sollten, haben da wohl einige falsch verstanden …
Endlich wieder in der alten Heimat! Obwohl ich in den vorangegangenen sechs Monaten schon zweimal die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Für mich würde diese 8-tägige Busreise durch das ganze Land mehr zu einer nostalgischen denn zu einer touristischen Reise werden.
Am nächsten Tag eine Stadtrundfahrt durch Lissabon, mit dem Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten: im Stadtteil Belém die Torre de Belém und das als UNESCO-Weltkulturerbe gelistete Hieronymiten-Kloster mit dem Kenotaph für den Nationaldichter Luis de Camões, dem Sarkophag von Vasco da Gama, dem Indienfahrer, dem Kenotaph von König Sebastião (der 1578 nach einer Schlacht in Nordafrika nie mehr gefunden wurde), und dessen Onkel und Nachfolger Kardinal Henrique. Leider konnten wir aus Zeitgründen nicht auch den berühmten Kreuzgang besichtigen. Auf dem Rossio-Platz (Praça D. Pedro IV) standen die ­Jacaranda-Bäume in voller Lila-Blüte, und vom Castelo de São Jorge hatten wir einen herrlichen sonnigen Blick über die ganze Hauptstadt. Den Fußmarsch zu der Burg hinauf und wieder hinab durch das Alfama-Viertel − arabisch für heiße Quelle − haben wir uns nicht nehmen lassen, und auch nicht einen Bummel durch die Baixa (Unterstadt).
Sintra, das wir am nächsten Tag besuchten, war die Sommerresidenz der maurischen Herrscher und der portugiesischen Könige, und ist überhaupt ein mystischer Ort auf bewaldeten Hügeln. Unten das alte Königsschloss aus dem Mittelalter, oben das sehr sehenswerte, bunte und aus verschiedenen Baustilen bestehende Märchenschloss Pena, das der deutschstämmige Gemahl Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha der portugiesischen Königin Maria II Mitte des 19. Jahrhundert erbauen und den Park von seinem Freund Baron von Eschwege anlegen ließ.
Hier waren wir oft mit unseren Eltern Quellwasser aus den Sintra-Bergen holen. Und Vaters Geburtstag krönten wir mit einer Fahrt per Pferdekutsche vom Ort hinauf zum Pena-Schloss und wieder zurück, in Serpentinen durch den mystischen Geisterwald! Sir Arthur Conan ­Doyle (Sherlock Holmes) lebte hier zeitweise in seiner Villa, und die Quinta da Regaleira (erbaut um 1900) mit ihrem mystischen Park wurde vor einigen Jahren erneuert.
Am Nachmittag fuhren wir noch über die Ponte 25 de Abril, die 1966 unter dem Namen Ponte Salazar und nach der Nelkenrevolution 1974 ihren heutigen Namen erhielt, zum Cristo Rei bei Almada.
Diese riesige Christusstatue an der gegenüberliegenden Seite des Tejo ist ein Heiligtum und Wallfahrtsort, entstanden nach einem Gelübde portugiesischer Bischöfe in Fátima (1940), sollte Portugal von dem Zweiten Weltkrieg verschont bleiben. Nicht weit entfernt liegt das kleine Städtchen Azeitão, in dem wir noch eine bekannte Keramikfabrik besuchten.
Zu einem Abstecher nach Estoril und Cascais, wo ich aufgewachsen bin, fehlte es an Zeit, und so fuhren wir tags darauf früh los über Fátima, Batalha, Coimbra nach Porto.
Fátima ist der bekannteste Wallfahrtsort Portugals und einer der bedeutend­sten Europas. Hier soll von Mai bis Oktober 1917 jeweils am 13. des Monats drei Hirtenkindern die Mutter Gottes erschienen sein, mit ihnen gebetet und ihnen drei Geheimnisse mit auf den Weg gegeben haben. Ein riesiger Platz, die Basilika mit den Grabmalen von zwei der Hirtenkinder, die sehr früh gestorben sind, die Erscheinungskapelle mit dem Baum der Erscheinung, das alles lässt auch Hartgesottenen den Atem stocken. Da unsere Eltern gläubige Katholiken waren, sind wir als Kinder mit ihnen oft hier gewesen.
In Batalha (Schlacht) steht das als ­Nationalheiligtum geltende gotische Kloster, das als Dank für die im August 1385 von den Portugiesen unter König João I in Aljubarrota gewonnenen Entscheidungsschlacht gegen das kastilische Heer erbaut wurde und heute als UNESCO-Weltkulturerbe gilt. An der Ostseite stehen die Capelas Imperfeitas, ­Kapellen, die nie vollendet wurden. In Coimbra besuchten wir das Universitätsgelände. Die Hochschule wurde 1290 gegründet, gilt als die erste des Landes und eine der ältesten weltweit, und wurde 2013 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Hier in Coimbra ist auch eine besondere Art des Fado durch die Studenten entstanden. Am Abend erreichten wir Porto, die Hauptstadt des Nordens.
Ziele des nächsten Tages waren Braga und Guimarães, sowie die Erkundung von Porto. Die kirchliche Stadt Braga ist vor allem bekannt für das hoch über der Stadt, in den Bergen gelegene Heiligtum Bom Jesus do Monte mit seiner prachtvollen Anlage, der Kirche, den Statuen und den 580 Stufen, die in die Stadt hinunterführen. Zum Glück hielt der Bus oben an der Kirche! Guimarães gilt als berço da Pátria − die Wiege Portugals. Hoch über der Stadt wacht das mittelalter­liche Kastell aus dem 10. Jahrhundert. Afonso Henriques erblickte hier 1106 das Licht der Welt und wurde 1139 zum ersten König eines unabhängigen Portugals gekrönt. In der Taufkapelle steht das Taufbecken mit Inschrift.

Foro der Muro dos Cobertos da Ribeira in Porto

Muro dos Cobertos da Ribeira in Porto · © Michael W. Wirges

Porto, die zweitgrößte Stadt Portugals, Kulturhauptstadt Europas, ist wohl die dynamischste des Landes. Man sagt wohl nicht zu Unrecht, dass in Braga gebetet, in Coimbra studiert, in Porto gearbeitet und sich in Lissabon amüsiert wird! Eine Stadtrundfahrt und später auch ein Spaziergang durch die Altstadt − seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe − führte uns zum Douro hinunter, wo wir eine einstündige Fahrt mit einem traditionellen Schiff auf dem Fluss machten. Sehr beeindruckend war der Bahnhof São Bento, der noch im alten Stil erhalten ist und innen große Kacheln mit ­Bildern aus der portugiesischen Geschichte zeigt.
Richtung Süden ging es am nächsten Tag weiter, zunächst nach Bussaco, wo der berühmte Wald Mata Nacional do Buçaco und das romantische Schloss­hotel aus dem 19. Jahrhundert besucht werden konnten. Da standen auch eine 1000 Jahre alte Araukarie und ein 700 Jahre alter Benjaminbaum.
Hier im kühlen Norden, mal in den Termas do Luso, mal in den Termas de Manteigas in der Serra da Estrêla, ­haben wir im Sommer oft mit unseren Eltern die Ferien verbracht, um der großen Hitze weiter südlich zu entgehen.
Nazaré war das nächste Ziel. Das ­malerische Fischerdorf ist nicht nur ein beliebter Badestrand, sondern auch ­bekannt für seine sich in der Nähe brechenden Monsterwellen, die mutige Surfer aus aller Welt anlocken, wo auch internationale Meisterschaften ausgetragen werden. Nach dem Mittagessen ging es schnurstracks durch den Alentejo an die Algarve-Küste, vorbei an Kork­eichen, Getreide- und Reisfeldern, Salzsalinen, Weinreben und Olivenölbäumen. Während die Landwirtschaft im Norden von Minifundien geprägt ist, überwiegen hier die Latifundien (Großgrundbesitz) − die Kornkammer Portugals. An der Algarve findet man riesige Orangenplantagen, aber auch Birnen-, Mandel- und Johannisbrotbäume. Am Abend erreichten wir Armação de Pêra an der Algarve − »Arme Sau«, sagten einige Deutsche, in Anspielung auf den Stadtnamen!
Am nächsten Tag erkundeten wir das Hinterland. In Silves, kulturelle maurische Hochburg und Hauptstadt der Algarve im 11. Jahrhundert, besichtigten wir die mächtige Maurenburg, die Ende des 12. Jahrhunderts von Mauren und Kreuzrittern schwer umkämpft war, und die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Die Thermen von Monchique mit ihren heißen Heilquellen, die schon zur Römerzeit bekannt waren und die Fahrt durch die Monchique-Gebirgszüge, die letztes Jahr größtenteils heftigen Waldbränden zum Opfer fielen, waren unsere nächsten Ziele, bevor es wieder zurück ins Hotel ging, und ein Nachmittag zur freien Verfügung angesagt war. Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag weiter mit einer Fahrt an der westlichen ­Algarve-Küste entlang. Zunächst bis auf die Festung in Sagres, die vor dem 14. Jahrhundert gegründet wurde, und in der Prinz Heinrich der Seefahrer (1394−1460) bedeutende Gelehrte seiner Zeit − so auch den Nürnberger Martin Behaim −, um sich versammelte, um ­Navigationsgeräte, Seekarten und astronomische Berechnungen zu verbessern. Die Existenz einer Seefahrerschule ist jedoch nicht bewiesen. Das seit der Antike mystische Cabo de São Vicente gilt als der südwestlichste Punkt des europäischen Kontinentes, der Leuchtturm ist einer der lichtstärksten Europas. Auf der Rückfahrt machten wir noch den obligatorischen Foto-Stopp an der Ponta da Piedade mit ihren bizarren Felsformationen, die viele Millionen Jahre alt sein sollen. In Lagos machten wir einen Rundgang durch die Altstadt, mit dem Marktplatz, der Statue für Heinrich den Seefahrer, dem ironischen Denkmal für König Dom Sebastião, dem ehemaligen Sklavenmarkt und anderem Sehenswerten. Hierhin führte übrigens auch meine Hochzeitsreise, das ist jedoch schon sehr lange her, und es hat sich privat bei mir sehr vieles verändert!
Am Abend traf ich mich im Hotel mit Catrin George Ponciano, der Leiterin der DPG-Sektion Algarve. Sie brachte ihren Ehemann mit, den ich zunächst auf italienisch begrüßte, in der Annahme, dass er Italiener sei. Arménio wunderte sich etwas, bemerkte dann aber, dass er Portugiese sei! Zusammen verbrachten wir einen herrlichen Abend mit beeindruckendem Sonnenuntergang an der Praia Dourada, dem Goldstrand.

Foto eines zentralen Platz in Lagos (Algarve)

Zentraler Platz in Lagos (Algarve) · © Michael W. Wirges

Vorletzter Tag dieser für mich nostalgischen Reise: Sehr früh morgens starteten wir auf unsere letzte Etappe Richtung Lissabon. Wieder durch die Algarve und den Alentejo, zunächst nach Beja, wo eine Olivenölpresse von Figueirinha in São Brissos und eine Weinkellerei der Hotelkette Galé (wo wir immer logiert haben) in Santa Vitória besichtigt werden konnten. Im nahe gelegenen Vidigueira erhielt Vasco da Gama nach seiner Rückkehr aus Indien die Grafschaft als Dank für seine Verdienste.
Die einzige fast komplett erhaltene Stadtmauer Portugals befindet sich in Évora. Hier besuchten wir, nahe dem ­römischen Tempel der Diana, die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Ein Stadtrundgang führte uns in der Altstadt, die seit 1996 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht, an etlichen alten Gebäuden vorbei, wie auch an der Universität.
Ein letzter Stopp war die Besichtigung einer Korkfabrik im Alentejo, bevor es endgültig nach Lissabon zurückging, wo wir am späten Abend im Hotel ankamen. Sehr früh am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von dieser schönen Hauptstadt, von den gastfreundlichen, liebenswürdigen Einwohnern dieses herrlichen Landes.
Adeus, Portugal − até à próxima! Bis hoffentlich sehr bald!

3: Über eine Ausstellung von Michael Goyke in Berlin

Foto von Besucherinnen auf der Ausstellung von Michael Goyke in Berlin

Über die Ausstellung von Michael Goyke in Berlin • von Ana Paula Galaz Goyke

> Maler und DPG-Mitglied Michael Goyke eröffnete am 25. Juli 2019 eine Werkschau im Temporären Schauraum in der Torstraße 141. Dieses leerstehende Ladenlokal mit drei Räumen und einer riesigen Werkstatt war für Goyke der perfekte Ort für eine Präsentation seiner Arbeiten. Die Ausstellung war − abgesehen von der Eröffnung − nur drei Tage zu sehen. Daher betitelte er sie schlicht und einfach mit der Zahl »3«.
Michael Goyke ist 1962 in Duisburg geboren und lebt seit 1999 in Berlin. Seit 2014 ist er DPG-Mitglied. Die Kraft, die zur Entstehung seiner Werke führt, ist das innere Verlangen, malerische und skulpturale Wirkungen zu verbinden. Dabei verwendet er u.a. textile Materialien. Zusammengeknüllt auf den Träger gebracht und gehärtet, offenbaren sich in den gebirgsähnlichen Erhöhungen und Vertiefungen mit ihren Licht- und Schatteneffekten plötzlich mystische Gestalten und Figuren. Das Gesehene wird mit Farbe herausgearbeitet. Mal steht am Anfang eine Idee, mal ist es der »Zufall« des Materials, der die Form bestimmt und diese Geschöpfe entstehen lässt.
Auffallend sind die in seinen Werken immer wiederkehrenden schwebenden Miniatur-Meteoriten, mit denen er seine Figuren umgibt. Diese bewirken eine besondere Plastizität und verleihen den Bildern eine geradezu surreale, irdische und überirdische, kosmische Aura.
In der Torstraße in Berlin-Mitte zeigte Goyke eine große Auswahl von neuen und älteren Arbeiten, wie z.B. die noch ganz frischen Bilder »Planet Nummer 3« und die majestätisch in den Tiefen des Ozeans schwebende »Qualle«. Einen Raum bestückte der Künstler mit Werken, die − in anderen Techniken − den BesucherInnen einen Einblick in seine inneren Traumwelten gewähren.
Zur Ausstellungseröffnung sind erfreulicherweise zahlreiche Gäste erschienen, u. a. auch Mitglieder der DPG und Angestellte der Botschaft von Portugal, sodass der Abend ein voller Erfolg wurde: »Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet in der Urlaubzeit so viele Leute meine Ausstellung besuchen würden«, so Goyke.
Bei hochsommerlichen Temperaturen war der gut gekühlte portugiesische Weißwein der Renner, und so manche BesucherIn war überglücklich, beim Eintreten in den unterirdischen Werkstatt­raum, eine willkommene Abkühlung zu erhalten. Hier zeigte Goyke einige sakral anmutende Plastiken und seine Bilder mit den für ihn typischen Mini-Meteoriten, bei deren Betrachtung man ganz sanft und leise von einem Hauch der Seele des Künstlers berührt wird. Die Journalistin Francisca Riczinski Marienfeld schrieb einmal: »Seine Gestalten schweben nicht im Raum wie bei Marc Chagall, sondern in der Zeit, in der Urzelle der Zeit, im Fruchtwasser des Universums.«

Portugal im 16. Jahrhundert: König Dom Sebastião

Gemälde von König Dom Sebastião

Ein unreifer König führt Portugal im 16. Jahrhundert in die Katastrophe • von Andreas Lausen

> Am 2. Januar 1554 starb der portugiesische Thronfolger Infant João ­Manuel mit nur 16 Jahren an Tuberkulose und Diabetes. Die Portugiesen waren entsetzt, denn nun war auch der letzte der sechs legitimen Söhne von König João III. gestorben. Aber die Witwe des toten Kronprinzen war schwanger. Ganz Portugal fieberte der Niederkunft entgegen. Nur ein Junge konnte die ­Dynastie Avis retten. Unermesslich war die Freude im Land, als am 20. Januar 1554 Infant Sebastião geboren wurde. Der «Desejado« (der Ersehnte) war da! Das Land schien gerettet.
Als sein Großvater König João III. am 11. Juni 1557 starb, kam als Thronerbe ­Infant Sebastião auf den Thron. Er war aber erst drei Jahre alt. Die Regentschaft übernahm Kardinal Henrique, Bruder von João III. Er war ein mürrischer, hinfälliger Mann. Moralische Prinzipien und strenge Askese standen im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns. Als Großinquisitor oblag ihm die Gewissensprüfung religiöser Abweichler. Und er war nun für das Aufwachsen seines dreijährigen Großneffen verantwortlich.
Portugal befand sich in dieser Zeit schon auf dem absteigenden Ast. Die Zeit der großen Entdeckungsfahrten war vorbei, und immer schwerer wurde die Last des weltumspannenden Imperiums. Das kleine Land hatte sich mit seinem Weltreich übernommen. Die Kolonien, Stützpunkte, Festungen und Faktoreien zogen sich von Barbados in der Karibik bis zu Nagasaki in Japan, vom Rio de la Plata bis zu den Molukken, von Brasilien bis Moçambique. Allein an den Küsten Indiens hielt Portugal mehr als 50 Stützpunkte. Zu den Streitigkeiten mit benachbarten Reichen kamen Feindseligkeiten mit aufstrebenden europäischen Rivalen, wie Spanien, Frankreich und dem eigentlich verbündeten England.
Portugal war reich − und verarmte zusehends. Viele Felder lagen verlassen und wurden von Unkraut überwuchert. Auf der Suche nach schnellem Reichtum verließen junge Männer ihre Frauen und Kinder. Und in dieser schwierigen Phase saß ein Kind auf dem Thron.
An der absehbaren Katastrophe tragen die Erzieher und Berater des jungen Königs die Schuld. Sie impften ihm die Ideale eines Rittertums ein, das es in Portugal schon seit Jahrhunderten nicht mehr gab. Im Park des Schlosses von Sintra lauschte Sebastião fasziniert den Dichtungen von Luíz de Camões, der sein Epos von nationaler Größe, Heldentaten und vom Kampf gegen den Islam deklamierte. In Sebastião reifte der Gedanke, das nahe Marokko von den Mauren zu befreien.
Entsprechende Pläne gab es schon seit der portugiesischen Eroberung von Ceuta 1415. Aber sie gelangen nie. Portugal besaß nur einige trutzige Festungen an der Küste, konnte aber nie den Islam aus dem Land drängen. Da die Türken auf dem Balkan vordrangen, meinte Portugals König, in Marokko den Europäern ein Beispiel an Wagemut und Rittertum liefern zu müssen.
Mit 14 Jahren wurde Sebastião 1568 für mündig erklärt. Seine Berater hatten es versäumt, für ihn eine Eheschließung anzubahnen, damit der junge König demnächst für einen legitimen Nachfolger sorgen könnte. Denn aufgrund alter Erb­verträge war der spanische König Felipe II. der nächste Anwärter auf den portugiesischen Thron. Es gibt aber auch die Meinung, dass der junge König an weiblichen Wesen kein Interesse hatte.
Als ob sein Land nicht genug Probleme hätte, arbeitete der junge König an der Vorbereitung seines Feldzugs nach Marokko. Er erforschte die Rivalitäten unter den muslimischen Stämmen Nordafrikas, knüpfte Kontakte und ließ Schiffe bauen. In ganz Europa warb er Söldner und Glücksritter an. 1578 fuhr schließlich eine Streitmacht von 17.000 Männern nach Marokko. Sebastião war sich seines Sieges so sicher, dass er sein Unternehmen ausgerechnet im nordafrikanischen Hochsommer durchführte. Im Gepäck hatte er eine eigens angefertigte Krone, mit der er sich als marokkanischer König krönen wollte. Am 4. August 1578 trafen die Heere bei Alcácer-Quibir aufeinander. Sultan Muley Abd-el Malik hatte ­seine Truppe gut vorbereitet.
Portugals Meister-Regisseur Manuel de Oliveira beschreibt im seinem filmischen Epos Não, wie der König hektisch und hilflos die Front seines Heeres auf- und abreitet und den Soldaten Kommandos zuruft, die von den Italienern, Deutschen, Kroaten, Engländern, Spaniern kaum jemand versteht. Die Schlacht endet im Blutbad. Die portugiesische Trup­pe wird vernichtet. Weniger als 100 Mann kehren auf Umwegen oder gegen hohes Lösegeld nach Portugal zurück.
Einige der Heimkehrer berichten, der König sei dem Gemetzel entkommen. Bald hieß es, er sei auf seinem Pferd zum Himmel aufgestiegen (die erzählerische Anleihe beim Propheten Mohammed ist offensichtlich). Unter den Portugiesen breitet sich der Glaube aus, Sebastião werde eines Tages wiederkommen, um Portugal zu retten. Noch gab es einen Nachfolger aus der Dynastie Avis. Der Großonkel des verschollenen Königs, Kardinal Henrique, lässt sich mit Sondererlaubnis des Papstes krönen. Aber er ist schwach und krank. Anderthalb Jahre später stirbt er und macht den Thron frei für die spanischen Habsburger, die ­Portugal in Personalunion 60 Jahre lang regieren.

Weitere Bauwerke in Portugal als Welterbe anerkannt

Foto von der Klosterküche des Palácio Nacional in Mafra

Bauwerke in Mafra und Braga erhalten begehrte Auszeichnung der UNESCO • von Andreas Lausen

> Große Freude herrscht in Mafra und Braga, denn das Komitee der ­UNESCO sprach auf seiner Tagung im Juli 2019 in Baku/Aserbaidschan beiden Städten dieses weltweit begehrte Prädikat zu.
In Mafra wurde der barocke Palaçio Nacional anerkannt, nachdem er schon mehrfach auf der Vorschlagsliste stand. Das 1730 eingeweihte Edifiçio Real umfasst ein Kloster für einst 330 Mönche, einen königlichen Palast und eine prunkvolle Basilika. Ebenfalls Teil der Anerkennung sind der Park Jardim do Cerco und das ummauerte, 1200 Hektar große Jagdrevier (Tapada de Mafra).
Der UNESCO-Entscheidung gingen langjährige Bemühungen von Direktor Dr. Mario Pereira voraus. Die weltweit einzigartigen sechs Orgeln unter der Vierungskuppel, für die es mehr als 50 nur hier spielbare Kompositionen gibt, erklingen nach 200-jähriger Pause wieder. Die prachtvolle Bibliothek mit fast 40.000 historischen Bänden wird unter Leitung von Maria Teresa Amaral aufgearbeitet. Die beiden raffinierten Glockenspiele sind in der abschließenden Restaurierungsphase. Als nächstes wird das ­Musikmuseum Portugals in prachtvolle Räume des Südflügels einziehen.
Bei der Entscheidung in Baku waren sich die 21 Delegierten (Portugal ist nicht vertreten) nicht sofort einig. Den Ausschlag gaben die Voten von Brasilien und Angola, die auf die weltweiten Verbindungen beim Bau von Mafra hinwiesen. Portugals damalige globalisierte Wirtschaft machte den Bau mit brasilianischem Gold und angolanischer Sklavenarbeit erst möglich.
Ebenfalls zum Welterbe erklärt wurde die Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte bei Braga mit ihrer prachtvollen barocken Treppenanlage. Sie fand weltweit Nachfolgebauten, so auch in der nordportugiesischen Stadt Lamego, im indischen Goa und in Brasilien.
In Portugal gibt es 17 anerkannte Welt­erbestätten, angesichts der Dimension des Landes eine einzigartige Fülle. Weitere 15 Welterbestätten portugiesischen Ursprungs sind über die ganze Welt verteilt − von der Barockstadt Ouro Preto in Brasilien bis zur Ilha de Moçambique.
Es fällt auf, dass die UNESCO inzwischen alle Anträge sehr sorgfältig und kritisch prüft. In der Vergangenheit wurde offenbar manche Attraktion zu schnell anerkannt. Der portugiesische Botschafter bei der Weltorganisation stellte klar: »Jeder Vorschlag muss eine Qualität außerordentlichen und einzigartigen Charakters haben, damit die UNESCO-­Liste nicht zu einer Art Telefonbuch wird.«
Mafra und Braga wurde diese Qualität nun weltweit zuerkannt.

Die DPG auf dem Weg in die Zukunft

Aufruf zum Eintritt in die DPG

Präsidiumswahlen auf der Jahrestagung der DPG am 9.11.2019 • von Michael W. Wirges

> Liebe Mitglieder des DPG-Präsidiums, Leitungen der Landesverbände, Stadtsektionen sonstiger Regionen in In- und Ausland, sonstige aktive Mitstreiter*innen, liebe DPG-Mitglieder!
Über drei Jahre sind seit den letzten Wahlen zum neuen Präsidium vergangen und laut DPG Satzung ist es wieder an der Zeit, ein neues Präsidium und weitere leitende Amtsträger zu wählen, oder neu zu bestätigen: Geschäftsführenden Vorstand (Präsident/in, Stellvertretende/n Präsident/in, Bundesschatzmeister/in), vier Vizepräsidenten*innen, zwei Rechnungsprüfer*innen. Kandidaturen bzw. Kündigungen für diese Ehrenämter müssen bis spätestens zwei Wochen vor den Wahlen dem aktuellen Präsidium vorliegen.
Bis dahin sollte auch Klarheit darüber bestehen, ob die Leitungen der Landesverbände und Stadtsektionen im In- und Ausland ihre Ehrenämter fortführen wollen oder ob diese neu gewählt werden sollen. An einem sehr historischen Datum, dem 9. November 2019, an dem Tag, an dem genau vor 30 Jahren die Mauer in Berlin fiel, werden diese Wahlen zu unserer Mitgliederversammlung in Berlin stattfinden!
In den letzten drei Jahren (und neun Monaten) haben wir in der DPG viel erreicht:
Der gesamte Außenauftritt der DPG wurde modernisiert. So wurden das Layout und die Inhaltsgestaltung unserer dreimonatigen Vereinszeitschrift PORTUGAL REPORT erneuert, die Website neu gestaltet, das Erscheinungsbild auf allen unseren Dokumenten (Corporate Design) wie Visitenkarten, Briefpapier, E-Mails vereinheitlicht. Hierfür spreche ich meinen besonderen Dank an unseren Redakteur Andreas Lahn aus, der, mit Unterstützung einiger Mitglieder, diese Änderungen umgesetzt hat. Auch ein neu gestalteter Flyer bewirkt, dass wir schneller und effektiver über die DPG, deren Aufgaben und Ziele informieren können.PORTUGAL REPORT und die Website haben somit eine hohe Qualität erreicht, was uns immer wieder bestätigt wird !
Informationen über die Arbeit der DPG in einzelnen Landesverbänden findet man auch auf Facebook. Auch hier gab es Veränderungen. Aus mehreren nebeneinander laufenden Facebook-Seiten ­haben wir eine Hauptseite gemacht Dieses Engagement haben wir vor allem Falk Zirnstein in Leipzig zu verdanken. Er war es auch, der zusammen mit Frau Ida Küttner-Funke im April 2018 zu einem Strategieworkshop nach Leipzig eingeladen hat, um mit interessierten Mitgliedern der DPG zu diskutieren, wie ein modernes Unternehmen wie das unsrige besser funktionieren kann. Dabei wurden Fragen zum Zweck des Vereins, Themen der Vereinsarbeit, Fragen der Mitgliederbetreuung, der öffent­lichen Wahrnehmung und der Außen­bezie­hungen erörtert und Vorschläge diskutiert.
Unsere Landesverbände und Stadtsektionen bemühen sich um ein aktives Vereinsleben bei Encontros, Lesungen und Konzerten. Seit nunmehr zehn Jahren erscheint monatlich der von Dr. Stefan Poppitz mit viel Engagement recherchierte Lusolipsia mit umfangreichen Informationen zu Veranstaltungen lusophoner Einrichtungen und Institutionen in Leipzig.
Damit fördern die Mitglieder der DPG die Vermittlung der portugiesischen Kultur in Deutschland und die Freundschaft zwischen Deutschland, Portugal und den portugiesisch-sprachigen Ländern.
Es ist uns Ende letzten Jahres gelungen, unsere Gesellschaft beim Ministerium für Ausländische Beziehungen in Lissabon als bilateralen Verein registrieren zu können. Damit haben wir die Möglichkeit , über das Ministerium Fördermittel für größere Projekte zu beantragen um mit unseren Veranstaltungen auch Interessenten der DPG und Freunde Portugals einladen zu können.
Wichtig ist hier noch einmal zu unterstreichen, dass bei Ausgaben aus der DPG-Kasse − und auch bei Beantragung/Erhalt von Fördermitteln − die Mittel nur für den direkten Nutzen für DPG-Mitglieder und dem Ausbau der Freundschaft zwischen Deutschland und Portugal, gemäß unserer Satzung, genutzt werden dürfen.
Durch ein neues Erscheinungsbild und durch mehr Informationen nach außen ist es uns gelungen, den Bekanntheitsgrad der DPG zu erhöhen. Die Zahl der Eintritte aus ganz Deutschland nimmt zu und das Interesse an unserem Verband, ist gestiegen. Das zeigen nicht zuletzt eine steigende Anzahl von Einladungen des DPG-Präsidenten zu hochwertigen Veranstaltungen. Einladungen, die ich gern annehme zu kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Events in Botschaften, Kulturinstituten, Universitäten und anderen Institutionen, auch wenn sie nicht immer in Berlin liegen.
So hatte ich in diesem Jahr die Möglichkeit, an dem Portugiesisch-Deutschen Forum in Lissabon, an Tagungen zur Portugiesischen Sprache an der Freien Universität Berlin und dem jährlichen Treffen der CPLP-Diplomatie in der Brasilianischen Botschaft teilzunehmen. Eine weitere Einladung folgte gerade vom Botschafter von Brasilien zur Teilnahme an den Festlichkeiten zum Nationalfeiertag am 10. September in Berlin.
Natürlich bekomme ich auch sehr oft Einladungen zu Kulturveranstaltungen von der Botschaft von Portugal in Berlin, mit der wir eng zusammen arbeiten.
So war Anfang August ein besonderer Höhepunkt, die Einladung zum Empfang in die Residenz des Botschafters von Portugal zur Teilnahme an der Begrüßung des portugiesischen Staatspräsidenten, Marcelo Rebelo de Sousa, mit dem ich ein paar Worte wechseln konnte!
Auf all solchen Veranstaltungen nutze ich natürlich auch jede Gelegenheit, ­unsere DPG und deren Ziele bekannt zu machen.
Diese Arbeit, sowohl mit den Mitgliedern in den einzelnen Landesverbänden als auch die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, Botschaften und Ministerien, hat mir in den vergangenen drei Jahren sehr viel Freude gemacht.
Deshalb möchte ich zum Schluss, liebe Mitglieder, bekanntgeben, dass ich, ­Michael W. Wirges, geboren am 23. April 1953 in Lissabon, wohnhaft in Berlin-­Charlottenburg, hiermit meine Kandidatur zur Wahl des Präsidenten der DPG erneuere.
Kommen Sie zur DPG-Mitgliederversammlung nach Berlin, lassen Sie uns über weitere Ziele und Vorhaben diskutieren, ich freue mich auf Sie!

Konzertbericht von den Young Euro Classic 2019 in Berlin

Foto des portugiesischen Orchesters bei den Young Euro Classic 2019

Bericht von einem Konzert der Superlative am 26.7.2019 in Berlin • von Michael W. Wirges

> Wie jetzt schon zum zwanzigsten Mal wird in den Monaten Juli und August das Festival der besten Jugendorchester der Welt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin veranstaltet.
Für mich war es zwar erst das dritte oder vierte Mal, dass ich diese hochkarätige Musikveranstaltung besuche, ich bin allerdings immer wieder schwer beeindruckt von der phantastischen Leistung, die diese jungen Menschen aus vielen Teilen der Welt im Alter von 14 bis 25 Jahren auf die Bühne bringen − sei es als Solisten oder als ganzes Orchester.
Mit dabei war auch diesmal wieder die Jovem Orquestra Portuguesa aus Portugal mit dem Ensemble Notas de Contacto, unter der Leitung des Dirigenten Pedro de Carneiro. Vor dem offiziellen Anfang um 20 Uhr gab es noch eine 40-minütige Konzerteinführung mit dem Dirigenten und Anne Kussmaul.
Im ersten Teil des Konzerts wurde von George Enescu (1881−1955) die Prélude á lùnisson, 1. Satz aus der Suite für Orchester Nr. 1 op.9 (1903) gespielt. Es folgte eine Uraufführung von João Godinho (geboren 1976), Alcance/Reach, unter anderem mit neuartigen Percussion-Instrumenten. Er wurde mit diesem Werk jetzt und hier als Gewinner mit dem European Composer Award ausgezeichnet.
Das Ensemble Notas de Contacto unterrichtet Menschen mit Behinderung, mit improvisierter Mitwirkung von Schlagzeugen und Mitteln, die keine Notenkenntnisse verlangen.
Nach der Pause ging es mit Ludwig van Beethovens (1770−1827) Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 (1812) weiter, auch dieses meisterhaft − und stehend! − gespielt.
Als Dank gab es minutenlange, tosende Standing Ovations und zum Schluss noch eine Zugabe, die nicht im Programm stand: eine chorales Stück, begleitet von kleinerer Percussion wie Glöckchen.
Nein, das Ende war es noch nicht! Vor dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt fand noch eine Party statt − ein jazziges Trompetenkonzert von jungen Musikern, begleitet von Tanz und Gesang aller Beteiligten und stehenden Wein und Bier trinkenden Besuchern!
Was für ein Konzert, was für ein Ausklang unter sommerlichem Himmel!