Kategorie: PR73

360 Grad Wohlgefühl für die Augen

Foto von Monsaraz (Portugal)

von Ana Carla Gomes Fedtke und Eberhard Fedtke

> Vier sitzen zu vier Personen an einem kleinen Tisch eines Cafés am Fuße des Castelo de Monsaraz. Die Atmosphäre ist familiär und gediegen. Der Saal hat nur zehn Plätze, auf drei Tische aufgeteilt, ist gut ausgestattet, hat eine »Kinderecke«, bestehend aus einem Bänkchen, und eine »Wifi-Zone«. Wir leben im Einklang mit dem modernen Dasein: spärlicher Platz für Kinder, welche immer mehr in einer überwiegend technischen Umwelt fehlen, aber mit einer auf unergründliche Dimensionen geöffneten digitalen Welt. Die kleine Bartheke ist Teil des Raumes, ebenfalls die Miniküche, alles in funktionalem Ambiente gehalten.

Den Service versehen ein Mann, assistiert von einem jungen Mädchen. Augenscheinlich handelt es sich um Vater und Tochter. Sie ist reichlich groß gewachsen, erheblich größer als der Vater, hat blonde Haare, eine helle Haut und blaue Augen, ist froh gestimmt und von offener Liebenswürdigkeit. Dagegen ist das Verhalten des Vaters, einem »Braunhäutigen«, bei seiner Betätigung in der Küche diskret, würdevoll, schweigsam und bescheiden anzuschauen, sich an der Theke reserviert sowie in der Zusammenarbeit mit der Tochter mit gestischer Einfühlsamkeit zeigend, ohne seine Achtsamkeit zu mindern.

Wieso kommt ein Exemplar von so nordischer Schönheit in dieser Ecke der Welt vor, wollen wir die Meinung unserer beiden Tischgenossen dieses »Tages von Monsaraz« erfahren, sie, Natália, »eine Tochter aus Vinhas«, und er, »Sohn dos Foros da Fonte Seca«, Ortsteile der Gemarkung Redondo. Beider Gesten sowie ihre Erscheinungsform sind authentisch alentejanisch. Natália und Miguel geben uns eine ethnische Aufklärung über die Geschichte dieser Region Portugals: So erfahren wir, dass die nordische Schönheit keine vereinzelte Rarität ist. Es finden sich weit mehr bedeutsame Belege dieser Spezies. Das Alentejo erlebte in seiner Geschichte verschiedene ethnische Einflüsse, welche bedeutsame Fingerabdrücke in der Bevölkerung hinterliessen und sie als einzigartig formten. Zunächst waren es die Römer, die nachhaltig das Alentejo, zusammen mit anderen Teilen des Landes, bevölkerten und es zur Kolonie von Rom machten, wie die vielfältigen römischen Monumente, Brücken und antiken Säulen, römische Fußwege usw. belegen. Sodann erreichten die Westgoten die Halbinsel auf ihrer mittelalterlichen Wanderung, wobei die iberische Halbinsel das geographische Ende einer langandauernden und weiten Reise bildete. Das dritte Volk, das breite Merkmale in die Charaktere der Alentejaner versetzte, stellen die Araber dar, welche einen profunden Beitrag zur physischen Silhouette des alentejanischen Volkes beitrugen. Wenn wir in die Gesichter von alentejanischen Schönheiten blicken, können wir je ein wenig von diesen drei rassischen Typisierungen entdecken, elegante römische Nasen, schillernde blaue und grüne Augen der Westgoten sowie die braune Haut der Araber. Das portugiesische Volk hat viel Glück durch blutauffrischende Blüte-Epochen mit dominierenden Einflüssen dieser multiplen genetischen Ursprünge erfahren, was einzigartige Gesichtszüge kreierte. Spontan erinnere ich mich an eine Nachbarin mit puren grünen Augen. Wir meinen, dass eine Vielzahl der Portugiesen in sich ein Drittel römischer, ein Drittel westgotischer und ein Drittel muselmanischer Ausstaffierung vereinigt. »Es fehlt heute nur noch die Morgenröte afrikanischer Flüchtlinge«, wendet Natália ironisierend die Diskussion, »damit sie hier ihre Vorfahren, die Familien der vergangenen Jahrhunderte 1, 5 und 6 vor Christus besuchen.« »Eine gute Form der kulturellen Wiedergeburt«, sage ich. »Aber die Deutschen sind mit relevanter Präsenz und Effizienz hier«, hebt Miguel hervor, und ich neige mein Haupt zum Zeichen der Zustimmung. Sei es, wie es sei, wir leben in einem vereinten Europa, einer immer signifikantere und vielfältigere Mischung. Die besungene Geschichte des Alentejos mit seiner Folklore ist Teil dieses geographisch multifarbigen Europas.

Inzwischen beginnt die nordische Schönheit das Mittagessen zu servieren. Es gibt alentejanische Fischsuppe mit regionalen Spezialitäten, Schweinefleisch nach heimischer Art. Miguel sucht einen guten Wein aus und hat ersichtlich Schwierigkeiten, unter all den berühmten Produkten, die in der gesamten Region wachsen und nationale wie internationale Anerkennung genießen, einen diesem bevorzugten Tag angemessenen Tropfen zu finden. Letztlich entschließt er sich für einen roten Eugénio de Almeida, Jahrgang 2013, etliche Male prämiert. Wir haben Hunger und einen guten Appetit nach dem anstrengenden Aufstieg vom Parkplatz unten zum Eingang des Ortes Monsaraz, wir diesen durchschreiten und das Schloss besuchen, summa summarum drei Stunden voller Konzentration und Bewunderung antiker und mittelalterlicher Sehenswürdigkeiten, von Anspielungen an die blumengeschmückte Renaissance, vieles in manuelinischem Stil. Der Ort bildet eine erstaunliche Ansammlung von Farben in grauem Granit, rotem Mörtel und einer Mischung von Schiefer. Die Häuser wie alle Strassen strahlen eine Vielfalt sensibler Inspiration einfallsreicher Architektur aus, viele Teile in profunder Symbiose von Kunst und Religion sowie klassischer Planimetrie der Vergangenheit. Es ist ein anregendes Vergnügen, durch diese historische städtische Kostbarkeit zu gehen, voll auch von authentischen Kostümierungen und folkloristischen Verkleidungen. Die Porta da Vila, welche mit einem Spitzbogen die Besucher begrüßt und sie erstaunen lässt, zeigt sich geschmückt von zwei halbzylindrischen Cubelos-Figuren, deren eine einen schweigsamen Uhrenturm trägt.

Das Schloss, erbaut auf dem erhobenen Monte Monsaraz, ist ein prähistorisches Monument mit wertvollen mittelalterlichen Elementen und solchen aus dem 16. Jahrhundert, in viereckiger Grundstruktur, mit Mauern aus Schiefer und Türmen mit Kalkverputz In der Mitte befindet sich der große und imponierende Kampfplatz mit Tribünen, klug verbunden mit den Alkoven sowie dem Bergfried. Das Schloss wird von drei Bollwerken geschützt und ist mit einer Brüstung sowie einer Schutzmauer versehen, welche die gesamte Stadt umkreist und eine vollendete Einheit bis zum Eingang der Kirche Ermida de São Bento de Monsaraz bildet. Im Innern des Forts lebten durchgehend etwa 40 bis 50 Personen.

Der gute Wein setzt mehr und mehr Impulse frei: Natália und Miguel erläutern uns mit Begeisterung und Stolz die allgemeinen Charakteristika des Alentejos und der Region Monsaraz, bevor der Bau dieses fantastischen Sees von Alqueva begann, eine famose portugiesisch-spanische Komposition am Guadiana-Fluss. Diese Gemeinschaftsarbeit schuf den größten künstlichen See in ganz Westeuropa. »Die Leute lebten«, berichtet Miguel mit feierlicher Stimme über die Vergangenheit des Alentejos, »hauptsächlich von der Landwirtschaft, der Viehzucht, ein wenig Tourismus, stets mit viel Demut gegenüber den ärmlichen Bedingungen dieses Landesteils. Das Leben war hart, bescheiden in allem, authentisch im täglichen Kampf um das ›Brot auf dem Tisch‹ der Familie, gläubig in Entsprechung der Fürbitte des Vaterunsers«. Das Auftreten war glaubwürdig und die Hitze des Sommers für jede Art von Betätigung ein signifikantes Hindernis. Der soziale Rhythmus änderte sich mit der ersten Migrationswelle nach Zentraleuropa in den sechziger Jahren und der Einführung des Fernsehens in den Achtzigern. Mit dem See von Alqueva, beendet und in Funktion seit 2010, änderte sich die Situation bedeutsam, indem etwa 20.000 neue Arbeitsplätze, und etliche anhängende wirtschaftliche Aktivitäten geschaffen wurden.Die Bedingungen der Landwirtschaft verbesserten sich, die Monokultur der Weidewirtschaft wurde beendet. Der See nutzt mit seinen Wasserreserven der gesamten Region, schafft regelmässige Bewässerung und sichert die Versorgung mit elektrischer Energie. Der Tourismus nimmt zu, vor allem mit seinen bekannten Bootsreisen über den gesamten See. Heutzutage stellt die Region von Alqueva und Monsaraz für Portugal ein Beispiel dynamischen modernen Leistungsnachweises und einen Pfeiler der Zukunftsentwicklung des Landes dar. Das Gebiet ist Teil des Welterbes. »Es waren wir Alentejaner«, vervollständigt Natália stolz den Punkt über die alentejanische Migration, »welche die Azoren im 16. Jahrhundert kolonisierten«, was den unternehmerischen Charakter der Alentejaner offenbart.

Inzwischen hat meine Begleiterin mit den Personen am Nebentisch ein Gespräch angefangen, diese angezogen von unserem intensiven und emotionalen Gespräch bzw. den Beiträgen von Natália und Miguel. Unter den Tischnachbarn befand sich ein eleganter Herr mit feingliedrigen Händen und Fingern, nicht von alentejanischer Ausprägung, mit einer randlosen Brille, ein Archäologe, der, wie er uns mit wachsender Begeisterung erzählte, in der Planungsleitung für das »gloriose Projekt Alqueva«, wie er formulierte, gearbeitet hatte. Er kehrte heute hierhin zurück, um seiner Ehefrau und seien zwei Kindern zu zeigen, wo er einen guten Teil seines Arbeitswirkens zwischen 1993 bis 2005, also zwölf Jahre seines Lebens, zubrachte, alles um ihn herum »seine geliebte Heimat«, wo »er jeden Stein, jeden Grashalm, jede Straße ohne Kurven in den Feldern und jeden der Adler kenne, welche majestätisch um das Kastell kreisen.« »Es waren deren Urgroßväter«, unterbricht meine Partnerin, Alentejanerin aus Redondo, den Wissenschaftler der Wasserhydraulik und korrigiert ihm die Landkarte der alentejanischen Fauna. Er nickt vergnüglich mit dem Kopf und fährt fort, uns in begeisterten, farbigen und faszinierenden Ausführungen die Geschichte seines Arbeitsuniversums von 250 km2 und mehr als 1.000 km Strandlänge zu erzählen, das Vorhaben im Jahr 1968 durch die portugiesisch-spanische Übereinkunft zur Nutzung der internationalen Gewässer eröffnet. Vorarbeiten liefen 1976, dann kam eine Unterbrechung im Jahr 1978, die Wiederaufnahme setzte 1995 nach langen politisch-administrativen »Kämpfen« ein, die Verkehrsübergabe der Nationalstraße Portel—Moura geschah 2002. Am 12. Januar 2010 erreichte der Stau mit 152 Metern seine größte Höhe, was ein gestautes Volumen von 4.150 Hektometern ergab, 2013 die zentrale Hydroelektrikanlage eingeweiht wurde. Für uns waren es 30 kurze Minuten eines authentischen Films gemischter Zusammenhänge, illustriert von fröhlichen Episoden des Alltags in jener grössten Baustelle Portugals während viereinhalb Dekaden. Der Archäologe in seiner starken Emotion, zurückzublicken, versetzte den ganzen Saal in ein betäubtes Schweigen, die hübsche Blonde stellte ihren Service ein und der braunhäutige Vater, mit den Ellenbogen auf die Theke der Bar gestützt, applaudierte mit seinen Augen unentwegt dem enthusiastischen Ingenieur. Ein Szenario fertig für einen Filmdreh ohne geschriebenes Libretto.

Der Nachtisch – serviert wurde eine alentejanische «cericá da terra» – schloss den Tag in würdiger Form.

Bevor wir aufbrachen, lüftete der wortkarge Chef des Cafés sein Schweigen und sagte zu uns: »Es lohnt sich, auf den höchsten Punkt des Schlosses zurückzukehren, um den Sonnenuntergang zu genießen. Dieses einmalige Ereignis vergisst man nicht.«

Er sollte Recht behalten – ein Supererlebnis lyrischen Wohlbefindens für die Augen, diese eindringliche Mischung von Wasser und Landschaft mit aus unendlichen Ebenen heraufschwebenden Aromen – in der Tat ein malerisches, monströses und magisches Make-up.

Trezentos e sessenta graus de bem-estar para os olhos

Foto von Alqueva (Portugal)

de Ana Carla Gomes Fedtke e Eberhard Fedtke

> Estamos sentados, quatro pessoas numa pequena mesa dum café ao pé do Castelo de Monsaraz. A atmosfera é familiar e agradável. A sala tem apenas 10 lugares, distribuídos por três mesas, bem equipada, dispondo também de uma «área infantil», aliás, é um banquinho infantil e tem ainda uma «zona wi-fi». Vivemos em consonância com a realidade moderna: pouco espaço para as crianças, que faltam cada vez mais numa vida dominantemente téc­nica, mas com um mundo digital aberto a dimensões misteriosas. O pequeno balcão do bar faz parte da sala, também a minicozinha, tudo num ambiente muito funcional.
O serviço é feito por um homem que é assistido por uma menina. Trata-se obviamente de pai e filha. Ela é bastante alta, bem mais alta que o pai, tem cabelos loiros, uma pele branca e olhos azuis, é alegre e tem uma amabilidade aberta. O comportamento do pai, pelo contrário, um «moreno», e mais discreto, mas digno do seu trabalho, silencioso na cozinha, serve no balcão com impetuosa modéstia, reservado, fala utilizando uma sensibilidade gestual e sem nunca perder a concentração na colaboração com a filha. Ela domina a sala com 10 lugares, uma tarefa fácil.
Como é possível, um exemplar de beleza tão nórdico neste canto do mundo, queríamos saber a opinião dos nossos dois acompanhantes de mesa, neste «dia de Monsaraz», ela, Natália, uma «filha das Vinhas» e ele, Miguel, um «rapaz dos Foros da Fonte Seca», freguesias que pertencem ao concelho do Redondo. Todos os gestos de ambos assim como as suas figuras são autenticamente alentejanos. Natália e Miguel dão-nos uma lição de etnologia sobre a história desta região de Portugal: ficámos a saber que esta menina nórdica não é uma pura raridade. Encontram-se mais provas evidentes desta espécie. O próprio alentejano na sua história tinha várias influências étnicas que deixou marcas de ADN notáveis nesta população, tornando-a singular. No início foram os Romanos que expressivamente colonizaram o Alentejo, juntamente com outras partes do país, sendo uma colónia de Roma, como provam os múltiplos monumentos romanos, pontes e colunas antigas, caminhos de pedra romana, etc. Depois chegaram à Península os Visigodos na sua migração medieval, tendo sido a península ibérica o fim geográfico de um longo e comprido passeio. O terceiro povo que teve uma larga expressividade nas características dos alentejanos foram os Árabes que deram um profundo contributo para a silhueta física do povo alentejano. Se olharmos nas caras das belezas portuguesas, podemos descobrir um pouco de tudo destas tipificações raciais, narizes elegantes ­romanos, olhos irisando em azul e verde dos Visigodos e a pele castanha dos Árabes. O povo português teve muita sorte da florescência sanguinária e das infiltrações dominadoras destas múltiplas origens genéticas, formando caras ­únicas e singulares. Espontaneamente lembro-me de uma vizinha com olhos puramente verdes. Pensamos que muitos portugueses reuniram um terço da expressão romana, um terço visigodo e um terço muçulmano. «Só falta hoje a aurora dos refugiados africanos», vira a Natália ironicamente a conversa. «Para eles visitarem aqui os seus bisavôs, os familiares dos antepassados, dos séculos I DC, V DC e VI DC, respectivamente», «uma boa espécie de renascimento cultural», digo eu. «Mas os alemães estão aqui com relevante presença e eficácia», sublinha o Miguel e eu inclino a minha cabeça num sinal afirmativo. Seja como for, estamos na Europa unida, uma mistura de população cada vez mais significativa e misturada. A história cantada do Alentejo com o seu folclore faz parte desta geografia multicolorida europeia.
Entretanto a beleza nórdica começa a servir o almoço. Uma sopa de cação alentejana e umas especialidades regionais, carne de porco à alentejana. Miguel escolhe um bom vinho e visivelmente tem dificuldade em encontrar uma colheita digna para este dia preferido de todos, entre produtos famosos que crescem por toda a região e já com meritório reconhecimento nacional e internacional. Decidiu-se finalmente por um Eugénio de ­Almeida, tinto, colheita de 2013, várias vezes premiado. Temos fome e um bom apetite depois da escalada fatigante do parking em baixo, desde a entrada da freguesia de Monsaraz, atravessando toda a freguesia e depois a visita ao castelo, em suma perfazem três horas de concentração e admiração pelas características antigas e da época medieval, mas também alusivas ao florescimento renascentista, muitas em estilo manuelino. A freguesia é uma riqueza estupenda de cores de granito cinzento, argamassa de barro vermelho e uma espécie mesclada de xisto. As casas, assim como todas as ruas exibem uma palete de inspiração sensível de arquitectura engenhosa, muitas peças em profunda simbiose de arte com religião, com testemunhos impressionantes de uma forma lógica de planimetria clássica do passado. É um prazer estimulante de passar a par e passo esta preciosidade urbana histórica, cheia também de trajes autênticos e disfarces folclóricos. A Porta da Vila, saudando e surpreendendo os visitantes num arco ogival, ostenta-se decorado por dois cubelos semicilíndricos, um dos quais portando um campanil calado de relógio.
O próprio castelo, situado no elevado Monte de Monsaraz, é um monumento pré-histórico, transbordando de preciosos elementos medievais e seiscentistas com uma planta quadrangular, com muralhas de xisto e torres, reforçadas por cal. No meio situa-se a grande e imponente praça de armas com tribunas, ­inteligentemente toda combinada com as edificações da alcova e da torre de menagem. O castelo está protegido com três baluartes e decorado com um parapeito e uma coluna artificial que circunda toda a vila, fazendo uma união per­feita com as muralhas da porta da igreja Ermida de São Bento de Monsaraz. ­Viveram no forte inteiro continuamente cerca de 40 a 50 pessoas.
O bom vinho dá mais e mais impulsos: Natália e Miguel explicam-nos com entusiasmo, orgulhosos das características do Alentejo em geral e nesta região de Monsaraz, antes de começar a construção do fantástico lago do Alqueva, uma famosa composição luso-espanhola no rio Guadiana. Esta colaboração conjunta criou o maior lago artificial em toda a Europa Ocidental. «A gente», conta Miguel com voz solene sobre o passado do Alentejo, «viveu principalmente da agricultura, da criação do gado, com pouco do turismo, sempre com muita devoção face às pobres condições desta parte do país. A vida era dura, modesta em tudo, autêntica no cuidado confiante pela quotidiana luta para o ‹pão na mesa› da família, crente em correspondência na oração do Pai Nosso». Os hábitos eram fidedignos, e o calor do verão um bloqueio significativo para cada ramo de actividade. O ritmo social mudou com a primeira onda famosa de migração na europa central nos anos sessenta e a importação da televisão nos anos oitenta. Com o lago do ­Alqueva, terminado e em funcionamento em 2010, a situação mudou significativamente, criando em primeiro lugar cerca de 20.000 novos postos de trabalho e muitas actividades comerciais complementares, melhorando as condições da agricultura, acabando com a monocultura de agro-pastoril. O lago ajuda com as suas reservas de água toda a região, produzindo regas constantes e segurando um fornecimento de energia eléctrica. Aumenta o turismo em geral, nomeadamente com as famosas visitas de barco por todo o lago. Hoje em dia esta região do Alqueva e de Monsaraz significa para Portugal um exemplo de desempenho dinâmico, moderno e um estável pilar no desenvolvimento futuro do país. A região faz ­parte do património mundial. «Fomos nós alentejanos», Natália completa orgulhosamente a discussão sobre o ponto da ­migração alentejana, «que colonizámos os Açores no século XVI», a prova de um carácter alentejano empreendedor.
Entretanto a minha companheira ­meteu conversa com as pessoas que se encontravam na mesa ao lado, que atentaram na nossa conversa intensa e emocionada, respectivamente às intervenções de Natália e Miguel. Entre os nossos vizinhos do lado estava um senhor elegante, com mãos e dedos fininhos, não à maneira alentejana, e com óculos sem armação, um arqueólogo que trabalhou, como nos conta com êxtase crescente, na direcção e planeamento do «projeto glorioso do Alqueva», como formula. Voltou hoje aqui, para mostrar à sua mulher e aos seus dois filhos, onde passou boa parte do seu tempo laboral desde 1993 até 2005, aliás 12 anos da sua vida, sendo tudo à sua volta «a sua amada terra», onde ­conhece «cada pedra, cada erva, cada ‹estrada sem curvas› nos campos e cada águia que gira ainda hoje majestosamente em torno do castelo». «Foram os bisavôs deles», a minha companheira, também alentejana do Redondo, interrompe o cientista da hidráulica e corrige o mapa-mundi da fauna alentejana. Ele acena divertido com a cabeça e continua a contar-nos com palavras entusiastas, coloridas e fascinantes a história do seu universo laboral no Alqueva com 250 km2 e mais de 1.100 km de margens, tendo sido em 1968 estabelecido aquando da celebração do Convénio Luso-Espanhol a utilização dos rios internacionais. O início das obras preliminares ocorreu em 1976, depois veio a interrupção delas em 1978, o reinício dos trabalhos deu-se em 1995 depois de longas «lutas» político-­administrativas, a abertura ao trânsito da estrada nacional Portel-Moura chegou em 2002. Em 12 de Janeiro de 2010, a barragem atingiu o seu nível máximo de 152 m, dando origem a um volume de água armazenada de 4.150 hectómetros cúbicos, até à inauguração da central hidroeléctrica em 2013. Para nós representou uns curtos 30 minutos de autêntico cinema de uma coerência misturada, ilustrados com alegres episódios dos dias quotidianos neste maior terreno de construção em Portugal durante quatro décadas e meia. O arqueólogo numa intensa emoção de retrospectiva durante estes 30 minutos deixou toda a sala num silêncio ensurdecedor, a loira bonita parou o seu serviço e o pai moreno, com os cotovelos apoiados no balcão do bar, olhava continuamente aplaudindo o engenheiro entusiasta com os seus olhos. Um ­cenário pronto para filmar sem libreto escrito.
A sobremesa, servida num delicioso ­cericá da terra, encerrou de forma condigna e rematou o dia em boa companhia.
Antes de ir embora, o silencioso chef do café rompeu o seu silêncio e disse-nos: «Vale a pena voltar ao ponto mais alto do castelo para apreciar o pôr-do-sol. Não é para esquecer este cenário único», prometeu-nos.
Tinha razão – um super evento de bem-estar lírico para os nossos olhos, a combinação de águas e terra com intensos aromas enxameados das infindas planícies, manifestamente uma maquilhagem pitoresca, monstruosa e mágica.

 

Monchique: Die Nacht, als die Felsen platzten

Foto von verbrannter Erde in Monchique (2018)

Ein leises Resümé über den August 2018 in Monchique • von Catrin George Ponciano

> Im August 2018 brannte im Algarve der Bergzug Serra de Monchique acht Tage und sieben Nächte lang, und seine Bewohner sahen hilflos zu, wie kräftig- böiger Wind die glühende Feuerwalze in rasender Geschwindigkeit unaufhaltsam vorwärtstrieb.
»Dieses Mal war es anders als im Jahre 2003«, erzählt Antonieta leise. Damals kam das Feuer auch bis vor ihre Haustür, »doch es ließ es sich zähmen«, sagt sie. In diesem Jahr fauchten die Flammen bereits auf ihrem Weg von Monchique nach Alferce so laut, als brülle ein monströses Raubtier durch die Dunkelheit. Antonieta kennt dieses lodernde Fauchen aus ihrem Brotbackofen, wenn sie die Ofenklappe zum Nachlegen öffnet, und Wind durch den Schlot pfeift. In jener Nacht wähnte Antonieta sich selbst mitten im dunklen Schlund, als das Feuer den ­Abhang im Malhada-Quente-Tal hinabstürzte, als die über hundert Jahre alten Korkeichen knirschten und kreischten, als die Flammen ihre Baumkrone und den Stamm fraßen, als sie sich wie ein Derwisch um den glühenden Stamm ­wickelten und schwefelgelb lodernd tanzten, bis weniger als ein verkohltes Stück Stumpf von den mächtigen über zehn Meter hohen Sonnenschirmbäumen übrig blieb. 
Erst die Bäume, dann die Erde. Antonieta macht sich gar nicht mehr die Mühe, ihre Tränen zu verbergen. Die Erde zischte. Mitten im lodernden Feuerkegel knallte es, als breche der ganze Berg auf. Dreck flog umher, Glut stob auseinander. Das hörte sich an, als würde das Feuer nicht bloß den Wald, sondern Mutter-Erde gleich mit verschlucken. Ihre Stimme bricht. »Als die Steine platzten, sah ich dem Dämon mitten in sein züngelnd höhnendes Gesicht. Das war kein Feuer, das war der Teufel mit Feuer-Maske«, schließt sie ihren Vortrag ernst.
Die Katastrophe setzte ihren grau­samen Weg der Verwüstung fort. Das Flammenmeer raste die teilweise 45° steilen Abhänge an der Nordseite des ­Picota-Berges hinauf und hinab und fraß sich kreuz und quer durch den uralten Mischwald rund um Alferce. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Höfe ­bereits evakuiert, manche Hausbesitzer gingen nur unter Protest, gegen ihren Willen. Sie ahnten, dass niemand ihre Höfe retten würde, wenn sie es selbst nicht in die Hand nahmen, aber die Guarda Nacional de República nahm jeden mit − wenn nötig, mit Nachdruck. Die Polizisten wollten auch Antonietas Mann Zé Filipe evakuieren, doch dieser dachte nicht einmal daran, den Hof seiner Familie zu verlassen, büxte den Polizisten aus und versteckte sich.
Eingeschlossen in den tödlichen Kreis aus Flammen, Hitze und Rauch, verbrachte Zé Filipe die längste Nacht seines Lebens und kämpfte allein mit einem Schlauch gegen die Flammen. Strom und Telefon waren längst ausgefallen. Wen sollte er auch anrufen. Niemand konnte kommen, um ihm zu helfen. Sämtliche Straßen waren gesperrt, er war auf sich allein gestellt. Als der Wasserspeicher und die Zisterne leer gepumpt waren, lechzten die Flammen nach dem Dach des Wohnhauses. Zé Filipe verlor den Kampf gegen den Flammendämon, floh ins Tal und entkam dem Feuertod nur knapp. Seitdem wirkt er oft abwesend. Sein Blick verweilt an einem Ort, den nur er allein kennt. 
Viel gesprochen hat Zé Filipe noch nie. Im Gegensatz zu Antonieta, die überaus kontaktfreudig ist. Es mache ihr Angst, wie schweigsam ihr Mann sei. »Ironie des Schicksals«, meint Antonieta in ihrer Backstube, wo täglich ein halbes Klafter Holz brennt, um über 2000 Laibe Brote gar zu backen, und nicht einmal eine winzige Rauchspur die erst im Frühsommer frisch gekälkten Wände schwärze. Ihre hellbraunen Augen glänzen verräterisch feucht. Tapfer schluckt sie die Tränen herunter. »Sei es drum«, meint sie, »müssen wir eben noch eine Seite im Buch des Lebens umblättern«.
Es gibt viele Familien in Monchique und Umgebung, die Ähnliches erlebt ­haben. Seither hadern sie mit der Lokalpolitik, den Behörden, dem Staat und mit Gott. Obwohl geografisch im Algarve gelegen, verkörpert der Gemeindekreis von Monchique mit seinen Bewohnern einen Lebens-Kosmos, der mit dem für den ­Algarve typischen Touristen-Rummel rein gar nichts zu tun hat, und vom sogenannten modernen Zeitgeist Mitteleuropas eine Galaxie weit entfernt liegt. Hier stehen − wie seit eh und je in der Menschheitsgeschichte − die Natur und ihre ­Gaben im Mittelpunkt des Universums, und der Mensch ist Gast darin. Er sät, erntet, verzehrt und hegt Mutter-Erde mit Respekt und altem Wissen. Religiosität ist in Monchique an der Tagesordnung. Die Menschen definieren sich und ihr ­Dasein in der liturgischen Gesamtheit der biblischen Interpretation. Eine Katastrophe wie der Brand im August 2018 bringt die Natur ins Schwanken, zerstört ihre Synergien und raubt den Menschen ihre Lebensgrundlage, die wiederum fest ­verankert ist im tiefem Glauben an die göttliche Fügung. 2018 geriet ihre kleine Welt aus den Fugen. Seither hadern die Menschen mit allem, was ihnen lieb und wichtig ist. Zurück bleibt eine Wunde, die kein Trost heilen kann. Es scheint, als seien ihre Seelen zerbrochen, still, leise, unbemerkt, in der Nacht, als die Felsen platzten. Bem Hajam, Monchique

Das Hotel »König von Portugal« in Berlin

Foto des Hotels »König von Portugal«

Eine Spurensuche von Dr. Ingolf Wernicke

> Als das »Adlon des 19. Jahrhunderts« galt das einstige, legendäre und heute beinahe vergessene Hotel »König von Portugal« in Berlin. Es befand sich in der Burgstraße in Berlin-Mitte, direkt auf der dem Berliner Stadtschloss gegenüber liegenden Spreeseite.
Das bereits Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Haus hieß zunächst »Logis zur Spree«. Nachdem unter dem Preußischen König Friedrich Wilhelm I. eine portugiesische Sondergesandtschaft hier einquartiert war, erhielt das Haus den ­Namen »Hotel König von Portugal«. Es entwickelt sich zu einer beliebten Unterkunft für Besucher bei Hofe, auslän­dische Gesandte, Geschäftsleute und Künstler.
Friedrich Nicolai (1733−1811), Verlagsbuchhändler, Schriftsteller und Regionalhistoriker, erwähnte das Hotel 1786 in seinem Berlin-Führer und rechnete es zur ersten Klasse der Berliner Hotels. Im Laufe der Jahre haben manche außergewöhnlichen Gäste im »König von Portugal« gewohnt, wie z.B. Minna von Barnhelm, die hier bei ihrer Ankunft aus Sachsen den Herrn von Tellheim trifft. Allerdings verfremdete Gotthold Ephra­im Lessing (1729−1781) den Namen des Hotels in seinem Stück und nannte es »König von Spanien«. Friedrich der Große (1712−1786) brachte die Primaballerina Barbara Campanini (genannt Barberina) zunächst hier unter. Theodor Fontane, der 1833 in einem der Nachbarhäuser bei seinem Onkel August wohnte, lässt in seinem Roman »Vor dem Sturm« den Herrn von Vitzewitz im »König von Portugal« von seinem Hotelzimmer den Blick zum gegenüberliegenden Schloss genießen.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden vom Besitzer des Hotelbetriebes, dem Weinhändler G. Richter, auch im »König von Portugal« Festsäle und Salons geschaffen, die für verschiedene Zwecke wie z. B. Ausstellungen und Konferenzen, genutzt werden konnten. In historischen Broschüren wurde hingewiesen auf die großartigen Festsäle nebst ihren dazu gehörigen »comfortablen Salons«, die bis zu 300 Personen Platz boten.
Eine der Zielgruppen und Gäste des Hotels waren jüdische Reisende. In einer Anzeige warb das »Hotel König von Portugal« damit, dass es über eine hauseigene Synagoge verfüge und eine streng ­rituelle Küche biete. Es war bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ein Ort für kulturelle Aktivitäten der jüdischen Bevölkerung.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges ­f­ielen das Berliner Stadtschloss und das benachbarte Altstadtviertel alliierten Bombenangriffen zum Opfer − darunter auch das »Hotel König von Portugal«. Der gesamte Abschnitt der Burgstraße wurde als »nicht wiederaufbaufähig« klassifiziert und enttrümmert. Beim Bau des Berliner Fernsehturms in den Jahren 1965−1969 wurde die Fläche, auf dem einst das Hotel stand, in die umgebende Grünanlage, das Marx-Engels-Forum, einbezogen.

Fachkräfte aus Portugal arbeiten in München

Foto vom Deutschen Herzzentrum München (DHM)

Eine Erfolgsgeschichte am Deutschen Herzzentrum München (DHM) •
erzählt von Thomas Schmid

> Auch das Deutsche Herzzentrum München (DHM) als Fachkrankenhaus für Herz- und Kreislauferkrankungen ist vom Fachkräftemangel betroffen − insbesondere im Bereich ­Pflege und in medizinisch-technischen Berufen. Das DHM ist eine Einrichtung des Freistaates Bayern und zählt europaweit zu den großen Zentren für Herz­erkrankungen. Von den 1.200 Beschäftigten arbeiten rund 450 Personen im ­Pflege- und Funktionsdienst. Wegen der hohen Spezialisierung ist der Anteil an Intensiv­patienten sehr hoch.
Da auf dem deutschen Markt durch den Fachkräftemangel auf absehbare Zeit kein ausreichendes Personal mehr zur Verfügung steht, hat sich das DHM bereits im Jahr 2012 dafür entschieden, fokussiert in Portugal Fachkräfte anzuwerben. Mittlerweile sind rund 100 Kollegen aus Portugal tätig, die Fluktuation ist äußerst gering. Kündigungen sind meistens nur darin begründet, dass die Fachkräfte in ihrer Heimat Portugal wieder einen Arbeitsplatz in ihrer Branche gefunden haben oder aus familiären Gründen wieder zurückreisen. Die geringe Fluktuation spricht nicht nur für das DHM als Arbeitgeber, sondern auch für das Know-how aus Portugal. Mittlerweile sind die Portugiesen voll integriert, ­ohnehin war die Wertschätzung auch seitens der (deutschen) Stammbelegschaft von Beginn an sehr hoch.
Inzwischen wurden wiederholt Pflegekräfte und medizinisch-technisches Personal in Portugal angeworben, dies erfolgte auch immer in Eigenregie direkt durch das DHM. Es ist bekannt, dass ­viele »ominöse« private Vermittlungsagenturen aus Deutschland in Portugal ihr ­Unwesen trieben und nicht immer ein positives Image vermittelt haben. Hiervon wollte sich das DHM immer abgrenzen. Es erfolgt seit jeher eine tarifliche und faire Bezahlung.
Die Werbung in Portugal erfolgte über Anzeigen, das Internet oder durch Mundzu-Mund-Propaganda von bereits in München tätigen portugiesischen Kollegen. Interviews mit den Fachkräften wurden dann jeweils in Porto, Coimbra und Lissabon durchgeführt.
Gemeinsam mit den beiden Goethe-­Instituten in Lissabon und Porto wurden sodann eigene Vollzeitkurse durchgeführt. Die Qualifikation bis zum Sprachlevel A2/B2 dauert mehrere ­Monate und wird voll durch das DHM finanziert. Die zukünftigen Kollegen haben in dieser Zeit ein monatliches Taschengeld erhalten. Bereits während des Sprachkurses erhalten alle ihren Arbeitsvertrag für Deutschland, was zusätzlich motiviert. Selbstverständlich ist auch die weitere Betreuung in Deutschland: Anmeldung bei Behörden, Eröffnung eines Bankkontos, Anmeldung bei der Krankenkasse etc.
Bei Einreise und zum Praxisstart in der Klinik verfügen die neuen Kollegen dann über einen guten B1-Sprachlevel. Ein mehrmonatiger Sprachkurs an zwei Tagen pro Woche während der Arbeitszeit führt dann zum B2-Niveau. Dieser ist ­immer Voraussetzung für eine deutsche Berufsanerkennung als Pflegekraft. Mit Erteilung der Berufsanerkennung erhalten alle portugiesischen Fachkräfte ­einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit dem Freistaat Bayern. Viele Portugiesen nutzen dann rege das Angebot an vergünstigten Staatsbedienstetenwohnungen. Dies ist für den Standort München natürlich nicht uninteressant.
Die Einarbeitung auf den Stationen funktioniert mittlerweile routiniert. Durch die hohe Spezialisierung dauert diese auch für deutsche Fachkräfte meist mehrere Monate. Das DHM investiert auch hier sehr viel: So sind freigestellte Praxisanleiter in den ersten Monaten ­immer an der Seite der neuen Kollegen in der Pflege.
Das in Portugal an den Hochschulen und Universitäten vermittelte Fachwissen ist sehr hoch. Durch die schlechte Arbeitsmarktsituation in Portugal fehlt den jungen Leuten meistens entsprechende Praxiserfahrung. Dies wird dann durch die strukturierte Einarbeitung ausgeglichen. Einige Kollegen haben bereits ihre sog. Fachweiterbildung (Anästhesie-/Intensivmedizin) absolviert und möchten sich auch in Deutschland weiterentwickeln.
Insgesamt ist dieses Projekt eine große Erfolgsgeschichte, sowohl für das Deutsche Herzzentrum München, aber auch für die portugiesischen Kollegen. Einige haben in München schon eine Familie gegründet und fühlen sich in der bayerischen Landeshauptstadt sehr wohl.

»Garten Stefanie« im Palácio Real do Alfeite (Portugal)

Josef Wolters spricht mit Carlos Quintas über den «Jardim Rainha Dona Estefânia»

> Anlässlich unserer diesjährigen DPG-Mitgliedertagung in Düsseldorf fand ein Kolloquium der Initiative Lisboa-Düsseldorf statt, auf dem DPD-Mitglied Carlos Quintas über den »Garten Stefanie« berichtete.

Herr Quintas, wie kam es zu dem Engagement, den Garten hinter dem Palácio do Alfeite zu restaurieren und neu zu gestalten?
Carlos Quintas: Aus der Geschichte wissen wir, dass die aus Düsseldorf stammende Königin von Portugal, Estefânia, oder wie sie hier genannt wird, Stefanie, Gattin des Königs Pedro V, nach ihrer Hochzeit im Jahre 1858 zumindest eine Nacht im Palacio do Alfeite nach dessen Renovierung im Jahr 1859 verbracht hat. Mitglieder der Initiative Lisboa-Düsseldorf wollten deshalb als Erinnerungsstück ursprünglich (nur) eine Plakette am Palastgebäude anbringen.

Es kam aber anders, wie wir heute wissen. Was war ausschlaggebend?
Der Kommandant der Base Naval do Alfeite, Capitão de mar-e-guerra Pedro Proença Mendes sagte mir in einem persönlichen Gespräch, dass er wenig von einer Plakette hielte. Stattdessen stünde dem Palast auf dessen Rückseite ein schöner Garten gut zu Gesicht, da der alte Garten leider ungepflegt und teilweise verwildert sei… Einen neugestalteten Garten könne man selbstverständlich mit dem Namen Estefânias, also Stefanies, verbinden.

Warum haben Sie diese Idee dann aufgegriffen?
Ich habe mir den Garten angesehen und war beim Anblick entsetzt. Der Garten war so heruntergekommen, dass in mir der Gedanke aufkam: Die Idee des Kommandanten verstehst du als Auftrag und kümmerst dich darum, dass es einen schönen neuen Garten, einen Garten Stefanie gibt.

Was haben Sie dann unternommen?
Da ich gar nicht übersehen konnte, welche Zeit, wie viel Arbeit und welche Kosten damit verbunden sein würden, das ca. 5.000 Quadratmeter große Areal neu mit Wegen, Pflasterung, Beeten, Baumschnittarbeiten und Neubepflanzung sozusagen auf Vordermann zu bringen, dachte ich erst an Düsseldorfer Stiftungen, industrielle Großfirmen, Banken und Sparkassen sowie an die Schlossgärten Schloss Benrath, die (finanzielle) Hilfen geben könnten. Aber weder diese Vorstellung ließ sich realisieren noch ein finanzielles Crowdfunding des Freundeskreises.

Was haben Sie dann gemacht?
Ich habe zunächst meine Manneskraft eingesetzt und − wie man sagt − die Schippe selbst in die Hand genommen; das, um der Marine gegenüber zu zeigen, dass ich es wirklich ernst meinte mit der Restaurierung des Gartens. Ich habe private Mittel eingebracht in fünfstelliger Eurosumme. Vorher gab es am 16.10.2017 ein Kolloquium der Initiative Lisboa- Düsseldorf in Lissabon, in dessen Anschluss sich alle Kolloquiums-Teilnehmer ein Bild von dem desolaten Zustand des Gartens machen konnten. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel war ebenfalls zugegen, und ich konnte in dessen Anwesenheit einen letter of intention mit der Marine unterzeichnen, damit sich später u. U. die Stadt Düsseldorf nicht nur ideell, sondern auch finanziell am Garten beteiligen könnte. Aber solange es keine offizielle Kooperation wie ein Kulturabkommen oder einen Vertrag über eine Städtepartnerschaft zwischen Lissabon und Düsseldorf gibt, bleibt das »Zukunftsmusik«.

Wie ging es dann weiter?
Im Dezember 2017 gab mir mein Freund Klaus Nagel das Versprechen, die Hälfte der Kosten für die Neugestaltung des Gartens Stefanie zu übernehmen, wenn ich die andere Hälfte aufbringen würde. Mit Bernd Frommeyer fanden wir einen Gartenbautechniker, der mitgeholfen hat, den Garten neu zu gestalten. Nur Reise- und Unterbringungskosten stellte er in Rechnung, sonst arbeitete er ehrenamtlich. Er hat ein neues Bewässerungssystem konzipiert, Bäume gesäubert und neu ausgerichtet. Mit neu angeschafften Maschinen und Gerätschaften wurde viel Erde bewegt, ein portugiesischer Steinpflasterer mit Erfahrung in Calçadas wurde engagiert, eine vom Künstler Alberto Franco Germàn gestaltete Büste der Königin Stefanie wurde aufgestellt, der Rasen wurde eingesät, ein vom Künstler Alexander von Stenglin entworfener Brunnen fing an, Wasser zu speien, so dass der Garten Stefanie am 8. Juni 2018 − zum 100. Jubiläum der Marine − übergeben werden konnte. Eine feierliche Zeremonie zur Eröffnung des Gartens Stefanie mit dem Verteidigungs-Staatssekretär in Vertretung des portugiesischen Verteidigungsministers fand dann am 25. Juni 2018 statt. Freunde und Geschäftsfreunde von mir haben noch mal rund 20.000 EUR gespendet. Auch die Marine selbst hat mit manpower und einem gewissen Betrag ihren Beitrag geleistet.

Wie geht es mit dem Garten Stefanie weiter? Kann man ihn besichtigen?
Ja, das muss aber organisiert werden, z.B. durch eine gemeinsame Reise von DPG-­Mitgliedern nach Lissabon. Da der Garten auf umzäunten Militärgebiet liegt, ist er leider nicht öffentlich zugänglich.

Wer übernimmt die Kosten für die Pflege des Gartens Stefanie?
Die Marine hat eigene Arbeiter, z.B. zum Rasenmähen, aber neue Stauden und Blumen wird sie nicht anschaffen. Es wäre schön und begrüßenswert, wenn sich DPG-Mitglieder mit Spenden für der­artige Dinge einbringen könnten. Ich möchte noch anmerken, dass im hinteren Teil des Gartens ein Teich liegt, der ebenfalls noch ertüchtigt und erneuert werden muss. Deshalb werden noch einmal mindestens rund 20.000 EUR benötigt. Bernd Frommeyer hat sich bereit ­erklärt, die erforderlichen Arbeiten wieder ehrenamtlich zu verrichten, aber er braucht Material, Baustoffe und professionelle Hilfe. All das kostet Geld. Mein Traum ist es, dass im Jahr 2020 der Garten Stefanie mit dem Teich-Areal endgültig fertig würde. Das Jahr 2020 liegt 500 Jahre nach der Entdeckung des Seeweges der Magellanstraße durch den Portugiesen Fernão de Magalhães, der ihn am 21. Oktober 1520 entdeckt hat.

Hoffen wir, dass dieser Traum wahr wird. Herr Quintas, vielen Dank für das Gespräch.

Póvoa de Lanhoso (1846): Eine Wäscherin ruft zum Aufstand

Bild vom Aufstand in Póvoa de Lanhoso (1846)

Andreas Lausen erzählt aus dem Leben der Maria da Fonte

> Eine 17-jährige Wäscherin ruft arme Bauern, Landarbeiter und Handwerker zum Aufstand, führt ein Bauernheer gegen die portugiesische Armee, bringt den Staat ins Wanken. Dabei konnte sie nicht einmal lesen und schreiben. Sie kam aus dem Nichts und verschwand spurlos. Sie hat kein Grab, aber ihr Andenken ist in Portugal lebendig.
Aber der Reihe nach: Nach dem Sieg über die französischen Invasoren und der Unabhängigkeit Brasiliens taumelte Portugal von Krise zu Krise. Der Staat war nach heutigen Begriffen pleite und ­unfähig, seine ausufernden Kosten einzuschränken. Zwar hatten liberale Regierungen das absolutistische Königtum mit viel Blutvergießen abgeschafft, aber die große Mehrheit des Volkes lebte in ­Armut und Rechtlosigkeit.
In den 1840er-Jahren sorgten ein neues Rekrutierungsgesetz und eine neue Steuer auf Hausbesitz für Wut und Verärgerung im einfachen Volk. Ein neues Gesetz, das den Friedhofszwang für Verstorbene einführte, brachte das Fass schließlich zum Überlaufen.
Traditionell wurden die Toten in den Kirchen beigesetzt. Heute noch sieht man in vielen Kirchen, dass der Fußboden in Quadrate aufgeteilt ist, die mit Brettern abgedeckt und durch steinerne Kanten voneinander abgegrenzt sind. Darunter verbergen sich Grüfte, die bis 1846 die Toten aufnahmen. Besser gestellte Bürger fanden nach dem Tod ihren Platz in Nischen der Seitenwände, Adlige in ­Seitenkapellen oder in steinernen Sarkophagen.
Durch höhere Einwohnerzahlen nahm ab 1830 die Zahl der Beisetzungen stark zu. Seuchen durch fehlende Hygiene und belastetes Trinkwasser führten besonders im Sommer zu vielen Sterbefällen. In den Kirchengrüften wurde der Platz knapp. Der Verwesungsgeruch war auch durch Weihrauch nicht mehr zu überdecken. Der Staat musste handeln.
Mit Dekret vom 28. September 1844 ordnete die Regierung von António Bernardo da Costa Cabral (ein Liberaler, der aber diktatorisch regierte) an, dass jede Gemeinde einen Friedhof am Ortsrand einzurichten hätte. Beisetzungen in den Kirchen wurden verboten − mit Ausnahmen für den Adel.
Außerdem mussten die Angehörigen der Toten eine Unbedenklichkeitserklärung und eine Sterbeurkunde beibringen. Der Staat kassierte Gebühren für die Beisetzung auf den neuen Friedhöfen, während die Kirche vorher mit einer Spende zufrieden war.
Das Volk murrte. In dem Minho-Städtchen Póvoa de Lanhoso hielt − der Überlieferung nach − eine junge Wäscherin namens Maria aus dem Dorf Fontarcada (später Maria da Fonte genannt) leidenschaftliche Reden gegen die Regierung. Niemand hat ihre Worte aufgeschrieben und der Nachwelt überliefert, aber sie könnte etwa gerufen haben: »Wir Armen haben keinen Besitz. Aber wenn wir tot sind, werden wir in der Kirche bestattet, und am Jüngsten Tag erwachen wir und sehen als Erstes den Altar und das Kreuz. Diese ­Gewissheit ist unser einziger Reichtum, und den will uns die gottlose Regierung in Lissabon nun ­rauben! Wehrt euch! Holt Forken und Dreschflegel, stürmt die Rathäuser und Gerichte!«
Als dann am 21. März 1846 die hoch ­betagte Custódia Teresa starb, wurde sie von ihrer Familie und vom Priester ­entgegen dem neuen Gesetz in der Pfarrkirche von Póvoa de Lanhoso beigesetzt. Der Bürgermeister setzte das neue Recht durch. Teresa wurde von den Gemeindearbeitern aus der Kirchengruft geholt und ohne Zeremonie auf dem neuen ­Gemeindefriedhof verscharrt.
Vier Frauen, alle mit dem Vornamen Maria, wurden als Rädelsführerinnen verhaftet, weil sie die gesetzwidrige Bestattung in der Kirche zu verantworten hatten. Doch am folgenden Tag wurden die vier von einer großen Volksmenge aus dem Gefängnis befreit.
Es begann im friedlichen Minho ein regelrechter Volksaufstand. Mit Knüppeln, Dreschflegeln und Heugabeln zogen wütende Bauern, Arbeiter und Handwerker gegen die Regierungsgebäude. Unter der Führung von Frauen wurden Rathäuser und Gerichte geplündert oder angezündet, die Beamten verprügelt und verjagt. Bald sprang der Aufstand auf das Land südlich des Douro über.
Die Regierung setzte Soldaten in Marsch, um den Aufstand niederzuschlagen. Aber etliche Soldaten liefen über. Den Aufständischen gelang es, die Kaserne von Braga und die Waffenkammer zu stürmen. Somit hatten sie ausgebildete Schützen und tödliche Waffen.
Acht Monate dauerte der Bürgerkrieg. Königin Maria II. schwankte zwischen Angst und Härte. Die Miguelisten, die das absolutistische Königreich zurückwollten, mischten auf Seiten der Aufständischen mit. Maria II. setzte den unbeliebten Regierungschef Cabral ab. Sie sah sich gezwungen, Briten und Spanier um Hilfe zu bitten, die daraufhin tausende Soldaten in den portugiesischen »Guerra da Patuleia« schickten. Schließlich mussten die Revolutionäre aufgeben. Durch die Konvention von Gramido am 30.6.1847 wurden einige wenige ihrer Forderungen erfüllt. Die Regierung hatte gesiegt.
Maria da Fonte tauchte nie wieder auf. Trotzdem (oder deswegen?) wurde sie zur Heldin. Bücher und Lieder wurden über sie verfasst, Denkmäler errichtet, Straßen nach ihr benannt. Salazar lobte sie als Kämpferin für einen strengen Katholizismus. Kommunistische Politiker sahen in ihr eine Revolutionärin, die sich gegen eine diktatorische Regierung auflehnte.
Aber die Frage drängt sich auf: Hat es Maria da Fonte überhaupt gegeben? Oder ist sie nur die Erfindung des Schriftstellers Camilo Castelo Branco, der fast vier Jahrzehnte später (1885) diese Frau zur Heldin eines Romans machte?
Tatsache ist, dass Maria da Fonte in keinem Tauf- oder Sterberegister vorkommt. In keinem Polizeiprotokoll, auf keiner Fahndungsliste, auf keinem Flugblatt taucht sie auf. Ihr richtiger Name ist ungeklärt. Es gibt keine authentische Zeichnung von ihr, keine Zeugenberichte, keine aufgeschriebene Rede.
Wohl aber ist sicher, dass die im März 1846 verhafteten vier Frauen existiert ­haben, denn sie sind aktenkundig. Alle hießen Maria. Bewiesen ist auch, dass der Aufstand wesentlich von Frauen angeführt wurde − eine Seltenheit in der ­europäischen Geschichte.
Ist es vielleicht so gewesen, dass die Volksmeinung und Camilo Castelo Branco verschiedene Frauen und verschiedene Ereignisse in der Person »Maria da Fonte« zusammenführten? Literarisch wird diese Praxis Epitome genannt. Das Forschungszentrum Maria da Fonte in Lanhoso nennt insgesamt sieben Frauen, die Taten und Wesen der Maria da Fonte verkörpern. (Infos unter: www.mariadafonte.pt)
Ob Maria da Fonte als Person existiert hat, ist unter diesen Gesichtspunkten nicht entscheidend. Bedeutsam für die Geschichte Portugals und Europas bleibt, dass sich 1846/47 das einfache Volk gegen die arrogante, tyrannische Behandlung durch die Obrigkeit erhoben hat.

Jahrestagung 2018: DPG stellt Weichen für die Zukunft

Foto von Düsseldorf: Blick auf den Rhein

Bericht aus Düsseldorf (19.–21.10.2018) von Josef Wolters (JW) und Andreas Lahn (AL) >

HALLO DÜSSELDORF (AL)

Als ich am frühen Freitagnachmittag in Düsseldorf ankomme, bleibt noch Zeit für einen Stadtrundgang. Bei sommerlichen Temperaturen macht es viel Spaß, durch die Altstadt zu bummeln, in Läden zu stöbern, auf dem Rhein Schiffe zu beobachten und auf einem Markt Kaffee zu trinken.
Um 18 Uhr treffen sich die DPG-Mitglieder in der Lobby des Tagungs-Hotels zur Begrüßung und brechen kurze Zeit später gemeinsam auf zum Weinkeller von Carlos Quintas. In der gemütlichen Atmosphäre seines Gewölbe-Kellers aus roten Ziegelsteinen und wunderschönen Rundbögen schmeckt der servierte Wein gleich noch leckerer.

Foto im Gewölbekeller von Carlos Manuel Lopez Quintas'

Carlos Manuel Lopez Quintas (2. v. l.) erzählt die Geschichte seines wunderschönen Gewölbekellers »Vinhos de Portugal« · © Herbert Schlemmer

Foto vom Weinausschank in Carlos Manuel Lopez Quintas' wunderschönem Gewölbekeller »Vinhos de Portugal«

Weinausschank in Carlos Manuel Lopez Quintas‘ wunderschönem Gewölbekeller »Vinhos de Portugal« · © Herbert Schlemmer

Einige Gespräche später machen wir uns auf den Weg zum Restaurant Schumacher, das in Düsseldorf Kultstatus genießt. Kult hin oder her: Mir ist es hier zu laut, das Reden und vor allem das Hören sind extrem anstrengend. Trotzdem ist es natürlich schön, viele Bekannte und auch einige Neue begrüßen zu dürfen.
Am Samstagvormittag entscheide ich mich für einen weiteren Bummel durch die gemütliche Düsseldorfer Innenstadt, während Josef Wolters und viele andere ein Kolloquium besuchen.

KOLLOQUIUM DER »INITIATIVE LISBOA-DÜSSELDORF« (JW)

Das IV. Kolloquium der »Initiative Lisboa-Düsseldorf« findet im Stadtmuseum der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf statt. Carlos Quintas, seit vergangenem Jahr Mitglied der DPG, ist sozusagen der Gründungsvater dieser Initiative. Er berichtet über die bisherigen Aktivitäten und Publikationen, über die der Leser mehr im Internet unter http://lisboa-duesseldorf.de erfahren kann.
Dr. Susanne Anna, Leiterin des Stadtmuseums, begrüßt circa 40 TeilnehmerInnen zum Kolloquium. Sie hält einen (kunst-) historischen Vortrag zum Thema »Düsseldorf, die soziale Stadt«. Ausgehend von der offiziell beurkundeten Stadtgründung geht sie auf die Gründung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft vor mehr als 700 Jahren ein. Seitdem hat sich Düsseldorf zu einer sozialen Stadt mit mehr als 1.000 gemeinnützig eingetragenen Vereinen entwickelt, die mit ihren Mitgliedern das soziale Klima der Stadtgesellschaft auf der Basis christlich gelebter Werte bestimmen.
Als zweiter Redner des Kolloquiums spricht der ehemalige Leiter des Düsseldorfer Goethe-Museums, Prof. Dr. Volkmar Hansen, zum Thema »Goethe informiert sich über Portugal«. Nach Hansens Recherche diente Goethe das Tagebuch eines Soldaten als Quelle seiner Gedanken. Dieser Soldat hat seit 1808 Aufzeichnungen zu kriegerischen Auseinandersetzungen gemacht hatte. Goethe selbst ist nie nach Portugal gereist, so dass er sich nur anhand dieser schriftlichen Berichte ein Bild über das Land machen konnte.
Anschließend hält Prof. Dr. Rolf Nagel einen kurzen Vortrag zum Thema »Deutschland 1945–1949, ein Land ohne Wappen«. Längere Ausführungen zu diesem Thema hat er bereits in der Vorwoche auf einer Konferenz der »Portugiesischen Geographischen Gesellschaft« in Lissabon gemacht.
Carlos Quintas stellt in einem Bildvortrag den »Garten Stephanie« in Almada vor. Der Garten liegt hinter dem Palácio Real do Alfeite, dem Hauptquartier der Portugiesischen Militärmarine. Es war ein besonderes Anliegen der »Initiative Lisboa-Düsseldorf«, dem lange Zeit gärtnerisch im Dornröschenschlaf versunkenen Garten neuen Glanz zu verleihen. Allein mit privat aufgebrachten Spendenmitteln von beträchtlicher Summe ist es gelungen, einen Garten zu bauen, der gut zu dem herrschaftlichen Anwesen des Palastes passt.

Foto der Pianistin Chiara Wernet

Die Pianistin Chiara Wernet verzaubert die Zuhörer · © Falk Zirnstein

Musikalischer Höhepunkt des Kolloquiums ist das Klavierspiel der 17jährigen Chiara Wernet. Sie spielt auf einem Bechstein-Flügel das Stück »Ceresteiros« des Komponisten Villa Lobos. Die vielfach ausgezeichnete Virtuosin hatte bereits in Cascais/Portugal einen Auftritt und ist eine exzellente Schülerin der Clara-Schumann-Musikschule in Düsseldorf.
Der Vorsitzende der DPG in Nordrhein-Westfalen, Josef Wolters, beendet das Kolloquium mit einem Dank an alle Beteiligten und überreicht der jungen Pianistin ein Buch über die Düsseldorfer Stadtgeschichte.

JAHRESTAGUNG 2018 (AL)

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Hotel beginnt um 14 Uhr die Jahrestagung der DPG. In seinem Grußwort betont Fernando de Matos vom portugiesischen Generalkonsulat die harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der DPG und den portugiesischen Institutionen. Er spricht von »guten Freunden« und hofft, »dass es so bleibt«. Christian Sachse vom LV Berlin/Brandenburg wird anschließend einstimmig zum Rechnungsprüfer gewählt. Ein herzlicher Dank geht an Dr. Rolf Müller, der sein Amt aus persönlichen Gründen aufgeben muss.

Foto von Christian Sachse

Der später zum zweiten Rechnungsprüfer gewählte Christian Sachse bei seiner Vorstellungsrede · © Gabi Baumgarten-Heinke

DPG-Präsident Michael W. Wirges dankt in seiner Rede allen Aktiven für ohre Arbeit und ruft nochmals dazu auf, wieder mehr über die eigenen Aktivitäten in den Ländern und Stadtsektionen zu berichten und im Portugal Report zu veröffentlichen. Er informiert die Anwesenden über einige der Termine, die er in den vergangenen Monaten wahrgenommen hat. Anschließend erläutert uns die Schatzmeisterin Gabi Baumgarten-Heinke die finanzielle Situation der DPG. Das Jahr 2017 sei zwar mit einem Überschuss von 237,08€ abgeschlossen worden, dennoch bestehe kein Grund zur Euphorie, da die Einnahmen ohne Spenden wesentlich geringer als die Ausgaben seien.

Foto von der Jahrestagung der DPG in Düsseldorf

Josef Wolters spricht auf der Jahrestagung der DPG · © Falk Zirnstein

Bei den Berichten aus den Landesverbänden und Stadtsektionen fällt auf, dass immer häufiger sogenannte »Stammtische« stattfinden, wo sich in einem Café oder Restaurant Mitglieder und Interessierte zwanglos zu einem geselligen Beisammensein treffen und ungezwungen unterhalten. Ein solches Treffen lässt sich in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen ohne großen Aufwand umsetzen.
Die DPG tut einiges, um sich nach außen in einem einheitlichen Design zu präsentieren. Dazu gehören neben der Website, der Fanpage auf Facebook, dem Portugal Report auch die Visitenkarten und Briefbögen. Ich selbst habe alle Beteiligten aufgefordert, mir die Termine und Aktivitäten in den Landesverbänden und Stadtsektionen mitzuteilen, um sie im Portugal Report und auf der Website zu veröffentlichen – in einer kurzen Mitteilung oder im Falle von Konzerten und Veranstaltungen gerne auch in einem kleinen Artikel.

Foto der TeilnehmerInnen an der DPG-Jahrestagung 2018 in Düsseldorf

Die TeilnehmerInnen der DPG-Jahrestagung 2018 in Düsseldorf · © Falk Zirnstein

Workshop der DPG in Leipzig (April 2018): Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden vorgestellt. Darüber gibt es ein Protokoll. Wer an diesem Diskussionsprozess teilnehmen möchte, sollte sich an die Geschäftsstelle in Berlin wenden, um das Protokoll zu erhalten.
Um mehr über die Kenntnisse der DPG-Mitglieder zu erfahren, wird eine »Wissens-Datenbank« angeregt, die nach dem Versenden eines Fragebogens an alle Mitglieder erstellt werden soll. An dieser Stelle also der Aufruf an alle, den Fragebogen auszufüllen und zurückzusenden.
Die Idee, über Crowdfunding Spenden für Projekte einzuwerben und die DPG dadurch bekannter zu machen, wird begrüßt.
Anschließend wird beschlossen, dass die Jahrestagung 2019 in Berlin stattfinden soll. Und im Jahre 2020 soll es mal wieder nach Portugal gehen. Und zwar nach Porto – unter dem Vorbehalt natürlich, dass die Organisation der Tagung dort überhaupt realisierbar ist. Genug Zeit ist ja immerhin vorhanden…

CAVE TAPAS (AL)

Nach einer kurzen Pause geht es auch schon los zum gemeinsamen Abendessen im portugiesischen Restaurant »Cave Tapas«. Zwei U-Bahn-Stationen und einen kurzen Fußweg später sind wir auch schon da. Ein Hauch Portugal zieht durch das Restaurant. Bei vielen leckeren Tapas und köstlichem Wein genießen wir die angenehme Atmosphäre im Cave Tapas. Dabei werden intensive und anregende Gespräche geführt. Dabei lässt sich niemand vom Übereifer der KellnerInnen anstecken, die bisweilen etwas hektisch wirken. Alles in allem ein wundervoller Abend!

Foto im Cave Tapas, Düsseldorf

Zufriedene Gesichter beim leckeren Essen im »Cave Tapas« · © Herbert Schlemmer

STADTRUNDFAHRT (JW)

Am Sonntagmorgen starten immerhin noch 17 TeilnehmerInnen der Jahrestagung zu einer knapp zweistündigen Stadtrundfahrt. Der Cabrio-Bus bietet ein Audioguide-Programm in 10 Sprachen an, leider keines auf portugiesisch. Die meisten Düsseldorfer Sehenswürdigkeiten werden angesteuert und vorgestellt: Landtag, Königsallee, Aqua-Zoo, Medienhafen, Altstadt, Hofgarten. Einige Düsseldorfer Highlights fehlen auf der Rundfahrt, so dass jede TagungsteilnehmerIn aufgerufen ist, sich bei einem weiteren Besuch in Düsseldorf den historisch bedeutenden Stadtteil Kaiserswerth, das Schloss Benrath mit seinem Garten und in der Peripherie das Neandert(h)al mit seinem berühmten Neandert(h)almuseum anzusehen. Düsseldorf ist wegen seiner weltweit geschätzten Messen »Boot«, »DRUPA«, »K(unststoff)« und nicht zuletzt wegen des Karnevals immer eine Reise wert.

Am Ende der Stadtrundfahrt wird das Ehepaar Wolters für die tolle Organisation der Jahrestagung ausdrücklich gelobt. Auch ich möchte herzlichen Dank sagen, insbesondere dafür, dass endlich mal »portugiesische« Elemente im Tagungs-Programm enthalten sind. Mögen sich die OrganisatorInnen der Jahrestagung 2019 in Berlin daran ein Beispiel nehmen!
Also dann: Auf ein Wiedersehen im Oktober 2019 in Berlin!
Herzliche Grüße von Josef Wolters und Andreas Lahn