»Garten Stefanie« im Palácio Real do Alfeite (Portugal)

Blick in den Garten Stefanie

Josef Wolters spricht mit Carlos Quintas über den «Jardim Rainha Dona Estefânia»

> Anlässlich unserer diesjährigen DPG-Mitgliedertagung in Düsseldorf fand ein Kolloquium der Initiative Lisboa-Düsseldorf statt, auf dem DPD-Mitglied Carlos Quintas über den »Garten Stefanie« berichtete.

Herr Quintas, wie kam es zu dem Engagement, den Garten hinter dem Palácio do Alfeite zu restaurieren und neu zu gestalten?
Carlos Quintas: Aus der Geschichte wissen wir, dass die aus Düsseldorf stammende Königin von Portugal, Estefânia, oder wie sie hier genannt wird, Stefanie, Gattin des Königs Pedro V, nach ihrer Hochzeit im Jahre 1858 zumindest eine Nacht im Palacio do Alfeite nach dessen Renovierung im Jahr 1859 verbracht hat. Mitglieder der Initiative Lisboa-Düsseldorf wollten deshalb als Erinnerungsstück ursprünglich (nur) eine Plakette am Palastgebäude anbringen.

Es kam aber anders, wie wir heute wissen. Was war ausschlaggebend?
Der Kommandant der Base Naval do Alfeite, Capitão de mar-e-guerra Pedro Proença Mendes sagte mir in einem persönlichen Gespräch, dass er wenig von einer Plakette hielte. Stattdessen stünde dem Palast auf dessen Rückseite ein schöner Garten gut zu Gesicht, da der alte Garten leider ungepflegt und teilweise verwildert sei… Einen neugestalteten Garten könne man selbstverständlich mit dem Namen Estefânias, also Stefanies, verbinden.

Warum haben Sie diese Idee dann aufgegriffen?
Ich habe mir den Garten angesehen und war beim Anblick entsetzt. Der Garten war so heruntergekommen, dass in mir der Gedanke aufkam: Die Idee des Kommandanten verstehst du als Auftrag und kümmerst dich darum, dass es einen schönen neuen Garten, einen Garten Stefanie gibt.

Was haben Sie dann unternommen?
Da ich gar nicht übersehen konnte, welche Zeit, wie viel Arbeit und welche Kosten damit verbunden sein würden, das ca. 5.000 Quadratmeter große Areal neu mit Wegen, Pflasterung, Beeten, Baumschnittarbeiten und Neubepflanzung sozusagen auf Vordermann zu bringen, dachte ich erst an Düsseldorfer Stiftungen, industrielle Großfirmen, Banken und Sparkassen sowie an die Schlossgärten Schloss Benrath, die (finanzielle) Hilfen geben könnten. Aber weder diese Vorstellung ließ sich realisieren noch ein finanzielles Crowdfunding des Freundeskreises.

Was haben Sie dann gemacht?
Ich habe zunächst meine Manneskraft eingesetzt und − wie man sagt − die Schippe selbst in die Hand genommen; das, um der Marine gegenüber zu zeigen, dass ich es wirklich ernst meinte mit der Restaurierung des Gartens. Ich habe private Mittel eingebracht in fünfstelliger Eurosumme. Vorher gab es am 16.10.2017 ein Kolloquium der Initiative Lisboa- Düsseldorf in Lissabon, in dessen Anschluss sich alle Kolloquiums-Teilnehmer ein Bild von dem desolaten Zustand des Gartens machen konnten. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel war ebenfalls zugegen, und ich konnte in dessen Anwesenheit einen letter of intention mit der Marine unterzeichnen, damit sich später u. U. die Stadt Düsseldorf nicht nur ideell, sondern auch finanziell am Garten beteiligen könnte. Aber solange es keine offizielle Kooperation wie ein Kulturabkommen oder einen Vertrag über eine Städtepartnerschaft zwischen Lissabon und Düsseldorf gibt, bleibt das »Zukunftsmusik«.

Wie ging es dann weiter?
Im Dezember 2017 gab mir mein Freund Klaus Nagel das Versprechen, die Hälfte der Kosten für die Neugestaltung des Gartens Stefanie zu übernehmen, wenn ich die andere Hälfte aufbringen würde. Mit Bernd Frommeyer fanden wir einen Gartenbautechniker, der mitgeholfen hat, den Garten neu zu gestalten. Nur Reise- und Unterbringungskosten stellte er in Rechnung, sonst arbeitete er ehrenamtlich. Er hat ein neues Bewässerungssystem konzipiert, Bäume gesäubert und neu ausgerichtet. Mit neu angeschafften Maschinen und Gerätschaften wurde viel Erde bewegt, ein portugiesischer Steinpflasterer mit Erfahrung in Calçadas wurde engagiert, eine vom Künstler Alberto Franco Germàn gestaltete Büste der Königin Stefanie wurde aufgestellt, der Rasen wurde eingesät, ein vom Künstler Alexander von Stenglin entworfener Brunnen fing an, Wasser zu speien, so dass der Garten Stefanie am 8. Juni 2018 − zum 100. Jubiläum der Marine − übergeben werden konnte. Eine feierliche Zeremonie zur Eröffnung des Gartens Stefanie mit dem Verteidigungs-Staatssekretär in Vertretung des portugiesischen Verteidigungsministers fand dann am 25. Juni 2018 statt. Freunde und Geschäftsfreunde von mir haben noch mal rund 20.000 EUR gespendet. Auch die Marine selbst hat mit manpower und einem gewissen Betrag ihren Beitrag geleistet.

Wie geht es mit dem Garten Stefanie weiter? Kann man ihn besichtigen?
Ja, das muss aber organisiert werden, z.B. durch eine gemeinsame Reise von DPG-­Mitgliedern nach Lissabon. Da der Garten auf umzäunten Militärgebiet liegt, ist er leider nicht öffentlich zugänglich.

Wer übernimmt die Kosten für die Pflege des Gartens Stefanie?
Die Marine hat eigene Arbeiter, z.B. zum Rasenmähen, aber neue Stauden und Blumen wird sie nicht anschaffen. Es wäre schön und begrüßenswert, wenn sich DPG-Mitglieder mit Spenden für der­artige Dinge einbringen könnten. Ich möchte noch anmerken, dass im hinteren Teil des Gartens ein Teich liegt, der ebenfalls noch ertüchtigt und erneuert werden muss. Deshalb werden noch einmal mindestens rund 20.000 EUR benötigt. Bernd Frommeyer hat sich bereit ­erklärt, die erforderlichen Arbeiten wieder ehrenamtlich zu verrichten, aber er braucht Material, Baustoffe und professionelle Hilfe. All das kostet Geld. Mein Traum ist es, dass im Jahr 2020 der Garten Stefanie mit dem Teich-Areal endgültig fertig würde. Das Jahr 2020 liegt 500 Jahre nach der Entdeckung des Seeweges der Magellanstraße durch den Portugiesen Fernão de Magalhães, der ihn am 21. Oktober 1520 entdeckt hat.

Hoffen wir, dass dieser Traum wahr wird. Herr Quintas, vielen Dank für das Gespräch.

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