Kleine Schritte – große Wirkung?

Foto eines Weges in der Quinta da Regaleira

Weg in der Quinta da Regaleira · © Andreas Lahn

Kleine Schritte, große Wirkung?!

Als Mitglied aktiv sein · von Falk Zirnstein (Leipzig)

Mit dem Anliegen dieses Artikels mit der Tür ins Haus (des DPG-Mitglieds) fallen (im portugiesischen sagt man »ir direitamente ao assunto«) würde − im übertragenen Sinne − ggf. wie folgt ablaufen. Der Besucher kommt und sagt:

»Liebes Mitglied, die DPG ist nun mehr als ein ­halbes Jahrhundert alt, in diesem Alter hat man den Zenit des Lebens überschritten, die Kräfte schwinden, die Haare ergrauen und die wenigen Enkel haben viele (uns fremde) eigene Interessen − willst Du ­zulassen, dass die Gesellschaft altersschwach wird? Das wirst Du doch nach dem mühsamen und erfolgreichen Aufbau und Leben nicht ernsthaft wollen, deshalb lasse Dein Erbe nicht verfallen und mach was, z.B.:

  • Wirb ein neues Mitglied!
  • Besuche jährlich eine regionale Veranstaltung des Vereins!
  • Bringe eine Idee ein, eine solche Veranstaltung zu organisieren und unterstütze die Vorbereitung
    Schau auch immer mal in der Mitgliederversammlung vorbei!
  • Berichte von der (Existenz) der DPG!
  • Schreib einen Artikel für den DPG-Report, er muss nicht lang sein!
  • Sage, was Du neu, anders oder weiter so machen würdest!
  • Schon eine dieser Taten umgesetzt, wäre ein kleiner Schritt mit großer Wirkung, denn mutmaßlich würden sich andere von Dir berührt und aktiviert fühlen, viele kleine Schritte überwinden eine große Weg­strecke.«

So könnte und so müsste es meines Erachtens sein, wenn wir gemeinsam das Werk der vielen Jahre schöner Momente des Lebens in und mit der Gesellschaft für die Zukunft erhalten wollen. Dies bewegt mich und wie ich weiß viele andere in der Gesellschaft. ­Allen ist dabei sicher bewusst, dass es ein Leben ­außerhalb der Gesellschaft gibt und die Umsetzung immer auch eine Herausforderung ist. Gleichwohl erscheint es lohnenswert, an dem Vorhandenen aufzusetzen und es unter den aktuellen Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln. Junge Leute machen es uns vor, alle sozialen Medien haben den persönlichen Dialog und Kontakt von Angesicht zu Angesicht, dass individuelle persönlichen Netzwerk nicht beseitigt, nein ich wage die These, auf andere Art und Weise ist auch deren Leben durch neue Formen des ersten Anknüpfens und Pflegens des Kontakts auf der persönlichen Ebene breiter geworden, allerdings auch die Interessenlage und dass Desinteresse für Althergebrachtes. Häufig sind es aber schlichtweg fehlende Informationen und Erfahrungen, welche Perlen möglicher Aktivitäten ungesehen am Wegesrand liegen. Auf uns aufmerksam zu machen, andere und ins­besondere auch Jüngere für Portugal, das wechselseitige kulturelle Erbe sowie die gemeinsamen ­sozialen Themen beider Länder bzw. des lusophonen Welt insgesamt zu interessieren und zum mitgestalten zu aktivieren, wird eine Herausforderung sein, die sich aus dem demographischen Wandel auch der DPG nicht nur abzeichnet, sondern laut an der Tür klopft; das Problem ist schon durch die Tür hereingefallen.

»Wirb ein Mitglied, Besuche eine Veranstaltung, …« − wie könnte das Aussehen? Diese Frage beantwortet sich nicht allgemein und schon gar nicht leicht. Gleichwohl kennt jeder eine Vielzahl vielfältig interessierter Menschen, manchmal muss man vielleicht auch direkt auf eine Person zu gehen, von der man weiß, dass sie einen Bezug zu diesen Thema hat. Und es wird tatsächlich auch eine Illusion sein, dass es jedem gelingt innerhalb eines Zeitraums von ein oder zwei Jahren ein neues Mitglied zu gewinnen. Die Erfahrung zeigt aber auch, manchmal geht es einfacher als man selbst wahrgenommen hat, der plakative Satz »Kommunikation ist alles!« bewahrheitet sich häufig auch in diesen Kontext. Ich möchte also dazu animieren über das Land, über die Kultur mit anderen in den Dialog zu treten und vielleicht lässt sich der eine oder andere auch dafür gewinnen, sich mit diesem Thema (begleitet durch eine Mitgliedschaft) in bester Gemeinschaft mit den Vereinsmitgliedern zu begeistern und mit zu gestalten.

Eine Veranstaltung zu besuchen ist sicher ein erster und naheliegender Schritt, insbesondere als Gast. Eine solche organisiert sich natürlich nicht von allein. In Leipzig haben wir die Erfahrung gemacht, dass weniger mehr ist, das aber konsequent umgesetzt. Eine Veranstaltung im Jahr in den Fokus nehmen, ­zuletzt die Organisation eines Konzerts mit portu­giesischen Studenten und einer überraschenden ­Besucherzahl von über 200 Besuchern, ein bis zwei­jähr­liche Treffen bei einem Essen zum Austausch untereinander, mehr ist häufig nicht machbar, gegebenenfalls auch vielleicht nicht genügend im Sinne eines Anspruches, aber ausreichend um gesellschaftliches Leben in der DPG zu gestalten, das persönliche Bereicherung ist, ohnehin unschätzbar und sei es schlichtweg der gute Kontakt zu lieben Menschen, denen man sich mit und über den Verein persönlich nah gekommen ist.

MITGLIEDER-Versammlung heißt das jähr­liche Treffen, umrankt von einer Reihe ­spannender erlebnisreicher kultureller und persönlicher Impulse, immer auch an einem lohnenswerten Reiseziel. Nicht jeder kann zu jedem Termin und für manchen ist es insgesamt ein Erschwernis, teilzunehmen. Das wird sich nicht ändern, liegt in der Natur der Sache und es ist eben auch so, dass es andere Möglichkeiten gibt, sich als Mitglied einzubringen; gerade die Vielfalt der Möglichkeiten gibt jedem eine Chance, mitzumachen (und von dem durch andere Getanen zu partizipieren). Gleichwohl: Fahrgemeinschaften, der ­Besuch nach langer Zeit oder welche Rahmenbedingung oder Motiv auch in diesen Kontext steht − wer die Zeit investiert und den Nerv hat teilzunehmen, kehrt bereichert zurück und hat vielleicht auch aktiv mitgestaltet.

Kommt man mit Fremden oder Freunden ins Gespräch, sind Berichte über Reisen und ­Urlaubsziele schnell ein Thema. Portugal ist ­beliebt, bekannt und besucht haben es schon viele. Dieser Anknüpfungspunkt bietet häufig auch die Gelegenheit darüber zu berichten, dass man Mitglied der Gesellschaft ist, die ­Frage des Gegenüber: »Was machst DU, was ­machen DIE da?« ergibt sich dann schon fast zwangsläufig und schon ist man im Gespräch über die eigene Geschichte darüber, wie man zur Gesellschaft gekommen ist, was sie tut und durch welche Impulse der Bezug zu Portugal das eigene Leben bereichert. Schon das Wissen über die Existenz der Gesellschaft bringt häufig neue Anknüpfungspunkte für gemeinsame ­Aktivitäten oder auch eine spätere Mitgliedschaft. Und bleibt es beim schlichten Dialog darüber, welche Erlebnisse man rund um das Thema Portugal hatte, war es vielleicht auch einfach ein schönes Erlebnis darüber zu sprechen und sich auszutauschen. Mit etwas Glück hat man auch noch einen eigenen Impuls ­bekommen, welches Thema man weiterverfolgen sollte.

Ein kurzer Bericht im DPG-Report über ein Erlebnis in Portugal, eine Begegnung hier in Deutschland, eine Aktivität ist schnell geschrieben und feingeistiger literarischer Schliff ist hier nicht der Maßstab. Einfach, authentisch, kurz, informativ − das wird gelesen und das gibt uns allen Impulse. Andreas Lahn, der Chef­redakteur des DPG-Report hat es in der zweiten von ihm verantworten Auflage gut gesagt: Es liest sich doch irgendwo auch schön, seinen eigenen ­Artikel gedruckt zu sehen, verbunden mit seinem ­Namen und löst sicher die eine oder andere Freude und vielleicht auch stolz auf das Geleistete aus. »Trau Dich«, würde man sagen, wenn man in die Tür fällt und die oben genannten Ausführungen ergänzen wollte.

Neue Ideen einbringen, aktuell getanes hinterfragen und bewährtes in seiner Wirkung unterstützen − es gibt viele Möglichkeiten auch einfach ­einmal zu sagen und in den Dialog darüber zu ­treten, wo wir stehen und wo es hingehen kann oder sollte.

Nicht alles wird bequem sein, solange persönliche Befindlichkeiten und Angriffe nicht den Maßstab des Dialogs bilden, darf alles gesagt sein und werden. Kritische und konstruktive Dialoge sind wichtig, ­haben in den letzten Monaten vieles ­bewegt und ­insofern auch gezeigt, dass die Gesellschaft lebt, ­weitere Impulse aber eben auch braucht.

Das Ganze ist gesagt, ohne im Vorstand ein Amt zu bekleiden, fern von der Zentrale aus einer sich dynamisch entwickelnden Leipziger Stadtperspektive ­betrachtet und begleitet von dem Umstand, dass das Arbeitsleben viel Zeit bindet, in der Privates und auch dieses Leben in der Gesellschaft eher zurücksteht. Und doch bereichert mich gerade das Leben in dieser Gesellschaft, die sich einem Land und einem Sprachraum gewidmet hat, dessen Sprache ich nicht beherrsche, eine Region, deren Schönheit ich mir erst den letzten 2 Jahren durch persönliche Besuche erschlossen habe und genau das motiviert das Engagement, mit dem ich mich auch weiter einbringen werde. Ich habe Menschen kennengelernt über ein Thema, ­welches eher fern meiner Interessen lag, wurde ­begeistert und will und werde begeistern.

In einigen Regionen gibt es vielfältige und umfassende Aktivitäten, dies belegt eindrucksvoll, dass die Gesellschaft ein guter Ort ist, sich auszutauschen, zu treffen und den Vereinszweck umzusetzen. Mit ­meinen − sicher streitbaren − Überlegungen möchte ich insbesondere dort Anregung stiften, wo es aus vielerlei und hinsichtlich der Ursache auch nicht zu hinterfragenden Gründen weniger gelungen ist, das Vereinsleben auszugestalten und weiterzuent­wickeln.

Dieser Artikel, ein kleiner Schritt in jene Richtung, die mir wichtig erscheint − das Leben der Gesellschaft fortzuentwickeln − hat Zeit gekostet, die ich gern aufgebracht habe, hat sie mir doch bewusst gemacht, welchen Wert die Gesellschaft für mich hat.

Fallen Sie mit der Tür vielleicht nicht ins Haus, aber öffnen Sie Türen, gehen Sie durch solche und fühlen Sie sich animiert, eine Idee, eine Tat, was auch immer einzubringen oder Impulse zu setzen.

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